Gastbeitrag Adalbert Naumann: Das Problem von antizionistischen Juden und Nichtjuden mit dem Staat Israel

Wie im letzten Artikel angekündigt, veröffentlichen wir den nachfolgenden Gastbeitrag in nahezu vollständiger Übereinstimmung mit dem Autor … wir werden uns garantiert noch eingehender mit ihm austauschen und gehen eigentlich davon aus, dass sich dabei schließlich die letzten Nachkomma-Prozente in Richtung Meinungsgleichheit auch noch einstellen werden. Der Artikel passt sich notgedrungen der Tradition dieses Blogs an … aber bei diesem Thema ist eine Kurzzusammenfassung viel kürzer einfach nicht zu bewerkstelligen.

Trotzdem oder besser: gerade deswegen wünschen wir interessante Lektüre – und gleich auch noch ein angenehmes Wochenende an unsere Leser/innen – Gemeindemitgliedern und Gelegenheitsbesuchern gleichermaßen.

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Von Adalbert Naumann

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Als meinen ersten (und eventuell auch letzten) schwergewichtigen Gastbeitrag für beide von mir geschätzte Blogs von Josephine und Moltaweto habe ich mir ein Thema ausgewählt, dass diese beiden Menschen ebenfalls nachhaltig beschäftigt. Man könnte es auf den kurzen Nenner Naher und Mittlerer Osten bringen – oder noch kürzer mit die Geschichte des zionistischen Staates Israel umschreiben. Da es sich hierbei um ein ungeheuer komplexes und wenigstens 150 Jahre umfassendes Thema handelt, kann natürlich nur der Versuch unternommen werden, die Mythen und Geschichte der Vergangenheit mit der Realität der Gegenwart zu vergleichen und daraus wiederum einen Ansatz abzuleiten, mit dem sich die Probleme, in deren Zentrum unbestreitbar „USrael“ stehen, etwas realitätsbezogener und wahrheitsgemäßer ergründen lassen, als dies in offiziellen und „allgemein anerkannten“ (soll heißen: „auch von den Zionisten!“) Publikationen getan wird.

Vorausschicken möchte ich – sozusagen zur Vermeidung von Missverständnissen – dass ich persönlich zwar nicht allzu viel vom „Online-Nachschlagewerk Wikipedia“ halte, aber dennoch vorzugsweise auf sie verweise. Dies liegt einerseits daran, dass ich momentan sehr wenig Zeit für eingehendere Recherchen habe und die Artikel andererseits zumindest grundlegende Informationen anbieten, welche die oder der Interessierte dann für weiterführende Recherchen nutzen kann.

Nun aber zur Sache.

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Vorgeschichte der israelischen Staatsgründung

Die Vorgeschichte der Staatsgründung, die man wenigstens bis zur ersten „Alija“ (offiziell von 1882 bis 1903, aber erste, vor allem osteuropäische Juden begannen bereits ab 1870 nach Palästina aus- bzw. einzuwandern) ist verglichen mit der Geschichte des Staates Israel außerordentlich komplex und eignet sich definitiv nicht zur kurzen Abhandlung in einem einzelnen Artikel.

Von besonders engagierten und findigen Zionisten (oder solchen, die sich ihnen nahe stehend fühlen) wird sie allerdings ebenso einseitig wie häufig auch mit dem Thema „Nationalsozialismus“ und Weltkrieg II in Verbindung gebracht, wobei dann auch der Holocaust gerne als Rechtfertigung und Begründung für die Staatsgründung Israels und dessen seither bevorzugte Politik  angeführt wird. Nicht zuletzt auch von den politischen Verantwortlichen der BRD (parteiübergreifend), die nicht müde werden, das Existenzrecht Israels als „unantastbare Staatsräson“ zu bezeichnen und als Begründung dafür die besondere Verantwortung Deutschlands aufgrund seiner historischen Schuld anzuführen. – Ich wage hier und jetzt einfach mal zu behaupten, dass dies ein Stück Geschichtsschreibung ist, wie man sie von den Zionisten und ihren „Freunden“ (Marionetten) in den führenden Nationen der Welt kennt! Es kommt garantiert nicht von ungefähr, dass Juden bevorzugt als „Revisionisten“ bezeichnet werden, wenn sie die israelische Politik und Propaganda im Zusammenhang mit ihren historischen Wurzeln zu kritisieren wagen. „Wir Deutsche“ kennen das auch irgendwoher, oder?

