Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina

Die nächste Folge unserer Themenschwerpunkt-Leseempfehlungen ist vergleichsweise kurz, aber die Artikel haben ausnahmslos Gewicht und meistens auch eine dementsprechende Länge. Jeder einzelne Artikel ist eine besondere Leseempfehlung wert und jede/r die oder der an dieser Thematik aufrichtig interessiert ist, sollte sich die Zeit nehmen, alle vier Artikel komplett zu lesen.

Die Autoren sind diesmal: Evelyn Hecht-Galinski, Stephen Lendman, Gideon Levy und Uri Avnery … und wir hoffen, Sie werden auch den separat veröffentlichten Artikel von Chris Hedges die Ehre geben!

Unser Dank, der zu guter Letzt auch diesmal nicht unterschlagen werden soll, geht – wie immer – an Ellen Rohlfs für die Übersetzung und Genehmigung zur Weiterverbreitung, sowie an Lopez vom Womblog für die Weiterleitung.

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Evelyn Hecht-Galinski [Palästina Portal] … Der Duft des Krieges liegt in der Luft (Propaganda und Lüge im Sommerloch) (08.08.10)

Zitat:

Beginnen wir mit Außenminister Westerwelle, der sich nicht schämte, das gezielte Töten von „Terroristen“ als legal zu verteidigen. Lieberman lässt grüßen! „Baron Münchhausen zu Guttenberg“ schweigt vornehm, und Kanzlerin Merkel wandert unterdessen – weit ab vom Geschehen – in den Süd-Tiroler Alpen bei den Gebirgsjägern. Man erschauert, wenn 65 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki Kriegseinsätze und Angriffskriege „schöngeredet“ werden. Haben wir unseren „Quantensprung“ (O-Ton Scharping als ehemaliger Verteidigungsminister) verinnerlicht, dass die deutsche Regierung gezielt Informationen an unsere Verbündeten weitergeben, die dann gezielte Tötungen vornehmen, ohne eine Festnahme auch nur zu versuchen? Ich kann es nur wiederholen: Von Israel und den USA zu lernen, heißt TÖTEN! Trat Bundespräsident Köhler noch zurück, weil er sich „missverstanden“ fühlte nach seinen Äußerungen zu unseren Auslandseinsätzen, nämlich dass wir Kriege nach Wirtschaftsinteressen führen, und dass es natürlich um die Rohstoffe geht, die wir nicht haben, die wir uns aber „aneignen“ müssen. Und wieder möchte ich einen ehemaligen SPD Verteidigungsminister zitieren – nämlich Struck -, der den Afghanistan Einsatz mit unserer „Freiheit“ schön log, dass damit unsere „Freiheit“ am Hindukusch verteidigt würde […]

Zitat Ende.

Kommentar: Da Adalbert diesen Artikel schon in der letzten Ausgabe seiner Meckerecke verlinkt und kommentiert hat, wobei er weitgehend meine Meinung traf, kann ich mir hier einen Kommentar sparen. Ich möchte stattdessen nur nochmals unterstreichen, dass der Artikel von Evelyn Hecht-Galinski nicht nur überaus lesenswert, sondern für das Verständnis der Problematik auch immens wichtig ist!

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Stephen Lendman [Countercurrents] … Palästinensern wird der Zugang zu Wasser verweigert (08.08.10)

Zitat:

Nach OCHA,(dem UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten) haben die Palästinenser eine ernste Wasserkrise – es wird ihnen der Zugang zu ihren eigenen Wasserreserven verweigert.

EWASH, eine Koalition von fast 30 Wasser- und Kanalisationssektor-Organisationen in den besetzten Gebieten, sagte, dass viele empfindliche Gemeinden in Zone C (60% der von Israel kontrollierten Westbank) am schwersten betroffen sind. Die palästinensische Wasserbehörde (PWA) hat nur begrenzte Kontrolle über ihre eigenen Ressourcen, da Israel sie selbst nützt. Ein internationaler Wasserexperte sagt dazu:

„Es ist leicht, die Wüste zum Blühen zu bringen, wenn man das Wasser anderer benützt und diesen anderen den Zugang zu ihrem eigenen Anteil Wasser verweigert.“

Zitat Ende.

