Besondere Leseempfehlungen 14.08.10

Mit den besten Wünschen für ein angenehmes, aber gelegentlich auch zum Nachdenken und Reflektieren zu nutzendes Wochenende …

Heute empfehle ich Artikel von ad sinistram (2), Spiegelfechter, Gerd Flegelskamp, Dr. Ludwig Watzal und Klaus Müller (Aktion Kehrwoche).

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Roberto J. De Lapuente [ad sinistram] … Kocht der Koch, so schmort er (13.08.10)

Zitat:

Macht man sich des Terrors schuldig, wenn man Terroristen verköstigt? Werden Falafel und Kuskus, Kichererbsen und Hartweizengries zu gefährlichen Waffen, weil sie den Magen eines Terroristen, eines Terrorfürsten gar, füllen? Leerer Bauch terrorisiert nicht gerne – und prompt landet der Koch Bin Ladins, verurteilt nach allen Regeln der unabhängigen Jurisprudenz, von einer Militärjury nämlich, für vierzehn Jahre im Gefängnis. Kebab als Tatbestand – diejenigen, die damals Stinger-Raketen und automatische Handfeuerwaffen lieferten, sind nicht nur weiterhin über jeden Verdacht erhaben: sie sind obendrein des Kochs Kerkermeister […]

Zitat Ende.

Und

… damit alles so bleibt … (14.08.10)

Zitat:

Bin punktgenau angekommen. Ende 1922; erste Oktoberwoche, um genau zu sein. Räumlich stimmt es auch: bin ich München. Habe mir bereits zeitgenössische Kleidung besorgt – separater Stehkragen zu kragenlosem Hemd. Nicht bequem, aber unabwendbar, um die Mission erfolgreich umzusetzen. Wenn es nur einen Vatermörder um den Hals kostet, die Menschheit von diesem Herrn Hitler zu befreien, so will ich es ertragen.

Habe am kommenden Montag vor, „bei Hitlers“ vorstellig zu werden – möchte in seine Chauffereska gelangen; möchte für ihn eines Tages vertrauensvoll genug sein, um ihm in trauter Zweisamkeit eine Kugel in den Schädel jagen zu dürfen […]

[…]Ohne Hitler wäre das, was ohnehin damals in der Luft lag, eher toleriert worden – die Machthaber aus meiner Welt, das erkenne ich heute, waren Hitler nie böse, weil er ein Massenmörder war; sie verurteilten ihn, weil er ihnen Herrschaftsmittel entzogen hat, die ohne seine Übertreibung legitim geblieben wären. Als ich nach 1922 reiste, hallten mir noch jene Demokraten in den Ohren, die auf Hitler schissen und munter das predigten, was man auch 1922, 1929 oder 1934 hätte predigen können: man sprach wieder von Ballastexistenzen, zog über angeblich ethnische Spezifika her – ganz ungeniert. Ich glaubte, wenn ich ihn töte, hätte sich eine solche Denkweise nie durchgesetzt – schön naiv war das! Jetzt ist sie etablierter denn je – jetzt kann man sagen, was man in meiner Zeitlinie nicht mal mehr denken sollte. Ganz ohne Gegenwind… […]

Zitat Ende.

Kommentar: Zwei höchst interessante und – wie gewohnt – eloquent vom Gedanken zum geschriebenen Wort transferierte Artikel! Der erste bezieht sich auf die Verurteilung des „Kochs von Osama bin Laden“ zu 14 Jahren Haft und beschreibt die „wahrscheinlichen psychologischen Hintergründe“ von Urteil und Begründung unserer Zeit angemessen und – so finde ich jedenfalls – sehr plausibel. – Schamhafte Schuld sowie Scheinheiligkeit und Doppelmoral scheinen mir zu den allgegenwärtigsten Nuancen unserer Gesellschaft (oben wie unten) zu gehören! – Der zweite Artikel handelt von einer fiktiven Zeitreise mit dem Ziel, „Hitler zu töten, um Europa und der Welt den Frieden zu sichern“ … der Autor versteht es hervorragend, den Leser mit auf seine Reise zu nehmen und den ganzen Lug und Trug rund um den „Teufel“ oder die „Bestie“ Hitler nicht nur aufzudecken, sondern auch das Fortleben seiner Ideen als Produkt seiner Zeit in der heutigen Macht und Gesellschaft nachdrücklich zu belegen. – Beide Artikel sind von besonderer Qualität und Tiefe, weshalb ich ihnen auch ohne Zögern das Prädikat „besonders lesenswert“ zuweise!

