Ein Mensch lief Amok – Die unwiderstehliche Sicht auf die Dinge, von einer ganzen anderen Seite aus betrachtet

(HINWEIS: Der nachfolgende Artikel ist frei erfunden. Irgendwelche möglichen Ähnlichkeiten des nachfolgend von mir Aufgeschriebenen zu lebenden oder toten Personen, zu Gegenständen und Vorfällen, sind rein zufällig.)

Sehr viele Menschen empfinden anscheinend kaum noch etwas dabei, wenn anderen irgendein Unglück widerfährt. Von viel zu vielen Katastrophen, Morden und Todschlägen, Missbrauchsfällen, Folterungen usw. werden wir täglich regelrecht überschüttet, als dass sich für einen einzelnen Fall bei den meisten Menschen noch ein besonderes Gefühl der Anteilnahme zu entwickeln vermag, mit dem sie sich dann über längere Zeit intensiv beschäftigen könnten. So findet eine Reizüberflutung, ja man kann fast sagen, der dritten Art statt, die sich bis jetzt schon wie eine eiskalte Schicht des Vergessens und der Ausweglosigkeit über die gesamte Gesellschaft ausgebreitet hat.

Hin und wieder kommt auch ein Unglück, aber ganz bestimmt auch einmal ein Todesfall in der näheren Umgebung einer Person vor. Aufgrund des erlebten Verlustes breitet sich dann in der Regel noch so etwas wie Trauer innerhalb der hinterbliebenen Person aus, die sich jedoch im alltäglichen Leben auch wieder schnell auf die Flucht macht. In der Hektik unseres Alltags, bleibt eben einfach zu wenig Zeit für Gefühle der traurigen Sorte. Mann und Frau will vor allem eines – Spaß haben! Und das solange es irgendwie nur möglich ist. Was gehen den Menschen also besonders jene ihm Arteigenen oder auch die Tiere an, zu denen er keine nähere gefühlsmäßige Verbindungen hegt?

Ein Amoklauf fand irgendwo statt. Der verzweifelte Hilferuf einer überbelasteten Seele versuchte sich durch Gewalt Luft zu machen. Was aber natürlich so niemals gelingen kann. Ein Erschießungskommando hat scheinbar nur auf so einen erneuten Fall gewartet und so war man von staatlicher Seite her bestens gewappnet.
Das hätte wieder einer dieser Fälle sein können, zu dem viele Menschen sagen: „Gut, dass es denen passiert ist und nicht uns.“ Oder andere sagen gerne dazu auch nur: „Pech gehabt!“

Unsere Gesellschaft kommt mir vor wie ein großer Mülleimer, in dem das Leid und die psychischen Probleme von Menschen gesammelt werden. Es handelt sich ganz einfach eben nur um zivilisationsbedingten Abfall, mit dem niemand gerne etwas zu tun haben möchte. Wenn der Mülleimer voll ist, oft steht sogar der Deckel noch weit offen, weil die Tonne einfach zu klein für den ganzen Unrat ist, kommt die Müllabfuhr und der ganze private Dreck wird auf eine riesige Müllhalde verfrachtet und dort bedenkenlos hingekippt und man möchte ihn am liebsten einfach vergessen.
Die private Tonne Zuhause ist nun wieder auffüllbar mit den nächsten alltäglichen Problemen und inneren Konflikten, die eigentlich niemand braucht oder haben will. So wird mit den Gefühlen von uns Menschen verfahren, einfach: Ex und Hopp!

Dazu kommt noch das Problem, dass die menschliche Psyche nicht so leicht recyclebar ist, wie so mancher gegenständliche Müll auf einer Müllhalde. So kommt es hin und wieder einmal vor, dass durch Überbelastung – der Müllmann hat die Tonne einfach übersehen – jemand die Sicherung durchbrennt und er dann Amok läuft. Das scheint einfach zum großen „Spiel“ dazu zu gehören. Es ist nur leider für diejenigen Menschen, die Opfer und Täteropfer unter uns, die davon betroffen sind, das Kettensägenmassaker ihres kurzen Lebens.

