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Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina

Diese Serie, die uns aus hinlänglich bekannten Gründen besonders am Herzen liegt, wird selbstverständlich trotz der Rückzugserklärung bezüglich des aktiven Schreibens im Sinne von Aufklärung und Gegenöffentlichkeit auch weiterhin fortgesetzt, solange uns die Übersetzungen von Ellen Rohlfs zugeschickt werden. Wie immer bedanken wir uns gerne und aufrichtig bei der Übersetzerin und dem alten Freund, der sie immer zuverlässig an uns weiterleitet – Lopez vom Womblog.

In der heutigen Ausgabe des Themenschwerpunkts bieten wir Artikel von Uri Avnery, Gideon Levy, Amira Hass, Hugh Naylor und Saed Bannoura an. Alle angebotenen Artikel liefern wichtige Informationen und sind demzufolge ausnahmslos als sehr lesenswert einzustufen.

Als kleines Sahnehäubchen fügen wir am Ende noch einen Link zu einer SWR3-Hörfunkproduktion an. In der Reportage kommen engagierte Deutsche zu Wort, die– im Gegensatz zu den politischen Verantwortlichen „unseres Landes“ – auf respektable und aufrichtige Weise ihrer „deutschen Verantwortlichkeit“ für den Nahostkonflikt nachkommen und sich für einen gerechten Frieden einsetzen.

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Uri Avnery Brot und Spiele (30.10.10)

Zitat:

Ich war überrascht, als ich gegen Ende des Jahres 1975 eine Einladung vom Ministerpräsident Yitzhak Rabin erhielt, ich möge ihn in seiner Residenz aufsuchen. Er öffnete mir selbst die Türe, goss mir ein Glas  Whisky ein, auch sich selbst, und  forderte  mich ohne weiteres auf zu reden: „Sag mir, Uri, hast du dich entschlossen, alle Tauben in der Arbeiterpartei zu zerstören?“

Einige Wochen vorher hatte mein Magazin Haolam Hazeh („Diese Welt“) damit angefangen, Enthüllungen über die korrupten Machenschaften des Kandidaten für das Präsidentenamt der Zentralbank Asher Yadlin zu veröffentlichen. Am Vorabend des Gespräches begannen wir auch, Verdächtigungen zu veröffentlichen, die den Wohnungsminister Avraham Ofer betrafen. Beide waren Führer der Tauben in der Arbeiterpartei.

Ich antwortete Rabin, dass ich leider korrupten Politikern keine Immunität zugestehen könne, auch wenn ihre politischen Ansichten meinen sehr nahe stünden. Dies seien völlig verschiedene Dinge […]

Zitat Ende.

Kommentar: Ein sehr erhellender Artikel über die überbordende Korruption in Israel und deren massiven Auswirkungen auf Staat und Gesellschaft (vor allem selbstverständlich gegenüber der am stärksten darunter leidenden palästinensischen Minderheit in Israel und der Mehrheit in den besetzten Gebieten). Aber, geschätzte Leser/innen, der Beitrag ist gleichzeitig auch eine hervorragende Beschreibung jener Politik, welche die „westlichen Demokratien“ auszeichnet und von deren Gesellschaften größtenteils klag- und tatenlos hingenommen wird (auch hierzulande!). Deshalb ist der Artikel nicht nur im Zusammenhang mit dem hier behandelten Themenschwerpunkt außerordentlich empfehlens- und lesenswert. – Ich denke jedoch, dass Herr Avnery sich in einem Punkt täuscht – da nämlich, wo er meint, dass diese Korruption und die notgedrungen damit einhergehende Politikverdrossenheit dem Faschismus (wir wissen schon – Nazi-Deutschland) Tür und Tor öffnen würde. Damit meint er zwar (und das trifft zweifelsohne zu), dass der fortschreitende Vertrauensverlust gegenüber der politischen Klasse in sämtlichen betroffenen Demokratien wieder den Ruf nach einem „starken Führer“ laut werden lassen könnte, aber Faschismus in seiner hässlichsten und verlogensten Form ist es doch bereits, was diese Korruption an den Spitzen aller westlichen Demokratien, insbesondere in Israel, den USA und der „BRD“ heute längst ausmacht!

