Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina

Wie mittlerweile zur geschätzten Regel geworden, übernehmen wir auch dieses Wochenende wieder eine Auswahl von Artikeln, die Ellen Rohlfs aus dem Englischen übersetzt hat, um unseren Leser/innen die nächste Folge von Leseempfehlungen zu diesem leider in die Kategorie „unendliche Geschichte“ einzuordnenden Themenschwerpunkt anzubieten. Der Dank für die Übermittlung geht wie gewohnt an unseren Freund und Kollegen Lopez vom Womblog.

Der Aktualität der Ereignisse entsprechend drehen sich drei von vier Leseempfehlungen um die Attacke der israelischen Marine auf die Hilfsflottille für Gaza … nicht nur deshalb (wir haben selbst schon genug dazu geschrieben) verzichten wir diesmal vollständig auf jede Kommentierung.

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Gideon Levy [Haaretz] … Die Gaza-Flottille treibt Israel in ein Meer der Dummheit (30.05.10)

Die israelische Propagandamaschine  hat  neue  Höhepunkte ihrer hoffnungslosen Raserei erreicht. Sie hat Menus aus den Gaza-Restaurants mit Falschinformationen ausgeteilt. Sie  beschämt sich selbst, indem sie sich an sinnlosen PR-Schlachten beteiligt, mit denen man besser nie angefangen hätte. Sie will die unwirksame, illegale und unethische Belagerung des Gazastreifens aufrecht erhalten und  die „Friedensflottille“ an der Gazaküste nicht andocken lassen. Da gibt es nichts zu erklären, gewiss nicht einer Welt, die nie das Gespinst von Erklärungen, Lügen und Taktiken abkaufen wird.

Nur in Israel akzeptieren  Leute noch diese beschmutzte Ware. Das erinnert an Rituale aus alten Zeiten, als man im Chor Hurra schrie, ohne Fragen zu stellen. Weiß uniformierte Soldaten machten sich in unserm Namen fertig. Sprecher gaben ihre verlogenen Erklärungen in unserm Namen ab. Die groteske Szene geht auf unsere Kosten. Und tatsächlich keiner von uns stört diese Vorstellung […]

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Neve Gordon [The Nation] … Piraten im Mittelmeer (02.06.10)

„Warum begrüßten sie uns nicht mit Muffins und Orangensaft?“ war die spöttische Frage  meines Freundes, der den ganzen Morgen den Fernsehbericht über den Angriff auf das Hilfsschiff für Gaza verfolgt hat, bei dem neun Zivilisten ums Leben kamen und viele verwundet wurden. Wie eine Gruppe Piraten im Mittelmeer griff die israelische Marine humanitäre Hilfsschiffe in internationalen Gewässern an – und israelische Offizielle und Kommentatoren waren total überrascht, als die Passagiere sie nicht mit offenen Armen empfingen. Geht man durch die sog. Hintergrundseiten der Zeitungen – so scheint es – als ob  die meisten Juden in Israel erstaunt waren […]

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Gideon Levy [Haaretz] … Netanyahu hatte Recht (03.06.10)

Die Zeit ist gekommen, wo wir alle vor dem Ministerpräsident den Hut ziehen müssen. Benyamin Netanyahus Voraussagen haben sich als genau erwiesen und seine Prophezeiungen  sind  vor unsern Augen wahr geworden. Nun können wir stolz erklären, dass unsere Regierung von einem Mann mit Visionen, einem Staatsmann, angeführt wird, der die Zukunft vorausgesagt hat. Selbst seine größten Kritiker können dies nicht leugnen. Die Fakten sprechen für sich selbst.

Netanyahu sagte, die ganze Welt ist gegen uns. Hatte er nicht Recht? Er sagte auch, wir leben unter existentieller Bedrohung. Beginnt es nicht, danach auszusehen? Warte noch einen Augenblick und  die Türkei wird mit uns auch im Krieg sein. Netanyahu sagte, es gäbe keine Chance, ein Abkommen mit den Arabern zu erreichen. Hat er damit nicht ins Schwarze getroffen? Unser Ministerpräsident, der die Gefahr aus jeder Gasse kommen und Feinde hinter jeder Ecke lauern sah, der immer gelehrt hat, es gebe keine Hoffnung, der in uns hinein hämmerte, dass wir immer mit dem Schwert leben werden (genau wie sein Vater, der Historiker, ihn gelehrt hatte) und der wusste, wovon er sprach […]

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Jonathan Cook [Counterpunch] … Die Folter des Ameer Makhoul

Ein führender Menschenrechtsaktivist aus Israels palästinensischer Minderheit wurde gestern mit dem schwersten Sicherheitsvergehen nach Israels Gesetzbuch angeklagt, einschließlich Spionage.

Der Staatsanwalt klagte Ameer Makhoul, den Vorsitzenden von Ittijah, einer Dachorganisation für arabische Menschenrechtsgruppen in Israel, öffentlich an: er habe Sicherheitseinrichtungen im Namen der Hisbollah ausspioniert und zwar nach einem angeblichen Treffen mit einem ihrer Agenten in Dänemark 2008.

Herr Makhoul, der  von Israels Geheimpolizei, dem Shin Bet, die meiste Zeit seiner Verhaftung vor drei Wochen in Einzelhaft gehalten wurde, erschien vor Gericht und  plädierte „nicht schuldig“. In seinem ersten öffentlichen Statement sagte er dem Gericht: „Der Shin Bet kontrolliert das israelische Justizsystem.“

Als die Nachrichtensperre zu diesem Fall aufgehoben wurde, sagten seine Anwälte, A. Makhoul ist während der Haft gefoltert worden, es sei ihm auch von den Verhörenden gesagt worden, man würde ihn „behindert“ entlassen. Die drei Anwälte sagten,  er sei gezwungen worden, ein falsches Bekenntnis abzulegen, von dem sie behaupten, es sei unzulässig […]

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Ellen Rohlfs Buch:  – »Nie wieder!«? – Was geschieht eigentlich hinter der Mauer in Palästina?  »Nur« Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder schleichender Völkermord? – Eine Dokumentation von Ellen Rohlfs«.

Zu beziehen bei der Autorin (Ellen.Rohlfs[at]freenet.de) gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro.

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