Adalberts Meckerecke (III) – Loveparade-Desaster und Gesellschaftskrieg

In meinem letzten Beitrag hatte ich dieses Thema kurz angeschnitten – damals noch, da ich der Meinung war, dass man nicht einfach über ein x-beliebiges, einem persönlich wichtig erscheinendes Thema schreiben und eine solch schreckliche Katastrophe übergehen kann. Natürlich respektiere ich es, wenn sich andere Menschen lieber aus derartigen Diskussionen heraushalten, zumal dann, wenn sie sich dem auch diesem Unglück zugrunde liegenden Irrsinn auf breiterer Front entgegenzustellen versuchen …

Ich hingegen habe meine Meinung in den letzten Tagen geändert und mir das Thema ganz bewusst als Grundlage für die dritte Ausgabe meiner „Meckerecke“ ausgewählt. Dass dabei erneut ein Artikel des Spiegelfechters (siehe unten) eine ausschlaggebende Rolle spielte, hat mit derselben Erläuterung zu tun, die ich in meinem ersten „Serienbeitrag“ ausführlich dargelegt hatte. Ich schätze die Artikel von Jens Berger sehr, gehe deshalb aber auch kritischer mit ihnen um, wenn sich Ansätze von divergierenden Meinungen ergeben, als ich das bei weniger guten und fundierten Berichten anderer Seiten zu tun pflege. – Damit sind wir dann wieder bei dem Thema Meinungsfreiheit und Meinungsunterschiede, welches auch den alleinigen Hintergrund für diesen Beitrag meinerseits bildet.

Vorab sollte zunächst einmal festgehalten werden, dass mittlerweile 2 weitere Tote zu beklagen sind, was die Gesamtopferzahl auf 21 erhöht und auch die Zahl der Verletzten musste auf „über 500“ nach oben korrigiert werden. Ich denke, diese Zahlen allein belegen schon bedrückend, dass man es hierbei mit einem schrecklichen Unglück zu tun hat, bei dem zunächst einmal das Schicksal der Betroffenen, ihrer trauernden Hinterbliebenen und Freunde Vorrang haben muss. Von dem Augenblick an, wo man sich an eine Aufarbeitung und die Analyse der Schuldfrage heranwagt, muss im weiteren Sinne aber durchaus und gerade auch die ebenso mit betroffene wie mit verantwortliche Gesellschaft thematisiert werden.

Wie man schon am vergangenen Montag bspw. diesem Bericht von gulli.com entnehmen konnte, dürfte den derzeit heftig hin und her wogenden Schuldzuweisungen keine zufriedenstellende Aufklärung der Umstände folgen – wie auch Jens Berger in seinem nachfolgend verlinkten Artikel nicht nur ebenso korrekt, sondern auch noch präziser (auf regionale „Filzstrukturen“ eingehend) ausführt. – Unter diesem Aspekt besehen, dass es zumindest wenig wahrscheinlich anmuten muss, dass wir in absehbarer Zeit unwiderlegbare Beweise erhalten könnten, die eine exakte Bestimmung in Sachen „Schuld und Verantwortung“ ermöglichen, sollte man sich bei der Beschäftigung mit dem Thema einer deutlich weiter gefassten Sichtweise befleißigen.

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So viel zur einleitenden Vorrede und damit zu dem wirklich tollen und die meisten Fakten gewohnt kompetent und korrekt auf den Punkt bringenden Artikel von Jens Berger, den er am 26. Juli unter dem Titel Tod an der Rampe auf seinem Spiegelfechter-Blog veröffentlicht hat. Als ich ihn las, empfand ich lange Zeit aufrichtige Bewunderung für die nüchterne und sachlich-kritische Art und Weise, wie er das Geschehen analysierte und die einzelnen Verantwortlichen angemessen ins Visier nahm, ohne dabei die Empathie für die Opfer und deren Angehörige vermissen zu lassen.

