Jochen Mitanna interviewt die Exorbitante Neuverschuldung

Seitdem es immer schwieriger wird, von Politikern und anderen prominenten Versagern die Wahrheit zu erfahren, habe ich mir gedacht, die Kernsachen direkt anzusprechen. In einem anderen Blog wurde ich heute fündig. Dorthin hatte sich die Exorbitante Neuverschuldung verkrochen, um sich ihrer Verantwortung zu entziehen. Ich habe sie dann sogleich zur Rede gestellt und sie war auch wunderlicher Weise um keine Antwort verlegen.
Der Einfachheit halber sind unsere Namen im folgenden Interview nur als Initialen angegeben.

J.M.: Liebe Exorbitante Neuverschuldung, wissen Sie eigentlich was Sie angerichtet haben?

E.N.: Ich weiß überhaupt nicht wovon Sie sprechen.

J.M.: Na, alleine schon als der Bundesfinanzminister Ihren Auftritt verkündet hat, da gingen bei sehr vielen Deutschen schon vorsorglich die Lichter aus.

E.N.: Für die technischen Probleme bin ich nicht zuständig. Dafür gibt es Finanzbeamte, Gerichtsvollzieher und andere Laiendarsteller.

J.M.: Reden Sie mal nicht drum herum, Ihr Auftreten hat bei vielen einen regelrechten Schockzustand verursacht.

E.N.: Solange man lebt, kann man auch etwas geben von seinem Geld und wenn nichts mehr da ist, macht man eben Schulden. Das ist doch eine einfache Rechnung.

J.M.: Etwas ist gut, Sie wollen ja gleich alles.

E.M.: Wenn ich nicht aufs Ganze gehen würde, wie sollte ich denn sonst zu meinem Namen gekommen sein guter Mann?

J.M.: Sie sind auch um keine Antwort verlegen, was?

E.N.: Doch! Was ich aber gar nicht ab kann ist, wenn die Leute finanziell flüssig wären. Das würde die Wirtschaft dann ohne mich wachsen lassen und ich könnte mich dann im Endeffekt in Nichts auflösen. Eine schreckliche Vorstellung.

J.M.: Das einzige was schrecklich ist, ist die Vorstellung die sie abziehen.

E.N.: Bevor ich jemals abziehe, säuft der Staat vor mir ab. So viel ist mal sicher.

J.M:: Sagen Sie mal, haben Sie eigentlich überhaupt kein Mitgefühl mit den ärmeren Schichten der Bevölkerung, die sich wegen Ihnen krumm und buckelig arbeiten müssen?

E.N.: Hätten diese mehr gespart, als das Geld im Überfluss verfügbar gewesen ist, dann hätten Sie auch jetzt keine Not mit ihren kleinen Krediten. Kleinvieh macht eben auch Mist und die Großen machen es dann natürlich exorbitant nach.

J.M. Na, das ist vielleicht eine Logik. Wäre es nicht anders herum viel besser? Dass nämlich die Großen mit gutem Beispiel voran gehen und nicht anderer Leute Geld an den Börsen verspekuliert hätten?

E.N.: Was die Banker machen liegt nicht in meiner Verantwortung. Ich muss auch mit dem fertig werden, was die übrig gelassen haben.

J.M.: Ja, wenn die etwas übrig gelassen hätten, dann bräuchten wir Sie jetzt nicht.

E.N.: Von brauchen was mich angeht, kann gar keine Rede sein.

J.M.: Jetzt haben Sie sich aber ein dickes fettes Eigentor geschossen.

E.N.: Das ist kein Eigentor, das ist die reine Wahrheit. So war ich Exorbitante Neuverschuldung heiße, ich konnte noch nie gut lügen.

J.M.: Dann frage ich mich aber ernsthaft, warum Sie so gut mit den Politikern zurecht kommen.

E.N.: Ganz einfach, weil die auch nichts als die reine Wahrheit von sich geben.

J.M.: Seit wann geben Politiker denn etwas von sich? Die sacken doch nur ein, was und wo sie können. Wenn ich da nur an deren saftige Diäten denke, wird mir übel.

E.N.: Und wie ist Ihr wertes Befinden, wenn Sie an mich denken?

J.M.: Sie wollen mich aufs Glatteis führen, ich merke das schon.

E.N.: Das mit dem Glatteis ist ein gutes Beispiel. Die Wirtschaft streut das Geld wie Salz unter die Leute und was machen die damit, anstatt es wieder zurück zu streuen, so wie es richtig wäre? Sie horten es in Sparstrümpfen Zuhause und auf ihren Bankkonten. So geht das aber nicht, das Geld muss rollen.

J.M.: Irgendwie scheinen Sie da etwas falsch verstanden zu haben. Erst sagen Sie man müsse in Überflusszeiten sparen, damit man in der Not etwas hat und jetzt sagen Sie, dass die Leute ihr Geld mit vollen Händen ausgeben sollen, wenn sie es gerade erst in den Fingern haben.

E.N: Herr Mitanna, ich möchte Ihnen den Rat geben, versuchen Sie nie etwas Logisches an der Exorbitanten Neuverschuldung zu finden.

