PM Survival International 21.07.10 … Skandalöses Wasserurteil in Botswana

Heute wurde das in den ersten beiden Pressemitteilung (auf unserem Blog) zu diesem Thema angekündigte Urteil des Obersten Gerichtshofs von Botswana verkündet – und es fiel unserer Ansicht so aus, wie man es aufgrund der gelieferten Informationen erwarten musste: Skandalös!

Deshalb werden wir im Anschluss an die Pressemitteilung, anders als normalerweise praktiziert, einen eigenen Kommentar anhängen.

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SURVIVAL INTERNATIONAL PRESSEMITTEILUNG

21. Juli 2010

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Oberstes Gericht verweigert Buschleuten in Botswana Zugang zu Wasser

Empörung begleitete das heutige Urteil des Obersten Gerichtshofs Botswanas, in dem das Gericht den Kalahari Buschleuten den Zugang zu Wasser verweigerte.

Der Richter entschied, dass die Buschleute kein Recht darauf haben ein Wasserbohrloch zu nutzen, welches ihre einzige Wasserquelle im Central Kalahari Game Reserve, einer der trockensten Regionen der Welt, darstellt. Die Anhörung in dem Fall fand bereits am 9. Juni statt, das Gericht vertagte aber seine Entscheidung bis heute.

Der Sprecher der Buschleute, Jumanda Gakelebone, sagte:

„Dies ist sehr ernst. Wie sollen wir leben, wenn wir kein Wasser haben? Das Gericht gab uns unser Land, aber ohne Wasser auf dem Land, ohne unser Wasserbohrloch, ist das Leben dort hart.“

Die Entscheidung ist ein herber Rückschlag für die Buschleute, die seit 2002 ohne Wasser in dem Reservat auskommen müssen. Damals hatte die Regierung das Wasserbohrloch in dem Versuch versiegelt, die Buschleute aus dem Reservat zu vertreiben. 2006 entschied der Oberste Gerichtshof, dass die erzwungene Vertreibung durch die Regierung unrechtmäßig und verfassungswidrig war. Seit dem sind hunderte Buschleute auf ihr Land zurückgekehrt.

Trotz der Entscheidung von 2006 untersagte die Regierung den Buschleuten die Instandsetzung des Bohrloches und überließ sie, in den Worten des UN Sonderbeauftragten für die Rechte Indigener Völker James Anaya, „aufgrund des Wassermangels harten und lebensbedrohlichen Umständen.”

Weiters eröffnete der Reiseanbieter Wilderness Safaris auf dem Land der Buschleute  ein Luxus-Camp für Touristen mit Pool und Bar. Die Regierung legte zudem, finanziert durch die Tiffany & Co Stiftung,  neue Bohrlöcher in dem Reservat an um Wildtiere mit Wasser zu versorgen.  Der Diamantenhersteller Gem Diamonds erhielt zudem eine erste Genehmigung um in dem Reservat  Diamanten zu schürfen, unter der Bedingung, dass die Buschleute kein Wasser von dem Unternehmen erhalten würden.

Einige Buschleute werden daran gehindert ihren Angehörigen Wasser in das Reservat zu bringen.

Stephen Corry, Direktor von Survival International, sagte heute:

„In den letzten zehn Jahren ist Botswana für indigene Völker zu einem der härtesten Orte der Welt geworden. Wenn Buschleuten das Wasser auf ihrem Land vorenthalten wird, während Touristen, Tiere und Diamantenhersteller es frei erhalten können, sollten sich alle Menschen fragen, ob Sie diese Regierung wirklich mit ihren Reisen und Schmuckeinkäufen unterstützen wollen.”

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Originalmeldung

Hinweis an die Redaktion: Der Anwalt der Buschleute steht für Interviews (auf Englisch) zur Verfügung.

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Kommentar AmSeL (HDZ)

Natürlich pflichten wir dem Kommentar des Direktors von Survival International in der Sache bei, aber unserer Ansicht nach stellt er die Implikationen, die sich aus dem letztlich ergangenen Urteil ableiten lassen, nur eingeschränkt dar. Diese Einschätzung mag der bekannten „Weltanschauung“ dieses Blogs entspringen, sollte aber angesichts einer globalen Entwicklung, die sich in diesem Urteilsspruch voll umfänglich widerspiegelt, nicht unbeachtet respektive unausgesprochen bleiben.

Zunächst möchten und müssen wir hervorheben, dass das Urteil sich in den Informationen schon mehr oder weniger abzeichnete, die in den vorausgegangenen Pressemitteilungen bereitgestellt wurden … siehe PMs vom 16. Und 19. Juli.

In Anbetracht der Tatsache, dass den indigenen Buschleuten der Kalahari in einem vorausgegangenen Urteil (2006) zwar das Recht auf ihr Land zugesprochen und der Regierung Botswanas im Zusammenhang mit der vorangegangenen Vertreibung Verfassungsbruch bescheinigt wurde, muss man gerade die scheinbare Eigenmächtigkeit der zuständigen Behörden hinsichtlich der Unterbindung einer Versorgung der dort lebenden Menschen durch Angehörige mit Wasser als eindeutigen Hinweis darauf werten, dass dieses skandalöse Urteil damals bereits feststand und in den relevanten Kreisen auch bekannt war.