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Gideon Levy [Haaretz] … Israel ist erleichtert, nicht der einzige Kriegsverbrecher zu sein (26.10.10)

Zitat:

In Israel hört man im Augenblick Freudenrufe: Die Amerikaner und die Briten haben auch Kriegsverbrechen begangen, nicht nur wir. Wikileaks Enthüllungen haben alle unsere lauten Propagandisten auf den Plan gerufen: Wo ist Goldstone, fragen sie erfreut, und was würde er sagen? Sie sind alle erleichtert. Wenn es den Amerikanern erlaubt ist, dann ist es auch uns erlaubt.

Tatsächlich ist es weder den Amerikanern erlaubt noch uns. Wenn der Verkehrspolizist einen Fahrer wegen zu schnellen Fahrens anhält, wird ihm das Argument nicht helfen, dass es die andern auch tun. Wenn Richard Goldstone Kriegsverbrechen in Gaza aufdeckt, wird uns die Behauptung, dass jeder andere es tut, nicht helfen. Nicht jeder tut es, und wenn sie es tun, dann sollten sie verurteilt und bestraft werden.

Nach der Logik israelischer Propagandisten – einige von ihnen tun so als wären sie Journalisten – sollte Israel stolz auf den Rest der Welt sehen: Sie töteten dort mehr Menschen. Die Situation der Gefängnisse zu verbessern, ist nicht nötig. In China ist die Situation viel schlimmer. Es ist auch nicht nötig, die Gesundheitsdienste zu verbessern – in Amerika haben 50 Millionen Menschen gar keine Versicherung; es ist auch nicht nötig, die Kluft zwischen arm und reich zu reduzieren – in Mexiko ist sie viel größer; wir können weiter morden – ohne Gerichtsverhandlung – die Briten machen es auch; die Menschenrechte sind hier geschützt – die Iraner sind viel schlimmer; Israel hat keine Korruption – sieh, was in Afrika geschieht; die USA haben die Todesstrafe – führen auch wir sie ein; es ist sogar erlaubt, regimekritische Journalisten zu töten – schau nach Russland […]

Zitat Ende.

Kommentar: Abgesehen davon, dass die „israelische Erleichterung“ noch eine weitere Schattenseite der „sensationellen“, aber bei genauerer Betrachtung eben ziemlich einseitigen „Enthüllungen“ à la Julian Assange aufdeckt, entspricht der Tenor eben dieser Erleichterung doch überdeutlich erkennbar jener „Vergleichsmentalität“, mit der man als kritischer Mensch überall in der westlichen Wertegemeinschaft konfrontiert wird. – Der Autor nimmt das auch korrekt und zutreffend aufs Korn, aber man sollte beim eigenen Nachdenken darüber eventuell doch den einen oder anderen Schritt weitergehen. Zum Beispiel in die Richtung, in der sich (vor allem) alle „westlichen Siegermächte“ aus WK II und der Staat Israel zweifelsohne sehr ähnlich sind. Dass dies nicht von ungefähr kommt, sondern unzweifelhaft in „tief im gemeinsamen historischen Hintergrund vergrabenen Wurzeln“ zu erklären ist, ist natürlich nur meine individuelle Interpretation, die ich als freie Meinungsäußerung zur Diskussion stelle.

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Amira Hass [Haaretz] … Was führte die IDF zum Bombardement eines Hauses voller Zivilisten? (24.10.10)

Zitat:

Eine militärpolizeiliche Untersuchung des Luftangriffes, der – nach einem kürzlich veröffentlichten Haaretz-Artikel – während der Operation Cast Lead 21 palästinensische Zivilisten tötete, ergab, dass ranghohe Luftwaffenoffiziere den Angriff gut hießen. Der am Freitag von Amos Harel und Anshel Pfeffer veröffentlichte Bericht behauptete, das ranghohe Offiziere den Bombenangriff autorisierten, obwohl sie von jüngeren Offizieren gewarnt worden waren, dass es dort oder in der Nähe Zivilisten gibt.