Dann stieß ich jedoch leider auf den letzten Abschnitt, in dem sich – in weitaus weniger nüchterner und sachlich-kritischer Art und Weise – der Autor mit einem alten und immer wieder hochgekochten Reizthema befasste, das aufgrund dieses Artikels, der bereits am 25. Juli bei Kopp Online veröffentlicht worden war, auf altbekannte Weise durchs Internet getrieben wurde und immer noch wird. Es ist zwar tröstlich, dass die „geäußerten Meinungen“ nicht die Einseitigkeit aufweisen, mit welcher das grundsätzliche Thema seinerzeit von den Mainstream-Medien behandelt wurde, aber immer noch sind es vor allem reflexartige Kritik äußernde Beiträge und Kommentare, die das Bild des Internetdiskurses beherrschen.

Auf das Thema Eva Hermann und die beiden Artikel (am 26. Juli erschien dieser Artikel ebenfalls bei Kopp online), mit denen sie das Geschehen in Duisburg aus ihrer Sicht kommentierte, werde ich im Anschluss auf die Begründung für meine bescheidene Kritik gegenüber der Argumentation des Spiegelfechters kurz noch gesondert eingehen.

Selbstverständlich gestehe ich Jens Berger ebenso wie jedem anderen Menschen, ob er nun im Internet schreibt oder nicht, uneingeschränkt seine eigene Meinung zu und würde mir niemals anmaßen, ihn alleine dieser Meinung wegen zu kritisieren. Aber genauso, wie man sich an der Wortwahl von Eva Hermann stören kann, muss man auch auf etwaige Fehlgriffe anderer Autoren reagieren und eingehen dürfen. Was ich kritisch anmerken muss und den Leser/innen zur eigenständigen Prüfung anempfehlen möchte, ist deshalb die Einleitung des Teilzitats von Frau Hermanns erstem Artikel, in welcher ich (aus subjektiver Sicht) gleich drei Begriffe entdeckte, die mir nicht wirklich wie substantiierte Kritik vorkamen. Es sei mir deshalb gestattet, die fragliche Einleitung zu zitieren (die betreffenden Passagen wurden von mir mittels Fettdruck hervorgehoben):

Wie schön es ist, ein einfaches Weltbild zu haben, beweist wieder einmal die unsägliche Ex-Journalistin Eva Herman. Über eine Verschwörungstheoretikerseite verbreitet die erzreaktionäre Blondine, dass die Katastrophe von Duisburg womöglich eine Strafe Gottes für das unsittliche Benehmen der Raver sei […]

Über die kritisierte Behauptung kann man sicherlich streiten … siehe dazu meine abschließende Argumentation … aber ob deshalb eine in dieser Form geäußerte Kritik als angemessen bezeichnet werden kann, steht meiner Ansicht nach auf einem ganz anderen Blatt. So wie sich dieser letzte Abschnitt mit Blick auf den Gesamtartikel liest, kommt einem fast der Verdacht, dass es sich um Kritik handelt, die ihren Ausgangspunkt in etwas wie „persönlicher und unüberwindlicher Antipathie“ findet – und dann hätte das in diesen ansonsten so tollen Artikel einfach nicht hineingehört!

Es kann natürlich sein, dass nur ich persönlich von den hervorgehobenen Aussagen zu einer „allergischen Überreaktion“ verleitet wurde, aber wie eine sachliche Kritik, die dann von einem auf die vermeintlich (ebenfalls subjektiv) alles sagenden Passagen gekürztes Zitat des angegriffenen Artikels abgerundet wurde, klingt das für meine Begriffe wirklich nicht. – Wahrscheinlicher ist aber, dass sich meine Reaktion aus dem Umstand ableitet, dass ich Jens Bergers Artikel erst gelesen habe, nachdem ich nicht nur den von ihm kritisierten, sondern auch den danach erschienen Artikel von Eva Hermann bereits verarbeitet hatte – und, trotz eigener kritischer Reaktionen auf einzelne Passagen im ersten Beitrag, zu einer doch entschieden anderen Einschätzung gelangt war!?

