Was soll’s? Wir können ja doch nichts daran ändern

Diesen Spruch hört man immer wieder. Die Menschen bei uns scheinen sich damit abgefunden zu haben, dass ein paar wenige über sie bestimmen dürfen. Dies mag auch soweit in Ordnung sein, wenn es dem Gemeinwohl zugute kommt und gleichzeitig der einzelne absolut nichts von seinen Rechten einbüßt.
Immer mehr vereinzelte Hilferufe aus der Bevölkerung, aber auch verstärkte Proteste von größeren Gruppen zeigen doch wohl auf, dass bei uns im Staate etwas nicht in Ordnung ist. Aus vermeintlicher Hilfsbereitschaft gegenüber einem fremden Land, ist unversehens ein Angriffskrieg geworden und aus deutschen Soldaten, die beim Ausbau der dortigen Wasserversorgung, der Ausbildung einer afghanischen Polizeitruppe und ähnlichem sowie für die Erweiterung der Rechte von afghanischen Frauen abkommandiert worden sind, wurden, vor allem wenn man das natürlich völlig unabsichtliche Töten von afghanischen Zivilisten einschließt, Mörder, wenn auch nur aus Angst und auf militärischen Befehl.

Zu dumm nur, dass es jetzt auch wieder mal die eigene Truppe erwischt hat und das Zuhause in den Familien der uniformierten jungen Opfer auch Leid heraufbeschworen hat. Da bekommt bei uns eine Mutter plötzlich ein Schreiben von der Wehrverwaltung, wie im Film „Der Soldat James Ryan“ von Steven Spielberg, den man bei uns vor noch nicht allzu langer Zeit im Kino anschauen konnte und in dessen ersten 10 Minuten die Landung der Alliierten in der Normandie in blutigster Weise dargestellt wurde. Die Leute bei uns scheinen irgendwie aber nicht begriffen zu haben, dass Filme, auch wenn sie noch so gut gemacht sind, nur ein Abklatsch der Realität bedeuten können. Steht man dann plötzlich als Mutter vor ihrem toten Sohn, den man vor noch nicht allzu langer Zeit mit einer Umarmung und Küssen verabschiedet hat und der nun in einem 2 Meter langen Holzsarg zurückgekommen ist, dann muss diese arme Frau doch meinen, sie wäre im falschen Film. Nein, nein, sagt aber ihr Verstand, wenn er überhaupt in dem Moment noch richtig funktioniert, denn das hier und jetzt ist die eiskalte Wirklichkeit.

Ich habe Familien um sehr junge Söhne trauern sehen, die einen Unfall hatten oder die an einer schweren Krankheit verstorben sind. An so etwas kann wirklich niemand etwas ändern. Auch daran nicht, wenn eine junge Mutter, die drei Halbwüchsige hinterlässt, einen Herzinfarkt bekommen hat und von einem Augenblick auf den anderen nicht mehr da ist. Bei uns auf der Autobahn sind letztes Jahr in kurzer Abfolge von nur wenigen Tagen, Angehörige von Freunden meiner Familienmitglieder in ihren Autos von LKWs zermalmt worden und verbrannt. Der Tod ist allgegenwärtig und er kann sich jeden von uns zu jeder Zeit holen. Ich hörte auch von einem in Afghanistan stationierten jungen Soldaten, dem dort drüben nichts passiert ist, der hier aber als einziger bei einem Autounfall mit mehreren Beteiligten ums Leben gekommen ist. So etwas nennt man gewöhnlich Schicksal. Aber darf ein Staat Schicksal spielen?

Darf ein Staat seine Bevölkerung belügen und so tun als wären wir Deutsche Heilsbringer für ein fernes Land und nur zum Schutz für uns und die übrige (US-)Welt vor Ort und darf er dann so nebenbei ein bisschen Krieg spielen, was dem Rest der deutschen Bevölkerung dann als notwendige Jagd auf die bösen, terroristischen Taliban verkauft wird, die angeblich unser eigenes Land umzingelt haben? Ja, darf unser Staat das? Also, wenn man sich als deutsche „Elite“ einen schlechten ÜBERumgangsprachlichen Ton angewöhnt hat, dann vielleicht. Wenn uns jetzt die bösen Taliban wirklich umzingelt hätten und uns Deutsche direkt mit ihren Gewehren und Panzerfäusten nicht mehr ruhig schlafen ließen, ja dann hätte bestimmt niemand etwas dagegen, vor allem auch nach unserem Grundgesetz nicht, wenn wir Deutsche uns wehren würden. Aber ich weiß nicht wie es ihnen geht, ich sehe hier bei uns keinen einzigen Taliban mit Turban, der uns dazu auch noch mit einer Waffe bedroht. Oder sehen Sie einen?

