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Leseempfehlungen – Spezial – zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina

Aufgrund von einer außergewöhnlichen Gewalteskalation in Palästina, die vor etwa einem Monat mit dem höchst ominösen Mord an einer Familie in der Siedlung Itamar (von privaten Sicherheitskräften bewacht!) ihren Anfang nahm, möchte ich diesem Thema, das zuletzt mit der Ermordung eines italienischen ISM-Aktivisten ihren jüngsten tragischen Höhepunkt gefunden hat, einen Großteil Ihrer Aufmerksamkeit anempfehlen. Selbstverständlich kommt auch der „ganz normale Irrsinn“ zur Sprache, der den Inhalt meiner dem Themenschwerpunkt Israel/Palästina gewidmeten Leseempfehlungen seit vielen Monaten bestimmt.

Wie immer möchte ich bei Ellen Rohlfs und dem Womblog bedanken, diesmal aber zusätzlich auch noch bei diversen anderen Seiten und Autor/innen, deren Beiträge ich als passend empfunden und in meine Empfehlung aufgenommen habe. — I.V. mfG Adalbert N.

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Bildquelle © Erhard Arendt

Allzu viel brauche ich dazu nicht beizutragen … statt dessen möchte ich einleitend eine Mail von Ellen Rohlfs (plus einer persönlichen Note der Autorin) zitieren, die mir zusammen mit der aktuellen Artikelauswahl zugegangen ist:

Liebe Nahostinteressierte,

gestern wurde einer der aktivsten pro-palästinensischen Friedensaktivisten (ISM) Vittorio Arrigoni (Sein Buch: Mensch bleiben) im Gazastreifen ermordet – wir standen alle unter Schock.

Jeff Halper hat einen sehr guten Nachruf geschrieben. Die Übersetzung von Ulrike Vestring soll hier auch noch angehängt werden. Vor 14 Tagen war es Juliano Mer Khamis, der in Jenin ermordet wurde. Man fragt sich Cui bono/Wem nützt es? Wer steckt wirklich dahinter?? Man kann sich gar nicht vorstellen, dass es Palästinenser sind; denn für sie hat er sich 100%ig eingesetzt. Vielleicht pal. Kollaborateure, die ja vom Mossad bei jeder Gelegenheit (in den Gefängnissen, Checkpoints ….) angeworben werden. Die isr. Besatzung hat die Gesellschaft nach 40 Jahren so kaputt gemacht, dass dann mancher aus Verzweiflung Dinge tut, die er sonst nicht tun würde.

Außerdem handelt die isr. Regierung nach dem Motto „teile und herrsche“, so hat sie beim Entstehen der Hamas mitgeholfen, die sie jetzt nicht anerkennt.

Aber das Volk ist geteilt …

Es ist auch gut zu wissen, dass es in Sderot noch „eine andere Stimme“ gibt, die Kontakt mit Menschen im Gazastreifen hat und sie versteht …und die Besatzung und Blockade ablehnt …

Es grüßt Euch/ Sie alle

Ellen Rohlfs 

Dem ist meiner Ansicht nach nicht mehr viel hinzuzufügen und – insbesondere – den aufgeworfenen Zweifeln und Fragen hinsichtlich der wahren Hintergründe und geistigen Urheberschaft dieser beiden brutalen und sinnlosen Morde, denen die eingangs genannte Meucheltat noch zugerechnet werden muss … Taten, die auch und vor allem der Sache der palästinensischen Zivilbevölkerung erheblichen Schaden zugefügt haben …, mussvollumfänglich beigepflichtet werden.

Ebenfalls anbieten und verbreiten möchte ich den sehr persönlichen Nachruf von Vittorios Mutter, Egidia Beretta Arrigoni. (Das italienische Original)

Lesen Sie zum selben Thema aber auch den Artikel von Hartmut Barth-Engelbart, dessen Einschätzung offensichtlich, wie zurzeit bei recht vielen kritischen Menschen, offenkundig vor allem von einer angemessenen und „gesunden“ Skepsis geprägt wird.

Das Palästina-Portal hat eine Dokumentationsseite für Vittorio Arrigoni eingerichtet. Hier finden Sie weitere Bilder und auch mehrere Videos.

Bildquelle © Erhard Arendt

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 Damit zu den Leseempfehlungen,

die ich heute ebenfalls grafisch einleiten möchte:

Bildquelle © Erhard Arendt

 

Uri Avnery [Haaretz] … Israel muss die Hamas-Regierung im Gazastreifen anerkennen – Tödliche Dummheit (14.04.11)

Zitat:

Im Alter kehrt ein Mann zum kindischen Gehabe zurück, sagte Shakespeare. Etwas Ähnliches geschieht im Staat Israel.

