Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina

In Ergänzung zum komplett veröffentlichten Beitrag von Uri Avnery setzen wir hiermit unsere Serie von Leseempfehlungen fort und bedanken uns auch diesmal beim Womblog und Frau Ellen Rohlfs für die Zusendung der übersetzten Artikel.

In den Artikeln werden folgende Themen behandelt: israelische Gedenktage, Fahnen und Banken … nochmals israelische Gedenktage in Verbindung mit einer Propagandakampagne gegen israelische Dissidenten …  Das unendliche Thema Siedlungspolitik aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachtet …  Israelische Gedenkkultur à la Eli Wiesel … und, unbedingt mit einer besonderen Leseempfehlung versehen, ein Beispiel dafür, wie Versöhnungs- und Friedenswille auch aussehen kann, am Beispiel eines palästinensischen Vaters, der bei der Operation „Gegossenes Blei“ drei Töchter verloren hat.

Zu guter Letzt empfehlen wir auch eine Buchrezension der Redaktion von Schattenblick über die Dokumentation „Nie wieder!“ der Übersetzerin Ellen Rohlfs.

Wir empfehlen alle Artikel ohne eigene Kommentare beizufügen, da sie unserer Meinung entsprechen und unserer Ansicht nach keiner begleitenden Worte bedürfen sollten.

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Adam KellerEin verrücktes Land: Ein Land voller Fahnen (17.04.10)

„Das ganze Land ist voller Flaggen/ Die Menschen tanzen/, die Menschen sind glücklich/

Die Kinder vergnügt,/ heute ist Israels großer Feiertag.“

So lernten und sangen wir im Kindergarten  in Tel Aviv.

Am nördlichen Eingang von Holon, der Stadt, in der ich jetzt lebe, kann man die Ruine eines arabischen Hauses sehen, eines der wenigen Überreste des palästinensischen Dorfes Tel a-Rish. Ein Dorf, das im Mai 1948 – nicht durch Zufall – zu existieren aufhörte: das ist genau die  Zeit, in der Israel entstand.  Heute Morgen bin ich dort vorbeigegangen und sah, wie diese Ruine  von einem riesigen Plakat der Bank Hapoalim völlig bedeckt war, auf dem ein  niedlicher Zwerg und ein ordentlich gekleideter Bankbeamter mit Anzug und Krawatte je das Ende einer Kordel hielten, an der viele blau-weißen Flaggen hingen. Darüber prangten in großen Buchstaben die Wörter: „In diesem Jahr hissen wir alle die Fahne!“ (und natürlich das Logo der Bank).

„Die Kordel voller Flaggen symbolisiert unsere Liebe zum Land. Blau-und-weiß ist der bewegendste Ausdruck der Unabhängigkeit des jüdischen Volkes in seiner Heimat.“ […]

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Jnews.org.ukEine geplante Kampagne für den israelischen Gedenktag nährt einen wachsenden Trend, den Dissens zu delegitimieren (13.04.10)

Ein neuer Bericht und eine Reklametafel-Kampagne, die von der (extrem rechten) israelischen Gruppe „Im Tirtzu – die 2. Zionistische Revolution“ ausgeht,  klagt mindestens 12 israelische Menschenrechtsorganisationen an, dass sie bei der Anschuldigung israelischer Offizieller  (für schwerwiegende Verletzungen des internationalen Rechts  bei ausländischen Gerichten) involviert seien oder sie unterstützen.

Die Kampagne, deren Beginn mit dem israelischen Gedenktag am 19. April und dem Unabhängigkeitstag am 20.4. zusammenfällt, klagt auch zwei Körperschaften an – New Israel Fund (NIF) und die Ford-Stiftung, – die sich an diesen Aktivitäten beteiligt hätten.

Der Bericht, von dem 34 Seiten Jnews zugänglich gemacht wurden, wurde am Freitag vom Reporter Ben Caspit (Maariv) auf Hebräisch veröffentlicht. […]

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Zu oben, im Englischen Original, noch ein weiterer Artikel zum gleichen Thema von Jnews

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Gideon Levy [Haaretz] … IDF nimmt Trauer als Feigenblatt für Siedler (18.04.10)

Wer sagt denn, Barak sei unsensibel? Wer klagt Gabi Ashkenazi an, der schweigende Typ zu sein? Und wer verdächtigt sie, sie könnten nicht zusammenarbeiten? Der Verteidigungsminister und der Stabschef standen Ende letzter Woche zusammen und verhinderten die Zerstörung eines illegalen Außenpostens (Siedlung) von Givat Hayovel. Einige der Häuser wurden auf privatem palästinensischem Land gebaut;  mit andern Worten auf gestohlenem Land und andere wurden auf „Staatsland“ und „Survey-Land“ (angeblich unklare Besitzverhältnisse) – weitere missverständliche Begriffe, die aus Israels unerschöpflichem Vorrat von Tricks stammen.

Die IDF  zieht aus ihrem Vorrat einen besonders lächerlichen Grund, den wir  seit einiger Zeit nicht gehört haben: Diese Häuser sind „wichtig für die Sicherheit, weil sie „Punkte kontrollieren, wo die IDF-Präsenz „wichtig““ sei. Als ob die IDF nicht ohne diese Häuser an solchen Orten sein könnte.