Nun, wie dem auch immer sei … Natürlich weiß ich nicht, weshalb Jens Berger die ehemalige Tagesschau-Sprecherin für eine „unsägliche“ Ex-Journalistin hält … den einzigen Grund, der mir auf Anhieb dazu einfallen würde, möchte ich in Gestalt von zwei Artikeln in Erinnerung rufen, die auf derselben „Verschwörungstheoretikerseite“ * veröffentlicht wurden … und auch hier möchte ich jedem und jeder Leser/in dringend empfehlen, sich objektiv selbst ein Bild von der betreffenden „Geschichte“ zu machen. 1. Artikel – Gerhard Wisnewski – Neues Buch von Eva Hermann: Wie ich Staatsfeind Nr. 1 wurde vom 29.03.10 … 2. Artikel – Arne Hoffmann – Wie verantwortungsloser Journalismus die freie Gesellschaft gefährdet vom 07.04.10. Dem, was von diesen beiden Autoren vorgebracht wird, ist von meiner Seite zunächst einmal nichts mehr hinzuzufügen.

[* dazu werde ich mich explizit nicht äußern, da meine Mitwirkung an diesem Blog belegt, dass ich bei dieser „Diskussion“ unzweideutig die Meinung der Hauptautoren teile!]

Auch der Begriff „erzreaktionäre Blondine“ ist von einer Art und Qualität, die lediglich der Autor selbst unmissverständlich aufzuklären vermag. Wenn er aber mit „erzreaktionär“ meint, dass Eva Hermann für „von unserer gleichgeschalteten und massenmanipulierten Gesellschaft als antiquiert oder überholt empfundene Werte“ eintritt, dann würde ich das doch für etwas bedenklich halten. Im Umkehrschluss müsste er dann nämlich die Entwicklungen, die ausnahmslos der Entmenschlichung und fortgesetzten Spaltung der Gesellschaft dienten (hierzu ist der militante Feminismus einer Alice Schwarzer ebenso zu zählen wie dessen Fortentwicklung namens „Genderismus“ und sämtliche „Zwischenstufen“), ebenso uneingeschränkt gutheißt, wie er Frau Hermann als „Mensch und personifizierte Meinung“ abzulehnen scheint? Das kann und möchte ich mir im Fall von Jens Berger, dessen Meinung ich größtenteils außerordentlich schätze, zwar nicht vorstellen, aber eine derart undifferenzierte, noch dazu mit dem „Schmähbegriff Blondine“ verbundene Kritik wirft meiner Ansicht nach gravierende Fragen auf. Fragen, die mit absoluter Gewissheit auch in Bezug auf weite Teile unserer Gesellschaft gestellt und beantwortet werden müssen …

So weit meine Meinungsäußerung, die ich zwar kritisch verstanden wissen, deshalb aber nicht zur Weisheit letztem Schluss erklären möchte. Es geht mir nicht darum, einen geschätzten „Kollegen“ für dessen Meinungsäußerung zu kritisieren, sondern darum, sich daraus ergebende Fragen aufzuzeigen, die sich viele Informationskonsument/innen selbst nicht stellen und in einer Angelegenheit wie jener, um die es mir persönlich vor allem geht, doch unbedingt einer gesamtgesellschaftlichen Beantwortung zugeführt werden sollten!?

Am Ende dieses Abschnitts möchte ich noch ein Beispiel anfügen, wie man sich durchaus kritisch (wenn auch nicht so eloquent, das tut aber nichts zur Sache) mit den Äußerungen wie jenen, die auch Jens Berges Kritik provozierte, auseinandersetzen kann, ohne sich zumindest fragwürdiger Begriffe zu bedienen …  Haben junge Menschen keine Werte mehr? von Infokrieger Mitteldeutschland 27.07.10, der sich allerdings auf den zweiten Artikel von Eva Hermann bezieht. Diese Kritik kann ich als angemessen bezeichnen, auch wenn ich nicht mit allen Argumenten uneingeschränkt konform gehe.