Wie viele kritische Stimmen, etwa Norman G. Finkelstein, in ihren Publikationen zum Ausdruck bringen, sind sowohl der Holocaust als auch das Totschlagargument „Antisemitismus“ die wichtigsten Säulen der zionistischen Propaganda. Und auf diese Feststellung lege ich besonderen Wert, da es  nachweislich falsch ist, wenn man Zionismus und (Welt-) Judentum als ein und dasselbe bezeichnet. Vorrangig um damit jede, auch berechtigte, Kritik an Israel zu delegitimieren. – Das hat nicht das Geringste mit Antisemitismus (korrekter Judäophobie) oder Bestreiten der nationalsozialistischen Verbrechen zu tun, sondern stellt lediglich eine gerne verleugnete oder verschwiegene Tatsache fest!

Wer sich mit diesem Thema eingehender befassen und selbst nachprüfen möchte, sei hiermit – mit erheblichen Vorbehalten, dennoch verlinke ich aus Bequemlichkeit vorwiegend auf dieses „Online-Standardwerk😉 (siehe oben) – zunächst einmal auf den Wikipedia-Eintrag zum Zionismus hingewiesen. Um sich in dieses komplexe Thema wirklich einlesen und auch die in diesem Artikel geflissentlich verschwiegenen Facetten der israelischen Staatsideologie erfassen zu können, muss nicht nur berücksichtigt werden, dass die deutsche Wikipedia hundertprozentig der prozionistischen / proisraelischen „political correctness“ unterworfen ist. Sondern auch beachtet werden: Durch Verfolgen der angebotenen Links lässt sich dieses erheblich einschränkende Manko jedoch umgehen und mit dem notwendigen Maß an Geduld, Hartnäckigkeit und gesundem Menschenverstand lässt sich – sozusagen zwischen den Artikeln und Zeilen – doch ein halbwegs passables Gesamtbild entwickeln, das unter anderem auch die Tatsache unmissverständlich aufzeigt, dass die zionistische Kolonisierung Palästinas schon unter dem Regime der osmanischen und britischen Besatzungsmacht begonnen hatte und alle maßgeblichen Voraussetzungen (mit Ausnahme einer angemessenen Zahl von einwanderungswilligen europäischen Juden!) lange vor der „vollkommen unprovoziert“ beginnenden Judenfeindlichkeit im nationalsozialistischen Deutschland geschaffen wurden. Der Hinweis auf die finanzielle und organisatorische Unterstützung, welche die Zionisten von den Herren Edmond Rothschild und Baron Lionel Walter Rotschild (siehe auch Balfour-Deklaration) erhielten, sollte nicht leichtfertig oder ignorant behandelt werden! Beide und damit auch die Nachfolger ihrer Clanlinien, waren und sind maßgeblich in das zionistische Projekt namens Israel (und mehr) involviert und müssen auch als „fundamentale Garanten“ für den andauernden Einfluss der Zionisten auf die Weltpolitik eingestuft werden … Das ist ein nachvollziehbarer Fakt und gewiss nicht der Stoff, aus dem „Verschwörungstheorien“ gewoben werden.

Interessant und wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, die diversen „Untergrundorganisationen“ in die Recherche einzubeziehen, die sowohl gegen die britische Mandatsherrschaft als auch gegen die arabischen Bevölkerungsteile Palästinas agierten. Dass sie dabei häufig zu Mitteln griffen, die Israel (und seine Apologeten) heute bspw. beim palästinensischen Widerstand als Terrorismus brandmarkt, geht sogar aus den betreffenden Artikeln der Wikipedia hervor. Das Internet bietet allerdings noch viel bessere, interessanter Weise häufig prozionistische Seiten, auf denen sich Material finden lässt, das ein bedeutend umfassenderes Studium dieses Aspekts der Kolonialisierung Palästinas (über die Staatsgründung hinaus!) ermöglicht.

