Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina

Als Abschluss meines sonntäglichen Schaffens nun noch unsere Jubiläums-Ausgabe des Themenschwerpunkts (Nr. 20 seit Beginn der „offiziellen Zählung“), in der ich Empfehlungen für Artikel von Uri Avnery, Michael Warschawski, Gideon Levy und (nochmals) Max Blumenthal aussprechen möchte.

Als Zugabe aus Anlass der Beendigung des Hungerstreiks von Firas Miraghy habe ich am Ende noch drei speziell darauf bezogene Empfehlungen angehängt.

Und zuletzt, aber nicht weniger wichtig, wie immer wieder gerne, noch mein Dank an die Übersetzerinnen Ellen Rohlfs und Inga Gelsdorf sowie an unseren Freund und Übermittler Lopez vom Womblog!

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Uri Avnery Schadensbegrenzung (04.09.10)

Zitat:

EINE HOLLÄNDISCHE Journalistin bat mich am letzten Mittwoch, die Gedanken  Binyamin Netanjahus auf seinem Weg nach Washington zu erraten.

Anscheinend war sie mit dem Ergebnis zufrieden, weil sie mich dann darum bat, auch die Gedanken von Mahmoud Abbas zu erraten.

Es muss ihr gefallen haben, weil sie mich dann auch noch darum bat, dasselbe mit Barack Obama zu tun.

Hier folgt, was ich zu ihr sagte: […]

Zitat Ende.

Kommentar: Nettes Spiel mit den angenommenen Gedanken der „führenden Verhandlungspartner“, dem aber einige entscheidende Fakten abgehen und das deshalb nicht wirklich wiedergeben kann, was hinter der Farce von Washington steckt. Der wichtigste Faktor überhaupt ist, das Machmud Abbas als Vertreter der Palästinenser daran teilnimmt, obwohl er de facto und de jure kein Mandat dafür erteilt bekommen hat. Das allein muss man bereits als Beleg dafür ansehen, dass diese „direkten Friedensgespräche“ mit der Zielsetzung geführt werden, jene Interessen durchzusetzen, denen alle drei Herren dienen … insofern bleibt es bei dem individuellen Urteil, dass der Artikel ein nettes Gedankenspiel wiedergibt, in dem durchaus auch ein Fünkchen Wahrheit stecken kann, das im Großen und Ganzen aber dasselbe völlig verzerrte Bild abgibt, wie die gesamte „westliche Darstellung“ von Zielen und Absichten.

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Michael Warschawski (Alternatives Informationszentrum, AIC) … Blau und Weiß: wo Uri Avnery nicht recht hat (31.08.10)

Zitat:

Schon einmal hat Uri Avnery seinen Blog dazu benützt, die Boykott-, Divestment- und Sanktionen-Kampagne gegen Israel zu kritisieren. Unter dem Titel „Rot und Grün“ kommentiert Avnery das lange und interessante Programm, das kürzlich im israelischen Fernsehkanal 10  über die zunehmende internationale Isolierung Israels ausgestrahlt wurde…

Avnery der erfahrene Journalist und Aktivist wiederholte sein Hauptargument gegen die „Boykott Israel“-Kampagne und die Notwendigkeit, sich bei Boykott nur auf die Siedler- und Siedlungsprodukte zu konzentrieren. Ich habe mich schon einmal  bei einer ähnlichen Kritik Avnerys geäußert, aber die wohl-verdiente Autorität Uri Avnerys innerhalb der internationalen Solidaritätsbewegung erfordert eine Debatte über das, was ich als seine  (tatsächlich sehr wenigen) irrtümlichen Ansichten betrachte. „Tatsächlich sei gar keine weltweite Organisation nötig, weil überall  spontane pro-palästinensische und anti-israelische Gefühle auftauchen. Nach der „Cast-Lead“-Operation und der Flotilla-Affäre, habe sich der Prozess beschleunigt,“ fasst Avnery zusammen […]

Zitat Ende.

Kommentar: Der Autor bezieht sich auf den vorletzten Artikel Uri Avnerys, der auch bei uns veröffentlicht wurde … und statt nun viele Worte zu machen, kann ich mich darauf beschränken, ihm in seiner Argumentation vollumfänglich beizupflichten. Um dies zu begründen, verweise ich unverfrorener Weise auch auf die hier und in „Adalberts Meckerecke“ veröffentlichten Artikel vom 2., respektive 4. September. Beide, sowohl der „Staat Israel“ als auch seine jüdische Bevölkerung werden nachweislich vom „zionistischen Programm“ und der pseudoreligiös-nationalistischen Einstellung der von „militanten geistigen Anführern“ indoktrinierten Siedler geprägt. Also muss man das Gesamtgebilde adressieren, will man die unhaltbaren und menschenverachtenden Zustände beenden!

