Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina

Mit einem kollegialen Dank an den Womblog für die Weiterleitung der Übersetzungen von Frau Rohlfs veröffentlichen wir heute eine neue Ausgabe unserer Themenschwerpunkt-Leseempfehlungen.

Auf Kommentare muss aufgrund anhaltender gesundheitlicher Probleme verzichtet werden, die das Erscheinen eigener Artikel voraussichtlich mindestens noch bis Ende dieser Woche ausschließen.

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Uri Avnery Ein schwarzes Loch

Zitat zum Einlesen:

Man möchte vor Neid platzen, wenn man sieht, wie die Briten dies gemanagt haben. Was für eine Demokratie! Mit welcher Würde!

Wahlen innerhalb eines Monats. Eine neue Koalition innerhalb von fünf Tagen. Ein Wechsel der Regierungen innerhalb von 70 Minuten. Ein Besuch bei der Königin. Der scheidende Ministerpräsident nimmt seine Frau und seine zwei kleinen Kinder, verlässt die Residenz des Ministerpräsidenten und geht. Der neue Ministerpräsident betritt die Residenz.

Elegant, ruhig, kurz und anstandslos. Das Volk hat gesprochen. Das ist es.

Und bei uns?

Unsere Wahlkampagne läuft monatelang. Der Tumult füllt die Luft, eine Kakophonie von Flüchen und allgemeinen Geschmacklosigkeiten. Danach vergehen Monate, bevor eine neue Koalition gebildet wird. In der Zwischenzeit tauschen die Sieger und Besiegten Beleidigungen mit einander aus: Linke, Faschisten, Verräter, Zerstörer Israels, Plünderer Jerusalems, Lakaien der Besatzung, Diebe – alles geht.

Das Chaos hat seinen großen Tag. Neue Parteien wachsen wie Pilze nach dem Regen.

Bis zum letzten Augenblick weiß keiner, wer mit wem konkurriert […]

Zitat Ende

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Gush ShalomNuri el-Okbi und der Experte (oder Wie Beduinen in Israel um ihre Landrechte kämpfen müssen)

Zitat zum Einlesen:

Im Fall des Beduinenlands sieht die Staatsexpertenzeugin Prof. Ruth Kark keine Notwendigkeit, die Sache vor Ort zu prüfen und sich mit den Beduinen zu treffen, bevor sie ein Sachverständigengutachten abgibt.

In der Sitzung dieser Woche, bei der es um den Fall des Beduinenlandes geht, und die vor der Richterin Sarah Dovrath im Beer Sheba-Distriktgericht staatfand, hat Anwalt Michael Sfard die Expertenzeugin des Staates Prof. Ruth Kark von der Hebräischen Universität von Jerusalem einem Kreuzverhör unterzogen […]

Zitat Ende

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Amira Hass [Haaretz] … Shin Beth versucht, palästinensische Medizinstudenten als Mitarbeiter zu gewinnen

Zitat zum Einlesen:

Der israelische Sicherheitsdienst Shin Bet versucht, palästinensische Medizinstudenten zur Mitarbeit zu gewinnen als Bedingung für Passierscheine nach Jerusalem, wie zwei Medizinstudenten der Al Quds-Universität erzählen, die an palästinensischen Uni-Krankenhäusern ein Praktikum machen (wollen).

Die zwei Studenten sagten zu Haaretz, dass ein „Captain Biran“, der sich als Shin Bet-Agent vorstellte und die Universität beobachten soll, ihnen sagte, sie sollten ihm über andere Studenten und deren Aktivitäten berichten. Das sei die Bedingung für die Verlängerung ihres Passierscheines nach Jerusalem. Nachdem sich beide weigerten, wurden beide daran gehindert, ihr medizinisches Praktikum zu machen […]

Zitat Ende.

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Yitzhak Laor [Haaretz] … Wie Israelis nicht zur Kenntnis nehmen wollen, wie Palästinenser behandelt werden

Zitat zum Einlesen:

Israelis lieben Militärgeheimnisse. Bücher von Geheimdienstleuten im Ruhestand, früheren Spionen und früheren Mitgliedern des Shin Bet und Mossad verkaufen sich gut. Eine ganze Kultur ist rund um „worüber-darf-nicht-gesprochen-werden“ und „wir-wollen-es-trotzdem-wissen“ gebaut worden. Nicht nur Geschichten aus der Vergangenheit – z.B. wie der „Rote Prinz“ (Ali Hassan Salameh vom Schwarzen September) 1979 in Beirut ermordet wurde, aber auch die Dubai-Affäre, die ein ausgezeichnetes Beispiel dafür ist, wie die Öffentlichkeit Nachrichten wissen, hören, sehen und konsumieren will. Selbst ein Misserfolg  ist für die Öffentlichkeit von Interesse, und die Sache hat  sogar eine moralische Unterstützung. Diese moralische Unterstützung  läuft parallel mit dem Wunsch zu wissen: „Auch wenn wir ihn nicht getötet haben, verdient er es zu sterben,“ sagte man im Fernsehen.

Da gibt es allerdings eine Sache, die die Öffentlichkeit oder – vorsichtiger ausgedrückt – der größte Teil der Öffentlichkeit nicht wissen will, und wir sprechen nicht von einem militärischen Geheimnis. Eine vor zwei Wochen vom Tami-Steinmetz-Zentrum  für Friedensforschung durchgeführte Umfrage, die in Haaretz veröffentlicht wurde, berührte das Problem: das einzige, was die Öffentlichkeit nicht zu hören wünscht, ist die Unterdrückung der Palästinenser. Dies ist keine Sache von Geheimnis-halten, sondern Leugnung […]

Zitat Ende.