Schon gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war vor allem jüdischen Gegnern des Zionismus bestens bekannt, mit welchen unlauteren und diffamierenden Methoden die Hardliner dieser Ideologie ihre Widersacher zu behandeln pflegten. Und daran hat sich bis heute nicht nur absolut nichts geändert, sondern dieses Wissen erlaubt es einem aufmerksamen Menschen auch, prozionistische Ablenkungs- oder Verteidigungs-Propaganda zu entlarven, egal von welcher Seite sie auch kommt! (Siehe dazu bspw. den Artikel Moltawetos zur „Antisemitismus-Debatte 2010“ … Zitat 2 aus dem Brief von Reuven Cabelman an die Heinrich-Böll-Stiftung anlässlich der Absage eines Vortrags von Norman G. Finkelstein in Berlin)

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Die Gründung des Staates Israel … mit der Zielsetzung „Judenstaat & Eretz Israel

Dieser Abschnitt der israelischen Geschichte ist sowohl mit der zuvor angeschnittenen Vorgeschichte als auch mit der gegenwärtigen Situation sehr eng verbunden. Dies liegt unzweifelhaft an der ebenso untrennbaren Verbindung zwischen der zionistischen Ideologie und deren „staatlichen Umsetzung“– ist aber auch damit zu erklären, dass eines der Hauptziele des zionistischen Projekts – die Vertreibung aller Palästinenser und die „Rückgewinnung“ des Gelobten Landes ausschließlich für (zionistische) Juden – noch nicht verwirklicht werden konnte. Ob das tatsächlich das angestrebte Endziel der aktuell federführenden Zionisten ist, oder ob ihnen „Land und Leute Israels“ im Grunde genommen genauso egal sind wie die Palästinenser, die Araber und der Rest der Menschheit, soll nicht Gegenstand meiner Überlegungen sein.

Fest steht aus meiner Sicht, dass sich die zionistische Ideologie, die mit dem eigentlichen jüdischen Glauben „eher wenig“ gemein hat, auf bestimmte Ansichten und Überzeugungen stützt, die im Gegensatz zur „exoterischen“ Glaubenslehre (also die für nicht eingeweihte Juden und alle Nichtjuden) auf „esoterischen“ Lehrsätzen beruhen, welche sich angeblich durch eine besondere Feindseligkeit und Verachtung für nichtjüdische Menschen auszeichnet. – Leider, das hatte Moltaweto ja auch hin und wieder schon einmal bedauernd angemerkt, scheint seitens jüdischer Menschen mit dem notwendigen Wissen über die Lehren, wie sie bspw. der Talmud beinhaltet, kein übermäßiges Interesse an einer Zusammenarbeit mit nicht-professionellen Schreiberlingen wie uns  zu bestehen. Deshalb ist der interessierte Mensch bedauerlicherweise darauf beschränkt, sich durch alle verfügbaren Abhandlungen über das Thema zu arbeiten und zu guter Letzt selbst zu entscheiden, welche Auslegung er für glaubhafter hält. Das ist auch aus dem erweiterten Grund schade, dass sich hier sehr gute Grundlagen für eine „glaubens- und ideologieneutrale“ Zusammenarbeit für Juden, Muslime, Christen und sogar „gläubige Atheisten“ wie Josephine und Moltaweto ergeben würden!

Ebenso problematisch finde ich persönlich, dass dieselben „Hintergedanken“, die den Zionisten unterstellt werden (z.B. in den höchst umstrittenen „Protokollen der Weisen von Zion“), auch bei Jesuiten bzw. Freimaurern/Illuminaten als Bestandteil von deren „Streben nach Weltherrschaft“ angeführt werden. Auf diese Weise wird die Wahrheitssuche leider erschwert und verkommt, wenn man sich von diesen irreführenden Thesen nicht zu lösen vermag, sehr schnell zu einem Irrweg, der eher denjenigen Kräften dient, die nicht nur im Nahen Osten die Fäden fest in ihren Händen halten und Menschen aller Nationalitäten, kulturellen und gläubigen Herkunft nach ihrem psychopathologischen Gutdünken manipulieren und auch gegeneinander aufhetzen …

