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Die Causa Maschmeyer ./. Panorama … Machtprobe zulasten der Presse- und Meinungsfreiheit?

Auch wenn dieser Fall in der „großen weiten Welt des Finanzraubrittertums“ nicht mehr als ein Spatzenklecks sein mag, so ist er für „uns alle“ doch von eminenter Bedeutung …

Es geht hoch her in der Medienrepublik … weil die ARD eine Sendung gebracht hat, in der sie am neuerdings zugelegten (und vorrangig vom Springer Konzern propagierten) Image des philanthropischen Kinderfreunds und Edelmannes des Ex-AWD-Machers Carsten Maschmeyer zu kratzen wagte. Da ich die betreffende Sendung selbst gesehen habe und zu der Meinung gelangte, dass sie den Sachverhalt, soweit dies der Intention des Berichts entsprach, korrekt dargestellt hatte, kann ich die juristischen Drohgebärden des Herrn beim besten Willen nur als einen Frontalangriff auf die Pressefreiheit insgesamt und den investigativen Journalismus im Besonderen werten.

Da spielt es zunächst einmal eine untergeordnete Rolle, wie viel investigatives Potential man den ÖR Medien zuzugestehen bereit ist. Die Art und Weise wie das Thema aufbereitet und behandelt wurde, nötigt gerade im Nachhinein Respekt ab. Und unsereins sollte sich deshalb auch daran beteiligen, eine weithin „lesbare“ Gegenöffentlichkeit zu schaffen, damit diese Attacke aus dem Lager der sich selbst für unantastbar (auch im Sinne von Verantwortlichkeit und Gesetz) haltenden Elite zurückgeschlagen werden kann. Im Sinne der Wahrheitsfindung und schonungsloser Aufdeckung von zumindest fragwürdigen Machenschaften sollte angebrachte Solidarität nicht an der imaginären Grenze der Bloggerszene enden.

Erinnern wir uns also kurz … am 12. Januar strahlte ARD-exclusiv die Sendung „Der Drückerkönig und die Politik [Die schillernde Karriere des Carsten Maschmeyer]“ aus. Die Chronologie der Vorgeschichte dieses Beitrags, der bekanntlich eine heftige „Verteidigungs-Gegenoffensive“ des Herrn M. auslöste, kann auf der Panorama-Seite der ARD nachgelesen werden. Für solche Leser, die dies nicht wissen, sollte noch angemerkt werden, dass der Bericht keinesfalls „Neues“ aufdeckte, sondern lediglich eine Art aktualisierte Zusammenfassung von bereits bekannten Fakten repräsentierte.

http://www.youtube.com/watch?v=vGv-4Qc4jp4

Nachdem Herr M. auch den während der Aufnahme unternommenen Versuch des Journalisten, ihn vor laufender Kamera konkrete Fragen zu stellen, durch seinen Assistentin hatte zurückweisen lassen, kam es dann am darauffolgenden Tag zum „großen Gegenschlag“ unter freundlicher Mithilfe des Meinungsschlachtschiffs des Springer Verlags – besonders (Sarkasmus ein) originell und witzig (Sarkasmus aus) finde ich, dass das Interview dann als „BILD-Verhör“ verkauft wird. Über die Qualität der Fragen lässt sich gegebenenfalls noch streiten, aber die Antworten des Herrn M. sind nur noch als Zumutung oder halt als abgehobene Frechheit zu bezeichnen. – Einen treffenden Kommentar dazu gab es tags drauf beim BILDblog.

Doch Carsten M. – und man darf sicherlich spekulieren, dass noch andere „Persönlichkeiten“, die in dem angegriffenen Filmbericht bei kritischer Betrachtung auch nicht „unbefleckt“ davon gekommen sind, dieses „Machwerk“ gerne verboten und verbannt wissen würden – genügt die Stützenhilfe des Springer Konzerns offenbar nicht. Er fährt härtere, medienstreit-erprobte Kaliber auf und schreckt gar vor dem Einsatz von Strafrechtexperten, Abmahnaktionen gegen die Redakteure (über ihre Privatadressen) und Wirtschafts-Auskunfteien nicht zurück. Der Verdacht, dass dem Machtnetzwerk des Herrn ein nicht unerheblicher Schlag versetzt worden zu sein scheint, der nach einem umgehend zu statuierenden Exempel verlangt, dürfte berechtigt sein. Insofern denke ich, dass man den Artikel, den Michael Hanfeld heute bei FAZ.net veröffentlicht hat, durchaus unterstreichen und empfehlen kann.

