Gender-Mainstream – definitive Geschlechtszugehörigkeit besser neutral?

Ich möchte im Folgenden einen kurzen satirischen Blick in die Zukunft wagen und zwar nur was dann die Festlegung der Geschlechterrolle betrifft. Dazu wählen wir ein männliches Individuum von sagen wir mal vormals 25 Jahren aus, das sich von der Gegenwart bis ins Jahr 2022 verschlafen hat. Soll ja schon vorgekommen sein, dass bei manchem der Wecker einfach nicht klingeln wollte. Sollte dabei jetzt auch das grammatikalische Zeitgefüge ein wenig durcheinander kommen, so stört mich das persönlich am wenigsten. Denn dies ist absolut das geringste Problem, was wir haben. Aber auch Sie sollten jetzt langsam wirklich andere Sorgen haben. Oder haben Sie ihren Wecker bereits gehört? Dann ist es gut!

Unser junger Mann erwacht und erschreckt sich – schon halb Acht. Er hatte doch um 8.15 Uhr einen Vorstellungstermin als Verwaltungsfachkraft in einer großen Firma. „Hatte“ ist gut, noch ist schließlich Zeit. Schnell geduscht, den feinen Anzug angezogen, Taxi bestellt. Das kommt auch gleich. „Können Sie nicht etwas schneller fahren, ich habe es sehr eilig?“ Doch der Fahrer hat die Ruhe weg. „Ein Elektroauto ist schließlich kein Rennwagen.“ Das Parfüm, das der Fahrer benutzt, passt überhaupt nicht zu ihm, denkt unser zu spät Aufgewachter. „Hoffentlich reicht der Strom des Taxis wenigstens bis zur Firma wo ich hin will.“

Angekommen! Noch mal Glück gehabt! „Wie viel macht es?“ „22,50 Dingens.“ „Übrigens, nur mit Chip bitte.“ Unser Individuum sucht und sucht und findet nur die Girokarte von seiner Sparkasse. „Oh, Mann“, sagt der Fahrer und dann ganz leise vor sich her, „die Jugend von heute, ist einfach zu dämlich.“ Der Fahrer greift nach der Hand des Individuums, zieht sich den Daumen davon hinüber auf sein Ablesegerät, aber es macht nicht „piep“. Zweiter Versuch, wieder nichts. „Und jetzt?“, fragt unser Individuum. „Kaputter Chip, was?” “Von so etwas habe ich ja noch nie gehört.“ „Dann eben auf die altmodische Methode.“ Der Fingerabdruck wird eingescannt, unserem jungen Individuum dabei fast der Arm ausgerenkt. Dann geht die Beifahrertür von selbst auf. „Den Rest erledigt das Finanzamt“, sagt grimmig schauend der süßlich Parfümierte. Daran hat sich also nichts geändert. „Kleinvieh machte schon immer Mist“, denkt unser Individuum und ist froh, dass er den Geruch des Fahrers nicht mehr länger ertragen muss.

Die Firma ist von außen ein wirklich moderner Kasten. Nur unserem Individuum mit zu wenigen Fenstern ausgestattet und deshalb aus seiner Sicht mehr im Stil eines Bunkers gehalten. „Aha, eine Stelle fürs ganze Leben, einmal da drin und ich komme da nie wieder raus.“ Aber was macht man nicht alles für ein wenig Geld, wovon Miete und Essen abhängt. „Was hilft’s, erhängen kommt eventuell dann doch noch später.“ Die Eingangshalle ist riesig groß und hinter einem Tresen sitzen drei lächelnde junge Damen, die durch unser Individuum hindurchzusehen scheinen. „Ich habe heute morgen einen Vorstellungstermin auf Ebene 5.“ Der Computer unwahrscheinlich klein, sagt dazu aber NEIN. „Doch, doch, ich soll zu Herrn Gollanz kommen, er erwartet mich.“ Da Herr Gollanz auch damals einen Job für die Ewigkeit suchte, ist er tatsächlich noch im Gebäude vertreten und wie der Zufall es will, immer noch auf Ebene 5, wenn auch jetzt als Chef der Personalabteilung. Wer so wichtige Leute persönlich kennt, der hat auch nicht verpennt. Eine der Damen schickt unser Individuum hoch und sagt „Ich melde Sie schon mal an“, denkt, „was für ein Idiot, auf die Minute genau 22 Jahre zu spät.“