Aber lassen wir das … eine gewisse Klarheit besteht immerhin schon mal. Viele Kritiker, einschließlich Juden (vornehmlich „Torah-treues Judentum“ und die sogenannten „Neuen israelischen Historiker“) bezeichnen den von Zionisten ins Feld geführten „historischen (= biblischen) Besitzanspruch auf das gesamte Gebiet Palästinas und noch über dessen Grenzen hinaus als das Produkt einer auf Mythen beruhenden „Tatsachenbehauptung“. Natürlich wird jeder, der dieser Argumentation widerspricht (bspw. Ilan Pappe oder in jüngster Zeit Shlomo Sand) der unerbittlichen Anfeindung durch Zionisten und von deren Ideologie indoktrinierte Philosemiten ausgesetzt. Das ändert aber nichts daran, dass erhebliche Zweifel an der zionistischen Sichtweise und Argumentation (Staatsideologie) angemeldet werden müssen.

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Der Sechstagekrieg / Juni-Krieg … Israels Aufstieg zur regionalen Super- und Besatzungsmacht

Auch wenn das schon der dritte Krieg Israels (nach dem Unabhängigkeitskrieg 1948 und der Suezkrise – auch bekannt unter Sinai-Feldzug 1956) war, muss man unbestreitbar feststellen, dass es die sechs Tage im Juni 1967 waren, die das Israel in Position gebracht haben, mit dem es die Palästinenser, Araber sowie jüdische und nichtjüdische Israelkritiker heute zu tun haben.

Auch dieser Krieg und das gesamte Drumherum würde für sich selbst schon genug Stoff für mindestens einen separaten Artikel bieten. Da er jedoch aus meiner Sicht der Schlüsselpunkt für die zionistische Eroberungs- und Unterwerfungsstrategie (ethnische Säuberung ausdrücklich eingeschlossen) gewesen war und auch Israels Stellung in der Weltgemeinschaft auf dem heute noch zu bewundernden Niveau sichergestellt hat, muss man ihn wenigstens einbinden.

Seit dem „Sechstagekrieg“ (als ausgleichendes Element zur Wikipedia-Definition auch hierzu einen englischen Artikel, der in Bezug auf die Kriegsgeschichte einige wesentliche Punkte gerade rückt – insbesondere das laut Wikipedia „immer noch nicht geklärte Motiv“ für die Versenkung des Aufklärungsschiffes „USS Liberty“ durch die Israelis!) herrschen die Verhältnisse im Nahen Osten, die Israel nicht nur bewahren, sondern im Sinne der zionistischen Zielsetzungen noch weiter ausbauen möchte. – Die seinerzeit erlassene UN-Resolution 242 wurde von Israel bis zum heutigen Tage nicht erfüllt, was man unzweifelhaft als Hauptgrund für die „Nichtanerkennung des Existenzrechts Israels“ durch viele arabische Staaten und die Hamas ansehen muss. Die Behauptung, die Resolution würde nicht greifen, da Israel keinen Offensiv-, sondern lediglich einen Verteidigungskrieg geführt habe (ich denke jedoch, dass das keine Rolle spielen darf, weil Krieg Krieg bleibt und dadurch vereinnahmte Besatzungsgebiete illegal bleiben müssen!), wird ebenfalls durch die oben verlinkte Gegenmeinung widerlegt.

Definitiv hat der Sechstagekrieg auch in Bezug auf die „moderne zionistische Propaganda“ einen sinnstiftenden Charakter, was wohl vor allem (wenigstens) auf ein berühmt gewordenes Zitat (gemeint ist das fünfte von oben)  der ersten und einzigen Ministerpräsidentin Israels – Golda Meir – zurückgeführt werden muss.