Ich sehe aber einen völlig durchgeknallten Bundestag, der ein Mandat nach dem anderen zur Truppenaufstockung unserer sauberen, selbstverständlich nur Frieden bringenden mobilen technischen Pioniereinheit nach Afghanistan durchzupeitschen versucht und ihm die Bevölkerung mit ihrer alles übertönenden Gegenstimme: „Wir können ja doch nichts daran ändern“ dazu noch willig das Ja-Wort erteilt. Ja auch dazu, dass jetzt wirklich schweres Kriegsgerät in Form von Leopard II Panzern an die weit entfernt gelegene Front gebracht werden soll.
Früher war es üblich, den abmarschierenden Soldaten noch ein paar Blumen zuzuwerfen. Sollte das jemand bei unseren glücklich in den Krieg ziehenden Soldaten versäumt haben, dann kann er das demnächst sicher noch in vielfältiger Weise an den Gräbern von Gefallenen nachholen. Nur auf ein Lächeln der in ihren Särgen liegenden Befehlsempfänger braucht dann niemand zu hoffen. Drei tote Soldaten sind bisher schon wieder die Sache wert. Ist es die Sache wirklich wert? Auge um Auge, Zahn um Zahn und wer Wind sät, der wird Sturm ernten. Wir sind schließlich eine christlich orientierte Gesellschaft, da muss man auch mal ausprobieren dürfen, ob die Sprüche aus der Bibel das nach sich ziehen, was sie versprechen. Wenn es bei uns Deutschen etwas gibt was nie an Wert verliert, dann ist es unsere verdammte Obrigkeitshörigkeit. Kürzlich war ich doch wirklich ein wenig neidisch auf die Kirgisen. Fragen Sie mich aber bitte nicht warum.

Kann es sein, dass unser Staat uns Bürger für seine Zwecke missbraucht? Die katholische Kirche darf schließlich auch verdeckten Missbrauch an ihren Zöglingen verüben, solange niemand etwas dagegen sagt, und wie es scheint hat sich da auch nur eine sanfte Brise der Empörung entwickelt, denn ein richtiger Sturm blieb leider wieder aus. Der heilige Vater steht nach wie vor wie ein Fels in der Brandung und ich nehme doch stark an, dass so auch unsere Bundeskanzlerin am Grab der drei gefallenen Soldaten stehen wird. Es sind ja nicht ihre Söhne, die wegen staatlicher Inkompetenz in der kalten Erde liegen dürfen. Die Jungs sind für Deutschland gestorben, für jeden einzelnen Mitbürger bei uns. Ich hoffe, das ist allen auch völlig klar.
Ich habe mich gewundert, wo die in Afghanistan die schönen braunen Särge für unsere toten Soldaten her hatten. Gibt es die dort auch so zu kaufen? Ich weiß ja nicht wie die Afghanen ihre Angehörigen beerdigen, aber die Kisten sahen schon sehr nach dem aus, was bei uns in den Bestattungshäusern zu finden ist. Aber unsere gut organisierte Bundeswehr könnte auch vorgesorgt haben und gleich ein paar Dutzend saubere deutsche Särge mit nach Afghanistan genommen haben. Darin, Kriege bis ins letzte Detail zu organisieren, waren die Deutschen schließlich immer super.

Warum wir nur immer verloren haben, das wundert mich schon ein wenig. Das kommt aber sicher daher, weil Menschen bei Kriegen immer nur verlieren können. Das was da in Afghanistan beschützt werden soll – die Drogenrohstofffelder (jetzt habe ich es doch tatsächlich fertig gebracht, die neue deutsche Rechtschreibung mit drei F in einem Wort zu Aufbauzwecken nach Afghanistan zu befördern) – damit stopfen sich dann ganz andere Größen die Taschen voll. Vielleicht wird davon auch immer etwas als Geschenk verpackt an unsere Abgeordneten verschickt. Ist nur so eine Idee. Denn wie sonst könnten die in Berlin so dem Wahnsinn verfallen sein, jetzt sogar für ein neues Kriegsgesetz schon wieder die Verfassung umschreiben zu wollen? Nach dem Motto, was nicht so richtig ins (außen)politische Konzept passt, dass muss eben passend gemacht werden. Die deutschen Politiker und Verfassungsrichter können so etwas, dafür sind sie doch bekannt. Gesetzlich dazu ermächtigt sind unsere Abgeordneten schließlich auch noch und das sogar durch unsere eigene Schuld. Den letzten Satz möchte ich ändern in: Wir sollten uns selbst dazu ermächtigen, die Abgeordneten im Bundestag einzuschließen und uns dann die Freiheit nehmen, den Schlüssel nach Afghanistan zu schicken. Den Schlüssel könnten wir dann von den Taliban suchen lassen. Dann hätten die etwas zu tun und bräuchten uns Deutsche nicht dauernd aus Langeweile mit Terror zu drohen.