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Die Verbindung des tödlichen Vorfalls bei der Duisburger Loveparade mit dem Begriff „Gesellschaftskrieg“ habe ich im Rahmen des Versuchs, meine vorsichtig angemeldete Kritik zu begründen, bereits erklärt. Ich finde, das Beispiel Eva Hermann und die kontroversen, nicht selten in regelrechte Hexenjagden ausartenden Diskussionen, die ihre Meinungsäußerungen von jetzt auf gleich anzustacheln vermögen, zeigt recht gut auf, wo die Defizite unserer Gesellschaft zu suchen und zu finden sind.  Es offenbart auch, warum es den „Pseudo-Moralwächtern“ und Meinungsmachern immer wieder so erschreckend leicht gemacht wird, die Masse gegen „erklärte Feindbilder“ zu mobilisieren!

In diesem Zusammenhang ist allerdings auch nachhaltig an Eva Hermann zu appellieren, ihre veröffentlichte Meinungsäußerung, die jeder so sehen und werten darf, wie er mag, in Puncto Wortwahl sorgfältiger zu gestalten. Insbesondere sollte sie „alttestamentarische“ Vergleiche ebenso meiden, wie leicht als Verallgemeinerungen misszuverstehende Argumentationen. Selbst wenn es so ist – nachweislich, wie genug einschlägige Studien und deren Ergebnisse, aber auch „Erlebnisberichte“ von stolzen Event-Veteranen belegen  – dass viele Teilnehmer von Veranstaltungen wie der „Loveparade“ zu übermäßigem Drogen- und Alkoholgenuss neigen (oder von „geschäftstüchtigen“ Leuten dazu verführt werden), ist es grundverkehrt, dies in einer Weise zu äußern, die im Endeffekt alle Teilnehmer/innen unter Generalverdacht stellt. Das ist in diesem speziellen Zusammenhang ebenso unangebracht, wie bei allen Gelegenheiten, die ähnliche Argumentationen von höchst offizieller Stelle herausfordern (oder begünstigen).

Dass unsere Gesellschaft sich in mehr als einer Hinsicht in einer scheinbar unaufhaltsamen dekadenten Selbstauflösung befindet … und dass Events wie die „Loveparade“ zweifelsohne wenigstens als ein anschauliches Beispiel dessen angesehen werden müssen, was diese Dekadenz bedingt (einschließlich der Frage, wo ihr Ursprung liegt und wem sie in allererster Linie nutzt!), lässt sich ebenso wenig leugnen … nur sollte man auch dann, wenn man an sich positive und einem bedrohlichen Trend entgegenwirkende Ziele verfolgt, immer daran denken, dass man Probleme niemals auf dem Weg über starrsinnige Abgrenzung und Verneinung lösen kann. Auch und gerade dann, wenn man meint, bei seinem Bemühen von „christlichen Grundwerten“ ausgehen zu müssen.