Zur abkürzenden Erinnerung:

„So etwas wie Palästinenser gab es nicht. Wann gab es denn ein unabhängiges Palästinenservolk mit einem palästinensischen Staat? Entweder war dort das südliche Syrien vor dem Ersten Weltkrieg, und dann noch ein Palästina, das Jordanien einschloss. Es gab keine Palästinenser in Palästina, die sich selbst als solche ansahen und es ist ja nicht so, als ob wir gekommen wären, sie hinaus geworfen und ihnen ihr eigenes Land weggenommen hätten. Sie haben nie existiert.“abgedruckt in der Sunday Times am 15. Juni 1969, sowohl als in The Washington Post am 16. Juni 1969

Ich denke nicht, dass man das kommentieren muss, aber vielleicht werde ich mich mit diesem Detailaspekt ja noch einmal etwas eingehender beschäftigen (wenn Josephine und Moltaweto keine Einwände haben!).

Zu diesem geflügelten Wort der Dame muss man aus aktuellem Anlass auch das letzte unter dem oben genannten Link angeführte Zitat hervorheben, da es unzweifelhaft auch für die strikte Ablehnung Israels steht, auch nur über ein Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge zu verhandeln und für die selbstherrliche Auslegung, die besetzten Gebiete als seinen „regulären Besitz“ anzusehen:

„Wie sollen wir denn die besetzten Gebiete zurückgeben? Es gibt doch niemanden, an den wir sie geben könnten.“aus den News Reports des 8. März 1969, zitiert in „The Zionist Connection II: What Price Peace“, Kapitel 13, von Alfred Lilienthal

Auf diesen geflügelten Worten Meirs basiert – z.B. nach Meinung von Norman G. Finkelstein, die er in seinem Buch „Antisemitismus als politische Waffe, 2005 – auch die Propaganda US-amerikanischer Zionisten. Eine wenigstens genauso umstrittene (wie Finkelstein bei den Zionisten und ihren Verbündeten) Journalistin und Autorin namens Joan Peters machte 1984 (vor allem in zionistischen Kreisen) Furore mit ihrem Buch „From Time Immemorial: The Origins of the Arab-Jewish Conflict over Palestine“ [Das Buch ist nie auf Deutsch erschienen, der Titel lautet übersetzt etwa: „Seit undenklichen Zeiten: Die Ursprünge des arabisch-jüdischen Konflikts in Palästina“]. In diesem Werk führte sie – sozusagen – den „wissenschaftlichen Beweis“ dafür, dass Golda Meir mit ihrem oben genannten (ersten) Zitat doch richtig lag. Ich kann wirklich an der Wahrheit (oder wenigstens einer anderen, der „gefühlten Wahrheit“ näher kommenden Sichtweise) interessierten Menschen das Lesen der Bücher von Norman G. Finkelstein nur wärmstens empfehlen …

Kurzer Auszug aus dem oben genannten Buch und zum Thema „Joan Peters“:

„Die >amerikanische Kultur- und Literaturszene< […] war, wie man dem Buchumschlag entnehmen konnte, voll des Lobes: Eine echte Offenbarung sei diese Lektüre, man gewinne völlig neue Einsichten in den Konflikt. Das Buch fuhr in den Medien Dutzende von Besprechungen ein und die Rezensenten gerieten entweder in Ekstase oder erstarrten in Ehrfurcht. Schon die Erstauflage eroberte die amerikanischen Bestsellerlisten. Sieben Nachauflagen in gebundener Ausgabe sollten folgen. Die gewaltige Menge von annähernd 2000 Anmerkungen verfehlte nicht ihre Wirkung und die schwer durchschaubare demographische Studie, auf die Peters ihre Hauptthese stützte, sah ebenfalls nach solider wissenschaftlicher Arbeit aus. Peters behauptete, Palästina sei am Vorabend der zionistischen Kolonisierung praktisch vollkommen unbesiedelt gewesen; erst nachdem Juden die Wüsteneien, in denen sie sich niedergelassen hatten, zum Blühen gebracht hätten, seien Araber aus den Nachbarstaaten und anderen Teilen Palästinas in diese Gebiete eingewandert und hätten sich als Einheimische ausgegeben […] So etwas wie Palästinenser gab es überhaupt nicht.