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Jens Berger [Der Spiegelfechter] … Armut? Die Freiheit gönne ich mir! (12.08.10)

Zitat:

Schon im nächsten Jahr wird Deutschland ganz anders aussehen. Vorbei die Zeiten, in denen alkoholabhängige Langzeitarbeitslose ihren Kindern das Taschengeld stibitzten, um sich mit Wodka von Feinkost Albrecht einzudecken. Im schönen neuen Deutschland des Jahres 2011 wird die kleine Mandy aus der Eisenhüttenstädter Platte entspannt ihren Bratschen-Unterricht genießen, während der kleine Kevin aus Hamburg-Mümmelmannsberg sich endlich seinen Traum vom Reitunterricht auf einem edlen Lipizzaner-Hengst erfüllen kann. Ursula von der Leyen hat sich durchgesetzt, Deutschland hat endlich die Hartz-IV-Karte eingeführt und so anachronistische Dinge wie Kinderarmut gehören endgültig der Vergangenheit an […]

Zitat Ende.

Kommentar: Ebenso korrekt und angemessen, wie man den sarkastischen Einstieg des Autors in die Analyse von der Leyens „Geniestreichs“ nennen kann, ist auch das sachliche Auseinandernehmen desselben, welches dann den restlichen Artikel lesenswert und die diversen Schattenseiten des Vorhabens schonungslos aufdeckend ausfüllt. Hinzuzufügen ist den Ausführungen aus meiner Sicht nichts, da alle Knackpunkte und Unverschämtheiten korrekt erfasst und kommentiert werden.

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Gert FlegelskampRente mit 65? 67? 70? (13.08.10)

Offener Brief an Ursula von der Leyen … Oberbegriff: Rosstäuscherei

Zitat:

Sehr geehrte Frau von der Leyen,

vor 100 Jahren gab es noch den Rossmarkt, also einen Markt, auf dem Pferde gehandelt wurden. Unter den Händlern gab es einige, die mit betrügerischen Machenschaften Alter und Gesundheitszustand der Pferde zu übertünchen versuchten und dabei eine Menge Tricks anwendeten, sogar bis hin zu Tricks, die heute auch von Frauen angewendet werden, um ihr tatsächliches Alter zu kaschieren. Diese Händler wurden als „Rosstäuscher“ bezeichnet.

Pferdehandel in der vor 100 Jahren üblichen Form findet hier und heute nicht mehr statt, ausgenommen in kleinen Chargen in bestimmten ländlichen Gebieten. Rosstäuscherei im übertragenen Sinne hat hingegen zugenommen und eine Spitzenposition nehmen aus meiner Sicht dabei Regierung und Parteien ein […]

Zitat Ende.

Kommentar: Sprachlos begeistert … bitte selber lesen und diese Aussage nachvollziehen!

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Dr. Ludwig Watzal [Between the lines] … Israels Zukunft: „Entzionisierung“ und die „Beseitigung von Apartheid“? (10.08.10)

Interview mit Israel Shahak (28.04.1933 – 02.07.2001) aus dem Jahr 1997 plus erläuternde Einführung

Zitat:

Israel Shahak starb am 2. Juli 2001 im Alter von 68 Jahren. Geboren wurde er am 28. April 1933 in Warschau. Er war Überlebender des Warschauer Ghettos und des Konzentrationslagers Bergen Belsen. 1945 emigrierte er in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina (heute Israel). Er war Humanist und kämpfte sein Leben lang für die Menschenrechte. Über viele Jahre hinweg war er Vorsitzender der israelischen Liga für Menschenrechte. Er war ein beständiger Kritiker des Zionismus, der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern, der reaktionären Elemente des Judentums und des jüdischen Fundamentalismus […]

Zitat Ende.

Kommentar: Für meine Begriffe ein beeindruckendes Zeitdokument, das den klaren Blick für die Realität und ein tiefes Verständnis bezüglich der umfassenden Nahost-Problematik eines außergewöhnlichen Menschen manifestiert … auch und gerade heute noch ausgesprochen lesenwert!

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Zum Schluss noch etwas in mehr oder weniger eigener Sache (im Sinne von: es geht uns alle an!)

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Klaus Müller [Aktion Kehrwoche] … DRINGENDER Hinweis an alle Personalausweisinhaber der BRD (14.08.10)

An Stelle eines Zitats:

(c) Aktion Kehrwoche

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Kommentar: Diese Meldung und Leseempfehlung leite ich in Verbindung mit diesen beiden Artikeln weiter und bitte darum, sich wirklich eingehend damit zu befassen … siehe oben!

Eine Antwort

  1. […] Haus kaufen?“ lesen). Ergänzende Informationen und Statements dazu können … hier, hier und hier … auch auf Moltawetos „AmSeL-Gedanken Plus“ nachgelesen […]

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