Klein Dummie und seine Mutti Anna Luehse (IX) ~ Die Einladung

Sie werden es nicht für möglich halten, aber über meine neuen Freunde, die ich während meines Aufenthalts im Grenzland zu Pakistan kennen lernte, habe ich eine Einladung ins Weiße Haus erhalten. Dort werde ich mit dem amerikanischen Präsidenten zu Abend essen und kann ihn so ganz nebenbei interviewen. Meine Familie hat sich natürlich riesig darüber gefreut, mit in die USA reisen zu dürfen. Das ist schließlich für die Anna, meine liebe Frau, etwas anderes als die übliche Monotonie im Haushalt oder im Supermarkt, und für meinen kleinen Sohn wird der Besuch in der weltbekannten Villa, auch wenn diese nicht kunterbunt ist, eine schöne Abwechslung zu den sonstigen Verunsicherungsmöglichkeiten in seiner vertrauten Umgebung sein.
Bevor es gleich zum Flughafen geht, muss selbstverständlich noch in aller Eile gepackt werden. Anna und Klein Dummie lasse ich dafür besser alleine. Sonst stehen mir nachher wieder die Haare zu Berge, wenn ich den beiden bei ihren Gesprächen zuhören muss.

SOHN: Muss ich unbedingt mit zur Oma fahren Mutti?

MUTTI: Wir fahren nicht, sondern wir fliegen. Außerdem geht die Reise nicht zur Oma, sondern zu Obama.

SOHN: Ist das meine andere Oma, die Mutti von Vati?

MUTTI: Mein Sohn, Deine andere Oma ist doch schon tot. Aber das weißt Du doch.

SOHN: Wenn die Oma aber schon tot ist, warum müssen wir uns dann so sehr beeilen?

MUTTI: Wir müssen uns so beeilen, weil unser Flugzeug in einer Stunde abfliegt und wir reisen nicht hier in Deutschland zu einer von Deinen Omas, ob tot oder nicht, sondern zum Präsidenten von Amerika und das ist Obama.

SOHN: Oma ist Präsident von Amerika? Ist sie deshalb so weit weggezogen?

MUTTI: Nicht sie! Oma……..Unsinn, ich meine natürlich Obama ist ein Mann und er ist dunkler Hautfarbe.

SOHN: Nein Mutti, ich kenne Oma genau. Sie ist eine Frau und sie hat ganz helle Haut, so wie Du.

MUTTI: Sohn, wir reden völlig aneinander vorbei. Der amerikanischen Präsident Obama hat mit Deinen Omas überhaupt nichts zu tun und wir sind ihm auch noch nie im Leben begegnet.

SOHN: Die amerikanische Oma ist uns ganz fremd?

MUTTI: Ja, völlig!

SOHN: Aber Mutti, warum fahren wir denn zu einer fremden Oma?

MUTTI: Noch einmal, der Mann heißt Obama und NICHT Oma und er ist der Präsident der USA.

SOHN: Aber Du hast doch eben gesagt, er wäre der Präsident von Amerika.

MUTTI: USA und Amerika ist praktisch dasselbe. Aber das wirst Du später in der Schule noch in Geographie lernen.

SOHN: Was ist Geographie Mutti?

MUTTI: In Geographie lernt man etwas über die Kontinente, die es auf der Welt gibt, über die einzelnen Länder und wo sie liegen und deren Bodenschätze.

SOHN: Vati hat gesagt, er schätzt, dass wir mal nie unseren eigenen Grund und Boden haben werden.

MUTTI: Ach, Dein Vater ist ein unverbesserlicher Pessimist.

SOHN: Ja, Vati sagt auch immer, das wäre ein ganz schöner Mist. Er sagt, man arbeitet sich kaputt und am Ende hat man doch nichts.

MUTTI: So ganz stimmt das aber nicht. Schau, wir haben eine Wohnung und jetzt hat uns sogar der Präsident zum Essen eingeladen.

SOHN: Ich möchte aber lieber zu McDonalds gehen Mutti.

MUTTI: Du weißt doch, was Dein Vater von Fast Food hält.

SOHN: Ja, er sagt immer, das wäre ein schrecklicher Fraß.

MUTTI: Er muss ja nichts von unserem Geheimnis wissen, oder mein Schatz?

SOHN: Komisch ist, dass Vati genau dasselbe zu mir gesagt hat.

MUTTI: Ich wusste ja gar nicht, dass Dein Vater Dich auch Schatz nennt.

SOHN: Macht er auch nicht. Ich meinte doch unser Geheimnis.

MUTTI: Vater geht also mit Dir auch heimlich zu McDonalds?

SOHN: Nein Mutti, doch nicht mit mir. Aber mit unser neuen Nachbarin von oben haben Felix und ich ihn da schon gesehen. Und als Vati uns dann gesehen hat, sagte er, das muss jetzt aber unser Geheimnis bleiben und wir bekamen jeder 10 Euro.

