Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina

Wie die Veröffentlichung des Artikels von Uri Avnery „eingeweihten“ Leser/innen aufgezeigt haben dürfte, ist wieder eine Sammlung von Übersetzungen bei uns eingegangen. Wie üblich wurden diese von Ellen Rohlfs angefertigt und von unseren Freund und Kollegen Lopez übermittelt. Der obligatorische Dank ist beiden gewiss!

Heutige Beitragende: Gideon Levy, Jonathan Cook, Robert Fisk, Esther Zandberg, Safraz Manzoor (The Guardian), 12 mutige Frauen …

… dazu noch eine Buchempfehlung von Erhard Arendt am Ende des Artikels.

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Gideon Levy [Haaretz] … Nur uns ist es erlaubt (05.08.10)

Zitat:

Die Libanesen, diese Bastarde, sie verändern die Regeln. Skandalös. Da ist ein Brigadekommandeur, der entschlossen ist, die Souveränität seines Landes zu schützen. Einfach skandalös.

Die Erklärung dazu war, dass er „seine Soldaten indoktriniert habe“ – doch ist dies natürlich  nur uns erlaubt – und dies war „die Einstellung des Kommandeurs“ und er ist damit „ eng mit der Hisbollah“ verbunden. So eine Frechheit!

Und jetzt, da wir bis zum Erbrechen die Propaganda der IDF wiederholt haben, was sich am Dienstag an der Nordgrenze zugetragen hat, sollten die  Fakten genauer angesehen werden.

Am Dienstagmorgen forderte Israel eine „Koordination“ mit UNIFIL, um eine weitere „exponierte“ Operation am Grenzzaun auszuführen. UNIFIL bat die IDF, diese Operation abzusagen, da der Kommandeur gerade abwesend sei. Die IDF kümmerte sich nicht darum. Die UNIFIL wird uns nicht stoppen […]

Zitat Ende.

Kommentar: Dem Artikel ist kaum noch etwas hinzuzufügen, da er die gesamte Arroganz und scheinheilige Doppelmoral des offiziellen „israelischen Standpunkts“ gnadenlos offenbart. – Einzig die Ergänzung, dass mit Sicherheit nicht nur um eine „kriegsförderliche“ Provokation des Libanon erwartet werden sollte. Nach dem, was an offiziellen Verlautbarungen zu vernehmen war und ist, muss man davon ausgehen, dass diese Provokation auf breiter Front eingesetzt werden wird … zusätzlich zum „Präventivschlag“ gegen den Iran. Darum ersuchen wir die Zivilbevölkerung Israels nachdrücklich zu versuchen, sich darauf einen Reim zu machen. Die Frage, ob es ihren politischen und militärischen Spitzenkräften tatsächlich, wie gebetsmühlenartig wiederholt, um die Sicherheit des eigenen Volkes geht, sollte dabei an oberster Stelle stehen!

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Jonathan CookIsraelischer Rabbiner Predigt Mord an Babys Einheimischer (02.08.10)

Zitat:

Ein Rabbiner von einer der gewalttätigsten Siedlungen in der Westbank wurde letzte Woche wegen Verdacht auf Hetze  verhört, als die israelische Polizei ihre Untersuchung auf ein Buch erweiterte, in dem er das Töten von Nicht-Juden, einschließlich Kindern und Babys sanktioniert.

Rabbiner Yitzhak Shapira ist einer der führenden Ideologen des extremsten Flügels der religiösen Siedlerbewegung. Er ist bekannt, ein Verfechter der „price-tag“-Politik – der Racheakte gegen Palästinenser – zu sein,  sie dafür zu bestrafen, wenn  isr. Offizielle versuchen, das israelische Gesetz gegen die Siedlungen auszuführen.

Bis jetzt ist die Polizei hauptsächlich mit gewalttätigen Schikanen der Palästinenser beschäftigt gewesen: mit Schlägereien durch die Siedler, Angriffen auf Häuser,  mit Steine werfenden Siedlern, dem Anzünden von Feldern,  dem Töten von Haustieren und dem Vergiften von Brunnen.

