Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina

Unsere heutige Sammlung an Leseempfehlungen wird leider zusätzlich von einem schweren menschlichen Schatten verdunkelt (siehe unten) … aber auch sonst ist das, was wir dank der Vorarbeit von Ellen Rohlfs und der gewohnt zuverlässigen Vermittlung des Kollegen vom Womblog anzubieten haben, nicht dazu angetan unsere Sorgen hinsichtlich der unmittelbaren Zukunft des Nahost-Konflikts zu mindern.

Kommentiert werden die einzelnen empfohlenen Artikel diesmal nicht. Ersatzweise wird auf den letzten Artikel hingewiesen, in dem die oben angesprochene Besorgnis bereits eingehend dargestellt und begründet wurde. Darin geht es aber auch um gewisse Schwierigkeiten, die ich leider sehr häufig mit der Argumentationsweise der „Israelkritiker“ habe … – Was jetzt an Meldungen, die alle in den letzten Tagen veröffentlicht wurden, neu hinzukommt, lässt angesichts der Geschichte des Konflikts und der insgesamt gegebenen „politischen“ Konstellation leider kaum eine andere Einschätzung zu, als dass wir in absehbarer Zeit erneut eine gewaltsame Eskalation erleben werden. – Ich würde mir sehr wünschen, dass ich mich in dieser Hinsicht täusche … aber da ich nicht an Wunder glaube (welche die „Zionisten“ sowieso für sich gepachtet zu haben glauben), stehen die Chancen für eine Widerlegung meiner düsteren Ahnung eher schlecht.

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 Vorab die Begleitmail von Frau Rohlfs:

Liebe Freunde, liebe Nahostinteressierte,

heute ist kein Artikel von Uri dabei – heute Morgen (22.05.) ist seine Frau Rachel gestorben. Er bittet aber darum, ihm in keiner Weise Beileidsbekundungen zu senden. Er will alleine damit fertig werden – „wie ein Eremit in der Wüste“ lässt er sagen.

Traurig grüßt Ellen Rohlfs

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Yossi Sarid [Haaretz] … Mach ihm nur keinen Ärger (20.05.11)

Zitat:

Israels Demokratie ist sehr krank. Ohne gesunde politische Parteien ist sie irreparabel – nur eine leere Hülle.

Diese Zeilen werden vor seinen großen Reden geschrieben, doch kann man sich gut ihren Inhalt vorstellen – Enttäuschung. Schließlich ist es die Situation, die diesem Redner die Worte diktiert, und er hat nicht die Absicht, sie zu ändern, genau wie sie ihn nicht verändert hat. Gott, Du hast uns auserwählt eine unbrauchbare Regierung zu haben.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wird auf dem Kapitolhügel stehen und wird lobend über die israelische Demokratie sprechen, als einzige im ganzen Nahen Osten und einzige Verbündete von Amerika. Wenn er von „unseren gemeinsamen Werten“ spricht, werden sie im Kapitol dahin schmelzen. Sie werden einander Komplimente machen. Der schmeichelhafte Vergleich mit Syrien, Libyen und Jemen wird das seine tun: er wird uns schmeicheln und wir werden Applaus ernten […]

Zitat Ende.

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Amira Hass [Haaretz] … Israel macht die Nakba zu einem 63-jährigen Prozess (18.05.11)

Zitat:

Für den israelischen Sprecher ist es normal, zu behaupten, dass die Nakba-Tag-Märsche von Syrien und dem Libanon aus die Folge von Hetze und ausländischer Berechnungen sei. Der Staat, der seine Existenz auf 2000 Jahre Sehnsucht und Verlangen nach diesem Land gründet, zeigt Verachtung für die eindeutige Demonstration, dass man sich nach demselben Land sehnt und in das Land derjenigen gehört, die vor 63 Jahren vertrieben wurden.

Der Gedenktag an den Holocaust und der Gedenktag an die Nakba liegen hinter uns. Nun ist die Zeit gekommen, über beide zu schreiben. „Holocaust“ und „Nakba“ sind falsche Bezeichnungen, weil sie nicht zwischen natürlichen Katastrophen und von Menschen verursachten Katastrophen unterscheiden. Aber die Definitionen sind in die Sprache eingegangen. Auch die negativen Einstellungen wie die Leugnung des historischen Ereignisses und seine politischen Auswirkungen. Z.B. dass jüdische Überlebende in ihren eigenen Geburtsländern zu Flüchtlingen wurden oder dass Palästinenser in der Diaspora und jene, die im Lande blieben, die enge Bindung teilen […]

Zitat Ende.