Ich stellte jedoch fest, dass sich Peters These auf rein gar nichts stützte: Zitate, die sie in ihrem Buch anführte, waren grob entstellt, und die wichtigsten demographischen Angaben hatte sie für ihre Zwecke zurechtgebogen. Überdies bestand das Buch zu einem beträchtlichen Teil aus Material, das Peters aus zionistischen Propagandaschriften übernommen hatte.“ [Seite 23/24]

So entstanden und entstehen heute immer noch „zionistische Mythen“, die von allen anderen Menschen als wahr und unantastbar angesehen werden müssen, wenn sie nicht riskieren wollen als Antisemiten oder Rechtsradikale stigmatisiert zu werden und ggf. ihren Ruf oder gar ihre gesamte Existenz zu verlieren.

Wie gezeigt, hatte das erst nach dem Juni 1967 begonnen und es gab noch mehr US-amerikanische zionistische Genies, deren Argumentationen zum Standard der Verteidigung von Israel und seiner zionistischen Ideologie avancierten. Zum Beispiel Alan Dershowitz – noch mehr aussagekräftige Beispiele und Gegenargumente bietet das oben genannte Buch und auch die Webseite von Prof. Finkelstein.

Auf diesen „wissenschaftlich untermauerten“ Lügen ließ sich die Siedlungspolitik bestens gründen, aber – wie weiter oben schon ausgeführt, es gab und gibt noch schwerwiegendere Behauptungen der Zionisten, die man berücksichtigen muss, um den Erfolg zu verstehen, den diese Politik in der israelischen Öffentlichkeit erzielen konnte und bis in die Gegenwart zeitigt.

Das Verhalten der israelischen Führung, der Siedler und deren nationalen und internationalen Unterstützer ist einerseits auf den rein ideologisch zu verstehenden „Lehren“ des (politischen und nationalistischen) Zionismus‘ und andererseits auf alttestamentarisch verankerten Mythen begründet. Thora, noch mehr allerdings Talmud und ähnliche religiöse Gesetzestexte liefern die Vorlagen für jenes Denken, das (wahrscheinlich nicht nur, aber vor allem in Israel) den jüdischen Kindern schon frühzeitig über die Bildung und Erziehung eingetrichtert wird und die Grundlagen für den Umgang mit und die abfällige Meinung über alle „Nichtjuden“ (insbesondere die arabischen Völker) bilden.

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Der moderne Staat Israel … und seine Propaganda

Was Israels aktuelle Propaganda angeht, so basiert sie häufig (neben allgemeinen Antisemitismus-Vorwürfen in Richtung Kritiker, auch wenn es sich bei solchen um Menschen jüdischen Glaubens handelt) auf der Behauptung, nur sie (israeltreue Zionisten) würden die Situation im Nahen Osten wahrheitsgemäß darstellen. Infolgedessen wird natürlich jeder nicht in der Region ansässige Kritiker gnadenlos abgewatscht und in die Antisemitismus- oder noch einfacher gleich in die „rechte Ecke“ gestellt (was angesichts der derzeit in Israel regierenden rechtsextremen Koalition schon „leicht abstrus“ zu nennen ist).

Das Problem dieser Propaganda, die nicht nur von offiziellen staatlichen Stellen und zionistischen Organisationen (bspw. dem Zentralrat der Juden in Deutschland), sondern auch von zahlreichen einschlägig bekannten Solidaritätsseiten (Philosemiten oder bezahlte Hasbara*-Sprachrohre) wie zum Beispiel „Honestly Concerned“ verbreitet wird, besteht darin, dass es auch viele Kritiker und Experten vor Ort gibt, die sie nicht hinnehmen und mit fundierten Argumenten widerlegen.

[*] Kleine Anekdote am Rande zum Thema „Wikipedia deutsch“zum Thema „Hasbara“ sucht man in der angeblich umfangreichsten Onlineenzyklopädie (deutscher Sprache) natürlich vergeblich!

Weiter im Text – Gegendarstellung:

Ein gutes Beispiel dafür habe ich gestern via Steinberg-Recherche gefunden. Leider ist es komplett in englischer Sprache, aber ich hoffe (gehe davon aus), dass jede/r Leser/in jemanden im Verwandten- oder Bekanntenkreis hat, der oder die hier als Dolmetscher/in einspringen kann.

