Gastbeitrag Kriegspostille: Du sollst nicht töten

Über das Partnernetzwerk kam der nachfolgend mit der ausdrücklichen Erlaubnis der Autorin veröffentlichte Artikel, den ich nicht nur veröffentliche, weil er meinem (unseren) persönlichen Denken und Fühlen so perfekt entspricht, sondern auch, weil es an der Zeit ist, dass die Allgemeinheit der Menschen wieder in diesen elementaren Dimensionen zu denken beginnt …

Quelle: Kriegspostille Calwer-Wildnis

Die zurechtgeschnitzten, selbstgebastelten Bilder von etwas Göttlichem, die sich der Mensch so zurechtlegt, sind – egal, ob sie geglaubt werden oder nicht – nur dürftige Versuche, etwas zu erklären und irgendwie „sichtbar“ werden zu lassen, das nicht so einfach verstehbar, und schon gar nicht sichtbar ist.

Zu Recht also warnt die Bibel davor, sich Bilder zu machen – vorgefertigte, feste Vorstellungen – egal ob von Menschen, oder von Übersinnlichem, oder von was auch immer – und schon gar nicht von dem, was Gott, oder göttlich genannt wird. Wie bei vielen anderen Dingen auch, hat sich der Mensch nur selten wirklich daran gehalten. Götzendienst war immer schon einfacher, als sich mit der Wirklichkeit und mit etwas auseinanderzusetzen, das keine vorgefassten Meinungen, und keine vorgefertigten Bilder verträgt.

Immer schon war der Mensch erfindungsreich darin, die Unbequemlichkeiten zu umgehen. So auch beim Thema des Tötens. Auch die Bibel hat wohl die Schwächen des Menschen gekannt, und mitgedacht – sonst gäbe es in ihr selber nicht schon so viele Ausnahmen. Oder, das Gebot: „Du solslt nicht töten!“ ist uns deshalb so merkwürdig, weil wir mit dem Überlebenskampf nicht mehr zurechtkommen, dieser uns recht fremd geworden ist.

Deshalb müßte das Gebot heute etwas anders verstanden werden: Dem Leben und der Lebendigkeit dienen mit aller Kraft – das wäre wohl verständlicher, umfassender und radikaler. Genauso müßte es gelten und gehandhabt werden, auch und gerade in der Politik. Erst dann könnten wir beanspruchen, als Vorbilder legitim zu sein.

„Du sollst nicht töten!“ – das müßte für jeden Menschen dieser Welt gelten, ohne Ausnahme. So wäre es endlich das Ende des Beurteilens nach lebenswert oder lebensunwert. Es wäre die Zeit eigentlich längst reif dafür, dass sich die Menschen verbunden fühlen, ohne Ausnahmen. Allerdings fiele damit auch die Entschuldigung weg, dass es gerechtfertigte Kriege geben kann. Aber, es sind nicht nur die Kriege. Wir gehen an den Armen vorbei, und sagen: „Das ist eben Schicksal – wie auch immer!“ – beruhigen unser Gewissen mit Tafeln und Spenden, und das war es. Manche verhungern trotzdem, sterben an sonstigen Mängeln, weil wir das Lebendige nicht fördern, sondern nur an Profit und Vorteil denken.

Töten beginnt immer dann, wenn wir beginnen damit, einen Menschen zu be- und zu verurteilen. Wir machen uns ein Bild, hassen es, und schon ist der Funke dessen enthalten, was den anderen nicht mehr duldet. Sein lassen – andere in ihrem Sein so lassen wie sie sind, das fällt immer noch so schwer. Das Leben feiern und heiligen, so wie es ist – und es fördern mit aller Kraft – da sind wir weit entfernt davon. Und doch, genau das wäre es, was notwendig wäre.

Das, was uns allen als Politik von sogenannten „christlichen Parteien“ verkauft wird, ist genauso weit entfernt davon, wie alles andere bisher auch.

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