Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina – Iran

Ohne lange Einleitung und in Ergänzung unseres heute veröffentlichten Artikel von Uri Avnery eine neue Folge unserer Leseempfehlungen auf Vorarbeit von Womblog und Frau Ellen Rohlfs …

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Gideon Levy [Haaretz] … Israels Tyrannei der Mehrheit ist gefährlich (29.04.10)

Die einzige Demokratie im Nahen Osten ist vielleicht einzigartig, aber es ist zweifelhaft, ob sie real ist. Ergebnisse einer Umfrage, die gestern in Haaretz veröffentlich wurden, reflektiert, was seit langer Zeit bekannt war: eine Kombination von Ignoranz, ein grundlegender Mangel an Verständnis und eine faschistische Stimmung. Ein übler und gefährlicher Wind  bläst in Richtung der Regierung, die von einem Kollaps bedroht ist […]

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Kommentar: Der Artikel von Gideon Levy bestätigt leider eine Befürchtung, die wir aufgrund der Beobachtung israelischer Berichterstattungen schon lange hegten. Die Bevölkerung Israels scheint in der Tat mehrheitlich noch rigoroser mit „angeblichen Feinden“ Israels ins Gericht zu gehen als die offiziellen Verantwortlichen – und dabei eine Mentalität an den Tag zu legen, die gefährlicher als die politische und militärische Herrschsucht ihrer Oberen zu nennen ist. Dass man damit auch sich selbst mehr Schaden zufügt als Sicherheit zu erlangen, ist diesen ideologisch und/oder religiös verblendeten Menschen offensichtlich egal!? – Dass bei solchen Mehrheitsverhältnissen innerhalb der Bevölkerung keine Aussichten auf einen gerechten Frieden existieren können, sollte einleuchten …

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Rami Elhanan [IOA] … Hass säen und Tod ernten (18.04.10)

Mein Name ist Rami Elhanan. Vor 13 Jahren, am Nachmittag des Donnerstags am 4. September 1997 verlor ich bei einem Selbstmordattentat in der Ben-Yehuda-Straße in Jerusalem meine Tochter Samadar. Ein bildhübsches 14jähriges Mädchen. Meine Samadar war die Enkelin des Friedenskämpfers General Matti Peled, einer von jenen, die den Durchbruch für einen israelisch-palästinensischen Frieden schafften. Und sie wurde ermordet, weil wir nicht klug genug waren, ihre Sicherheit in der Weise von Matti zu bewahren, dem einzigen und möglichen Weg – dem Weg des Friedens und der Versöhnung […]

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Kommentar: Unmittelbar nach dem Lesen dieses Beitrags fällt es einem relativ schwer, seine Gefühle und Gedanken in einige wenige Worte zu pressen … sich diesen Worten eines Vaters, der seine Tochter an diesen Irrsinn verloren hat, vollständig zu öffnen, sie ohne „emotionalen Schutzwall“ an sich heranzulassen, ist nichts für Menschen, die vergessen haben, wie menschliche Wesen denken und fühlen sollten. Auf alle anderen Menschen sollte dieses bewegende Beispiel von Menschlichkeit, Friedens- und Versöhnungswillen jedoch eine völlig andere und vielleicht sogar Hoffnung vermittelnde Botschaft sein … deshalb sprechen wir für diese Rede auch aus Überzeugung eine besondere Leseempfehlung aus! – Nicht zuletzt auch wegen der drastischen Diskrepanz gegenüber dem vorausgegangenen Artikel.

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Gideon Spiro [Countercurrents] … Eine Gefahr namens Israel (11.04.10)