Kommentar: Wenn man diesen Artikel liest, an dessen Wahrheitsgehalt leider nicht gezweifelt werden kann, und dann immer wieder mit der scheinheiligen und verlogenen Propaganda der israelischen Verantwortlichen und deren „Fürsprecher“ konfrontiert wird, fällt es schon ungeheuer schwer, das Aufkommen gewaltiger Gefühlsstürme zu unterbinden! Diesen Artikel sollte man zur Pflichtlektüre für jeden Bundestags-, Landtags-, Kommunal- und auch Europapolitikers machen … und noch mehr für jene unverbesserlichen Israelverteidiger, die sicher auch diesen Artikel wieder als „antisemitisch“ bezeichnen und dabei geflissentlich übersehen werden, dass auch die Palästinenser Semiten sind …

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Gideon Levy [Haaretz] … Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen (08.08.10)

Zitat:

Manchmal kann man wirklich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Der Wald des politischen, institutionellen und Regierungsrassismus in Israel ist dunkel und tief. Ein besonderer Baum dieses Waldes hat die Israelis alle geärgert: die Behandlung von Gastarbeiterkindern durch den Staat. Im Schatten eines andern  nahen Baumes ist die Behandlung der Eltern dieser Kinder; die hat die Israelis weniger aufgeregt. Und da gibt es noch viele andere vergiftete Bäume in dem Wald: Bürgerschaftsgesetze, Loyalitätsgesetze, Konversionsgesetze, das Auslöschen von Beduinendörfern im Negev und sogar die Geschichte von dem Lieferanten, der der Vergewaltigung bezichtigt wurde, nachdem er vorgab, Jude zu sein. Jeder einzelne Fall/Baum brachte Teile der Gesellschaft  in Aktion und das ist gut; aber einige sehen das große, ganze Bild, und das ganze Bild ist um vieles schlimmer als die Summe seiner Komponenten […]

Zitat Ende.

Kommentar: Sicherlich kann man die Ausführungen des Autors auch auf die meisten anderen westlichen Staaten und Gesellschaften übertragen, wie Gideon Levy im Zusammenhang mit Rassismus (Fremdenfeindlichkeit) auch deutlich zur Sprache brachte; dennoch ist die Zustandsbeschreibung der israelischen Gesellschaft eine besondere und hier erstklassig gelöste Herausforderung. Es wäre zu wünschen, dass die Zivilbevölkerung, dort ebenso wie hier in Europa und den USA, lesen und verstehen würde, was der Artikel zu Recht anprangert, um es dann zu ändern … das lasse ich jetzt einmal ohne Auflösung so stehen.

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Uri Avnery Harakiri? (14.08.10)

Zitat:

WENN GOTT will, dann kann sogar ein Besenstiel schießen – so schrieb ich nach der Ernennung der Turkel-Kommission. Ich zitierte ein jüdisches Sprichwort in der Hoffnung, dass trotz allem etwas herauskommen würde.

Die Kommission war in Sünde geboren. Diejenigen, die sie ernannten, waren nicht daran interessiert, die Wahrheit zu entdecken, sondern zu verhindern, dass eine internationale Untersuchungskommission aufgestellt wird oder eine israelisch staatliche Untersuchungskommission. Der „Aufgabenbereich“, der der Kommission zugeteilt wurde, war äußerst eng. Anfangs war die Kommission nicht einmal ermächtigt, Zeugen zu zwingen auszusagen.

Kurz gesagt: eine Kommission ohne Flügel, ein Besenstiel ohne Besen.

Ich hoffte, die Mitglieder der Kommission würden nicht einverstanden sein, nach der Flöte der Regierung zu tanzen. Es ist heute noch zu früh, darüber zu urteilen, ob sie diesen Test bestanden haben. Es kann aber schon gesagt werden: sie haben ihre Ketten zerbrochen […]

Zitat Ende.

Kommentar: Erneut ein sehr in die Tiefe gehender und das Umfeld der Untersuchungskommission insgesamt korrekt einbeziehender Artikel. Die Feststellungen bezüglich der drei Zeugen, die bisher vernommen wurden (Netanyahu, Barak und Ashkenazi) ist ebenfalls zutreffend, was man letztendlich auch von der Einschätzung dessen sagen muss, was schlussendlich zu der „Verantwortung“ angemerkt wurde, die sie übernommen haben, ohne sich ihr ernsthaft zu stellen. – Der Artikel ist aber gerade wegen seiner „Breite und Tiefe“ (auf das behandelte Themenspektrum bezogen) als ausgesprochen wichtig und wertvoll zu bezeichnen.

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