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Dr. Erekat [PLO] … Die letzte Welle von Siedlergewalt gegen Palästinenser (21.04.10)

Der Chefunterhändler der PLO Dr. Erekat verurteilte die  andauernden Siedlerangriffe gegen die Palästinenser, was er einer Kultur der Gewalt, des Hasses und des Extremismus zuschreibt, da die israelische Regierung mit ihrer Ankündigung, weiter Siedlungen zu bauen, sie dazu ermuntert.

Seine Bemerkungen folgen der letzten Serie von Siedlerangriffen gegen die Palästinenser: Das Ausreißen von 250 jungen Olivenbäumen gestern durch Siedler von Givat Hayivel. Die Bäumchen waren von den Bauern des Dorfes Qaryut erst am Tag des Bodens (30.März) neu gepflanzt worden.

Am Montag gab es einen Angriff auf den Gebäudekomplex der palästinensischen Arbeiterunion in Ein Sinyia, nördlich von Ramallah, wo die Siedler die Wassertanks und den Besitz rund herum zerstörten. Letzte Woche gab es einen Angriff auf das palästinensische Dorf Huwara, wo die Siedler  eine Moschee  mutwillig beschädigten und  die Wände mit rassistischen Slogans beschmierten, zwei Autos anzündeten und mehr als 300 Olivenbäume des Dorfes zerstörten […]

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Esam Al-Amin … Wie Eli Wiesel die Lüge aufrecht erhält (22.04.10)

Israels Wegbereiter in den USA

Wiesel ist einfach  „ein schrecklicher Schwindler.“ … Noam Chomsky

Immer wieder beginnen Israels Wegbereiter in den USA mit einer öffentlichen Kampagne, um so viel wie möglich politischen Druck auf US-Politiker auszuüben. Elie Wiesel, ein Holocaustüberlebender und Nobelpreisträger (1986), ist einer jener Apologeten, die Israel beschäftigt, wenn es in Nöten ist.

Wiesels skandalöse Geschichte, indem er das Leiden einiger zugunsten anderer abtut, ist gut dokumentiert. Der verstorbene Historiker Howard Zinn nannte Wiesels Verweigerung, das Leiden von Nichtjuden unter den Nazis im Holocaust-Museum bei einer Ausstellung, die das jüdische Leiden dokumentiert, einzuschließen, einen der „schändlichsten Momente“ aus letzter Zeit. Bei dieser Episode beschrieb Wiesel die Aufnahme des schrecklichen Leidens von Nicht-Juden durch die Nazis im Museum als einen Versuch, die „Realität zu verfälschen“ und dass solche Aufrufe einem „Stehlen des Holocaust“ von uns gleichkäme […]

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Oakland Ross [The Star, Toronto] … Israelische Raketen töteten drei seiner Töchter … aber ein palästinensischer Vater weigert sich zu hassen (24.04.10)

Wenn jemand im Nahen Osten das Recht hat zu hassen, so ist es ein palästinensischer Vater, Arzt und jetzt das erste Mal Autor: Izzedin Abuelaish.

Aber hier liegt das Paradox: Abuelaish weigert sich zu hassen.

Stattdessen bleibt  er sehr engagiert mit der israelisch-palästinensischen Versöhnung. Und jetzt hat er ein lebendiges, eindringliches und alles andere als einen herzzerreißenden Bericht dieses Engagements geschrieben, eine Position, die zu verlassen, er sich weigert sogar angesichts einer Provokation – dem gewaltsamen Tod dreier Töchter und einer Nichte.

Das Buch „ICH SOLL NICHT HASSEN“ soll am 1. Mai  in Kanada veröffentlicht werden und  bald rund um die Welt zu kaufen sein, nachdem es ins Arabische, Französische, Holländische, Deutsche, Hebräische, Italienische, Spanische und Türkische  u.a. Sprachen übersetzt wurde.

Für die Geschichte, die es erzählt, und für die Art des Erzählens verdient das Buch eine große und aufmerksame Leserschaft […]

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Redaktion Schattenblick … Rezension – Ellen Rohlfs „Nie wieder!“

Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“ – hinter diesen Worten verbirgt sich der wenn auch eher inoffizielle, so doch in die Ausgestaltung der deutschen Verfassung eingeflossene Gründungsmythos der Bundesrepublik Deutschland, die sich als Nachfolgestaat des NS-Regimes gegenüber der eigenen Bevölkerung wie auch der übrigen Welt in die Pflicht genommen hatte, dafür Sorge zu tragen, daß von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgehen oder dort eine Diktatur errichtet werden könne. Auf dieses „Nie wieder“ nahm die 1927 in Tübingen geborene Ellen Rohlfs mit dem Titel ihres 2007 in erster und im Oktober 2009 in dritter und aktualisierter Auflage erschienenen Buches Bezug, indem sie diese beiden Worte, allerdings mit einem Fragezeichen versehen, in den Buchtitel aufnahm. Bewußt hat die Autorin auch mit der weiteren Titelsetzung – „Was geschieht eigentlich hinter der Mauer in Palästina? ‚Nur‘ Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder schleichender Völkermord?“ die Frageform gewählt, um das Interesse potentieller Leser und Leserinnen auf diese von ihr im Selbstverlag herausgegebene Dokumentation zu lenken […]

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Ellen Rohlfs Buch:»Nie wieder!«? – Was geschieht eigentlich hinter der Mauer in Palästina?  »Nur« Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder schleichender Völkermord? – Eine Dokumentation von Ellen Rohlfs«.

Zu beziehen bei der Autorin (Ellen.Rohlfs[at]freenet.de) gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro.

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