Es wird jedoch befürchtet, dass Shapiras Buch „Des Königs Torah“, das letztes Jahr veröffentlicht wurde, dafür gedacht ist, ideologische Rechtfertigungen zu geben, solche Angriffe zu erhöhen, einschließlich der Tötung von Palästinensern, selbst Kindern […]

Zitat Ende.

Kommentar: Wie der Artikel aufdeckt, sind diverse „Gerüchte“ über feindselige bis mörderische „religiöse Gesetze“, mit denen nicht-jüdische Menschen (insbesondere Palästinenser / Araber) im wahrsten Sinne des Wortes zum Abschuss freigegeben und zu Menschen zweiter oder dritter Klasse erklärt werden, zumindest bei militanten Siedlern und deren „religiösen Führern“ offenbar keineswegs „aus der Luft gegriffen“. Etwas Ähnliches hatte ich auch schon kurz nach der „Operation Cast Lead“ von einem Militär-Rabbi gelesen. Dass die Behörden bis hinauf zur Regierung vor diesen Siedlern kuschen und diese überdies massiv finanziell unterstützt werden, war schon in früheren Leseempfehlungen und Artikeln angesprochen und belegt worden. Auch die rassistischen Forderungen, die immer mal wieder unverhohlen gestellt werden, sind zwar nicht neu, aber in diesem Zusammenhang doch noch gravierender als allein im Raum stehend.

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Robert Fisk [The Standard / Information Clearing House] … Israel kroch in die EU … und keiner hat es bemerkt (01.08.10)

Zitat:

Der Tod von fünf israelischen Militärangehörigen bei einem Helikopterabsturz in Rumänien in der letzten Woche hat kaum Schlagzeilen gemacht.

Es war eine Nato-Israel-Übung im Gange. Nun das ist OK. Man stelle sich den Tod von fünf Hamaskämpfern bei einem Helikopterabsturz in Rumänien in dieser Woche vor. Wir würden dieses außerordentliche Phänomen noch genauer untersucht haben. Ich vergleiche nicht Israel mit der  Hamas. Israel ist das Land, das vor 19 Monaten … mehr als 1300 Palästinenser umbrachte – unter ihnen mehr als 300 Kinder – während die gemeine, blutsaugende und terroristische Hamas 13 Israelis tötete (drei von ihnen Soldaten, die tatsächlich von den eigenen Leute versehentlich erschossen wurden) […]

Zitat Ende.

Kommentar: Entfällt, da ich den Artikel vor einigen Tagen schon einmal empfohlen und kommentiert hatte. Hinzufügen möchte ich noch eine Buchempfehlung … David Korn – DAS NETZ – Israels Lobby in Deutschland – Erschienen 2004 (2. Auflage) im FZ-Verlag, München unter ISBN 3-924309-66-3 … Darin jede Menge Informationen, unter anderem auch über den „selbstlosen Einsatz“ bundesdeutscher Politgrößen (allen voraus der mehrfach hoch dekorierte Altbundeskanzler Kohl) gerade in Bezug auf Israels EU-Ambitionen. Vielleicht kann dies Herrn Fisk als schwacher Trost dienen?

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Esther Zandberg [Haaretz – kein Original-Link] … Die erzwungene Ökologie der Besatzung (29.07.10)

Zitat:

Die palästinensischen Architekten werden oft gebeten, ihre Inspirationen aus der großen islamischen Tradition und dem lokalen kulturellen Erbe zu holen, sagt der palästinensische Architekt Omar Yousef mit einer Spur Sarkasmus.

Sein lokales Erbe ist nicht der Alhambra-Palast oder die Moscheen in Istanbul, sondern eher der übervölkerte Stadtteil von Silwan, Ost-Jerusalem, wo er aufwuchs und Shuafat, wo er jetzt lebt und arbeitet, sagte er. Es ist eine Architektur des Chaos, der Überbevölkerung, der Instabilität, des Provisoriums und der Zerstörung, improvisierte Anbauten und ein Trennungszaun. Es ist eine Architektur  der Diskriminierung, der Kontrolle und Überwachung […]

Zitat Ende.

