Das Interview aus dem Handgelenk – Jochen Mitanna im Gespräch mit der ehemaligen Pfarrgemeinderätin Frau Irene Potzblitz

In meiner Eigenschaft als Reporter habe ich erkannt, dass anonyme Interviews nicht unbedingt das gelbe vom Ei sind, deshalb werde ich ab jetzt nur noch namentlich genannte Personen zu einem ausgesuchten Thema befragen. Nach ihrer letzten Predigt in Weihrauchberg, kam die hier im Blog bereits durch das „Wort zum Tag nach dem Sabbat“ bekannte Frau Irene Potzblitz in die Schlagzeilen, weil sie im alkoholisierten Zustand vor den Kirchgängern gesprochen hatte. Man muss dieser Frau aber auf die Schulter klopfen, denn sie hat ihre Predigt trotzdem bis zum Ende durchgehalten. Ein Lob von hier auch an die Kirchgänger, weil sie sich gegenüber der Dame so tolerant gezeigt haben, obwohl klar ersichtlich war, dass Frau Potzblitz zur besagten Stunde nicht voll zurechnungsfähig gewesen ist. Jemand hatte aber dann doch eine Meldung gemacht und es kam zu einem Eklat. Irene Potzblitz war es schließlich dann selbst, die daraus ihre Konsequenzen zog.

Mitanna: Frau Potzblitz, was haben Sie denn für die Zukunft jetzt vor, nachdem Sie als Pfarrgemeinderätin ihren Rücktritt eingereicht haben?

Potzblitz: Ich liebe meine Gemeinde und meinen Beruf, aber so konnte es einfach nicht weitergehen. Deshalb habe ich ein paar Entschlüsse für mich gefasst. Am kommenden Sonntag werde ich in meiner Kanzel in der Kirche zu Weihrauchberg noch einmal Stellung beziehen, um mich öffentlich bei meinen Zuhörern für mein Verhalten zu entschuldigen. Sie werden verstehen, dass ich meine Predigt bis dahin unter Verschluss halten möchte. Danach ist aber für mich als von der EKD angestellte Pfarrerin endgültig Schluss. Aber ich möchte trotzdem das Wort Gottes gerne auch weiterhin verkünden.

Mitanna: Aber freiberuflich wird man sie doch wohl kaum von einer kirchlichen Kanzel sprechen lassen.

Potzblitz: Davon ist höchstwahrscheinlich auszugehen. Gottes Wort kann ich aber, wenn ich will, praktisch überall verkünden.

Mitanna: Mir ist zu Ohren gekommen, Sie hätten ein Angebot von der Bundeswehr erhalten, um als Seelsorgerin bei der Truppe in Afghanistan zu arbeiten.

Potzblitz: Stimmt, das hat mich zunächst doch etwas verwundert. Aber das kam wahrscheinlich wegen meinen Erfahrungen mit dem Alkohol. Aber ich möchte den Jungs bei der Bundeswehr nichts vormachen. Was mich angeht, so denke ich, die Bundeswehrangehörigen benötigen weit mehr Hilfe, als ich imstande bin zu geben.

Mitanna: Wie meine Sie das?

Potzblitz: Nun, wer in so einen Krieg zieht, der braucht sich um den Nachschub an alkoholsüchtigen jungen Männern keine Sorgen zu machen. Das ist einfach ein Feld, bei dem ich mich nicht unterstützend betätigen möchte, selbst wenn ich selbst jetzt trocken werden will.

Mitanna: Meinen Sie, es gelingt Ihnen von der Flasche wegzukommen?

Potzblitz: Unbedingt! Ich habe einen sehr starken Willen. Sonst hätte ich meine letzte Predigt, so betrunken wie ich da war, überhaupt nicht stehend durchhalten können. Aber als ich durch mein Doppeltsehen durch den alkoholischen Geist bemerkte, wie schön es ist, wenn eine Kirche gerammelt voll ist, dachte ich danach bei mir, wie schön es erst wäre, wenn so viele Leute mir immer zuhören würden.

Mitanna: Das klingt in meinen Ohren sehr sympathisch, was Sie da sagen.

Potzblitz: Danke! Um mein Ziel zu erreichen, habe ich mich einer Gruppe der anonymen Alkoholiker angeschlossen und bin von den anderen auch schon sehr herzlich aufgenommen worden. Die Damen und Herren dort waren überaus froh, dass ich an dem Abend als ich da war, nüchtern gewesen bin. So hatten Sie das Glück meine aller erste nüchtern gehaltene Predigt zu hören. Darauf sind einige von denen dann danach erschreckender Weise einen Trinken gegangen. Die Einladung mitzugehen, habe ich aber dankend abgelehnt. Zu ihrem Verhalten werde ich denen aber das nächste Mal auch wieder eine Predigt halten. Gott wird eben doch überall benötigt.

