Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina

Wir setzen unsere Serie von lesenswerten und wichtigen Beiträgen über dieses Thema fort und bedanken uns erneut beim Womblog für die Zusendung der Übersetzungen von Frau Ellen Rohlfs.

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Uri Avnery [via Womblog] … Ein Geburtstagsgeschenk

[…]

Dies sind zufällige Beispiele von Israelis am Vorabend des Unabhängigkeitstages 2010.

Erinnerungen an den Holocaust, Nostalgie nach einem unschuldigeren Israel, Wut über Korruption, Zufriedenheit mit der israelischen Wirtschaft, die in einer Zeit blüht, während die ganze Welt in einer Wirtschaftskrise steckt. Kein einziges Wort über Frieden. Kein einziges Wort über die Besatzung.

Wenn ich diese Leute gefragt hätte, was sie  darüber denken, würde ich wahrscheinlich ein und dieselbe Antwort von allen bekommen haben: Frieden ist eine gute Sache. Wir wollen Frieden. Für Frieden  wären wir bereit,  besetzte Gebiete aufgeben, ja sogar Ost-Jerusalem und zur Hölle mit den Siedlungen! Aber was tun?  Wir haben keinen Partner. Die Araber wollen keinen Frieden. Deshalb wird es keinen Frieden geben – nicht morgen, nicht in zehn, nicht in fünfzig Jahren. Da kann man nichts tun. So ist es nun mal.

Wenn ich dieselbe Stunde in  ähnlicher Gesellschaft in Ramallah verbracht hätte, würde ich wahrscheinlich sehr ähnliche Antworten erhalten haben. Bittere Erinnerungen an die Nakba, Zorn über die Korruption in den oberen Kreisen, vielleicht sogar  etwas Befriedigung über die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in der Westbank. Und kein bisschen Glaube an Frieden. Da kann man nichts tun. So ist es nun mal.“

[…]

Vor einigen Tagen veröffentlichten zwei amerikanische Persönlichkeiten ein wichtiges Dokument.

Zbigniew Brzezinsky war der Nationale Sicherheitsberater von Präsident Jimmy Carter.

Er wurde als Falke angesehen, aber vor allem war er ein Realist. Er spielte eine bedeutende Rolle, in der er China näher an die USA brachte,  in der er  die Mujahidin in Afghanistan gegen die sowjetischen Eindringlinge bewaffnete, indem er einer der Gastgeber bei der Camp David Konferenz 1978 war, die die Grundlage für den israelisch-ägyptischen Frieden legte […]

Stephen Solarz war ein Kongressmann. Ein jüdischer New Yorker, der auf ausländische Beziehungen spezialisiert war. Er spielte eine Rolle bei den amerikanischen Beziehungen mit Nord-Korea und den Philippinen […]

Wenn zwei solche Persönlichkeiten gemeinsam ein Manifest veröffentlichen, müssen Sie in den USA Aufmerksamkeit wecken. Aber der Inhalt des Dokumentes ist nicht weniger bedeutend als die Identität der Autoren […] => gesamten Beitrag lesen

Kommentar: Mit den grundlegenden Feststellungen, die Uri Avnery in seinem Artikel trifft, kann und muss man zweifelsohne übereinstimmen. Allerdings verfällt er erneut in die Hoffnung, dass die USA die Rolle eines fairen Mittlers übernehmen könnten und wollten … und führt als Erklärung ausgerechnet eine Schrift (englischsprachiger Blogeintrag) an, die von den Herren Zbigniew Brzezinski und Solarz veröffentlicht wurde.  – Brzezinski, seine „Weltanschauung“ und sein darauf basierendes politisches Engagement [siehe bspw. Das BuchThe Grand Chessboard“) sollte man als hinlänglich bekannt bezeichnen können – Solarz ist eher unbekannt, spielt aber nicht nur wegen seiner Verbindung zum Vorgenannten auch eine Rolle, aus der man eher wenig Hoffnung auf einen gerechten Friedensprozess im Nahen Osten ableiten kann. Deshalb ist unserer Ansicht nach auch jede Hoffnung in dieser Richtung gerade so unbegründet, wie jene, die Herr Avnery unmittelbar nach dessen Wahl in Barack Obama zu investieren bereit gewesen war … leider!

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Juan Cole [via Womblog / Originalartikel] … Zehn Gründe, weshalb Ost-Jerusalem nicht den jüdischen Israelis gehört (25.03.2010)

Der israelische Ministerpräsident Benyamin Netanyahu erzählte der amerikanisch-jüdischen Lobbygruppe AIPAC, dass „Jerusalem keine Siedlung sei“. Er fuhr fort: die historische Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem Land Israel kann nicht geleugnet werden und auch nicht die historische Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und Jerusalem.  Und weiter:Das jüdische Volk  baute Jerusalem vor 3000 Jahren und das jüdische Volk baut es auch heute. Jerusalem ist keine Siedlung – es ist unsere Hauptstadt.Das sagte er seinen applaudierenden Zuhörern und dass er einfach der Politik aller israelischen Regierungen seit 1967 folgen würde, als Jerusalem im Sechstagekrieg erobert wurde.