Das ist allerdings auch schon alles, was ich an Kritik gegenüber dem ersten Artikel (25.07.10) anzumelden habe. Alles Weitere fällt dann schon wieder unter die Rubrik individuelle Ansichten und Meinungsfreiheit. – Sowohl an Frau Hermann als auch an ihre Kritiker/Befürworter gerichtet, möchte ich meinen heutigen Beitrag mit dem Hinweis beschließen, dass bestimmte Kräfte und Kreise (auch und ganz besonders) in unserer Gesellschaft gewisse Meinungen, die dem Mainstream in Sachen gesellschaftlicher Entwicklung zuwiderlaufen, immer so lange nach „Angriffsflächen“ suchen, bis ein Wort oder Satz fällt, das/der sich mit einem zuvor erschaffenen Stereotyp verbinden und als „Waffe“ verwenden lässt. Genauso, wie Autor/innen darauf bedacht sein sollten, keine derartigen Angriffspunkte zuzulassen (was ohne Frage leichter gesagt als getan ist), sollten sich auch Kritiker vor Augen halten, dass sie sehr häufig künstlich geschaffene und transportierte (z.B. durch einen gewissen Herrn Kerner oder noch unerträglicher von einer Alice Schwarzer) zutiefst ideologisierte Ressentiments befriedigen, die bei genauerer Betrachtung unzweifelhaft als gesellschafts- und bei weiter gefasster Perspektive ebenso eindeutig demokratiefeindlich entlarvt werden können.

Dazu, dass sich viele „Linke“ auf den Schlips getreten zu fühlen scheinen, da Eva Hermann die „68er“ als wesentliches Element der besagten Dekadenz zu bezeichnen wagt, möchte ich an dieser Stelle nur anmerken, dass sich dieser von „Aufklärung, Selbstverwirklichung und Vergangenheitsbewältigung“ erzählende Mythos mittlerweile doch wahrlich auf allen Ebenen weitestgehend in Luft aufgelöst hat … ich persönlich sehe das jedenfalls so und sehe mich durch die gesellschaftliche und politische Realität in „diesem unserem Lande“ auch uneingeschränkt in dieser Meinung bestätigt.

Aber, wie dieser letzte Satz noch einmal ganz unzweideutig unterstreicht … das ist selbstverständlich auch nur meine subjektive und als solche eher belanglose Meinung …?😉 ?…

MfG Adalbert Naumann

7 Antworten

  1. also an die gottesstrafe und das sodom und gomorrha der frau hermann mag ich nicht so recht glauben und kiffende kids sind mir dann doch lieber als kleine guttembergs oder röslers oder gar in afghanistan herumballernde olivgrüne. und das obwohl ich natürlich solche kommerz- und verblödungsveranstaltungen a la loveparade ablehne. aber krieg ist eben schlimmer.
    wo ich dir allerdings recht gebe: die generalverteufelung der dame durch die medien – und zwar fast alle!! – macht mich auch nachdenklich.
    und daß ihr kampf gegen den genderschwachsinn den neolibs nicht in den kram passt und ideologisch bei den linken nicht ankommt ändert nichts daran, daß wir weder bomberfliegende killertussis beim bund brauchen noch stillende mansbilder. und gender bedeutet nun einmal die erschaffung des absoluten arbeitsmenschen – egal welchen geschlechts.
    und die 68 verarsche oder das 68 scheitern liegt offen da.
    darum sollte man die äusserungen der eva vielleicht mit der nötigen skepsis betrachten – religion hiess schon immer mord und totschlag billigen- aber ob sie deshalb in anderen dingen auch immer falsch liegt, sollte man evtl doch prüfen. denn weder heisst sie prof unsinn noch will sie wie viele „linke“ systemkonformität unter der farbe rot verkaufen.

  2. @landbewohner

    Danke für den Kommentar … sehe ich (fast) genauso. Mit ihrer biblischen Anwandlung hat sich Eva Hermann zweifelsohne vergaloppiert – und damit ihren überaus zahlreichen Kritikern natürlich eine perfekte Steilvorlage geliefert, wodurch sie im Umkehrschluss ihrer Sache (von der ich annehme, dass sie generell im Fokus ihres – auch publizistischen – Handelns steht) fraglos einen Bärendienst erwiesen hat.

