Gibt es nichts Neues aus dem Golf von Mexiko?

Es liegt sicher nicht nur an den Erschwernissen, welche die Wirbelsturm-Saison oder die massive Manipulation des Internets durch BP und Konsorten verursachen, dass vergleichsweise wenig  aktuelle Berichte (laut Internetsuche auch bei alternativen Seiten, YouTube eingeschlossen) zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko aufzutreiben sind.

Da mir die Zeit für eine mehr in die Tiefe gehende und vorrangig auf englischsprachige Seiten beschränkte Recherche fehlt, das Thema mir aber nach wie vor sehr wichtig ist, möchte ich anschließend einige neuere Berichte empfehlen, die eventuell wenigstens zur Aufschlüsselung des Phänomens beitragen können.

Dass es „dem Golf von Mexiko“ letztendlich so „ergehen“ könnte, wie so vielen anderen, irgendwie aus der Öffentlichkeit verschwundenen Desastern derselben Kategorie – dass er also teilweise durch die immer weitere Kreise ziehende Abgestumpftheit unserer Gesellschaft und andererseits durch eine perfide Informationspolitik in Vergessenheit geraten könnte, möchte ich vor dem Hintergrund der nach wie vor immensen Bedrohung für das gesamte Welt-Ökosystem noch nicht glauben.

Aber gut, die Zeit wird es weisen … hier die wenigen, aber interessanten Beiträge, die ich aktuell stellvertretend empfehlen möchte.

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Dass BP aus dem höchstpersönlich zu verantwortenden Desaster im Golf von Mexiko „nichts gelernt“ hat, respektive nichtsdestotrotz an weiteren hochriskanten Förderprojekten arbeitet (sicher auch, aber gewiss „nicht nur“, weil die entsprechenden Verhandlungen und Vorbereitungen schon seit Jahren laufen!), belegt dieser Artikel auf Radio Utopie, den petrapez am 25.07.10 veröffentlicht hat. Unter dem Titel BP kündigt Tiefseebohrungen im Mittelmeer vor Libyens Küste an wird der Fall sachlich und nüchtern dargestellt. Wichtig, wenn auch keinesfalls neu oder überraschend ist der unzweifelhaft umfassend zutreffende Vorwurf, der darin gegen „wissenschaftliche Experten“ erhoben wird … kurzes Zitat aus der Artikeleinleitung:

Amerikanischer Professorenverband wirft BP vor, Wissenschaftler einzukaufen und Informationen zu unterdrücken.

Dem ist eigentlich nur noch hinzuzufügen, dass diese Praxis auf allen relevanten Gebieten und vor allem in solchen Bereichen als gegeben vorauszusetzen ist, in denen es um Profit, Macht und Kontrolle geht.

Aus derselben Quelle (unter anderen) und am 24.07.10 geschrieben von der gleichen Autorin erfahren wir unter dem Titel Deepwater Horizon: Alarmanlage war vor Explosion absichtlich deaktiviert, dass BP angeblich – gerade so fürsorglich, wie man diesen Konzern kennen- und fürchten gelernt hat? – so sehr um den Schlaf der Bohrinsel-Mitarbeiter besorgt gewesen sein soll, dass die Alarmanlage wegen „möglicher Fehlauslösungen“ abgestellt wurde. – Nun gut … angesichts der Folgen, welche diese Fürsorge für die Opfer der Explosion und das Ökosystem des Golfs (und der Welt!) hatte, empfehle ich jedem und jeder Leser/in sich darüber eine eigene Meinung zu bilden. Meine steht zweifelsfrei fest und befindet sich auf absolutem Kollisionskurs mit dieser infamen offiziellen Verlautbarung!

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Dass man es nicht so verbissen wie ich sehen muss, sondern die Fürsorge-Frage auch in einer Mischung von empirisch belegbarer Verhaltensforschung und beißendem (angemessenem) Sarkasmus kommentieren kann, beweist Magnus Göllner mit seinem Artikel Ölhelden schmählich ungeehrt, den er am 26. Juli auf seinem Blog Neues aus Hammelburg veröffentlichte.

Der Blog bietet jedoch noch jede Menge weiterer Kommentare und Informationen zu dem Thema, und sich deshalb auch als alternative Studienplattform für am Thema interessierte Menschen an. Unter diesem Link finden sie eine Auswahl von entsprechenden Beiträgen.

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John Eley eröffnet in einem am 23. Juli auf WSWS (World Socialist Web Site) veröffentlichten Artikel nicht nur passend, respektive ergänzend zum erstgenannten Beitrag, sondern auch bezeichnend für den gesamten Verlauf der „Notfall-Maßnahmen“ im Golf von Mexiko sowie den politischen Umgang mit der Ölindustrie … US-Regierung lässt BP gewähren. Spezifiziert wird diese Aussage mit der Erläuterung … Aussickerungen und „ungeklärte Auffälligkeiten“ nahe dem Macondo-Bohrloch. Um den eigenen Kommentar so kurz wie angeraten zu halten, es geht im Grunde immer noch darum, dass BP sich „mit Billigung“ der US-Regierung praktisch alles herausnehmen und uneingeschränkt bestimmen kann, welche Informationen herausgegeben und welche Maßnahmen (egal wie fragwürdig oder riskant) durchgeführt werden. Auch das ist sicher nicht überraschend, sondern unterstreicht lediglich alles, was in der Vergangenheit bereits über die Papiertiger-Mentalität der von Obama „geführten“ US-Administration bekannt geworden und berichtet worden ist.

Besonders bezeichnend und fast schon „ur-amerikanisch“ (die USA – das Schlaraffenland der Schadenersatz-Anwälte?) zu nennen ist die wieder einmal an den Tag gelegte Fixierung auf „Schadenersatz-Zahlungen“ … als müsste nicht jetzt schon jeder mit gesundem Menschenverstand an dieses Thema herangehende Mensch erkennen, dass die angerichteten und noch drohenden Schäden an der Natur (die auch für das goldene Kalb Profit anbetende Ignoranten nun einmal die bedeutendste Lebensgrundlage darstellt) sich letztendlich mit allem Gold und Geld der Welt nicht ungeschehen machen lassen werden!?

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Eine vergleichsweise knappe, aber sehr gute Zusammenfassung des politischen und medialen Treibens, das man eigentlich nur als Kollaboration mit BP (es sei denn es gibt andere Gründe, die daraus eine „erzwungene Unterwerfung“ machen könnten?) hat Thomas Röttcher am 24.07.10 auf seinem Blog Zeit für den Geist veröffentlicht. Der Titel lautet, in leichter und adäquater Abänderung des berühmtesten Wahlkampfspruches von Mister President Obama Yes We Oil Can (was für den phantasiebegabten Wortspieler ganz interessante, wenn auch eher makabre als amüsante Gestaltungsoptionen offenbart).

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