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Gideon Levy [Haaretz] … Wer ist hier der wahre Clown?

Zitat zum Einlesen:

Wer sagt denn, dass der jüdische Humor  aus Israel verschwunden ist? Wer sagt denn, dass die undurchsichtigsten Organisationen des Staates sich nicht gelegentlicher Momente der Leichtfertigkeit erfreuen – so zwischen dem Durchführen von Morden und dem  misslungenen Versuch von Verschwörungen. Israels weitergehende Faschisierung, Isolierung, Nationalismus und Militarismus sorgen nicht viel für komische Abwechslung. Man höre also Barak Ravid zu, was er am Donnerstag zu erzählen hatte.

Ein spanischer Clown – es beginnt wie ein Witz – landet in Israel. Nicht nur irgendein Clown. Es ist Spaniens größter Clown, Ivan Prado. Er rechnete damit, problemlos durch die Passkontrolle gehen zu können – ein spanischer Bürger, eben ein Clown braucht keine Sicherheitsbevollmächtigung, um den demokratischen Staat Israel zu betreten, nimmt sein Gepäck volle Tricks und fährt weiter nach Ramallah.

Er, der Witzbold, hatte geplant, ausgerechnet  in Ramallah ein internationales Clown-Festival auszurichten. Es war der Fehler seines Lebens, eine wirklich verrückte Idee. Zunächst welchen Nutzen hat es für Palästinenser Clowns aus andern Ländern zu haben. Sie haben genug eigene, danke. Auf jeden Fall, haben sie in Ramallah denn etwas zu lachen? […]

Zitat Ende.

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Akiva Eldar [Haaretz] … Kauft palästinensische Produkte

Zitat zum Einlesen:

Nehmen wir einmal an, irgendeine palästinensische Gruppe hätte es fertig gebracht, auf von Flüchtlingen 1967 verlassenem Land im Jordantal eine Siedlung zu bauen. Was würde dein israelischer Landsmann über einen israelischen Bauunternehmer sagen, der damit einverstanden wäre, diese zu bauen oder über jüdische Arbeiter, die auf palästinensischen Baugerüsten herum klettern? Was für einen Aufschrei würde man von israelischen Rechten  über diese Verräter hören. Keine Angst, unsere Kräfte würden es Nicht-Juden nie erlauben, auch nur einen Nagel in den besetzten Gebieten, die unter absoluter israelischer Kontrolle stehen, einzuhämmern. Das phantasierte Szenario über Juden, die palästinensische Häuser bauen, wurde nur für die Diskussion ausgedacht – besonders für die Proteste in Israel gegen das vor kurzem von der palästinensischen Behörde ergangene Verbot für Araber, die in den Siedlungen arbeiten […]

Zitat Ende.

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Ran HaCohen [Antiwars.com] … Von zwei Staaten zu einem

Zitat zum Einlesen:

Letzte Woche verordnete  in Tel Aviv ein Richter  drei Mietern eine Strafe von 25 000$, weil sie ihren Balkon illegal um 23 qm vergrößert haben. Das ist nun wirklich kein Knüller. Illegales Bauen ist überall eine strafbare Tat, auch wenn es keine unmittelbaren Opfer wie in diesem Fall gibt. Israel ist ein Staat, in dem Gesetz und Ordnung herrschen; man kann nicht  einfach ein Grundstück nehmen und es behalten.

Es sei denn, man ist in den besetzten Gebieten – natürlich. Indem man vorübergehend oder auf Dauer eine Wohnung mit oder ohne Erlaubnis nimmt  – und nicht nur Wohnungen, sondern Häuser, Wohngebiete,  ja, ganze Siedlungen – so ist das keine Straftat, sondern gerade eine zionistische und jüdisch-religiöse Pflicht. Wenn dies ohne unmittelbare Opfer gemacht wird, ist es ok. Wenn dies einige Palästinenser aus ihren Häusern und von ihren Feldern zwingt, umso besser […]

Zitat Ende.

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Daphna Golan [Haaretz, Printausgabe] … Der Jerusalemtag feiert eine nicht vorhandene Vereinigung

Zitat zum Einlesen:

Ein paar Wochen nachdem wir am Passahabend sagten: „Nächstes Jahr in Jerusalem“, ist der Jerusalemtag gekommen und lässt uns fragen, ob es dieses Jerusalem ist, das wir meinten. Jerusalem erlebt gerade einen wunderschönen Frühling. Die Sonne scheint. Und im Westen der Stadt stehen die Verkehrsinseln in Blüte, während Tausende von bewaffneten Polizisten und Zivilisten sich vor der nächsten Explosion fürchten.

Ist das das Jerusalem, nach dem sich Diasporajuden zurückzukehren sehnen? Das vereinigte Jerusalem, das sich von Shuofat bis Beit Sahour erstreckt? Eine Stadt, auf deren einer Seite ein Monster wie der Holyland-Wohnungskomplex gebaut wird und auf deren anderen Seite es keinen Bauplan und fast keine Bauplätze gibt und Tausende von Menschen in Angst leben, dass ihre Häuser, die ohne Genehmigung gebaut wurden, abgerissen werden […]

Zitat Ende.

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Ellen Rohlfs Buch:»Nie wieder!«? – Was geschieht eigentlich hinter der Mauer in Palästina?  »Nur« Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder schleichender Völkermord? – Eine Dokumentation von Ellen Rohlfs«.

Zu beziehen bei der Autorin (Ellen.Rohlfs[at]freenet.de) gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro.

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Eine Antwort

  1. […] This post was mentioned on Twitter by Holzmichl. Holzmichl said: Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina http://bit.ly/afktqL […]

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