Sidney Levy (JVP) – Aufruf zur Unterzeichnung eines offenen Briefes an ADL, AJC und SWC

Der untenstehende Artikel ist die Übersetzung einer Mail, die ich heute von der Organisation Jewish Voice for Peace erhalten habe. Auslösender Faktor ist der geplante Bau einer Moschee in der Umgebung von „Ground Zero“, sowie die extrem heftigen und scheinheiligen Reaktionen einiger jüdischer Organisationen darauf.

Leider muss ich dazu sagen, dass die zum Ausdruck gebrachte Meinung des Vertreters der JVP meine über Jahre gewachsene Meinung über die „großen jüdischen (zionistischen!) Organisationen“ lediglich bestätigt. Da dies viele Menschen aber immer noch anders sehen – wie ich betonen muss und möchte wider alle Fakten und darauf basierend besseres Wissen – unterstütze ich nicht nur diese Aktion (wie viele andere zuvor auch), sondern stelle die dazugehörige Darstellung auch als Grundsatzinformation aus einer anderen (US-amerikanischen und internationalen) Perspektive zur Verfügung.

In Bezug auf die Übersetzung bitte ich um ein wenig Nachsicht. Im Gegensatz zum Lesen von englischen Schriften, wobei es nur darauf ankommt, dass man sie selbst versteht, ist das korrekte Übersetzen derselben doch sehr schwierig und aufwendig. Zwar habe ich mich redlich bemüht, falls sich aber doch kleinere Fehler eingeschlichen haben sollten, bitte ich das im obigen Sinne zu entschuldigen.

Die Originalmail ist am Ende des Artikels als PDF-Datei beigefügt.

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Übersetzung einer Mail vom 05.08.10, 11:31 Uhr.

(c) Jewish Voice for Peace

Das Vorhaben des Baus einer Moschee in der Nähe von „Ground Zero“, Lower Manhatten, hat erwartungsgemäß eine neue Welle von Islamophobie sowie die Aufforderung hervorgebracht, die Moschee an einem anderen Ort zu bauen. Bedauerlicherweise haben sich einige der jüdischen Organisationen, die eigentlich gegen Bigotterie [Scheinheiligkeit] eintreten sollten, auf der falschen Seite des Themas positioniert.

Das American Jewish Committee, beauftragt mit dem Fördern von demokratischen und pluralistischen Gesellschaften, hat dem geplanten Bau der Moschee zwar seine bedingte Zustimmung erteilt, aber erst nachdem es den Islam mit Terrorismus gleichgesetzt hatte. (1) Die Anti-Defamation League – beauftragt mit dem Kampf gegen Antisemitismus, Bigotterie und Extremismus hat gefordert, dass die Manhattan-Moschee an einen anderen Standort verlegt werden soll. (2) Das Simon-Wiesenthal-Zentrum – beauftragt damit, Bigotterie und Rassismus entgegenzutreten – lehnt den Bau der Moschee am vorgesehenen Standort ebenfalls ab. (3) In der Zwischenzeit fährt es fort damit, über einem muslimischen Friedhof in Jerusalem ein „Museum der Toleranz“ zu bauen. (4)

Sie lassen uns in Manhattan im Stich. Sie lassen uns in Jerusalem im Stich.

Der jüdisch-amerikanische politische Autor Peter Beinart warf einen Blick auf die Ablehnung des Moscheebaus seitens der Anti-Defamation League und verband die Punkte:

Desinteresse (Gleichgültigkeit) gegenüber den Rechten und der Würde der Palästinenser ist ein Krebs, der die moralischen Ansprüche des amerikanischen jüdischen Establishments auffrisst. Letzten Freitag, im Fall der ADL, erfuhren wir gerade, wie weit sich dieser Krebs bereits ausgebreitet hat.“ (5)

In ihren öffentlichen Stellungnahmen haben die ADL und das AJC die vielen Arten (Wege) aufgezählt, mit (auf) denen sie zur Verteidigung von Muslimen aufgetreten sind, egal ob dies in den Vereinigten Staaten, Bosnien, Deutschland, Frankreich war – überall, außer in Israel und Palästina. Sie werden sich wohl kaum kritisch dazu äußern, wenn die israelische Armee Pläne, eine Moschee in Jenin in der besetzten Westbank zu zerstören, durchzieht. (6)

Bitte unterschreiben Sie unseren offenen Brief an die Verantwortlichen der Anti-Defamation League, des American Jewish Committee und des Simon-Wiesenthal-Zentrums (Link zum Brief und zur Möglichkeit ihn mit zu zeichnen ->), um sie darum zu ersuchen, die zunehmenden Verletzungen von Menschenrechten, Menschwürde und demokratischen Werten, einschließlich nächtlichen Razzien gegen Aktivisten, Nachrichtensperren (?), (gewaltsame) Auflösung nicht gewalttätiger Proteste und Unterdrückung der Stimmen von NGOs (7) zu verurteilen.

Diese jüdisch-amerikanischen Führer stehen zu oft auf der falschen Seite solcher Angelegenheiten und verraten unsere jüdischen Werte von Wahrheit und Gerechtigkeit. Ihre blinde Unterstützung der israelischen Regierung verleitet sie dazu, sich an Islamophobie zu beteiligen und Ungerechtigkeiten zu fördern, sowohl hier bei uns als auch im Ausland. Wir haben etwas Besseres verdient.

Danke,

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Sidney Levy

Jewish Voice for Peace

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Quellenangaben (Links – zu englischen Seiten – nur im Originaldokument -> PDF)

(1)    Huffington Post vom 03.08.10 – AJC lehnt die Moschee ebenfalls ab … vom 02.08.10 Soll der Cordoba-Center gebaut werden?

(2)    ADL (Webseite – Meinungen) vom 02.08.10 – Die Moschee am Ground Zero

(3)    Simon-Wiesenthal-Zentrum – Anruf vom 04.08.10

(4)    Petition zur Rettung des palästinensischen Mamilla-Friedhofs vor den Plänen des Simon-Wiesenthal-Zentrums, darauf ein Bauvorhaben durchzuführen

(5)    The daily Beast 02.08.10 – Hasserfüllte Ground Zero – Scheinheiligkeit

(6)    Globalpost.com 31.07.10 – IOF erteilt Abrissorder für eine Moschee und Häuser in Jenin

(7)    Nehmen Sie zum Beispiel den Fall von Ameer Malhoul, eines bekannten israelischen Menschenrechtsverteidigers, der vor den Augen seiner Kinder mitten in der Nacht festgenommen, ohne Anklage festgehalten wurde; dem 12 Tage lang ein Anwalt verweigert, der gefoltert wurde und danach unter Verhängung einer strikten Nachrichtensperre verschwand, die nach Protesten auf breiter Front teilweise aufgehoben wurde. Sie können in einem Brief, den wir letzte Woche ans Außenministerium geschickt hatten, mehr über diesen Fall lesen (Links ebenfalls im Originaldokument)

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