Israel steht heute an vorderster Front des internationalen Kampfes gegen die atomare Aufrüstung des Irans. Israel dementiert nicht die Meldungen, dass seine Luftwaffe Manöver   abhält, mit dem Ziel, Irans nukleare Produktionsstätten zu bombardieren. Eine derartige israelische Militäraktion würde die Region wahrscheinlich an den Punkt eines atomaren Konfliktes bringen, dessen Folgen eine Katastrophe für die ganze Welt sein würde. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt versucht die USA, Israel in Schranken zu halten, und die israelische Regierung hofft, dass die starke jüdische Lobby im US-Kongress die USA in eine Militäraktion zusammen mit Israel gegen den Iran drängt. Die konservative jüdische Lobby – bekannt für ihre militante Einstellung –  spielte eine entscheidende Rolle beim Überfall der USA auf den Irak, und nun hofft sie, ein ähnliches Resultat im Iran zu erreichen. Die Wahl des US-Präsidenten Barack Obama, der links von seinem Vorgänger Bush steht, war ein Schlag für die extrem rechte Regierung, die jetzt in Israel herrscht, ließ aber das israelische  und internationale Friedenslager  hoffen, dass die USA nicht in noch ein militärisches Abenteuer gezogen wird, das wahrscheinlich katastrophale Folgen für die Region und die Welt haben wird […]

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Kommentar: Der Artikel stellt die zentralen Fakten (von „Dimona“ bis zur aktuellen Iran-Situation) weitestgehend korrekt dar und darauf aufbauend auch berechtigte Forderungen. Allerdings muss sich der Autor von kritischen Beobachtern vorhalten lassen, dass sein Appell an die „Freunde Israels“, sich im Sinne einer Abrüstung, die zunächst von Israel selbst ausgehen müsste, solchen Forderungen anzuschließen, angesichts der weltpolitischen Situationen etwas naiv daherkommt. Das soll aber nicht bedeuten, dass dieser nicht ebenfalls richtig und berechtigt wäre … es wird nur bedeutend mehr erforderlich sein, um eine Öffentlichkeit zu schaffen, welche zunächst einmal das benötigte Druckpotential auf die westlichen Politiker aufzubauen vermag.

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Adam Keller Verrücktes Land – Überlegungen zu Immobilien (23.04.10)

Das Thema Immobilien und Landbesitz sind in Israel schon von Anfang an ein sehr politisches Thema gewesen, ja sogar schon lange davor.

Eines der heiligen Prinzipien der zionistischen Bewegung war „die Erlösung des Landes“ – d.h. Land, auf dem Araber leben, ist „unfrei“ und sollte erlöst werden, indem es in jüdischen Besitz übergeht […]

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Kommentar: Dieser kurze Beitrag ist besonders in Ergänzung zum vorab veröffentlichten aktuellen Artikel von Uri Avnery sehr interessant. Er gibt dem Thema „Immobilien“ nicht nur einen historischen Hintergrund, sondern stellt auch die höchst spannende Frage in den Raum, wie es weitergehen soll und wird, wenn Israel sein Nahziel erreicht und alle ursprünglichen arabischen (palästinensischen) Bewohner des von ihm begehrten Landes vertrieben hat? Wenn man die bereits erwiesene Praxis der Korruption betrachtet, dürfte sich danach für die Israelis eine heftige „Stunde der Wahrheit“ anbahnen …

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Hierzu, wie immer bei diesen Leseempfehlungen, noch ein wenig Werbung, da wir die Arbeit von Ellen Rohlfs sehr schätzen und die Meinung vertreten, dass sie noch etwas mehr Beachtung finden sollte:

Ellen Rohlfs Buch:  – »Nie wieder!«? – Was geschieht eigentlich hinter der Mauer in Palästina?  »Nur« Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder schleichender Völkermord? – Eine Dokumentation von Ellen Rohlfs«.

Zu beziehen bei der Autorin (Ellen.Rohlfs[at]freenet.de) gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro.

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Zum Abschluss möchten wir noch eine Mailnachricht der Jüdischen Stimme vom 27.04.10 weiterleiten, die uns leider erst heute erreichte. Übermittelt wurde sie vom Vorstandsmitglied, Frau Prof. Dr. Fanny-Michaela Reisin. Es handelt sich um eine Presseerklärung zur „Podiumsdiskussion“

„Pilgerfahrt nach Auschwitz“ – Zum Umgang deutscher Medien mit Erinnerungskultur, Israelkritik und Antisemitismus

die von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin am 27.04.10 in der Neuen Synagoge veranstaltet wurde. Wir hatten schon einmal darauf hingewiesen und mittels Verlinkung des Palästina-Portals umfangreichere Informationen dazu angeboten.

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