Die neue Runde von Feindseligkeiten entlang des Gazastreifens war schrecklich. Eine Rakete wurde auf einen  israelischen Schulbus abgefeuert und verletzte einen Teenagerjungen schwer. Als Rache wurden mindestens 15 Palästinenser getötet, einschließlich Zivilisten, Frauen und Kinder. Hunderttausende Israelis mussten sich in ständiger Angst in einem Bunker in Sicherheit bringen. Und all das wegen einer kindischen Politik

Wer hat angefangen? Für die Israelis ist es klar – es begann mit dem Schuss auf den Bus. Wir mussten uns deshalb rächen. Für die Palästinenser ist es klar: es begann mit dem Töten eines ranghohen Hamasmannes. Wir mussten uns rächen. Und vorher war es … und zuvor war es ….  Da davor war es …

Und wie wird es enden?  Heute scheint es, als ob es nie enden wird. Jede Seite besteht darauf, dass man der anderen Seite nicht den letzten Schuss lässt.

Die erste kindische Entscheidung war unsere: Israel darf unter keinen Umständen die Hamasregierung anerkennen, weil die Hamas eine Terrororganisation ist, die den jüdischen demokratischen Staat nicht anerkennt. Weil die Hamas dies und das ist…

Zitat Ende.

Kommentar: Da ich der Meinung bin, dass der Sachvortrag und die Schlussfolgerungen des Autors weitestgehend in sich schlüssig sind und die Fakten zutreffend zusammenfassen, enthalte ich mich einer Kommentierung.

Sowie …

Der Siedlerstaat (16.04.11)

Zitat:

NEULICH benötigte der allmächtige allgemeine Sicherheitsdienst (Shaback,  früher Shin Bet) einen neuen Boss. Es ist ein äußerst wichtiger Job, weil kein Minister je wagen würde, dem Rat des Shabak-Chefs bei einer Kabinettsitzung zu widersprechen.

Es gab einen eindeutigen Kandidaten, nur unter J. bekannt. Aber im letzten Augenblick wurde die Siedlerlobby mobilisiert. Als Direktor der „Jüdischen Abteilung“ hat J. ein paar jüdische Terroristen ins Gefängnis gebracht. Deshalb wurde seine Kandidatur zurückgenommen, und Yoram Cohen, ein Kippa tragender Liebling der Siedler, wurde stattdessen ernannt.

Das geschah im letzten Monat. Kurz davor benötigte auch der Nationalsicherheitsrat einen neuen Chef. Unter Druck von Seiten der Siedler bekam General Yaacov Amidror,  der ehemalige höchste Kippa tragende Offizier der Armee, den Job – es ist ein Mann mit offen ultra-ultra nationalistischen Ansichten.

Der stellvertretende Stabschef der Armee ist ein Kippa tragender Offizier; auch er unter Siedlern sehr beliebt, ist ein früherer Chef des Kommandos Mitte, der auch für die Westbank zuständig war.

Vor ein paar Wochen schrieb ich, dass nicht die Annexion der Westbank an Israel das Problem sei, sondern die Annexion Israels durch die Westbanksiedler.

Einige Leser reagierten mit einem Lächeln. Es schien wie ein Scherz..

Das war es nicht.

Nun ist es an der Zeit, diesen Prozess ernsthaft zu prüfen: Wird Israel zum Opfer einer feindlichen Übernahme durch die Siedler?

Zitat Ende.

Kommentar: Die Fragestellung an sich ist ebenso korrekt wie die im Titel gemachte Aussage, die man zweifelsfrei als eine perfekte Benennung des Ist-Zustands in den besetzten palästinensischen Gebieten, einschließlich Ost-Jerusalem bezeichnet werden muss. Deshalb erübrigt es sich auch fast vollständig, dies weitergehend zu kommentieren … selbstverständlich abgesehen von der in Frageform gefassten, „hypothetischen“ Feststellung, ob das tatsächlich erst in jüngster Zeit erkennbar geworden ist?