Netanyahu  vermischte die romantisch-nationalistischen Klischees   mit einer Reihe von historisch falschen Behauptungen. Und  noch wichtiger war das,  was er  aus der Geschichte wegließ, wie auch sein Zitieren von verzerrter und ungenauer Geschichte. Er berücksichtigte  weder Gesetze noch Rechte oder den allgemeinen Anstand gegenüber anderen, die nicht zu seiner ethnischen Gruppe gehören. […] => gesamten Beitrag lesen

Kommentar: Netanjahu bedient sich derselben Argumente, die Chaim Weizman schon Lord Balfour gegenüber anführte, um diesen von der Rechtmäßigkeit der zionistischen Ansprüche auf Palästina zu überzeugen … dadurch werden sie aber nicht wahr, wie der Autor darzulegen versucht. Auch wenn wir die Begründungen, warum der israelische (zionistische) Anspruch auf falscher Geschichtsinterpretation und den allenthalben gegenwärtigen Mythen beruht und deshalb als nichtig anzusehen ist, nicht aus erster Hand bestätigen können, stimmen sie doch zu auffällig mit anderen kritischen Stimmen (u. a. auch Ilan Pappe und anderen Historikern jüdischen Glaubens) überein und sollten deshalb ernstgenommen werden.

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Yossi Sarid [via E-Mail / Originalartikel] … Der wirkliche Skandal hinter der Anat Kam-Affäre

Lasst den, der ohne Sünde ist, den ersten Stein werfen. Wenn einer unter Euch  ist – Minister, Knessetmitglieder, Generäle, ranghohe Beamteder nie ein Staatsgeheimnis preisgegeben hat, der werfe den 1. Stein.

Und lasst den Journalisten, der nie im Besitz von vertraulich zu behandelnden Dokumenten war und  sich zurückhielt, sie zu veröffentlichen, weiter Steine auf seine Kollegen werfen.

Lasst jede israelische Mutter entscheiden, falls sie ihren Sohn der Armee und Regierung anvertraut hat, ob sie dieses Vertrauen würdig ist. Gefährden Berichte von Ermordungen durch die IDF, wobei Regeln des Obersten Gerichtshofes verletzt werden, die Jungen mehr als die belanglosen Dispute unter  hohen Tieren […] => gesamten Beitrag lesen

Kommentar: Der kurze Beitrag deckt einen Großteil der Scheinheiligkeit und – sich natürlich auf die „Nationale Sicherheit“ berufenden – Verlogenheit der offiziellen „Wahrheit“ Israels auf und stellt einige Fragen in den Raum, die sich nicht nur „Israels Freunde“ im Ausland, sondern auch die dort lebenden Menschen jüdischen Glaubens selbst einmal stellen sollten …

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Es sind uns noch zwei weitere Artikel zugeschickt worden, deren Originalquellen nicht (E-Paper von Neues Deutschland – nur für registrierte Anwender/innen) oder nicht mehr (Haaretz-Artikel von Amira Hass) abrufbar sind. Obwohl die Artikel ebenfalls interessante Aspekte rund um dieses Thema beleuchten, sehen wir deshalb davon ab, die Übersetzungen zu veröffentlichen. Wir halten uns damit an unser oberstes Gebot, nur Artikel weiterzuverbreiten, deren Quellen wir selbst prüfen konnten – sollten wir diesbezüglich noch fündig werden, veröffentlichen wir die Beiträge in einer der folgenden Leseempfehlungen zu diesem Themenkomplex.

Für Leser/innen, die sich selbst auf die Suche machen möchten, geben wir hier jedoch die Autoren und Titel der Beiträge an:

Amira Hass Neuer IDF-Erlass soll Massendeportation aus der Westbank ermöglichen

Johannes Zang B’Tselem – das israelische Gewissen

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Zum Abschluss noch ein wenig Werbung, da wir die Arbeit von Ellen Rohlfs sehr schätzen und die Meinung vertreten, dass sie noch etwas mehr Beachtung finden sollte:

Ellen Rohlfs Buch:»Nie wieder!«? – Was geschieht eigentlich hinter der Mauer in Palästina?
»Nur« Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder schleichender Völkermord? – Eine Dokumentation von Ellen Rohlfs«.

Zu beziehen bei der Autorin (Ellen.Rohlfs[at]freenet.de) gegen eine Schutzgebühr von 10 Euro.

2 Antworten

  1. Hallo Hans !

    Danke dafür!

  2. Hallo, mein Lieber,

    wie schon mal betont – immer wieder gerne, entspricht ja schließlich auch unserer Auffassung! – Bei dieser Gelegenheit (folgt auch noch auf anderem Wege) wollte ich mich gleich auch noch für die Postzusendung bedanken. Werde mir die Unterlagen heute Abend mal eingehender anschauen – klingt in jedem Fall höchst interessant!

    Beste Grüße
    Hans

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