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Adam Keller [Crazy Country] … Wieder auf dem Platz (17.05.11)

Zitat:

Der 15. Mai war wieder einer dieser Tage, an dem jedes Nachrichtenbulletin den Horror vergrößert. Ein 17-jähriger palästinensischer Junge wurde erschossen und andere verletzt, während eine Demonstration im Silvan-Stadtteil aufgelöst werden sollte, was Netanyahu noch immer als „Vereinigtes Jerusalem, Hauptstadt Israels“ feiert. (Die Polizei untersucht noch immer, ob dieser Tod von einem Polizisten oder einem Siedlerwachmann verursacht wurde)

Und ein israelischer Fußgänger wurde getötet und andere verletzt, als ein LKW im Süden Tel Avivs außer Kontrolle geriet. (Die Polizei untersucht noch immer, ob der Fahrer dies mit Absicht tat) Und dann ein Nachmittag mit Überschwemmungen, Tötungen und Blutvergießen überall: an der syrischen Grenze, an der Libanongrenze, an der Gaza-Grenze, so dass man es kaum mehr zählen kann. Dem Qalandia-Checkpoint wurde kaum Aufmerksamkeit geschenkt, wo keiner getötet wurde, es aber stundenlang Tränengassalven gab mit Verletzten, die ins Krankenhaus gebracht wurden […]

Zitat Ende.

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Adam Keller [Gush Shalom] … Die Wurzel liegt im 1948er Krieg (17.05.11)

Zitat:

Die israelische Menschenrechtsgruppe Gush Shalom veröffentlichte eine Pressemitteilung über „Die Wurzel des Konfliktes ist der Krieg von 1948 – die Lösung des Konfliktes – die 1967 besetzten Gebiete“, in der sie die Rede des Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahus am Montag in der Knesset kritisierte […

[…] Am Montag sagte Netanyahu, dass das palästinensische Flüchtlingsproblem außerhalb der Grenzen Israels gelöst werden sollte. Er fügte hinzu, dass die Palästinenser Israel als einen jüdischen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt anerkennen sollten, damit Frieden stattfinden kann. Netanyahu fügte noch hinzu, dass alle palästinensischen Politiker „eine Katastrophe“ seien und dass Israel mit keiner palästinensischen Regierung verhandeln würde, in der Hamas mit vertreten sei. Was die Siedlungen beträfe, so würden sie alle von Israel annektiert und nicht evakuiert […]

Zitat Ende.

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Gideon Levy [Haaretz] … Die israelischen Juden sollten den Nakba-Tag auch beachten (15.05.11)

Zitat:

Wäre Israel in diesem Fall von seiner Rechtschaffenheit etwas mehr überzeugt und wäre seine Regierung offener, dann würden alle Schulen in Israel – die jüdischen wie die arabischen – heute an den Nakba-Tag denken. Ein paar Tage nach den Feierlichkeiten unseres eigenen Unabhängigkeitstages, an dem wir die Tapferkeit und Errungenschaften loben, auf die wir stolz sind, könnten wir eine Stunde Staatsbürgerkunde anbieten. Es würde eine Lektion über ein anderes Erbe sein, das die Geschichte der anderen Seite einschließt, die geleugnet und unterdrückt wird. Kein einziges Haar würde uns vom Kopfe fallen, würden wir dies heute tun. 63 Jahre später, nun wo das Land aufgebaut ist und blüht, können wir damit beginnen, die ganze Wahrheit zu sagen, nicht nur den heroischen und günstigen Teil der Geschichte.

Zitat Ende.

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Kevin Murphy [IMEMC / Occupied Palastine] … Die israelischen Zerstörungen haben sich mehr als verdoppelt (17.05.11)

Zitat:

Die UN-Agentur für palästinensische Flüchtlinge hat festgestellt, dass allein in diesem Jahr 149 Kinder in der Westbank durch Hauszerstörungen obdachlos gemacht wurden. Die Zahl macht deutlich, dass viel mehr Häuser zerstört wurden als in derselben Zeit im letzten Jahr.