Einer der Offiziere, der den Angriff gut geheißen hatte, ist der damalige Givati- Brigadekommandeur Ilan Malka. Bis jetzt ist noch nicht entschieden, ob er als ein in diese Sache verwickelter vor Gericht gestellt wird.

Der Vorfall fand am 5. Januar 2009 im Gazaer Stadtteil  Zeitun statt. Während der Aktivitäten der Givati-Brigade wurde herausgefunden, dass sich in einem Haus, das der Familie Al-Samouni gehört, bewaffnete Palästinenser befinden. Die israelische Luftwaffe traf dieses Haus zweimal mit Raketen und tötete 21 Zivilisten, einschließlich Frauen und Kindern, und verletzte 19 andere.

Während einige Givatisoldaten damit einverstanden waren, vor der Organisation „Das Schweigen brechen“ auszusagen ((einer Organisation alter Kämpfer, die während der 2. Intifada dienten, und die es auf sich genommen haben, der israelischen Öffentlichkeit vom täglichen Leben in den besetzten Gebieten zu berichten)) über ihren Teil in der Operation Cast Lead Zeugnis abzulegen, sind die Soldaten, die ihre Position in der Nähe des auf Malkas Befehl bombardierten Hauses hatten, auffallend abwesend […]

Zitat Ende.

Kommentar: Der Fall der Samouni-Familie ist in den vergangenen anderthalb Jahren sehr umfassend dargelegt und ja auch im Goldstone-Bericht explizit erwähnt worden. In diesem Artikel deckt die Autorin einerseits die „offizielle Erklärung“ für den Angriff auf (angeblich schlechte und „falsch interpretierte“ Drohnenaufnahmen, die den „Verdacht nahelegten“, in dem besagten Haus habe sich eine bewaffnete Terrorgruppe aufgehalten) und stellt dieser andererseits Aussagen von Augenzeugen und auch von israelischen Soldaten gegenüber, welche sich bereit erklärt hatten, Aussagen bei der Gruppe „Breaking the Silence“ zu machen. – Der Artikel ist gut und wichtig – und er sollte möglichst weit verbreitet werden, da nur solche mutige Gegendarstellungen in der Lage sind, das „Unter-den-Teppich-kehren“ zu unterbinden, mit dem die israelische Administration und Militärführung vor allem die Machenschaften der maßgeblich involvierten „hohen Offiziere“ aus der Öffentlichkeit heraushalten möchten.

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Hugh Naylor [The National] … Israels Akademiker unterstützen den arabischen Friedensplan (27.10.10)

Zitat:

Jerusalem: die acht-Jahre alte arabische Friedensinitiative hat eine Menge Unterstützung von unwahrscheinlicher Seite erhalten: von einem israelischen Think-tank.

Ein Bericht vom Interdisziplinären Zentrum Herzlia sagt, Israels internationales Image, seine Sicherheit und Wirtschaft würden sich verbessern, wenn Benyamin Netanyhus Regierung die Initiative akzeptieren würde, einen umfassenden Nahostfriedensplan, der zuerst von der Arabischen Liga in Beirut von König Abdullah von Saudi-Arabien – damals noch Kronprinz – vorgeschlagen wurde […]

Zitat Ende.