    Was die „kiffenden Kids“ angeht, würde ich ebenfalls noch zustimmen können, doch leider ist es heutzutage meines Wissens nicht mehr das „gute alte Gras“, was die Jugendlichen so verkonsumieren, wenn sie gut drauf sein wollen. Designer-Drogen (also irgendwelche skrupellos zusammengemixte chemische Keulen wie Ecstasy & Co) oder das mindestens ebenso sehr verbreitete „Koma-Saufen“ sollte man nicht mit Haschisch/Marihuana gleichsetzen, da dies in Puncto Wirkmacht dieses modernen Teufelszeugs fahrlässig verharmlosend wäre. – Dennoch stimmt es, dass ein „vergleichsweise harmloses Vergnügen“ – egal wie man zu dem Ambiente (Loveparade et al) steht – sicher dem „Horrorszenario“ vorzuziehen ist, das Du mit Guttenberg, Rösler oder Renaissance soldatitschen Heldentums als Alternative angeführt hast. – Für eine dritte Alternative fehlt es uns wohl dauerhaft an der Gesellschaft, die notwendigerweise bei sich selbst anfangen müsste, wenn man den jungen Menschen ähnliche Möglichkeiten in Sachen Freizeitgestaltung und/oder Selbstverwirklichung verschaffen wollte, wie unsere Generation (1950er/60er Jahre – zum Teil auch in Ermangelung ablenkender „Freizeitelektronik“) sie noch gehabt hat und nutzen konnte. (Auch damals war nicht alles Gold was glänzte, ist mir schon klar, aber in dieser Hinsicht war doch so ziemlich alles besser als heute)!

    In Bezug auf alles andere, was Du in Deinem Kommentar angeführt hast, sehe ich eine klare Übereinstimmung zwischen uns. Besonders den letzten Satz kann ich voll und ganz unterschreiben – und diese Herangehensweise sollte man jedem Menschen angedeihen lassen, der sich selbst zur öffentlichen Person macht oder dazu gemacht wird. Animositäten gleich welcher Art, wozu ich auch mitunter extrem divergierende Meinungen über Religion/Kirche (insbesonders die christliche) zähle, sollten bei der Gesamtbeurteilung einer Person oder Meinung nicht in den Vordergrund gestellt werden. Leider ist aber gerade diese Einseitigkeit in der Denk- und Betrachtungsweise mindestens ebenso weit verbreitet, wie der mit allen Mitteln geführte „Kampf der Eliten“ gegen missliebige, da unter Umständen echtes Umdenken fördernde Meinungen, die zu extrem gegen den vorgegebenen Mainstream (perfider Weise auch „political correctness“ genannt) „verstoßen“.

    Beste Grüße

  3. „– religion hiess schon immer mord und totschlag billigen-„

    Richtig – Religion oder zumindest das was die Leute für Religion halten, ist das Gegenteil von Liebe. Ein Staat wie die BRD ist ebenfalls das Gegenteil von Liebe; die NWO genauso und das was jeder Soldat macht, ist das Gegenteil von Liebe und diejenigen die andere Leute zum Soldat sein zwingen, sind die Handlanger des Satans schlechthin.
    Was die Eva Hermann mit den Worten der Bibel auszudrücken versuchte, um das Desaster bei der Loveparade zu beschreiben, ist meines Erachten keine Steilvorlage. Es ist genau die richtige Betrachtungsweise für den Gesellschaftssumpf, in dem wir uns befinden. Wenn die Menschen es nicht bald schaffen, sich aus diesem Sumpf zu befreien, dann wird Gott sie noch mehr strafen.
    Gestern las ich Hesekiel Kapitel 22. Darin schreibt er zwar von Jerusalem, aber DIESES Jerusalem scheint mir heutzutage ÜBERALL zu sein.

