Wie Herr Zahlemann die neuerliche Gesundheitsreform verkraftet

Da ging ich heute Morgen bestimmt nicht aus reinem Vergnügen mit einem 500 Euro Schein zum Hausarzt, um mich mal durchchecken zu lassen. Da sagte die junge Dame an der Anmeldung, das Krankenkassenkärtchen bitte. Ich ganz unlieb zu ihr, die wollen jetzt nur noch Bares sehen. Wer die, sagte die junge Dame. Die viel für unsere Gesundheit auf der hohen Kante liegen haben, entgegnete ich ihr. Dann legen Sie sich mal da im Zimmer auf die Bahre, ich schicke gleich den Arzt zu ihnen rein. Der Arzt kam nach einer Stunde mit seinem Laptop unter dem Arm zu mir herein und sagte, wollen wir erst mal gucken wo ich sie finde. Denn sie kommen ja so selten. Tja, bei den Preisen Herr Doktor, kann es sich Unsereins auch nicht leisten sich öfter blicken zu lassen.

Aber ich sehe, sagte der Doktor, hier in meiner elektronischen Akte steht, dass ich sie auch schon zwei Mal zum Augenarzt geschickt habe, weil sie so einen starr auf grün fixierten Blick haben. Das kam damals von den vielen Rechnungen Herr Doktor, die sich immer auf fast genau einhundert Euro beliefen. Im Supermarkt und im Warenhaus schlage ich immer voll zu müssen sie wissen. Und hingefallen sind sie auch schon mal, habe ich hier stehen. Ja, die junge Dame bei der Anmeldung wusste das auch noch. Deshalb wies sie mich direkt zur Bahre. Noch ist aber Leben drin wie ich sehe. Wie geht es uns denn heute so ganz allgemein Herr Zahlemann?

Ich habe mich dermaßen über den Gesundheitsminister aufgeregt und seine Biomassenvernichtungsreform, dass ich seitdem vorne links in der Brust immer so ein Stechen mit mir herumtrage. Die Mückenstichsalbe brachte aber bisher keine Linderung. Der Doktor klappte den Laptop zu und meinte, wir sollten sie mal durchleuchten – die Brust, besser auch Kopf und die Keulen. Aber ohne Krankenkassenkärtchen geht das nicht und meine Arzthelferin sagte mir eben, das hätten sie wohl zu Hause vergessen. Was machen wir denn da Herr Zahlemann?

Aber ich habe doch eine Plastikallergie Herr Doktor, steht das nicht in ihrem Laptop, fragte ich ihn. In meinem Laptop steht ja schon viel, meinte der Doktor etwas mürrisch dazu, aber wenn sie einfach zum Hautarzt laufen und mich mit einem Allergietest hintergehen, dann dürfen sie mir nicht die Schuld dafür geben. Aber einen Lilafarbenen nehmen sie doch sicher an, oder? Wenn sie mich so direkt fragen, dann würde ich das schon gerne machen, aber die Krankenkasse verlangt erst mal Plastikgeld. Nachdem wir uns dann 20 Minuten über den Sinn und das Übersinnliche der Krankenversicherung unterhalten hatten, wurde mir ganz übel. Als ich dann von der Bahre aufstehen wollte um mich wenigstens noch schnell mal fachkräftig umsonst wiegen zu lassen, kam mir das verbrochene Frühstück wieder voll durch und landete genau auf dem weißen Kittel meines Gesundheitsfürsorgers.

Jetzt haben wir den Salat. Mir den Mund mit dem Papiertaschetuch abputzend, klärte ich den Arzt auf. Das kann nicht sein Herr Doktor, mehr als ein Ei, etwas Marmelade, Margarine und Brot war gar nicht drin. Nein, ich meine, jetzt haben sie es doch noch geschafft. Nein, arbeiten war ich heute noch gar nicht. Womit habe ich das nur verdient, jammerte mein Gegenüber in seinem Weiß, dass nun etwas verschmutzt war. Also wenn es nach mir geht Herr Doktor, dann bin ich der Ansicht, dass sie bis jetzt noch gar nichts geleistet haben, was meine mitgebrachten 500 Euro rechtfertigen könnte. Und die Reinigung des Kittels bezahle ich nicht, das ist ihnen ja sicher ihr Berufsrisiko wert.