Teil 2Teil 3Teil 4Teil 5

Jonathan Cook lebt seit Sommer 2001 in Nahen Osten und hat sich von Anfang an vor allem dem Studium des Lebens und der Probleme der palästinensischen Minderheit in Israel angenommen. Meiner Meinung nach kann man ihn mit Fug und Recht als einen der führenden Experten rund um diese Thematik bezeichnen!

Ebenfalls via Steinberg Recherche und in Verbindung mit den obenstehenden Videos habe ich ein anschauliches Beispiel dafür gefunden, wie der israelische Umgang mit missliebigen oder – aus Sicht der treibenden Kräfte des zionistischen Projekts „Israel“ – eventuell sogar „bedrohlichen“ Meinungsäußerungen aussieht.

Es dreht sich dabei um einen Artikel von David Grossman, der zunächst in der Zeitung Ha’aretz veröffentlicht, wenige Stunden später aber bereits wieder vom Netz genommen wurde. Auch der Artikel ist in Englisch, aber die Steinberg Recherche hat eine Erklärung für diesen Akt der freiwilligen (?) oder von oben erzwungenen Selbstzensur geliefert, die ich hier zitieren möchte:

Ha’aretz hat einen Beitrag von David Grossman nach wenigen Stunden wieder vom Netz genommen. Warum?

Und hier die Antwort: Eine wie von Grossman angeregte Einigung mit Hamas und nachfolgender Frieden würden der israelischen Homeland-Security- und Rüstungsindustrie sowie dem Handel mit deren Produkten die Basis entziehen. Israel würde auf die Bedeutung von Jordanien schrumpfen, siehe Jonathan Cook, Part 2, ab 0:30, ca. neun Minuten, und die konzise Zusammenfassung in Part 4 ab 0:30, ca. sechs Minuten.

Man könnte (und müsste) das sicherlich noch viel weiter ergründen und auch ausführen, aber ich möchte den Lesern meiner Gastgeber nicht übermäßig viel Text zumuten (obgleich es schon ein viel zu langer Artikel geworden ist!).

Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle etwas abkürzen und nur noch auf die hochaktuelle und brisante Situation im Nahen und Mittleren Osten eingehen. Auch bei deren realistischen Betrachtung und Analyse spielt der Staat Israel, seine militärisch gestützte „innerstaatliche“ Expansionspolitik und sein (US-amerikanisch unterlegtes) Hegemonialstreben in der Region eine übergeordnete Rolle. Dazu liefert auch die oben verlinkte Videoreihe enorm viel an stichhaltigen Argumenten und Analysen!

Die fortgesetzte und sukzessive forcierte Besiedlung widerrechtlich besetzter Gebiete (zum Zwecke der Schaffung von unveränderlichen Tatsachen im Rahmen der ethnischen Säuberung), die totale Abriegelung des Gaza-Streifens über Land und Wasser sowie aus der Luft (die derzeit propagierte „Lockerung der Land-Blockade“ kann man offensichtlich auch nicht als reellen Schritt hin zu mehr Lebensqualität und Souveränität der dortigen Bevölkerung bezeichnen; siehe dazu auch Moltawetos heutigen Artikel), die jüngste Eskalation in Sachen „Hilfskonvoi“ und „Mavi Marmara“ und nicht zuletzt die unglaubwürdige „Kritik der Freunde Israels“ (im besonderen Maße USA und BRD) sowie die kategorische Weigerung Israels, auch nur mit der Hamas als demokratisch gewählter Vertretung der Palästinenser zu verhandeln (statt dessen werden immer wieder unerfüllbare und die militanten Palästinenser provozierende Bedingungen gestellt) … das alles macht nun wahrlich nicht den Eindruck, als sei von den verantwortlichen Personen irgendjemand an Frieden und Versöhnung im Sinne der dauerhaften Sicherheit der israelischen und palästinensischen Zivilbevölkerung interessiert. Das soll ganz gewiss keine einseitige Schuldzuweisung an die israelische Adresse sein, aber wenn man die Fakten objektiv und kritisch prüft, dann kann man nicht anders befinden, als dass die höheren Hürden auf dem Weg zu einem gerechten Frieden im Nahen Osten definitiv auf ihrer Seite aufragen. – Insbesondere dann, wenn man den Nahostkonflikt strikt nach den Prinzip von Ursache und Wirkung betrachtet!