Flux den Fahrstuhl genommen, klick, klick, die Uhr im Gang auf Ebene 5 sagt „superpünktlich“ zu unserem Individuum, ein halblautes Klopfen, „Herein“ und voll vor die Wand gelaufen. Das Büro gar nicht mal so schräg eingerichtet, wenn nur das viele Neon und das hässliche bunte Plastik nicht wäre, lädt so gar nicht zu einem freundlichen Gespräch ein. „Sind Sie ein Hellseher oder so etwas ähnliches?“ Weiter geht es ganz verbissen, „Glauben Sie nur ja nicht, Sie bekommen die Stelle jetzt im Nu, nur weil sie der Erste sind, nachdem der andere Flabes von uns rausgeworfen werden musste, weil er in der Arbeitszeit zu lange die Männertoilette suchte, die es bei uns nicht gibt.“ Sie lieber Leser sehen schon, in diesem Bunkerhaus herrschen lange Sätze vor. Mal sehen, ob der Sinn auch zu kurz kommt. Wir sind ein modernes Haus, ihre Musterung für die Stelle übernimmt Frau Dr. Klaus.“ Außer unserem Individuum sind vier Leute anwesend. Der Personalchef Herr Gollanz, die schon benannte unbemannte Ärztin, eine niedliche junge weibliche Schreibkraft, die nicht weiß wo ihr der Sinn steht oder hat sie heute gar keinen mitgebracht und jemand der eine Frau zu sein scheint, aber ein Mann ist und aussieht als bekäme er immer gleich einen Schreikrampf. „Na, das wird ein Kampf um die Stelle“, denkt sich unser Individuum, „aber ich kriege sie auf alle Fälle, die Stelle.“

Papiere werden durchgesehen, Zeugnisnoten prima, alle Achtung, doch in der Firma herrscht ein anderes Klima. „Sind Sie nicht schon etwas alt für 25 Jahre?“ „Ei der Laus, das schaut heute nur mal so aus“, denkt unser Zukunftsreisender, „zu langes Schlafen bringt auch Knitterfalten vom Kissen mit sich, nein, das ist nicht witzig“. „Homo – Homosexualität!!!“ „?“ „Gesundheit! „Danke!“ „Wir haben noch jeden dazu gebracht, das von sich preiszugeben, was er selbst zuerst überhaupt nicht von sich gedacht hat und so zu leben, wie die Firma es will“. „Wenn man es zu lang zieht, dann könnte das aber auch Eiter werden.“ So ging das dann eine zeitlang. Dann kam aber die Erkenntnis trotzdem um zwei Ecken. Nämlich! Das persönliche Gespräch scheint nicht so wichtig für die Auswahl, aber anderes dafür um sie mehr. „Mit welchem Geschlecht wurden sie geboren?“, wird gefragt, und „hoffentlich haben sie inzwischen auch abgelegt, sich spezifisch wie ein Mann oder eine Frau zu verhalten.“ Antwort schwierig, mal überlegen.

Aber es sollte noch besser kommen. Mal ganz ausziehen bitte, die Ärztin muss was prüfen, keine Hemmungen, denn schließlich sind wir hier auf geschlechtsneutralem Boden.“ Unserem Individuum wird’s langsam zu heiß. „Was soll der Scheiß?“, so denkt er sich. „Muss das denn sein, so unbedingt?“ „Sie sehen doch, dass ich ein Mann bin.“ Betrübt schaut nun der Personalchef aus der super gestylten Wäsche, was er denkt, lassen wir hier absichtlich ganz weg. „Jetzt“, sagt der gute Mann in feinem Zwirn, „muss ich die Stelle doch ausschreiben und nur deswegen, weil sie wissen, wo sie hingehören“. Unser Individuum denkt sich, „Na, hier gehöre ich jedenfalls nicht hin“, und er reckt dabei sein männliches Kinn. Guten Tag noch und auf nimmer Wiedersehen. Einige wissen eben immer mehr als andere, selbst dann noch, wenn sie ihr Geschlecht schon längst abgelegt haben. Das wird auch unser verschlafener Schläfer gleich zu spüren bekommen.