Darüber hinaus sollte man auch nicht übersehen, dass die Causa Maschmeyer untrennbar mit Hannover und Niedersachsen verknüpft ist und das keineswegs nur durch die „karriereförderliche Unterstützung“, die Herr M. dem unvergleichlichen Medienkanzler gewährt hat. In vielerlei Hinsicht kann und muss man in diesem Gebiet eine auffällige Häufung von Machtmenschen einer bestimmten Prägung und zahlreichen politischen Entscheidungen konstatieren, die mehr als nur leichten Anlass dazu bieten, es als Fakt anzusehen, dass Dinge wie (parteiübergreifende) politische Korruption und schwerst fragwürdige Machenschaften pseudo-wissenschaftlicher und/oder –wirtschaftlicher Art in der Tat unübersehbar zu Alltagserscheinungen in unserer ach so demokratischen und untadeligen „Republik“ geworden sind. In dieser Hinsicht steht die „graue Maus Hannover“ ihren schillernderen Pendants wie Stuttgart, München, Hamburg, Berlin und Frankfurt/Main in absolut nichts nach. Vielleicht liegt aber das Geheimnis dieses Erfolges auch gerade in dieser gewollten Unscheinbarkeit?

So weit, so ungut … bislang haben sich der NDR, Christoph Lütgert und das Redaktionsteam von Panorama von dem gegen sie gerichteten juristischen Säbelrasseln nicht einschüchtern lassen. Im Gegenteil – am vergangenen Mittwoch wurde der Beitrag „Carsten Maschmeyer: Die Unschuld vom Maschsee“ ausgestrahlt.

http://www.youtube.com/watch?v=oQgIbbJSiY4

Es steht zu hoffen, dass alle Verantwortlichen beim NDR und der angegriffenen Redaktion ihr bisher bewiesenes Rückgrat auch weiterhin bewahren werden.

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Davon aber mal abgesehen …

Und wie sieht es mit dem Privatleben des „wehrhaften Edelmannes“ aus? Eigentlich sollte man das außen vor lassen, meinen Sie? Nun, ich denke, dem ist nicht so, denn was den Fall M. und AWD, dem er noch bis zum 31. März 2009 persönlich vorstand, ausmacht, ist eben auch eine Verquickung von gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Seilschaften, die durch den medialen Flankenschutz der einschlägigen Mainstream-Medien zu einem Ausmaß anwachsen konnten, das der beanstandete Bericht fraglos nur zu einem minimalen Teil aufzudecken vermag.

Natürlich ist auch das die reine Superlative, wie man es von einem Selfmade-Millionär (vermutetes Privatvermögen gut eine halbe Milliarde Euro, womit der Aspekt Sozialneid durch den Umstand ad absurdum geführt werden dürfte, das sich ein solches Vermögen mit ausschließlich seriösen und legalen Mitteln nachweislich nicht erwerben lässt!) und Erfolgsmenschen schwerlich anders erwarten kann. Nun stehe ich zwar auf dem Standpunkt, dass man jedem Menschen das, was er für Glück hält, auch neidlos zubilligen sollte … aber wenn ich dann so etwas bei Welt-Online (ist schon älter – Februar 2009) lese, dann kommt mir aber wirklich alles hoch. Doch so funktioniert es eben. Eine kitschige Liebesgeschichte, in die man auch als neoliberales Kampfblatt nach Herzenslust „Tiefe und Gehalt“ hineininterpretieren kann, und schon ist das schillernde Bild der heilen Welt hergestellt, hinter dem sich wirklich jeder Unrat und jede Belanglosigkeit vortrefflich verstecken lässt.

Ich denke, ganz im Gegenteil zur ausgedrückten Ansicht des Berichts, dass auch für diese Beziehung gilt, was man von den diversen Freundschaften annehmen muss, die den Herrn M. mit gewesenen oder aktuellen Größen der politischen Klasse unserer Pseudo-Republik verbinden: gleich und gleich gesellt sich gern und ganz besonders, wenn für jeden das Gewünschte dabei herausspringt. Auch wenn man über Schönheit und Ausstrahlung fraglos streiten kann, sofern man sich nicht dem verordneten Schönheitsideal unterordnet, hat Herr M. sich durch die Verbindung mit einer angesagten Film- und Gesellschafts-Diva in der Angeber-Rubrik „Mein Haus – Mein Auto – Meine Yacht … meine Frau“ ganz unzweifelhaft eine gehobene Stellung gesichert.

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So viel zu meiner Meinung. Es ist meiner Ansicht nach jedoch dringend angeraten, den weiteren Verlauf dieser Angelegenheit aufmerksam zu verfolgen, denn wenn Herr M. und seine juristische Kampagne, die ja offenkundig auch alle Arten von Einschüchterungsversuchen bis hin zur Bedrohung mit beruflichem und wirtschaftlichem Existenzverlust zu enthalten scheint, Erfolg haben sollte, dann wäre das ein schwerer Schlag für alle der „Wahrheit“ und einer authentischen Berichterstattung verpflichtete Menschen.

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Lesen Sie auch …

Chriszim.com … Maschmeyer vs. NDR

Bezüglich des BILD-„Verhörs“ hat Kollege Klaus Baum am 21. Januar einige lesenswerte und in sich schlüssige Mutmaßungen angestellt und diesen heute noch einen bedenkenswerten Nachtrag hinzugefügt

Schon einmal empfohlen … Sebastian Müller von le bohémienDer Maschmeyer-Komplex

Beck-Blog „Politische Korruption“ – Wer fördert Carsten Maschmeyer oder macht er sogar selber Politik? … eine interessante Fragestellung, die eine ebenfalls aufschlussreiche und pointierte Diskussion nach sich zieht

Heidrun Jakobs Blog Carsten Maschmeyer oder ein Amigo schlägt um sich – Wie die Blog-Bezeichnung „Hier rede ich Tacheles!“ zu Recht verheißt, werden hier klare Worte zu diesem schäbigen Spiel des Herren „Ehrenmann“ gefunden.