Im Ganzen wurden von Januar bis April 333 Palästinenser als Folge von Zerstörung von 78 Wohneinheiten obdachlos. Die Zahl zeigt, dass mehr als die doppelte Menge an Häusern zerstört wurden. In derselben Zeit im vorigen Jahr wurden 142 Palästinenser zwangsweise obdachlos […]

Zitat Ende.

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Externe Empfehlungen

Evelyn Hecht-Galinski [NRhZ] … Aber „Nakba“-Gedenken verboten (18.05.11)

Zitat:

2011 ist es Israel endlich gelungen, den Palästinensern per Gesetz zu verbieten, der „Nakba“, der Katastrophe für die Palästinenser, zu gedenken. Damit hat Israel nicht nur die freie Meinungsäußerung verboten, sondern das Unrecht der Staatsgründung auf Grund von Vertreibung, Zerstörung und Tötung des palästinensischen Volkes vollendet. Wo bleibt der Aufschrei der Weltöffentlichkeit gegen diese Willkür, durch die an diesem Wochenende – von den üblichen Medien kaum bemerkt – mehr als 20 Palästinenser ihr Leben verloren und Hunderte verletzt wurden? […]

Zitat Ende.

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Jane Hirschmann [Electronic Intifada / Palästina-Portal] … US-Boot wird nach Gaza segeln trotz israelischer Drohungen (18.05.11)

Zitat:

Gaza zerfällt unter dem Gewicht der israelischen Blockade, die von der Obama Administration gedeckt wird. Annähernd 80 Prozent der Palästinenser in Gaza sind jetzt von Hilfsmitteln abhängig. Ein Großteil der Infrastruktur, die während der israelischen Angriffe im Winter 2008/09 zerstört wurde, bedarf der Reparatur. Tausende von Familien leben immer noch zusammen mit ihren Verwandten oder sind obdachlos.

Die Kinder bekommen zu wenig Bildungsmöglichkeiten aufgrund von beschädigten und total überfüllten Schulen und einem Mangel an Schulbüchern. Ihre Gesundheit ist gefährdet durch verunreinigtes Wasser und Nahrungsmangel.

Als Reaktion darauf werden mehr als 1000 Menschenrechtsaktivisten aus der ganzen Welt sich diesen Juni auf einem Dutzend Booten auf den Weg machen zum Gazastreifen, um den Blick der Öffentlichkeit auf diese von Menschen gemachte Tragödie zu lenken.

Unser Boot – das amerikanische Boot – trägt den Namen „The Audacity of Hope“ (Der Mut zur Hoffnung). Es wird circa 60 Studenten, Krankenschwestern, Künstler, Journalisten und Filmemacher, Juristen, Akademiker sowie einfache Zivilpersonen mit vielen Glaubenszugehörigkeiten mit sich führen. Viele von uns sind Juden […]

Zitat Ende.

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Politik-News.netNeue Gaza-Hilfsflotte ist für Israel wieder einen Konflikt wert (21.05.11)

Zitat:

Es gibt keinen Grund für einen Konflikt aber wieder mal fühlt sich Israel in einen erneuten Konflikt gestoßen. Israel schließt erneute Gewaltaktion nicht aus, aus Kreisen der Türkei wäre eine militärische Antwort der Türkei nicht ausgeschlossen. Die Türkei hätte bereits Partner wie Ägypten, Iran, Marokko, Tunesien, Syrien und weitere Ländern auf seiner Seite die ebenfalls gegen Israel vorgehen möchten. Fatah und Hamas haben ebenfalls sehr positiv auf die Türkei reagiert […]

Zitat Ende.

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Transatlantikblog Obama und Netanjahu: Wie beugt man einen Unbeugsamen (22.05.11)

Zitat:

Obama und Israels Netanjahu, die “mißtrauischen Verbündeten“, wie sie Helene Cooper in der New York Times zurecht nennt, sind wieder einmal aufeinander getroffen.

“Aufeinander getroffen” trifft es weitaus besser als “haben sich getroffen”.

Denn bislang sind die beiden ungleichen Partner keine Freunde geworden und es deutet wenig darauf hin dass sie es jemals werden. Im Dezember vergangenen Jahres schrieb ich anläßlich des damals aktuellen “Siedlungsstopps“: […] 

Zitat Ende.

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