Kommentar: Obwohl ich grundsätzlich jeden „in Richtung gerechter Frieden“ führenden Vorschlag ohne Wenn und Aber befürworte, muss man diesen Vorstoß einer Gruppe von israelischen Akademikern meiner Ansicht nach doch skeptisch und mit Vorsicht begegnen. Vor allem, weil sie ebenfalls eine „iranische Bedrohung“ als „die hinlänglich bekannten Verhandlungspartner vereinigenden“ Hintergrund anführt und man darüber hinaus wissen sollte, dass der ehrenwerte König Abdullah von Saudi Arabien kaum als „palästinenserfreundlich“ eingestuft werden kann (was ja leider auch für die aktuell maßgeblichen Funktionäre der Palästinensischen Autonomiebehörde gilt!). Ansonsten wurde in letzter Zeit von verschiedenen Autoren mit direktem Bezug zur Region festgestellt, dass Netanyahu selbst ein unbeirrbar zionistischer Ideologie anhängender Politiker ist und zudem nicht das Rückgrat besitzt, sich zugunsten einer vernünftigen Friedensregelung mit der allmächtigen „Pro-Siedlungs-Bewegung“ anzulegen. Es steht somit zu erwarten, dass diese Initiative wieder nur eine Pseudoregelung nach sich ziehen und diese mit absoluter Gewissheit zum Nachteil der legitimen palästinensischen Interessen geraten wird … oder es bleibt einfach nur in inhaltsleerer und aufgeblasener Heißluftballon.

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Saed Bannoura [IMEMC News] … Das israelische Militär hindert die UN daran, in Gaza neue Schulen zu bauen (24.10.10)

Zitat:

Fast zwei Jahre nach der verheerenden Invasion (Operation Cast Lead 2008/09) in den Gazastreifen mit 1400 Toten und über 30 000 obdachlosen Familien, sind viele bei der Invasion zerstörte Schulen noch nicht wieder aufgebaut worden. Jetzt wollten die UN sich darum bemühen, die Schulen wieder aufzubauen, aber das israelische Militär lässt es nicht zu; es weigert sich, der UN die Genehmigung zum Aufbau zu geben […]

Zitat Ende.

Kommentar: In fünf kurzen Absätzen fasst der Autor eine „Geschichte“ zusammen, welche die ganze Bandbreite der israelischen Propaganda hinsichtlich der Besatzung des Gaza Streifens gnadenlos bloßstellt und zugleich die Hilf- und Rückgratlosigkeit der Vereinten Nationen … ergo: der gesamten Weltgemeinschaft offenlegt (bei einigen „Regierungsvertretern“ dieser Weltgemeinschaft muss man allerdings von vorsätzlicher Komplizenschaft sprechen – und sämtliche Geschäftsführungen der BRD waren und sind daran beteiligt!). Wenn man dann auch noch liest, dass Israel die „als gefährliche Güter“ deklarierten und verbotenen Baumaterialien innerhalb des eigenen Landes mit Profit weiterverkauft, dann kann man buchstäblich gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte … ich bitte diese emotionale und verbale Entgleisung zu verzeihen, aber was zu viel ist, ist nun einmal zu viel!

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Ergänzend zu den heutigen Leseempfehlungen möchten wir Ihnen auch noch eine höchst interessante Hörfunkreportage empfehlen, die von der SWR2-Sendung „Leben“ am 26.10.10 ausgestrahlt wurde. In ihr kam neben Ellen Rohlfs, deren unermüdlichen Arbeit wir diese Reihe zu verdanken haben, auch Erhard Arendt vom Palästina-Portal und der Unternehmer Hans von Wedemeyer zu Wort.

Martina Sabra [SWR2 – Leben] … Warum Palästina? – Deutsche engagieren sich im Nahen Osten

Zitat der Einleitung auf der Seite von SWR2 Leben:

Der Unternehmer Hans von Wedemeyer und der Künstler Erhard Arendt sind zwar im Rentenalter, aber noch lange nicht im „Ruhestand“. Einen Großteil ihrer Zeit und Kraft widmen sie dem Einsatz für die Menschenrechte der Palästinenser. Warum engagieren sich Menschen, die ihr politisches Bewusstsein im Nachkriegsdeutschland der 1950er-Jahre entwickelten, für Palästina? Wie stehen sie zu der Auffassung, dass Deutschland aufgrund seiner historischen Schuld Israel unterstützen müsse? Und sind sie dieses Konfliktes, in dem sich auch nach Jahrzehnten keine gerechte oder friedliche Lösung abzeichnet, nicht langsam müde?

Zitat Ende.

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