Gastbeitrag Radio Utopie zum Krieg verdeckter Paramilitärs in Afghanistan und Pakistan

Vor dem Hintergrund weiterer toter Bundeswehrsoldaten in Afghanistan und dem starren Festhalten der Bundesregierung an einer Verschärfung eines Krieges, den offensichtlich niemand mehr unter Kontrolle zu halten vermag (sofern das jemals geplant war?), übernehmen wir diesen Artikel von petrapez und stellen ihn unseren Leser/innen zur Verfügung.

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Afghanistan und Pakistan: Krieg der verdeckten Paramilitärs

Von petrapez | 15.April 2010

Gerade als von Militär und Regierung vor einer geplanten Nato-Militäroffensive eine massive Aufrüstung der Bundeswehr in Afghanistan verkündet wird, meldet das Militär abermals vier tote deutsche Soldaten.  Gleichzeitig beschwert sich das pakistanische Militär, das die Nato Paramilitärs ungeschoren lässt, die sich nach Attacken in Pakistan in die ostafghanische Provinz Kunar zurückgezogen haben – aus der sich die Besatzungsmacht USA soeben mit viel Tamtam verabschiedet hat.

Die Grenzgebiete der einheimischen Stämme werden systematisch von unbekannten paramilitärischen Truppen von Gewalttaten überzogen, die von der afghanischen Seite aus operieren, ständig im Nichts verschwinden und von Geheimdiensten gesteuert werden. Offiziell bezeichnet das Pentagon diese Einheiten als Taliban.

Das pakistanische Militär wurde in diese Grenzprovinzen geschickt um gegen diese militanten Kämpfer vorzugehen. Schätzungsweise siebenhundert paramilitärische “Taliban-Kämpfer” sollen sich in den letzten Wochen nach der jüngsten militärischen Offensive der pakistanischen Armee über die West-Grenze zu Afghanistan zurückgezogen haben. Einhundertfünfzig Soldaten der pakistanischen Armee wurden bei der Offensive getötet und über sechshundertfünfzig verletzt.

Leitende pakistanische Offiziere dieser Offensive Sherdil oder „Löwenherz“, die von der Regierung befohlen wurde, um wieder die Kontrolle über die „gesetzlosen“ Stammesgebiete zu erlangen, geben der NATO die Schuld dafür, diese militanten Gruppen in der Provinz Kunar im Osten Afghanistans bewusst entkommen zu lassen.

Der Kommandeur der Bajaur Scouts, die unter schweren Verlusten an den Kämpfen gegen die Bewaffneten auf ihre Stützpunkte im Norden Pakistans beteiligt waren, Oberst Nauman Saeed, berichtete über das Verhalten der NATO:

“Wir fühlen uns sehr im Stich gelassen. Wir informierten die NATO, dass die Taliban-Kämpfer das Gebiet betraten, das angeblich unter ihrer Kontrolle sein soll, aber sie haben nicht gehandelt. Es ist sehr frustrierend.”

Saeed teilte mit, dass die pakistanischen Behörden geheimdienstlich informiert waren, dass sich ein großes Kontingent an Kämpfern in ein Lager in Kunar im Osten Afghanistans zurückgezogen haben und dort mit Waffen und Munition versorgt wurden.

“Wir haben glaubwürdige Beweise dazu, aber nichts scheint zu geschehen. Die NATO muss mehr tun, um diese Menschen zu bekämpfen. Diese Region von Pakistan würde der Himmel sein, wenn mehr getan würde, um diese Bewaffneten daran zu hindern, die Grenze zu überqueren.”

Mindestens ein Dutzend Dörfer in den pakistanischen Stammesgebieten wurden bei dem Angriff der pakistanischen Armee komplett dem Erdboden gleichgemacht und ein Grossteil der regionalen Infrastruktur zerstört.