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Israel – Iran – und die von oben gewollte Opferrolle der israelischen Juden

Oder: Worauf läuft dieser ganze Irrsinn hinaus?

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Und nun geht USrael (mit tatkräftiger Rückendeckung von EU, BRD und der gesamten westlichen Wertegemeinschaft) gegen den Iran vor … Aufgrund von lange widerlegten Lügen und immer wieder derselben „Falschübersetzungen“ von der drohenden „Vernichtung Israels“ durch einen Staat, der geschichtlich beweisbar seit „ewigen Zeiten“ kein anderes Land angegriffen hat, wird händeringend nach einem Grund gesucht, um einen Nuklearschlag gegen den Iran führen zu können. In den weiter oben angebotenen Videos vom Gespräch mit Jonathan Cook wird der wahrscheinlichste „wahre Grund“ für den unbedingten Kriegswillen Israels genannt … nämlich der unbedingte Wille zur Wahrung des Machtstatus als einzige regionale Atom- und Supermacht. Ohne diesen Status würde kein Geld mehr aus dem westlichen Ausland nach Israel fließen, die „Sicherheits- und Rüstungsunternehmen“ würden keine horrenden Profite mehr generieren und falls es tatsächlich zu einem atomaren Gleichgewicht kommen sollte, wäre Israels Bedeutung in der Region deshalb und aufgrund des Verlusts seines ultimativen Drohpotentials sehr schnell auf das Maß geschrumpft, welches einem Kleinstaat wie ihm nun mal zusteht.

Natürlich wäre das auch für die „westliche Wertegemeinschaft“ eine Katastrophe, weil sie mit Israel ihre strategische Speerspitze im ressourcenreichen und strategisch so wertvollen Nahen und Mittleren Osten verlieren würde und ebenfalls dazu gezwungen wäre, ihre Beziehungen und Partnerschaften in der Region an etwaigen neuen Kräfteverhältnissen auszurichten.

Dass man dafür aber nicht nur bedenkenlos den Tod und die Verseuchung großer Teile der iranischen Zivilbevölkerung in Kauf zu nehmen bereit ist, sondern auch die Unwägbarkeit, dass niemand mit Sicherheit zu sagen vermag, wie die arabische Welt auf eine solche ultimative Eskalation westlicher Skrupellosigkeit und Arroganz reagieren wird, zeugt meiner Ansicht nach auch sehr eindeutig davon, dass den wahren Interessengruppen, die hinter der Kriegstreiberei stecken, Menschenleben heute genauso wenig bedeuten wir vor 70 Jahren oder überhaupt in allen „modernen Kriegen“ … Und die israelische Bevölkerung sollte sich langsam aber sicher an die Wahrheit gewöhnen, dass eben diese Kreise sie heute genauso wenig retten respektive kaltblütig opfern werden wie damals! – Es werden eben nicht nur Iraner, Palästinenser und andere „arabische Nichtjuden“ in dem dann entfesselten Sturm umkommen, sondern auch sie, ungeachtet ob sie das Treiben ihrer politischen und militärischen Führung begrüßen oder verurteilen.

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P.S.: Vielleicht können Moltaweto, Josephine und meine Wenigkeit ja noch etwas Unterstützung finden – besonders erfreulich und hilfreich wäre die Kooperation mit jüdischen Mitbürger/innen, die unser mangelndes Wissen über die unterschiedlichen Werke der jüdischen Glaubenslehre auszugleichen vermögen? Falls sich das ergeben sollte, wäre es eventuell möglich, dieses Thema doch einmal umfassender und in unangreifbarer Objektivität zu verarbeiten … Viel Hoffnung habe ich natürlich nicht, aber das bisschen, das ich noch aufbringen kann, werde ich hartnäckig am Leben zu erhalten versuchen😉


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