Soweit die „normale“ Sicht auf die Angelegenheit und selbst damit lockt man kaum noch Mitgefühle oder was das Fernsehen betrifft, große Einschaltquoten aus dem Volk heraus. Ein Volk, deren Gott, neben Macht, Vergnügen und Geld, vor allem auch Gleichgültigkeit zu heißen scheint. Von richtiger Liebe zu seinem Nächsten findet man in unserer Gesellschaft kaum noch eine Spur.

Jemand beschafft sich eine Waffe, erschießt zuerst ihr eigenes Kind im Bett, geht auf die Straße und feuert dort wahllos auf Passanten. Läuft dann ins nächstgelegene Krankenhaus und mordet dort weiter. Schließlich bleibt noch eine einzige Kugel im Magazin der Amok laufenden Person und für einen Polizisten heißt es dann: „Du oder ich.“ PENG!

Der Attentäter, dieses Mal war es eine eigentlich neues Leben erschaffen sollende Frau, sinkt tödlich getroffen zu Boden. Der Polizist hat seine Pflicht getan. Für weitere Passanten ist es nun zu spät, um noch als Opfer in die Presse zu kommen. Ja, Pech gehabt liebe Leute! Euer warten auf den Tod, hat dieses Mal schon wieder keinen Erfolg gesehen. Aber vielleicht ist es ja das nächste Mal soweit.

Die Waffe der Amokschützin (komisch, die weibliche Form von ‚Amokschütze’ wird von Windows Word als Rechtschreibfehler klassifiziert), segelt durch die Luft und fällt dann mit einem lauten Knall auf den Boden. Die letzte Kugel im Magazin der Waffe, hat ihr nächstes Opfer diesmal nicht mehr erreicht. Für das arme Ding bahnt sich nun ein Tragödie an. Als Beweisstück B, wird die Kugel dann zusammen mit der Waffe, obwohl sich die beiden überhaupt nicht ausstehen können, in ein durchsichtiges Tütchen Plastik verfrachtet. Man kann die Kugel leise wimmern hören, wenn man die Ohren spitzen würde. Aber später vor Gericht, aber nein, dazu kommt es ja diesmal gar nicht, wegen dem Tod der Täterin, muss die Staatsanwaltschaft eben notweniges Beweismaterial zur Verfügung haben. Die Pistole, in der sich die Kugel für den letzten Schuss bereitgehalten hat, ist noch warm vom Abfeuern und die geschlossenen Plastiktasche tut ihr übriges dazu, dass der armen kleinen Kugel kaum noch Luft zum Atmen verbleibt. Die Kugel sieht sich schon dem Erstickungstod ausgesetzt.

Hätte der Polizist doch wenigstens noch einen Augenblick gezögert, dann wäre für die kleine arme Kugel alles gut gewesen. Ihre Bestimmung, ihr Lebensziel hätte sie dann erreichen können. Liebend gerne hätte sie sich in das Fleisch eines wehrlosen, am Tatort herumlaufenden Opfers gebohrt und hätte diesem liebevoll wahnsinnige Schmerzen bereitet oder gar einen schönen, schnellen Tod. So wie es einer anständigen Amokläuferkugel eigentlich auch zusteht. Jene Kugeln die ihr Ziel gefunden haben, die hänseln die letzte übriggebliebene Kugel jetzt auch noch mit den Worten: „Pech gehabt!“

Wie können Menschen nur so herzlos sein und einer kleinen Patrone die einzige Freude im Leben vermasseln, die sie hat? Und dann auch noch so ein Uniform tragender Mensch, den man als ‚Dein Freund und Helfer’ bezeichnet. Niemand, aber auch überhaupt niemand, hat wieder einmal an die Psyche einer armen Kugel gedacht oder daran was sie nun durchmachen muss. Ein Versager, ein Blindgänger ist sie unter den Kugeln dieser Welt. Zum ewigen Vergammeln in einem Keller, in dem Beweismaterial gelagert wird, hat man sie nun verdammt. Von den ganzen erniedrigenden Untersuchungen, die man sicher noch an ihr wegen des Amoklaufes eines Menschen vorzunehmen gedenkt, ganz zu schweigen.