Mitanna: Außer bei der Bundeswehr, was?

Potzblitz: Die hat ihren eigenen Gott, mit dem ich aber nichts zu tun haben möchte.

Mitanna: Aber denken Sie doch mal an all die jungen Männer, deren Seelen Sie da in Afghanistan retten könnten.

Potzblitz: Es tut mir leid, wenn ich das so hart sagen muss, aber meinen Gott werden Sie auf den Schlachtfeldern dieser Welt nicht finden und mich auch nicht. Wenn die Jungs da drüben wirklich an meinen Predigten interessiert sind, dann sollten sie schnellstens aus eigenen Stücken von da zurückkommen.

Mitanna: Soll das ein Aufruf zum Desertieren an die Soldaten sein?

Potzblitz: Nein, nur ein Appell an deren Vernunft.

Mitanna: Haben Sie denn schon einmal von einem Staat gehört, der seine Soldaten aus Vernunft in einen Krieg geschickt hat?

Potzblitz: Potzblitz, Sie drehen mir ja das Wort im Munde herum. Aber ich bin jetzt vollkommen nüchtern und bemerke so etwas junger Mann.

Mitanna: Haben Sie etwas von diesem Aufruf „Die weiße Strömung“ gehört? Was halten Sie davon?

Potzblitz: Die Idee ist durchaus nicht schlecht, aber genauso gut hätte ich letzte Woche meine Zuhörer in der Kirche zum Mittrinken bewegen können. Wobei das dann sicher die wenigsten getan hätten.

Mitanna: Aber Alkohol zu trinken oder Fahnen wehen zu lassen, ist doch sicher etwas total Verschiedenes.

Potzblitz: Da ist die Polizei aber mitunter ganz anderer Ansicht junger Mann. Vor allem wenn die Fahnen dann gegen Berlin wehen, es größere Ansammlungen von Gleichgesinnten geben könnte und sich die Befehlshaber von der Bundeswehr in Panik versetzt fühlen.

Mitanna: Und was würden Sie den Leuten dazu denn nun predigen?

Potzblitz: Ich würde Ihnen das sagen, worüber ich auch mal eine ganze Predigt halten werde, nämlich das was Jesus gesagt hat: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Ich habe nie davon gehört, dass Jesus eine weiße Fahne vor sich hergetragen hätte. Aber es sieht für mich ganz so aus, als wäre er so etwas ähnliches selbst gewesen. Aber die Menschen hängen sich heute ja lieber an Symbole, als an ihren Erlöser.

Mitanna: Ich glaube, man wird von Ihnen noch einige Predigten hören, Frau Potzblitz.

Potzblitz: Das kann schon sein. Für ein beständiges Wort zum Tag nach dem Sabbat, habe ich jetzt ein Angebot von einem Blogger bekommen. Der gute Mann richtet zwar auch schon selbst einiges aus, um die Leute auf den richtigen Weg zu führen. Aber ein wenig geistliche Unterstützung soll ja bekanntlich nicht schaden.

Mitanna: Heißt das, dies wäre dann ab jetzt Ihr neues Arbeitsverhältnis?

Potzblitz: Ein Verhältnis gehe ich nur noch mit Gott ein und sonst keinem und das auch nur auf geistlicher Ebene und im Hinblick darauf, den Menschen das Evangelium zu verkünden und zwar so, dass sie auch Willens sind, es anzunehmen. Denn alles andere führt geradewegs in die Dunkelheit, deren Verursacher bekannter Weise auch schon sehr Besitz von mir ergriffen hatte.

Mitanna: Dann werden wir hoffentlich noch viel von Ihnen hören. Von Ihnen könnte sich sogar eine Margot Käßmann eine Scheibe abschneiden und sich ein Beispiel nehmen.

Potzblitz: Reden Sie bitte nicht schlecht über meine frühere Trinkschwester. Margot hat nur den Fehler gemacht, den Weg zu Gott dann betrunken mit dem Auto zu nehmen. Ansonsten ist sie wirklich voll in Ordnung. Sie wollte mir sogar ihre alten Predigten vermachen, weil sie die jetzt nicht mehr braucht. Aber ich hoffe ein besseres Konzept für meine Predigten zu haben. Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit, so wahr mir Gott helfe.

Mitanna: Dann bleibt mir wohl jetzt nichts mehr anderes übrig, als nur noch Amen zu sagen.

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