„In dem Zimmer roch es auch nicht gut“, denkt sich unser Individuum. Und es war froh, dass es draußen ist. „Es“ steht natürlich für „Er“ in unserer Geschichte, aber bis wir da sind wo Er jetzt ist, sind wir als Sie und Er vielleicht schon längst Geschichte.
Draußen wartet die staatliche Einwanderungsbehörde, der Taxifahrer war an allem Schuld. Man kann eben auch einem Dummen keinen unregistrierten Daumen als Chip verkaufen, vor allem dann nicht, wenn kein Geld auf dem Konto ist und dieses schon längst gesperrt wurde. Die Polizei fand aber nichts weiter über unser Individuum heraus und am Schluss erschien unserem Protagonisten auch noch im Traum die Ärztin Frau Klaus aus dem Bunkerbüro und mit energischer Stimme schallte es aus ihr heraus: „Da hilft nur noch eine Geschlechtsamputation“.

Willkommen in der Zukunft der Geschlechtslosigkeit. Suchen Sie sich aus, was Sie geschlechtermäßig sein möchten, bevor es andere für Sie tun.

7 Antworten

  1. Hallo Jochen,

    fast wäre ich zu tief in Deiner Geschichte versunken …

    Puh, was ein Glück, dass das jetzt nur ’ne Satire war … aber, sag mal, hast Du eine Ahnung, wie weit „die da oben“ mit ihren Gedanken schon in der Zukunft sind? Vielleicht schlafen wir ja gar nicht, sondern leben und denken nur zu langsam?

    Aber abgesehen davon … schön geschriebene Geschichte über ein leider nur als pervers und häßlich zu nennendes Thema!

    Betont „mannesbewusste“, aber dennoch liebe Grüße
    Hans.

  2. Hallo Hans,

    ich glaube die „da oben“ waren schon so weit (pervers), als ich noch gar nicht geboren war. Ich kann und will mich aber an deren Überlegungen für unsere Zukunft nicht gewöhnen. Wie ich weiß, geht es Dir ebenso.

    Extrem maskuline Grüße zurück,
    es dürfen auch ein paar Muskeln mehr sein,
    Jochen

  3. Yep, Jochen … ist so und bleibt so … bis wir was dran ändern … oder mit fliegenden Fahnen und hoch erhobenem Kopf untergehen!

    Muskeln kann ich nicht mehr allzu viele einbringen, aber gemeinsam sind wir schon stark genug … wir müssen nur selbst daran glauben!

    Bis morgen dann
    Hans

  4. ÄH? Rumpelstilzchen? Hm?
    🙂

    lg, Michael

  5. Wenn man so die Klatschberichte verfolgt, dann wird schon ordentlich daran gearbeitet es gesellschaftsfähig zu machen. Immer mehr Promis(? /Bordelinesyndom/Aufmerksamkeitsdefizit) bekennen sich in der Öffentlichkeit zur Homosexualität. Weiss nicht ob ihr es gesehen hattet, da waren in USA zwei Mädels die zum Schulball wollten und es von der Schule(irgendwie so. Mich interessierts garnicht) zuerst verboten wurde. Das Ding haben die dann mächtig in den Medien aufgeblasen und gerichtlich für die zwei Mädels entschieden. Nicht das ich was dagegen hätte, nur war dies schon wieder Gehirnwäsche der Bevölkerung mit anschliessendem Sieg für die Gerechtigkeit. Scheinbar?! So werden wir geleitet in deine Zeit, die du in deinem Artikel so treffend beschrieben hast.

    lg, Michael.

  6. Hallo Jochen

    liest sich wie ein Stück aus dem Leben. Erst Hamburg und dann bekamen wir hier auch ne Landesmutter. Erst der Anfang?? Was meinst Du??
    Müssen wir demnächst Röckchen und Täschen tragen?? Dann womöglich noch Schuhe mit Pfennigabsätzen. Na, dann Amen. Muss aber putzig aussehen, wenn unsere Freischärler mit Pumps zur Parade gehen.
    Ich stell mir das gerade Bildlich vor. Gekrümmt vor lachen sitze ich hier.
    Noch ist es ein Scherz, und später??

    Herzlichste Anstaltsgrüsse

    Jan

  7. Hallo Jan,

    es gibt heutzutage schon richtig arme Armeen (weil Staat pleite (hier z.B. Griechenland)), wo die Soldaten die Röcke von ihren Omas auftragen müssen. Darin würden unsere Jungs aber sicher auch gut aussehen. Könnte ich mir wenigstens vorstellen. Gutti, gutti, gutti…..

    Hier noch etwas anderes zum Militär – im Einsatz steckengeblieben:

    Anstaltslose herzliche Grüße,

    Jochen

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