Kommentar: Keiner, der Artikel sagt alles aus und bringt auch die gerne ignorierten Probleme zur Sprache.

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Safraz Manzoor [The Guardian] … Israelis und Palästinenser vereinigt für Frieden und beim Theaterspiel (01.08.10)

Zitat:

Nour Shehadeh und Chen Alon sind beide glatzköpfige Väter in den Vierzigern. Shehadeh ist Palästinenser. Er verbrachte fünf Jahre in einem Gefängnis in Israel wegen seiner Aktivitäten als Führer seiner lokalen Fatahmilitärgruppe. Alon ist ein früherer Kampfsoldat und Major in der israelischen Armee.

Als sie Kämpfer waren, hätten sich beide mit Verdacht und Angst angesehen. In dieser Woche jedoch sind Shehade und Alon mit 14 anderen Israelis und Palästinensern wegen mehrerer Veranstaltungen in England gewesen, in Warrington, Coventry und in London. Sie wollen helfen, den Nahostkonflikt zu beenden. Die Gruppe gehört zu den „Kämpfern für den Frieden“, einer Organisation, die aus früheren Mitgliedern der israelischen Armee und palästinensischen bewaffneten Gruppen gehörten, die sich entschlossen haben, auf ihre Waffen zu verzichten […]

Zitat Ende.

Kommentar: Auch hier bleibt mir kaum etwas zu sagen … außer natürlich, dass ich mir wünschen würde, dass dieses Beispiel Schule macht. Natürlich vor allem im Nahen Osten, aber an den Grundgedanken könnten sich auch Menschen in anderen Teilen der Welt und vermeintlich anderen Situationen ein Beispiel nehmen.

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12 tapfere FrauenWir gehorchen nicht (Anfang August)

Zitat:

Am Freitag den 23.Juli 2010 machte ein Dutzend jüdischer Frauen, ein Dutzend palästinensischer Frauen, ein Baby und drei palästinensische Kinder in sechs privaten PKWs einen Ausflug von der Westbank. Wir überquerten etliche Checkpoints und fuhren in die israelische Küstenebene und fuhren auch durch Tel Aviv und Jaffa. Wir waren in einem Restaurant, schwammen im Meer und spielten am Strand. Wir beendeten unsern Tag in Jerusalem. Die meisten unserer palästinensischen Gäste hatten noch nie das Meer gesehen. Die meisten hatten noch nie in ihrem Leben an ihren heiligen Stätten gebetet. Sie sahen voller Sehnsucht von der Höhe des Skopusberges hinüber …

Keiner unserer Gäste hatte einen Passierschein von den israelischen Behörden. Wir verkünden dies hier öffentlich, dass wir absichtlich das Eintritts-Gesetz nach Israel verletzt haben […]

Zitat Ende.

Kommentar: Ein kurzer, aber sehr beeindruckender Bericht über einen „Ausflug der besonderen Art“. Die klare Aussage bedarf definitiv keines weiteren Kommentars – aber der anerkennenden Aufmerksamkeit und Weiterverbreitung!

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Zum Schluss noch etwas Werbung, die wir sehr gerne weiterverbreiten:

Der Außenminister

Ein Schauspiel von Kenneth und Hannelore Lewan

Schauplatz sind Jerusalem und das Westjordanland

(Selbstverlag – 50 Seiten)

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Das Heft wird gegen eine Solidaritätsbeitrag von 5€  (plus Porto) für „Das Palästina Portal“ (Wunsch von Prof. Lewan) versandt.

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Begleitmail von Erhard Arendt:

Liebe Mitmenschen,

ich möchte sie heute bitten, das neuste Werk von Prof. lewan und seiner Frau zu „bewerben“.

Über Jahre hinweg haben beide ein Theaterstück geschrieben, es nun drucken lassen und ich hab mich angeboten es zu bewerben und zu vertreiben.

Vielleicht können sie in ihrem Verteiler darauf aufmerksam machen?
Vielleicht kennen sie z.B. eine Theatergruppe die sich dafür interessieren würde?

Lesen Sie dazu auch die Rezension von Dr. Ludwig Watzal vom 04.07.10

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