    Lutherbibel 1912 Hesekiel

    Kapitel 22

    Schuld und Bestrafung von Jerusalem und Juda

    1Und des HERRN Wort geschah zu mir und sprach: 2Du Menschenkind, willst du nicht strafen die mörderische Stadt und ihr anzeigen alle ihre Greuel? 3Sprich: So spricht der Herr, HERR: O Stadt, die du der Deinen Blut vergießest, auf daß deine Zeit komme, und die du Götzen bei dir machst, dadurch du dich verunreinigst! 4Du verschuldest dich an dem Blut, das du vergießt, und verunreinigst dich an den Götzen, die du machst; damit bringst du deine Tage herzu und machst, daß deine Jahre kommen müssen. Darum will ich dich zum Spott unter den Heiden und zum Hohn in allen Ländern machen. 5In der Nähe und in der Ferne sollen sie dein spotten, daß du ein schändlich Gerücht haben und großen Jammer leiden müssest. 6Siehe, die Fürsten in Israel, ein jeglicher ist mächtig bei dir, Blut zu vergießen.

    7Vater und Mutter verachten sie, den Fremdlingen tun sie Gewalt und Unrecht, die Witwen und die Waisen schinden sie. 8Du verachtest meine Heiligtümer und entheiligst meine Sabbate. 9Verräter sind in dir, auf daß sie Blut vergießen. Sie essen auf den Bergen und handeln mutwillig in dir; 10sie decken auf die Blöße der Väter und nötigen die Weiber in ihrer Krankheit 11und treiben untereinander, Freund mit Freundes Weibe, Greuel; sie schänden ihre eigene Schwiegertochter mit allem Mutwillen; sie notzüchtigen ihre eigenen Schwestern, ihres Vaters Töchter; 12sie nehmen Geschenke, auf daß sie Blut vergießen; sie wuchern und nehmen Zins voneinander und treiben ihren Geiz wider ihren Nächsten und tun einander Gewalt und vergessen mein also, spricht der Herr, HERR. 13Siehe, ich schlage meine Hände zusammen über den Geiz, den du treibst, und über das Blut, so in dir vergossen ist. 14Meinst du aber, dein Herz möge es erleiden, oder werden es deine Hände ertragen zu der Zeit, wann ich mit dir handeln werde? Ich, der HERR, habe es geredet und will’s auch tun 15und will dich zerstreuen unter die Heiden und dich verstoßen in die Länder und will deinem Unflat ein Ende machen, 16daß du bei den Heiden mußt verflucht geachtet werden und erfahren, daß ich der HERR sei. 17Und des HERRN Wort geschah zu mir und sprach: 18Du Menschenkind, das Haus Israel ist mir zu Schlacken geworden und sind alle Erz, Zinn, Eisen und Blei im Ofen; ja, zu Silberschlacken sind sie geworden. 19Darum spricht der Herr, HERR also: Weil ihr denn alle Schlacken geworden seid, siehe, so will ich euch alle gen Jerusalem zusammentun. 20Wie man Silber, Erz, Eisen, Blei und Zinn zusammentut im Ofen, daß man ein Feuer darunter aufblase und zerschmelze es, also will ich euch auch in meinem Zorn und Grimm zusammentun, einlegen und schmelzen. 21Ja ich will euch sammeln und das Feuer meines Zorns unter euch aufblasen, daß ihr darin zerschmelzen müsset. 22Wie das Silber zerschmilzt im Ofen, so sollt ihr auch darin zerschmelzen und erfahren, daß ich, der HERR, meinen Grimm über euch ausgeschüttet habe. 23Und des HERRN Wort geschah zu mir und sprach: 24Du Menschenkind, sprich zu ihnen: Du bist ein Land, das nicht zu reinigen ist, wie eines, das nicht beregnet wird zur Zeit des Zorns. 25Die Propheten, so darin sind, haben sich gerottet, die Seelen zu fressen wie ein brüllender Löwe, wenn er raubt; sie reißen Gut und Geld an sich und machen der Witwen viel darin. 26Ihre Priester verkehren mein Gesetz freventlich und entheiligen mein Heiligtum; sie halten unter dem Heiligen und Unheiligen keinen Unterschied und lehren nicht, was rein oder unrein sei, und warten meiner Sabbate nicht, und ich werde unter ihnen entheiligt. 27Ihre Fürsten sind darin wie die reißenden Wölfe, Blut zu vergießen und Seelen umzubringen um ihres Geizes willen. 28Und ihre Propheten tünchen ihnen mit losem Kalk, predigen loses Gerede und weissagen ihnen Lügen und sagen: „So spricht der Herr, HERR“, so es doch der HERR nicht geredet hat. 29Das Volk im Lande übt Gewalt; sie rauben getrost und schinden die Armen und Elenden und tun den Fremdlingen Gewalt und Unrecht. 30Ich suchte unter ihnen, ob jemand sich zur Mauer machte und wider den Riß stünde vor mir für das Land, daß ich’s nicht verderbte; aber ich fand keinen. 31Darum schüttete ich meinen Zorn über sie, und mit dem Feuer meines Grimmes machte ich ihnen ein Ende und gab ihnen also ihren Verdienst auf ihren Kopf, spricht der Herr, HERR.