Lange Rede, dem Doktor stand der Sinn aber ganz woanders. Denn sogleich wurde ich als Notfall eingestuft, weil ich offensichtlich Magen mäßig nicht ganz dicht war an diesem Morgen. Da ging auf einmal alles. Vom Blutdruckmessen, über Durchleuchtung, ob der 500 Euro Schein auch echt ist, bis hin zur Magensonde und zwar Ultraschall schnell. Das Plastik war vollkommen vergessen und der Doktor fragte mich nur noch nach meinen Essgewohnheiten. Zu viel Fett, zu viel Eiweiß, aber ansonsten stimmen alle Werte.

Das Stechen in der Brust machte dem Doktor noch Sorgen, denn er erfand den Grund dafür einfach nicht. Die Idee kam schnell hinterher, als er in einem schlauen Buch nachgeschlagen hatte. Doppelte Abrechnung ergibt doppelte Lungenentzündung. Wie gut, wenn jemand solch einen wissentlich gierigen Hausarzt hat. Plötzlich hat man Krankheiten, nach der sich die Pharmazie die Finger wund leckt. Der Doktor schlug mir dann noch eine Kur vor, was ganz schön weh im Geldbeutel tat. Wie gut, dass dieser Beutel aber an der ganzen versicherten buckeligen Gemeinschaft hängt und einen Patienten wie mich erträgt.

Der 500 Euro Schein wurde eingewiesen, gleich mit mir zusammen in das örtliche Krankenhaus. Der Verdacht auf Lungenentzündung hat sich da aber dann doch nicht bestätigt und so war der Hausarzt mich endgültig los. Kurz darauf blätterte ich in den gelben Seiten und auf Anhieb war mir eine Homöopathin sehr sympathisch. Aber zu der gehe ich dann erst morgen und mache sie fix und fertig. Als Krankenkassenzuzahlender ist man schließlich auch noch zu viel mehr berechtigt. Wir Patienten haben mehrere ungesunde Rechte, für die wir eine Menge zahlen müssen.

Der Schaden für die Gesundheit kommt jetzt ganz zum Schluss. Wollen wir mal hoffen, dass dabei das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Wer meint, dass dies eine ziemlich kranke Geschichte ist, der könnte damit richtig liegen. Aber bitte privat versichert und am allerbesten die Söhne von Zahlemann gleich mit.

2 Antworten

  1. Ich bn schon dreissig Jahre nicht versichert, deshalb kann ich mir auch einen Arzt leisten. Das eingesparte Geld lasse ich lieber meinem Hausschamanen zugutekommen. Dem bringe ich dann ein Huhn in die Sprechstunde das er dann ersatzweise rupfen kann. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich ab und zu im südlichen Ausland lebe wo man zwischen Scharlatanen und Heilern unterscheiden kann.

    Erstes Unterscheidungsmerkmal: Ein echter Schamane nimmt niemals Geld weil er genug Luft zum atmen hat. Er ist schlau genug um zu wissen, dass Geld eine Luftnummer ist. Zweites Unterscheidungsmerkmal: Ein echter Schamane lässt sich niemals von der Pharmaindustrie als Werbefuzzi missbrauchen. Hasta la vista!

  2. Lieber Jochen,

    kaum sind die Temperaturen etwas runter, geht hier die Post ab. Armes Kerlchen. Was Du alles mitmachen musst. Aber etwas scheint neu zu sein. Mir sind zwar Fälle bekannt wo einer im Sarg geklopft hat, da er doch noch lebte. Das aber lebende gleich auf die BAHRE verfrachtet werden, ist mir neu. Da kommen eigentlich nur nicht Lebende rauf und werden dann entsorgt.
    Aber dieses Erlebnis ist doch voll nach Deinem Geschmack – Gelle??
    Ausserdem habe ich festgestellt, das so einige wieder aufgetaucht sind. Da ist erstmal Deine liebe Anna und ist der Knochenpaul aufgefunden worden? Jedenfalls hat der den selben Nachnamen wie Knöchi aus der Grube.
    Oder ist das ein neugeborener Knochenpaul?

    Liebe Grüsse

    Jan

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