6 Antworten

  1. Werter Moltaweto,

    danke für die Hinweise auf meinen Blog bezüglich Maschmeyer. Das entscheidende Moment meiner Argumentation liegt in der Kritik an der Pseudokausalität der Maschmeyerschen Argumentation, zum Beispiel seine Behauptung, die AWD-Berater seien hochqualifiziert, woraus Maschmeyer folgert, dann können sie auch keinen Kunden über den Tisch gezogen haben.
    Wäre man Ankläger in einem Prozess, könnte man die Pseudologik von Herrn Maschmeyer problemlos zerpflücken. Der flüchtigen BILD-Lektüre wird allerdings das Pseudohafte an Maschmeyers Schlussfolgerung kaum auffallen.

  2. […] This post was mentioned on Twitter by CONTRACOMA, Drum Herum. Drum Herum said: Die Causa Maschmeyer ./. Panorama … Machtprobe zulasten der Presse- und Meinungsfreiheit? http://bit.ly/g8qoEn […]

  3. Dem Artikel ist nicht hinzuzufügen,
    außer,wer betrachtet mal unsere Rechtsanwälte
    die erst solches Theater möglich machen?
    Recht zu bekommen,
    bedeutet nicht automatisch Recht,
    Recht zu haben.
    Recht bekommt nur der, der viel Geld bezahlt!
    Unser Land ist voll von solchen Juristen!

  4. @Klaus Baum

    Gar nicht für, war mir ein ehrliches Bedürfnis. Die Intention der veröffentlichten Meinung war mir wohl bewusst und wurde gerade deshalb als Ergänzung zu meiner Meinungsäußerung ausgewählt – natürlich nicht zuletzt, da ich die vorgebrachte Argumentation vollinhaltlich unterstütze. Meinungsvielfalt ist – allein schon wegen der oftmals arg eingeschränkten Perspektive (bezüglich anderer etwaiger Mangelerscheinungen bei dem/der durchschnittlichen Medien-Konsument/in schweige ich fein still) – ist bei der Behandlung solcher Themen meiner Ansicht nach außerordentlich wichtig.

    Zur Argumentationslogik des Herrn Maschmeyer … sehr richtig, sie ließe sich von einem entschlossenen Ankläger (ggf. auch Verteidiger) zweifelsohne mühelos als das entlarven, was sie nun einmal ist. Zumal es Allgemeinwissen sein sollte, das „hochqualifizierte Leute“ der Art, die ein Finanzraubritter für die erfolgreiche Umsetzung seiner Konzepte benötigt, vor allem Skrupellosigkeit und ein an krimineller Energie nicht eben armes Selbstbereicherungsinteresse mitbringen müssen … wer diese Eigenschaften nicht besitzt, wird es im Imperium von „Erfolgsmenschen“ à la C.M. aufwärts nicht sehr weit bringen.

    Und zu guter Letzt … wie auch die zweite Kommentatorin sehr treffend aufzeigte … das juristische Säbelrassen, welches Herr Maschmeyer veranstaltet, bedarf natürlich Rechtsverdrehern die gegen Zahlung eines angemessenen Honorars notfalls sogar die eigene Reputation in die Waagschale werfen, sonst würde es zu derartigen „Rechtsstreitigkeiten“, bei denen der mit „gesunde Menschenverstand“ gesegnete Mensch nur verständnislos den Kopf schütteln kann, überhaupt nicht kommen. Wobei man abwarten muss, wie weit die engagierten (eingekauften?) Herren Anwälte letztendlich zu gehen bereit sein werden.

  5. @Charlotte Stumm

    Absolut korrekt. Ohne verallgemeinern zu wollen, muss man leider konstatieren, dass die Mehrheit der „erfolgreichen Juristen“ – Erfolg definiert sich nun mal vorrangig über Einkommen und gesellschaftliches Ansehen, wobei das, welches diese Damen und Herren beim oberen Zehntel der Bevölkerung besitzen, zweifelsohne schwerer wiegt als jenes, was der Rest der Bevölkerungen ihnen engegenbringen mag (oder mangels Wissen/Interesse auch nicht!) – in die von Ihnen aufgemachte Kategorie einzuordnen ist. Weitere Schlussfolgerungen, bei denen man dann auch den überproportionalen Anteil, den diese Berufsgruppe in den offiziellen Vertretungen unserer „parlamentarischen Demokratie“ aufweist, mit in die Betrachtung einbeziehen sollte, möchte ich hier und jetzt nicht ziehen … aber ich denke, was die angesprochene Problematik angeht, dürften wir doch eindeutig auf einer Linie liegen.

  6. […] weil es einerseits ja irgendwie auch passt und andererseits der Kooperation dient noch was zur Causa Maschmeyer (bitte auch die Leseempfehlungen am Ende […]

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