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Max Blumenthal [Alternet] … Wie man Nichtjuden tötet und Leute beeinflusst: Israelische Rabbiner verteidigen die schockierende religiöse Verteidigung des Tötens von Nichtjuden nach einem Buch (30.08.10)

Zitat:

Als ich in die jüdisch-religiöse Buchhandlung Pomeranz in Jerusalem-Mitte ging, um mich nach dem Buch Torat Ha’Melech oder „The King’s Torah“ zu erkundigen, begann sofort einige Unruhe. „Sind Sie sicher, dass Sie es wollen?“ fragte mich der Besitzer H. Pomeranz halb im Scherz. Der Shaback (Israels Geheimdienst)  würde dann mit Ihnen ein Wort sprechen wollen. Da die Kunden aufhörten, in den Büchern herum zu schmökern und begannen, in meine Richtung zu starren, zeigte Pomeranz auf einen Photoapparat, der an der Wand befestigt war. „Sehen Sie dort hin!“  sagte er, „das geht direkt zum Shabak“ (Shin Bet) […]

Zitat Ende.

Kommentar: Gestern hatte ich mir erlaubt, eine (ungekürzte) eigene Übersetzung mit Link zur Homepage des Autors anzufertigen und im letzten Artikel anzubieten. Deshalb halte ich eine weitere Kommentierung für unnötig, da alles in den oben verlinkten Artikeln von Adalbert und meiner Wenigkeit analysiert und besprochen wurde. – Was nicht bedeutet, dass man diesen Artikel und seine Übersetzung nicht weiterempfehlen und auch selbst lesen sollte!!!

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Gideon Levy [Haaretz] … Marionettentheater (29.08.10)

Zitat:

In den nächsten Wochen werden wir es wissen:  gibt es in Israel ein echtes Theater oder ist es nur ein Marionettentheater? Sind unsere Theaterkünstler wirkliche Schauspieler, Stückeschreiber und Direktoren oder sind sie Marionetten? Das israelische Theater stellt „moralische Blindheit“ dar – ein Spiel mit unendlich vielen Akten.

Die Entscheidung unseres Theater-Establishments, Dramen im neuen Kulturzentrum in der Siedlung Ariel aufzuführen, stellt die Öffentlichkeit vor einen wirklichen Test, wie sie ihn wahrscheinlich bis jetzt noch nie gesehen hat. Die Herausforderung, der unsere Theaterwelt gegenübersteht hat sehr große Bedeutung. Die Entscheidung der nächsten Wochen wird unsere ganze Theaterwelt umgestalten. Nach Theaterjahren, die umsichtig kommerzielle Dramen neben wenigen mutigen politischen Stücken brachte, die ernste moralische Fragen stellten, stehen unsere Schauspieler nun vor dem Drama ihres Lebens […]

Zitat Ende.

Kommentar: Obgleich der Autor sich aus aktuellem Grund auf „echte Theater“ bezieht, die aus pekuniären (staatliche Subventionen) den Boykott gegen die widerrechtlichen Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten nicht unterstützen wollen, könnte man ihn genauso gut auch auf die Farce ummünzen, die in Sachen „Friedensverhandlungen“ abgezogen wird. Auch da tanzen Schauspieler/innen an den Fäden der globalen Puppenspieler und liefern eine menschenverachtende Show ab, die niederträchtiger nicht mehr sein könnte … aber die Aussage von Gideon Levy, ganz explizit bezogen auf die Künstler Israels, die sich auch mal daran erinnern sollten, dass sie zuallererst Menschen sind, die sich vor ihrer Verantwortung nicht unter Vorschiebung inhaltsleerer Begründungen drücken können, ist auch ganz konkret im vollen Umfang beizupflichten.

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Aus aktuellem Anlass

Fotocollage ©Erhard Arendt

© Bildquelle Ursula Behr

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Aus Anlass der Beendigung des Hungerstreiks von Firas Maraghy und in der Hoffnung, dass die ihm gegenüber gemachten Zusicherungen von israelischer (und deutscher) Seite auch eingehalten werden und seine Familie gemeinsam zu seinem Geburtsort wird zurückkehren können, füge ich die nachfolgenden Empfehlungen mit besonderer Bitte um Beachtung an.

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Desparada News Firas Maraghy – Ein Funken Hoffnung

Ursula Behr Firas ist nun im Krankenhaus, er hat seinen Hungerstreik beendet (Viele Fotos, einige Videos und vor allem ein sehr guter Text!)

Palästina-Portal … Dokumentation des Hungerstreiks von Firas Maraghy

Eine Antwort

  1. […] passend auch noch die Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina (=> Klick) vom 5. September, in denen unter anderem auch der oben bereits erwähnte Artikel von Max […]

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