Hat eigentlich mal jemand die Taliban gefragt, warum die so böse auf uns Deutsche und auf die ganze Welt sind? Ja echt, langsam frage ich mich wirklich, wer die richtigen Terroristen sind. Oder sind es die USA, die immer noch böse auf die Deutschen sind, weil wir uns einfach nicht unterkriegen lassen wollen? Es geht alles einen Weg, auf dem ich einfach nicht bereit bin, unserer Regierung weiter zu folgen. Es ist der Weg der demokratischen Unlust, der Weg des Missbrauchs von wie es aussieht nie mündig werdenden Bundesbürgern, die vergessen haben, wer der wirkliche Herr im Lande ist. Noch ein paar neue Gesetz weiter und wir haben endgültig nichts mehr zu sagen. Ist schon sehr schlimm, wie der Deutsche als in Opferbereitschaft zu seiner Regierung dahin vegetierender und immer wieder rückfällig werdender Patient in seinem eigenen Land dahinsiecht. Womöglich bis zum erneuten allgemeinen Untergang. Viel mit Untergehen ist da ja nicht mehr. Es fehlt noch ein guter Schuss und wir sind weg vom Fenster der Demokratie. Dann rette sich wer kann, denn die Schwimmwesten hat die „Elite“ schon für sich selbst reserviert und in die Rettungsboote hat die USA bestimmt ein paar Löcher gebohrt. Die wissen nämlich, wie man uns Deutsche untergehen lässt, so dass wir auch nie mehr richtig hochkommen können.

Können wir wirklich nichts daran ändern? Oder wollen wir nur nicht, weil wir zu feige sind unserem jeweiligen Vorgesetzten zu widersprechen? Diese Frage sollte sich mal jeder selbst stellen.

3 Antworten

  1. Lieber Jochen,

    wieder ein sehr guter Beitrag, aber hier habe ich Einwände:

    „Die Jungs sind für Deutschland gestorben, für jeden einzelnen Mitbürger bei uns.“

    Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist gegen den Afghanistankrieg. Diese Soldaten gehen dort „noch“ freiwillig hin. Ich bin gegen diesen Krieg und gegen das Morden in einem fremden Land. Mein Mitleid gilt allein für die unschuldigen Opfer, die von einer fremden Besatzung getötet und drangsaliert werden. Jeder einzelne Mensch, Soldat, Polizist oder was auch immer, hat die Möglichkeit Widerstand zu leisten. Wenn er/sie dies nicht tut, ist er für sich selbst und eine Obrigkeit gestorben, die meiner Meinung nach nichts mit Deutschland oder einem großen Teil der Deutschen zu tun hat. Mit mir schon gar nicht.

    Die Frage ist auch, ob diese Soldaten große Hemmungen hätten, auf ihre eigene Bevölkerung zu schießen. Tun sie das dann aus Angst? Prügeln Polizisten auf unschuldige Demonstranten ein, weil sie Angst haben oder müssen? Vor über 60 Jahren hat man eine Schuld auf ein ganzes Volk abgewälzt. Das Ergebnis sehen wir heute! Niemals wieder sollte sich dieses Volk eine Schuld aufladen lassen, das andere verbrochen haben. Jeder einzelne Soldat hat ein Gehirn mitbekommen, dieses kann er einsetzen um zu entscheiden, wie er handelt und ob er sich für etwas missbrauchen läßt, das eindeutig „falsch“ ist. Für mich ist noch keiner gestorben!!!

    Liebe Grüße

    Petra

  2. Liebe Petra,

    Dein Einwand ist natürlich berechtigt. Und ich sehe ein, ich habe den Satz womöglich nicht ganz richtig formuliert. Du solltest mich nun aber doch schon soweit kennen, dass ich diesen Satz genau so wie er da steht, als Provokation gemeint habe und eher das Gegenteil damit ausdrücken will. Aber ich sehe wieder einmal mehr, wie schwierig es ist, den Leuten etwas durch die Blume begreiflich zu machen. Nichtsdestotrotz gefällt mir Dein lautstarker Protest. Ich wünschte, es käme von anderen auch mehr davon. So gesehen, habe ich es vielleicht doch richtig gemacht?

    Liebe Grüße, Jochen

  3. Lieber Jochen,

    hört sich so an, hast es wohl richtig gemacht.🙂

    Schönen Samstag

    Petra

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