“Die ganze Welt hat uns gesagt, dass wir mehr gegen die Taliban tun sollen. Wir waren sehr unter Druck gesetzt worden. Nun müssen die Stämme, die während der Operation viele Verluste erlitten haben, entschädigt werden, so dass wir die Region wieder aufbauen können.”

sagte Saeed, der mit diesen Worten zum Ausdruck gibt, dass die pakistanische Armee kein Interesse hat, diese Region weiter zu zerstören und das beendet sehen will. (1)

Saeed ist frustriert und sprach diese Worte aus, nachdem er hörte, dass ein Vertreter der NATO in Kabul verkündet hatte, dass sich die US-Truppen aus dem strategisch wichtigen Korengal-Tal im Osten Afghanistans zurückgezogen haben, weil sie zum Reizfaktor der lokalen Bevölkerung geworden wären, berichtete der britische Telegraph. (2)

Der Oberkommandierende über die NATO-Truppen wird am 19.April mit der deutschen Regierung das weitere Vorgehen in Afghanistan verhandeln. (3) Heute kam es nach Angaben des Verteidigungsministeriums zu einem neuen Angriff auf Bundeswehrsoldaten während einer Patrouillenfahrt nahe der Stadt Baghlan, die vermutlich nach ersten Mitteilungen mit einer Rakete beschossen wurden. Vier Soldaten sind dabei ums Leben gekommen und fünf weitere wurden zum Teil schwer verletzt, hieß es. (5) Guttenberg hat vor, den Krieg noch weiter zu verschärfen, indem er schwereres Kriegsgerät forderte.

Während paramilitärische Einheiten unerkannt dafür sorgen, dass Pakistan und Afghanistan weiter destabilisiert werden, heuchelt man offiziell was das Zeug hält.

US-Präsident Obama verteidigte heute bei einem Treffen im Rahmen der Atomsicherheitskonferenz in Washington mit dem pakistanischen Premierminister Gilani die Regierung in Islamabad, dass diese alles in Bezug auf das Atomwaffenarsenal voll im Griff hätte. (4) Pakistan hat bisher den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet.

„Premierminister Gilani kam hierher, unterzeichnete ein Kommuniqué und gab eine Reihe von Verpflichtungen ab, damit wird es wahrscheinlicher, dass wir keine nuklearen Aktivitäten oder illegale Verbreitung aus Pakistan sehen werden. Dies ist eine positive Sache.“

sagte Obama und erklärte weiter

„Ich glaube nicht, dass Pakistan nach anderen Spielregeln spielen wird. Ich denke, wir haben das mit Pakistan geklärt wie wir es mit jedem Land getan haben und wir denken, dass sie dem Atomwaffensperrvertrag beizutreten sollten. Ich habe tatsächlich Fortschritte in den letzten Jahren in Bezug auf die Probleme der nuklearen Sicherheit Pakistans gesehen.“

Obama erklärte, dass er sich mit Vorsicht den beiden südasiatischen Staaten – Indien und Pakistan – die beide Atomwaffen haben, nähern wollte.

„Ich will weniger Spannungen in ganz Südasien, wenn es darum geht Nuklearprogramme zu unterhalten.“

sagte Obama und hätte eine neue Erkenntnis Washingtons reflektiert, dass weder Indien noch Pakistan gezwungen werden können, ihre Atomwaffen aufzugeben, berichtete die pakistanische Zeitung Dawn.

„Haben wir noch viel Arbeit zu leisten? Absolut. Aber ich denke, dass mit Premierminister Gilanis Anwesenheit hier ein wichtiger Schritt bei der Sicherstellung geleistet ist und dass wir nicht überall in Südasien eine nukleare Krise sehen.“

sagte Obama während in Pakistan und Afghanistan eine immer grösser werdende Militärmaschine am Laufen ist, die mit Attentaten und Überfällen verdeckt operierender Milizen nicht zum Stillstand gebracht werden kann, da niemand diese unter Kontrolle hat.

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Quellen:
(1) http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/asia/pakistan/7590182/Pakistani-military-officials-claim-Nato-forces-failed-to-capture-Taliban.html
(2) http://www.radio-utopie.de/2010/04/14/us-armee-gibt-afghanisches-korengal-tal-auf-es-war-ein-tragisches-blutiges-missverstandnis/
(3) http://www.radio-utopie.de/2010/04/15/guttenberg-deutsche-regierung-ist-fur-bevolkerung-gegen-einsatz-in-afghanistan-general-mcchrystal-bei-berliner-regierung/
(4) http://www.dawn.com/wps/wcm/connect/dawn-content-library/dawn/the-newspaper/national/obama-defends-pakistan,-and-does-it-eloquently-540
(5) http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE63E0DW20100415

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