MUTTI: Was sagst Du da? Ich hoffe doch, dass das nicht stimmt was ich da höre.

SOHN: Doch, doch Mutti, es waren genau 20 Euro zusammen. Felix und ich können gut zählen.

MUTTI: Was meinst Du Söhnchen, wie gut ich erst zählen kann? Ich werde Deinem Vater demnächst etwas ERzählen und danach wird er vergessen, dass es überhaupt einen Imbiss mit Namen McDonalds gibt.

SOHN: Mutti, wo genau gehen wir noch mal essen?

MUTTI: Ins Weiße Haus in Washington.

SOHN: Was, wir gehen mit dem weißen Klaus in die Waschküche?

MUTTI: Du machst das extra, nicht wahr mein Sohn?

SOHN: Was Mutti?

MUTTI: Na, mir die Worte im Mund herumdrehen.

SOHN: Du meinst, so wie Du das immer mit der Wäsche in der Waschmaschine machst?

MUTTI: Ich mache das nicht, sondern das macht die Waschmaschine ganz alleine, vor allem wenn sie schleudert.

SOHN: Wenn wir dann mit dem weißen Klaus in der Waschküche sind, kommt der dann auch ins Schleudern?

MUTTI: Sohn, wenn Du dabei bist, dann kommt wahrscheinlich jeder ins Schleudern.

SOHN: Warum ist der weiße Klaus weiß Mutti?

MUTTI: Sohn, bitte!

SOHN: Also gut, warum ist das weiße Haus denn weiß Mutti?

MUTTI: Amerika ist ein sehr reiches Land und alles was viel kostet oder erhaben erscheinen soll, lassen die Menschen gerne in Glanz erstrahlen, und die Farbe weiß ist eine Metapher für Glanz, Reichtum und Größe. War das jetzt zu schwierig für Dich mein Sohn oder hast Du mich verstanden?

SOHN: Ich habe verstanden Mutti!

MUTTI: Dann wiederhole es bitte noch einmal mit Deinen Worten.

SOHN: Wenn ein weißer Amerikaner bei McDonalds eine Metapher isst, dann glänzt das Haus und jemand wird reich und groß.

MUTTI: Für Dein Alter war das jetzt wirklich phänomenal.

SOHN: Was ist phänomenal Mutti?

MUTTI: Das bedeutet, man muss schon alle seine Sinne beisammen haben, um Dir bei Deinen Überlegungen folgen zu können.

SOHN: Mutti?

MUTTI: Ja, Söhnchen.

SOHN: Was passiert denn, wenn nun kein weißer, sondern ein dunkelhäutiger Amerikaner eine Metapher ist.

MUTTI: Also wenn Du meine ganz persönliche Meinung hören willst, die Hautfarbe ist egal, aber das könnte dann trotzdem das Ende vom Lied bedeuten.

SOHN: Aber wir haben doch gar kein Lied zusammen gesungen Mutti.

MUTTI: Nein, aber das war ja auch nur ein Vergleich. Damit meinte ich, dass Obama ein ganz schön dickes Fell hat. Die USA ist so gut wie pleite, Deutschland ist es ebenso, viele andere Länder sind es auch und dieser Mensch macht einfach mit dem weiter, was er am liebsten macht.

SOHN: Essen?

MUTTI: Nein, die Welt ins Schleudern zu bringen.

SOHN: Mutti weißt Du was?

MUTTI: Nein, was denn mein Sohn?

SOHN: Ich glaube, ich werde mich mit der Oma aus Amerika sehr gut verstehen.

MUTTI: Wenn es Euch aber einfallen sollte zu McDonalds zu gehen, dann bleibe ich besser hier. Denn das kann ich hier auch bei uns in Deutschland machen.

SOHN: Ja Mutti, bleibe besser Zuhause.

MUTTI: Wie bitte?

SOHN: Vati hat zu mir gesagt, wenn ich es schaffe, dass Du nicht mitfährst, dann bekäme ich extra noch 100 Euro Taschengeld von ihm für die Reise. Denn unsere neue Nachbarin möchte auch gerne mal die USA sehen, hat Vati gesagt. Aber das müsse natürlich ein Geheimnis unter uns Männern bleiben.

Eine Antwort

  1. Hallo Jochen,

    mein lieber Schwan. Da kommen aber auf den Papi tiefdunkle Wolken zu. Ich möcte da nicht in seiner Haut stecken. Ich glaube, da hilft auch kein beten mehr. Nach dem letzten Schnitzer ist das jetzt wohl die ultimative Krise. Au weia.

    Ich gehe dann solange ins Kino bis der Krach vorüber ist.

    lg Jan

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