J.M.: Sie können einen wirklich verrückt machen.

E.N: Dieses Kompliment hat mir noch niemand gemacht. Bisher sagten alle immer nur, ich mache sie arm.

J.M.: Das stimmt ja auch! Haben Sie sich schon einmal überlegt, wie es einer Hartz-IV Familie geht, wenn die Regierung keinen anderen Ausweg mehr weiß, als Sie zu bemühen?

E.N.: Was geht mich denn eine popelige Hartz-IV Familie an. Mit solchen Lappalien gebe ich mich doch gar nicht erst ab. 1 Euro Jobs, Bürgerarbeit, tss, einfach lächerlich. Ich arbeite nur für Milliarden und hoffentlich auch bald für Billionen.

J.M.: Finden Sie nicht, dass Sie erheblich übertreiben und ein asoziales Subjekt sind?

E.N.: Sie haben völlig Recht Herr Mitanna, ich gehe noch viel zu sanft mit den Leuten um. Deshalb mein Vorschlag, zu der Exorbitanten Neuverschuldung gehört noch meine Zwillingsschwester dazugerufen, die Exorbitante Altverschuldung. Die Nachlassenschaften des Deutschen Reiches dürfen nie völlig bezahlt werden. Wir können froh sein, dass es die BRD überhaupt gibt, bei dem was sich die Deutschen früher im Krieg schon alles geleistet haben.

J.M.: Das taten sie unter Zwang, von wollen kann gar keine Rede sein.

E.N.: Ja, ja, so kenne ich das. Man versucht sich mal wieder heraus zu reden, nur damit ich zum bösen Buben erklärt werden kann.

J.M.: Ich dachte Sie wären eine Frau, weil Sie ja die Tante schon im Namen haben.

E.N.: Ich konnte noch nie jemand etwas vormachen. Sie merken aber auch alles.

J.M.: Jetzt versuchen Sie anscheinend mich einzulullen. Das wird Ihnen aber nicht gelingen. Eigentlich wollte ich heute Abend meiner Familie die frohe Botschaft verkünden, dass ich Ihnen Ihren Blödsinn ausgeredet habe.

E.N.: Dass ich immer noch zu wenig Druck aufs Volks ausübe und es mich deshalb nicht ernst nimmt?

J.M.: Nein! Dass Sie die beschissene Situation nicht noch beschissener machen sollen, als sie ohnehin schon ist.

E.N.: Sie sollten sich nicht so aufregen Herr Mitanna, das tut Ihrem Herzen nicht gut.

J.M.: Gerade Sie reden von Herz? Meiner Meinung nach haben Sie ein Herz aus Stein, falls überhaupt eins vorhanden ist.

E.N.: Wenn andere zu wenig Verstand haben, um mit dem Geld des Volkes hauszuhalten, können Sie mir deshalb doch keinen Vorwurf machen. Im Grunde bin ich auch nur ein Opfer.

J.M.: Irgendwie schaffen es die Bösen am Schluss immer sich heraus zu reden.

E.N.: Apropos Schluss, ich finde das Interview führt zu nichts. Denn bezahlen muss das Volk am Ende doch. So oder so.

J.M.: Sie meinen, Sie wären von vornherein schon im Spiel eingeplant gewesen?

E.N.: Sie sind schlauer als ich gedacht habe. Das hebt Sie ein wenig ab von dem übrigen Volk.

J.M.: Auf Ihre Tricks falle ich nicht mehr herein. Erst sprechen Sie so süß und später kommt dann der dicke Hammer.

E.N.: Ich sagte Ihnen doch schon zu Anfang, dass ich von Technik nichts verstehe. Meine Fähigkeiten drehen sich nun mal nur um Finanzen.

J.M.: Solche wie Sie kenne ich aus der Wirtschaft und der Finanzwelt zur genüge. Während andere für das aufkommen müssen, was Sie als Rechnung präsentiert haben, drehen Sie nur noch Däumchen oder gehen Golf spielen.

E.N.: Irrtum Herr Mitanna, mein Lieblingsspiel ist das Roulette. Ich werfe dabei die Kugel und die Leute machen die Einsätze und sie freuen sich auch noch darüber, wenn sie weniger verlieren als sie angenommen haben.

J.M.: Sie meinen die Exorbitante Neuverschuldung ist nichts weiter als ein Glücksspiel?

E.N.: Wenn ich ehrlich sein soll, dann muss ich sagen, ja.

J.M.: Ich wünschte, unser Finanzminister wäre so ehrlich wie Sie zu der Bevölkerung.

E.N.: Die Bevölkerung wird mich schon noch kennen lernen.

J.M.: Ja, da bin ich mir sicher.

E.N.: Wollen Sie mich jetzt nicht doch zum Essen einladen?

J.M.: Ich denke, das kann ich mir nicht leisten. Denn dann müsste ich mich dafür exorbitant verschulden.

E.N.: Seltsam, ich weiß gar nicht warum, aber niemand scheint mich zu mögen.

J.M. Woher das wohl kommt? Aber trotzdem danke für das Interview.

