PM Survival International 24.08.10 – Überwältigender Sieg für Dongria Kondh (Indien)

Die nachfolgende Pressemitteilung veröffentlichen wir natürlich mit besonderer Freude – und halten uns deshalb ausnahmsweise auch mit zu realitätsbezogenen Unkenrufen zurück.

© Toby Nicholas / Survival

Wenigstens für diesen Augenblick, der durchaus einen besonderen Markstein im ansonsten uneinnehmbar erscheinenden Reich der transnationalem Privatgesellschaft repräsentiert, sollten wir uns mit den tapfer und entschlossen für ihre Rechte eintretenden Dongria Kondh und ihren internationalen Freunde / Unterstützer freuen!

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SURVIVAL INTERNATIONAL PRESSEMITTEILUNG

24. August 2010

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Indien: „Überwältigender“ Sieg gegen Bergbaugigant

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Ein indigenes Volk in Indien hat einen überwältigenden Sieg über einen der größten Rohstoffkonzerne der Welt errungen. In einer außergewöhnlichen Entscheidung hat Indiens Umweltminister Jairam Ramesh die kontroversen Pläne des Unternehmens Vedanta Resources gestoppt, auf dem heiligen Berg der indigenen Dongria Kondh Aluminiumerz abzubauen.

Vedanta hat eine „schockierende“ und „eklatante Verachtung für die Rechte indigener Gruppen“ gezeigt, sagte Minister Ramesh. Der Minister zog auch die Rechtmäßigkeit der Raffiniere in Frage, die Vedanta bereits am Fuße des Berges errichtet hat.

Während der letzten Jahre ist das Vorhaben des britischen Unternehmens stark in die Kritik geraten. Die Regierungen Norwegens und Großbritanniens, Vedantas Anteilseigner und Organisationen wie Survival International haben Vedanta und seine Unternehmensethik kritisiert.

Kostenfreies Filmmaterial über die Dongria Kondh ist in Sendequalität verfügbar. Survivals Experten stehen für Interviews zur Verfügung. Kontakt: presse@survivalinternational.de oder  (+49) (0) 30 72 29 31 08

Pressemappe

Die Meldung ist eine vernichtende Niederlage für den indischen Milliardär Anil Agarwal, Vedantas Gründer und Mehrheitseigner. Auch für Unternehmen wie die Deutsche Bank, die trotz Kritik weiter Geschäftsbeziehungen zu dem Konzern pflegen, ist dies ein wichtiges Signal.

Survival ist schon seit mehreren Jahren führend an der internationalen Kampagne gegen die Mine beteiligt. Survivals Unterstützer haben über 10.000 Protestbriefe an die indische Regierung geschrieben, mehr als 600.000 Menschen haben Survivals Film Mine gesehen und bekannte Persönlichkeiten haben sich der Kampagne angeschlossen. Die Notlage des Volkes hat auch die Aufmerksamkeit von „Avatar“ Regisseur James Cameron auf sich gezogen und die Dongria als das „echte Avatar Volk“ weltweit bekannt gemacht.

Die 8.000 Mitglieder der Dongria Kondh mussten sich in dem Streit um die Mine gegen den Einfluss des 8 Milliarden US Dollar schweren Unternehmens Vedanta und seines Gründers Agarwal, selbst 6facher Milliardär, behaupten. Die Dongria Kondh haben mehrfach friedlich gegen das Vorhaben protestiert. In einer Atmosphäre zunehmender Gewalt wurden jedoch zuletzt zwei ihrer Protestanführer entführt und misshandelt.

Erst vor einigen Tagen hatte eine Untersuchungskommission von Minister Ramesh die Empfehlung ausgesprochen den Bau der Mine zu blockieren. Die Kommission war zu dem Schluss gekommen, dass Vedanta illegal und in „in absoluter Verachtung des Rechts“ gehandelt hatte.

Survival Internationals Aktivistin Dr. Jo Woodmann, die selbst die Stimmung der Einschüchterung in den Bergen der Dongria erlebt hat, sagte heute:

„Das ist ein Sieg, den keiner für möglich gehalten hätte. Die Kampagne wurde zum Test dafür, ob ein kleines, ausgegrenztes Volk sich trotz  Vedantas Armee von Lobbyisten und PR Firmen bei der Regierung Gehör verschaffen kann. Es ist unglaublich, aber der Mut und die Hartnäckigkeit der Dongria, gemeinsam mit der Unterstützung vieler Menschen in Indien und  Anhängern von Survival in der ganzen Welt, hat gesiegt.“

Survivals Direktor Stephen Corry sagte heute:

„Die Ära in der Bergbaukonzerne alles und jeden aus dem Weg räumen konnten, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden geht glücklicherweise zu Ende. Es ist dennoch bezeichnend, dass Vedanta bis zum Schluss für seine Pläne gekämpft hat und immer wieder die Aussagen der Dongria geleugnet hat. Die Öffentlichkeit muss gegenüber solchen so-genannten Entwicklungsprojekten weiterhin wachsam sein. Man kann sich nicht  darauf verlassen, dass sich Unternehmen an unverbindliche Menschenrechtsstandards halten, insbesondere wenn indigene Völker betroffen sind, die selten wissen, womit sie es zu tun bekommen.“

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Originalartikel

2 Antworten

  1. Eine wunderbare Nachricht – zeigt sie doch, dass man auch mit gewaltlosem Widerstand etwas erreichen kann!

    Meine Glückwünsche an das Volk der Dongria Kondh für diesen großartigen Erfolg – aber auch zu einem Umweltminister, der die Sorgen seines Volkes höher bewertet, als die Raffgier von Großkonzernen.

    An dem Mut Minister Ramesh´s könnten sich so „manche“ Politiker der westlichen Welt ein Beispiel nehmen und dann vielleicht merken, dass es keine körperlichen Qualen bereitet, auch einmal auf den Willen des Volkes einzugehen.

  2. Hallo Josephine,

    danke für den Kommentar, dem ich mich (trotz aller möglichweise „noch im Deteil lauernder Teufel“ ausnahmsweise uneingeschränkt) anschließen möchte. Zumindest zeigt dieser Fall auf, wie es auch gehen könnte, wenn sich „demokratisch gewählte“ Politiker/innen mehr an die ihnen übertragenen Aufgaben und Pflichten halten würden.

    In „unserem Staat“ – unter den gegebenen Voraussetzungen – ist so etwas vollständig undenkbar … also ist es höchste Zeit, die Voraussetzungen zu ändern, nicht wahr!?

    Herzlichen Gruß in Deine „Einsamkeit“ (Soledad), Hans

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