  4. Hallo Jochen,

    Deine Meinung in allen Ehren, aber in dem Zusammenhang, in welchem ich die von Dir bezweifelte Aussage tätigte, sieht es nun mal anders aus. Es ging und geht darum, wie eine Person, die im überwiegend kritischen Scheinwerferlicht steht und eine an sich unterstützenswerte Botschaft zu transportieren versucht, in einem solchen Fall argumentieren sollte – und wie eben nicht.

    Hinzu kam, dass dieser Vergleich als unstatthafte Verallgemeinerung und deshalb (teilweise zu Recht, wie ich finde) als dem Geschehen und den Opfern / Hinterbliebenen nicht angemessen verstanden wurde. – Ich denke, hier sollte man denn schon differentieren.

    Ob „Ihr beide“ mit Eurer Sicht der Dinge eventuell richtig liegen könntet, stand und steht hier nicht zur Debatte.

    Dies aber nur zur Klarstellung für eventuell mitlesende Menschen … ansonsten steht es jedem frei, seine Meinung in jeder dafür geeigneten Form zu äußern und da ich persönlich eine rundherum neutrale Haltung zu allen religiösen und/oder Glaubensfragen einnehme, bedeutet es für mich kein Problem, Deiner Argumentation zu folgen und ihr durchaus eine unbestreitbare Berechtigung beizumessen.

    Viele Grüße, Adalbert

  5. Lieber Adalbert!

    Da habe ich mal wieder versucht den Hund zu beißen und er geht kaum darauf ein.

    Hier steht natürlich Neutralität gegenüber ‚religiösen‘ Dingen frontal gegen Parteilichkeit. Obwohl ich nie im Leben einer politischen Partei beitreten würde. Belassen wir es also dabei und knurren gemeinsam weiter gegen den Strom.

    Herzliche Grüße, Jochen

  6. Lieber Jochen!

    Jo, ist schon ein übles Kreuz mit mir … in gewisser Hinsicht passe ich zweifelsohne sehr gut in die hiesige Gemeinschaft … beispielsweise in dem Zusammenhang, dass ich zur „Spaßbremserei“ und überzogener Ernsthaftigkeit neige, wenn es um meiner Ansicht nach relevante Dinge geht. Das ist ein Problem, welches auch spontan-beißende Provokationen nicht so mir nichts, dir nichts zu lösen vermögen.

    Wir werden, ganz Deinem weisen Rat entsprechend, sicherlich auch weiterhin gemeinsam gegen den Strom knurren – und derweil können wir ebenso weiter hoffen, dass uns irgendwann noch einmal ein wirklich „mitreißendes Streitgespräch“ gelingen mag😉

    In diesem Sinne noch ein angenehmes und entspannendes (ggf. mit Radtour ins Grüne verbundenes) Wochenende
    Herzliche Grüße retour, Adalbert

  7. […] Zuerst veröffentlicht am 28.07.10 bei AmSeL-Gedanke Plus […]

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