*****

Adam Keller [Crazy Country] … Aqaba: Nur zu existieren ist schon ein Verbrechen (12.04.11)

Zitat:

Letzte Woche war die IDF an der Grenze zum Gazastreifen sehr beschäftigt mit Schießen und Zurückschießen, mit Granaten und Raketen und mit Bombardieren und mit dem Abfangen von Raketen. (Die neue Entwicklung: Der „Eiserne Dom“ wurde vor Ort unter Feldbedingungen getestet – die nach Sderot abgefeuerten Raketen sollen in der Luft abgefangen und zerstört werden. Das ist anscheinend auch teilweise gelungen. Doch trotz all diesem fand das Militär die Zeit und die Ressourcen, um eine zweite Front bei einem kleinen Dorf in der nordöstlichen Westbank zu öffnen, in Aqaba. […]

[…]Ein wenig Geschichte

 Dies ist nicht das 1.Mal, dass das Dorf für eine harte Behandlung vom Staat Israel ausgesucht wurde. Tatsächlich verbargen unsere Behörden nie den Wunsch, dass dieses Dorf nicht hier sein sollte. (Es erscheint auf keiner Karte, die in Israel gedruckt wurde). Man bemühte sich sehr darum, dass es von dort verschwand. Nicht nur dass immer wieder Häuser zerstört wurden. Viele Jahre lang war die Mitte des Ortes Übungsplatz für die IDF, wo Soldaten  zwischen den Häusern übten, scharf zu schießen. Nicht weniger als 9 Dorfbewohner wurden so erschossen und andere von Irrläufern verletzt. Doch die Bewohner weigerten sich, den Wink zu verstehen und wegzugehen. Sie begruben ihre Toten, beweinten sie und setzten ihr Leben an diesem schwierigen und gefährlichen Ort fort. […]

Zitat Ende.

Kommentar: Kurz und knapp … ein sehr guter Artikel, der die sogenannte „Siedlung- und Sicherheitspolitik“ des israelischen Staates schonungslos ins rechte Licht rückt und auch hervorhebt, wie lange diese bereits die Realität des Nahost-„Konfliktes“ kennzeichnet! Und natürlich erst Recht, dass man Israel und seinen Führern beileibe keine Gründe dafür liefern muss, um diese Politik gegen die Palästinenser einzusetzen.

*****

Amira Hass [Haaretz] … Der Oberste  Gerichtshof liegt auf der falschen Seite  der Westbankmauer (11.04.11)

Zitat:

Jeder, der den Obersten Gerichtshof und seine Richter verdächtigt, den Linken anzugehören, sollte den letzten Erlass über die  Zulassungsordnung für die israelische Pufferzone lesen. Um es klar zu sagen, dies ist eine bürokratische Maschinerie, die das Verteidigungsministerium und die Zivile Verwaltung  geschaffen haben, um ein absolutes Minimum zu schaffen: für palästinensischen Zutritt, für die dort verbrachte Zeit, für die Möglichkeit dort zu leben und das Land (der Westbank) zu bearbeiten, das aber westlich der Mauer/des Zauns liegt. Um noch genauer zu sein: es handelt sich um Landannexion durch Israel (184.868 Dunum), um palästinensisches Land, das zwischen  der Mauer/ dem Zaun und der Grünen Linie liegt.

Man lese den Erlass, der vom Obersten Gerichtshof, in seiner Funktion als des Hohen Gerichts der Gerechtigkeit, veröffentlicht wurde (in den Akten vom 5. April dieses Jahres) und wird als Misstrauischer beruhigt sein.

Mit mehr als einer halben Million Siedlern, die in ausgedehnten Siedlungen leben, die immer weiter in die palästinensischen Enklaven erdrückend vordringen, ist der Gerichtshof noch immer davon überzeugt, dass das palästinensische Land nur aus Sicherheitsgründen übernommen wurde. Die Politiker betrachten den Verlauf der Mauer/des Zaunes als die „wirksame Grenze zwischen Israel und der palästinensischen Behörde“. Aber die Präsidentin des Obersten Gerichtshofes Dorit Beinisch schreibt,  wir können hoffen, dass dies eine Notwendigkeit vorübergehender Natur ist, weil außer der Notwendigkeit, den Terrorismus zu bekämpfen, – zu unserm großen Bedauern – die zivile Gesellschaft in Mitleidenschaft gezogen wird. […]

Zitat Ende.

Kommentar: Auch wenn sich ein solcher an sich erübrigt, da der Bericht die Fakten klar genug darstellt, soll doch angemerkt werden, dass sich die „Bürokratie und Gerichtsbarkeit“, welche Israel „und den Siedler“ die Mittel und Möglichkeiten an die Hand gibt, einerseits eine Mehrklassengesellschaft zu Lasten der indigenen palästinensischen Bewohner der besetzten Gebiete zu schaffen und zu festigen, sich andererseits aber empört zeigen zu dürfen, wenn man ihr Gebaren mit Apartheit vergleicht, eine absolut typische Handschrift aufweist. Man kann sie in vielen Regionen und in unterschiedlichen Zeiten finden … deshalb wird unverkennbares Unrecht aber immer noch nicht in Rechtschaffenheit umgemünzt; ganz im Gegenteil!

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