So kann es einer hilflosen Kugel ergehen, wenn sie sich bei einem Amoklauf in der falschen Position im Magazin befindet. „Ganz unten“, denkt die arme Patrone, „da war ich und nun wurde mir plötzlich klar, dass ich auch niemals zu etwas Höherem aufgeschossen werde, geschweige denn einmal ein Opfer aus nächster Nähe sehen oder gar in den Körper eines Menschen eintreten darf.“

Tja, liebe Leser, hätten Sie gedacht, dass sich am Ende eines Amoklaufes die letzte nicht zur Verwendung gebrachte Kugel einer Todesschützin (wird auch wieder als Rechtschreibfehler klassifiziert, weil anscheinend sonst immer nur Männer Mörder bzw. Opfertäter sind?) mit solch argen Gewissensbissen herumplagen muss?
Wenn das nächste Mal wieder irgendwo jemand Amok läuft und wild um sich schießt, dann sollten die übrigen Menschen zuerst an die arme Munition denken und sich ihr gefälligst als Ziel zu erkennen geben. Denn Gegenstände können ebenfalls die Rollen von Tätern, Täteropfern und Opfern einnehmen. Das haben Sie nun hoffentlich gelernt.

Wer diesen Artikel jetzt in Bezug auf die menschlichen Opfer von Amokläufen als geschmacklos bezeichnet, den bitte ich mal zu überlegen, was geschmackloser sein kann, als die Gleichgültigkeit zwischen Menschen und ihren Problemen oder auch die Gleichgültigkeit in Bezug auf das, was Menschen sonstigen Lebewesen anzutun fähig sind.

Aber so wie alles ist, ist ja alles völlig in Ordnung. Selbst der spektakulärste Hilferuf in Form eines Amoklaufes eines Menschen, bleibt anscheinend ungehört.

2 Antworten

  1. Hallo Jochen,

    ist ein komplexes Thema, dem Du Dich – noch dazu aus einer mehr oder weniger ganz und gar ungewohnten Perspektive – angenommen hast, aber ich finde, dass Du das wieder einmal sehr gut gemacht hast. Deine Befürchtung, dass so manche/r Leser/in diesen Ansatz mit Blick auf den realen Hintergrund für geschmacklos halten könnte, ist zweifelsohne berechtigt … sollte allerdings nur bei Zeitgenossen beiderlei Geschlechts aufkommen, die – aus den Gründen, die Du in Deiner Erläuterung bereits genannt hast – lieber fein still schweigend in sich gehen und einen langen Blick in den Spiegel von Pseudomoral und ebensolcher Ethik werfen sollten!

    Über diese klarstellende Zustimmung hinaus habe ich absolut nichts an Deinem Beitrag auszusetzen, momentan aber leider auch nichts weltbewegendes hinzuzufügen. Das kann sich aber noch ändern, sobald ich etwas mehr Zeit dafür erübrigen kann, mich eingehender mit der Thematik und Deiner Interpretation zu befassen … falls mir dabei noch ein passender Kronleuchter erscheinen sollte, werde ich meine davon erleuchteten Gedanken gerne nachreichen!

    Bis dahin … besten Dank und mindestens identische Grüße
    Hans

  2. Lieber Jochen,

    ich könnte jetzt sagen: ich schliesse mich dem Hans an und das wär’s.
    Ein wenig kommt aber noch dazu. Wenn ich schon den Ausdruck „AMOK“ höre oder lese, mach ich mir so meine Gedanken darüber.Und erst recht wenn der Täter/in abgeknallt wird. Da hat ein Bewaffneter wohl abgerutschte Gefühle bekommen. Ist ja schon ne Leistung einen Menschen mit 17 Schuss abzuknallen. Je mehr Treffer, desto grösser wird wohl die Prämie. Ist einer von sehr vielen Einzelfällen. Nur dürfen wir raten was dahinter steckt. Uns wird niemals die Wahrheit erzählt. Da werden natürlich auch Morde als Suicide umfunktioniert. Sagte ich nicht schon mal, das dies die verkommenste Gesellschaft ist, die jemals auf deutschem Boden war? Da gehört eigentlich die Clique der Machthaber als erstes genannt.

    Die tierischsten und herzlichsten Affengrüsse an die gesamte Gemeinde

    Jan

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