Zusammen mit der Versiegelung des einzigen Wasserlochs im Gebiet der Buschleute (schon 2002!) durch die Regierung ergibt sich aus unserer Sicht der ebenso klare wie unwiderlegbare Sachverhalt, dass der erste Urteilsspruch nur ein bedeutungsloses Schauspiel für die (Welt-) Öffentlichkeit war. Danach wurden die Pläne hinsichtlich der Vertreibung der Buschleute, die offenkundig mit den Fakten bezüglich „Luxus-Ressorts für Touristen“ und an menschenverachtende Bedingungen gebundene ausländische Investitionen, die anscheinend auch mit einer ersten Lizenzvergabe für eine Diamantmine „belohnt“ wurden, in Verbindung stehen, (bis 2006 unangefochten) über die fortgesetzte Verweigerung des adäquaten Zugangs zu Wasser weiterbetrieben.

Zum Botswana-Fall gibt es aus unserer Sicht insofern nicht mehr zu kommentieren, da sich alle Fakten, die für eine eigenständige Beurteilung der oben aufgestellten These, aus der Gesamtdarstellung der drei Pressemitteilungen und des zur Verfügung gestellten ergänzenden Informationsmaterials ergeben. Das einzige, was uns persönlich noch zu sagen bleibt, ist, dass wir zwar bedauern, wie übel den Kalahari Buschleuten mitgespielt wurde und hoffen, dass sie einen Weg finden werden, trotz dieser unfassbaren Ungerechtigkeit auf dem angestammten Land zu überleben. Auf der anderen Seite muss man aber auch realistisch bleiben und einsehen, dass dieser Ausgang eben nur aus Sicht der Betroffenen und noch zu normalem Denken und Fühlen fähiger Menschen als Unrecht empfunden wird. Für die Nutznießer der Ausbeutung und Vertreibung sieht das zweifelsohne ganz anders aus …

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… auch und vor allem deshalb: Für jene Mitmenschen, die im Schicksal der Kalahari Buschleute ein unbedeutendes/nicht zu änderndes, weit entferntes und für sie als Angehörige eines zivilisierten und modernen „ demokratischen Rechtsstaats“ ohnehin unerhebliches Geschehen halten … ja, es soll sogar sehr viele Menschen geben, die mit dieser Art von Unrecht derart oberflächlich und desinteressiert – vor allem aber  von falscher Arroganz und vermeintlicher Sicherheit geprägt – umzugehen pflegen … möchten wir für den Moment nur den Rat hinzufügen, sich doch einmal mit den tatsächlichen Besitzverhältnissen nicht nur in der BRD sondern auch darüber hinaus im umfassenden Sinne der bundesrepublikanischen rechtsstaatlichen und völkerrechtlichen Realität zu befassen. – Vielleicht wird ihnen dann klar, dass uns Staatsbürgen weit weniger von den entrechteten, verfolgten und mehr oder weniger offen dem Aussterben überantworteten indigenen Bevölkerungen der Dritten Welt unterscheidet als uns bewusst ist und lieb sein kann!

Selbstverständlich ist mir klar, dass auch dieser gutgemeinte Rat wieder an dem Bollwerk aus westlichem Selbstbetrug, einem wettbewerbs- und konsumgesteuerten Pseudo-Lebensgefühl und allgegenwärtiger Angst/Bequemlichkeit/Anpassungsmanie abprallen und ungehört verhallen wird. – Aber wenn es soweit ist, dass der westliche Kapital- und Dominanz-Irrsinn seine zerstörerische Rundreise durch die Welt beendet und mit Brachialgewalt auf die Überflüssigen der westlichen Industrienationen einstürmt, sollte niemand sagen, er oder sie sei nicht frühzeitig gewarnt worden.

Übrigens werden dann zahlreiche Damen und Herren, die sich bisher noch nicht für überflüssig und vor der Aussonderung durch das globalistische Macht-System stehend halten, sehr schnell eines Besseren belehrt werden … aber auch darauf haben wir ja verschiedentlich schon mal hingewiesen …

Eine Antwort

  1. Wie im kleinen so im grossen. Nur mitfühlende Menschen können erfassen was hier überhaupt geschieht. Der Vergleich mit der BRD-GmbH scheint nur oberflächlich an den Haaren herangezogen. Nur dass es sich dort nicht um ein Wasserloch dreht sondern um geschichtliches Recht.

    Für mich war der Gerchtsbeschluss vorauszusehen. Wird doch an der ganzen Geschichte klar, dass alles ein abgekartetes Spiel war. Recht? Wo ist das Recht wenn man keine Macht hat um dieses Recht zu verteidigen. Wo gibt es ein grösserer Rechtsanspruch als auf das Wasser. Ein Lebenselixier wie unsere Luft die wir atmen. Die „zivilisierten“ Menschen wissen nicht was teilen ist. Sie haben es verlernt.

    GEBEN, MITEINANDER TEILEN, ZUSAMMENFÜGEN. Das ist die Essenz christlichen Lebens. Aber wo sind die Christen?

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