E.N.: Es war mir ein Vergnügen.

6 Antworten

  1. Hallo Jochen,

    ein erstklassiges Stück Journalistenarbeit … was aber auch ein wenig an der entwaffnenden (exorbitant „gewissenlosen“) Offenheit der Interviewten liegen mag. In jedem Fall ein Stück Aufklärung, das sich gewaschen hat – ganz im Gegensatz zu den schmutzigen Gestalten, die uns diese „E.N.“ eingebrockt haben.

    Freut mich übrigens gewaltig, dass Dein Humor (jener, der trotzdem lacht) und Du Euch wiedergefunden habt. Ihr seid hier und sicher auch anderswo schon schmerzlich vermisst worden.

    Entschuldige, wenn ich mich ein wenig kurz fassen muss, aber ich möchte heute noch die dritte Version meiner „sechsten Meckerecke“ bei unserer gemeinsamen Freundin Josephine platzieren und danach harren noch einige andere unaufschiebbare Pflichten meiner.

    Man sieht und liest sich aber sicherlich bald wieder. Bis dahin wünsche ich Deiner Familie und Dir nicht nur trotz. sondern auch gerade wegen der besch…eidenen Lage ein wunderschönes und erholsames Wochenende.

    Liebe Grüße – und nochmals „Hut ab“ für das Interview –
    Adalbert

  2. […] This post was mentioned on Twitter by Michael and Net-News-Express, CONTRACOMA. CONTRACOMA said: NetNewsExpress: Jochen Mitanna interviewt die Exorbitante Neuverschuldung: Seitdem es immer schwieriger wird, von … http://bit.ly/cRhY3o […]

  3. Hallo Jochen & Adalbert!

    Kann und möchte mich Adalberts zutreffender Feststellung nur anschließen. Exorbitant gelungen … und es freut mich ganz besonders, dass der Beitrag plattformübergreifend auf großes Interesse getroffen ist. Das haben er und sein Autor zweifelsohne und uneingeschränkt verdient!

    Bin heute etwas kürzer angebunden als sonst, weil mir eine sehr schöne Überraschung zuteil geworden ist – aber leider auch mit der Arbeit kollidiert, die ich mir aufgrund der ursprünglichen Planung extra auf den heutigen Tag gelegt hatte … nun muss ich mich sputen, das eine noch hinzubekommen, ohne das andere vernachlässigen zu müssen😉

    Herzliche Grüße an alle, vor allem Euch beide
    von Hans (wieder mit Elke🙂 )

  4. Hallo an alle!

    Dann muss ich mich bei der ‚Exorbitanten Neuverschuldung‘ auch noch bedanken, dass sie mich zu diesem Artikel inspiriert hat. Habe mit so viel Erfolg des Interviews gar nicht gerechnet.

    @Topsy.com
    Herzlichen Dank für die Verlinkung!

    @Hans
    Wegen der schönen Überraschung. Du bist doch nicht etwa Vater geworden?
    Oder konntest Du andere Erfolge verbuchen, die Deine/unser aller Sache voranbringen?

    Liebe Grüße, Jochen

  5. Hallo Jochen,

    nur kurz zu Deiner Frage bezüglich der „schönen Überraschung“ … leider trifft keine Deiner beiden Vermutungen zu, aber (wobei ersteres aus biologischen Gründen „eher unwahrscheinlich“ zu nennen ist, es sei denn Du beziehst die Vaterschaft hinsichtlich „neuer Ideen“ mit ein?) ich bin doch zuversichtlich, dass ein Vorwärtskommen in unserer Sache trotz aller scheinbar übermächtiger Widerstände durchaus möglich ist. Was die aus meiner Sicht mehr als nur schöne Überraschung betrifft, so hatte ich sie für „Eingeweihte“ in Klammern gesetzt bekanntgegeben😉

    Ansonsten verweise ich für den Moment auf Roxanas Kommentare unter Deiner bislang letzten Ausgabe des „abstrusesten Gedanken“ … darin steckt ein ideeller und emotionaler Funke, den es weiter zu verfolgen und – nach Möglichkeit – auch weiter zu entfachen gilt. Die dabei anwendbaren Mittel sind so breit gefächert, dass für jeden etwas Brauchbares und der individuellen (auch gläubigen) Weltanschauung Entsprechendes dabei sein sollte.

    In diesem Sinne erst einmal liebe Grüße und bis denne
    Hans.

  6. Hallo Hans,

    mein innerer Bruder, der etwas begriffstutzige „Eingeweihte“, hat es nun kapiert.🙂
    So ganz Unrecht hat Roxana nicht, ein emotionaler Funke glüht zumindest schon in unserer Gesellschaft. Ganz löschen wird diesen Funken niemand mehr können. Und das ist GUUUUUT!

    Der biologische Faktor bei der Ideenerschaffung wäre noch zu ergründen. Der geistige Faktor sei mit uns! Unser Vater im Himmel….bitte gib uns die entscheidende Idee. Amen.

    Liebe Grüße (auch an die überraschend Freude Bringende),

    Jochen

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