Niemand will Beulen aus Athen davontragen

Eigentlich wollte ich heute, nach dem hier im Blog der Start der neuen Talksendung „Das blaue Wunder“ recht erfolgreich verlaufen ist, einen Kriminalroman als Manuskript zum Mitlesen für die interessierte Öffentlichkeit beginnen, aber das hole ich dann in Kürze nach.
Heute begebe ich mich dafür mal, ja, gemalt habe ich auch schon, auf das gefährliche Spielfeld der Finanzwirtschaft, wo man mich bisher kaum hat antreffen können. Keine Ahnung wieso und davon, aber egal. Diskret auf der Bank musste ich zwar noch nicht sitzen, denn der Trainer hat mich bisher für die Mannschaft erst gar nicht aufgestellt. Aber dieser Typ könnte ruhig seine Meinung über mich ändern, anstatt mit mir immer nur herum zu brüllen. Ich finde das ganz schön gemein und werde ihm meine Ansichten dazu demnächst auch ans Ohr heften. Denn vor seiner Bank sah ich mich schon mehrmals gezwungen, für meine paar Kröten länger anstehen zu müssen, wenn ich diese zum gewalttätigen Ableben in die Geschäfte bringen wollte.

Kleiner Rat am Rande: Räumen sie nie für jemand anders das Sparkonto leer, denn das könnte mit langen Wartezeiten und viel Papierkram verbunden sein. Das Ernten von schiefen Blicken ist aber kostenlos und selbstverständlich inklusive. Der Kassiererin dabei eine Pistole auf die Brust setzen, könnte das Verfahren zwar etwas beschleunigen, danach ist aber auch schnelles Verduften angesagt. Wie schon erwähnt, soll das aber jetzt nur ein kleiner Tipp von mir sein, um das Geld etwas schneller ins Rollen zu bringen, dass uns Bürgern sowieso nicht gehört.

Wenn nun aber jemand reich ist, so habe ich mal in einer Bank beobachten können, geht das Bewegen von Massen an Geld ungewöhnlich schnell. So, als möchte man die Scheine nicht unnötig warten lassen. Kann ich aber im Moment gut verstehen, bei dem schnellen Kursverfall an der Börse. Trotzdem können die Gelder der Spekulanten immer noch vor dem schnellen Verhungern gerettet werden, während die Kröten des kleinen Mannes dann schon längst in seiner Tasche verhungert sind. Dies scheint jetzt in Griechenland auch der Fall zu sein. Da sollen jetzt die kleinen Leute, ich finde aber, so viel kleiner als bei uns, sind die da auch nicht, für die Untoten des Staatsapparates aufkommen. Manches kostet eben mehr, als man bezahlen wollte. So, bis hierhin habe ich den Text jetzt mal gespeichert, damit er mir nicht wieder verloren geht. Was wäre es schön, wenn das beim Geld auch so leicht ginge. Das versucht man immer auf der Bank zu speichern und ehe man sich versieht, hat es sich in Luft aufgelöst. Aber mit diesem Problem werden Sie sicher auch gut vertraut sein. Wenn es sich jetzt nur um psychologische Probleme handeln würde, dann könnte man dem Betroffenen ja vielleicht noch eine geeignete Therapie empfehlen. Aber bei Geld? Entweder man ist reich und hat Geld oder man ist arm und hat es nicht.

In Griechenland finden jetzt immer mehr Menschen heraus, dass sie es nicht sind. Ich spreche jetzt von Reichtum und nicht von dem psychischen Gesundheitszustand. Nicht dass wir uns jetzt falsch verstehen. Denn dort kommen vielleicht auch manche in eine Identitätskrise, die aber nur in der allgemeinen Wirtschaftskrise ihren Ursprung hat. Da nützt es jetzt auch nichts mehr, wenn man den Griechen Eulen nach Athen tragen würde. Wer sollte die denn kaufen? Trotzdem soll es in der EU, lustig jetzt, denn Eu ist die erste Silbe von Eulen, noch Regierungen geben, die mit so etwas wie leeren Versprechungen, der Wirtschaft in Griechenland wieder das Fliegen beibringen wollen. Dabei ist der Finanzvogel da doch schon längst abgestürzt. Der erst kürzlich stattgefundene Generalstreik in dem Land – oder hält er gar immer noch an? – ist dafür doch schon Beweis genug. Mir fällt gerade auf, ich habe von Finanzen mehr Ahnung als ich dachte, so dass der Artikel hier auch nicht unbedingt zu einem Flopp werden muss.

Wenn man so verfolgt, was zur Zeit in den Medien alles über Finanzen berichtet wird, muss man sich echt an den Kopf fassen und man möchte am liebsten das Land verlassen. Denn was in Griechenland passiert, diese Krankheit der Finanzen grassiert hier ja auch. Wenn auch noch nicht in dem Maße. In Griechenland sind die Leute dafür aber auch ein wenig schrecklicher empört darüber, wie der Staat mit den Steuergeldern der Leute umgegangen ist. Hier bei uns scheinen die Leute weit weniger Ahnung davon zu haben, was das für ein Unterfangen ist. Also quasi wissen sie nicht genau, wo die Korruption anfängt, wobei es dann natürlich auch schwer zu ermitteln ist, wo das Geld hingegangen ist. Sofern es sich nicht sogar immer noch auf dem Weg durch dunkle Kanäle befindet, die man wegen noch dunkler Machenschaften noch nicht einmal mit Flutlicht ausleuchten könnte. Ja, so sieht es momentan auf den Schlachtfeldern der Finanzmächte aus. Und wir alle sind deren Knechte.

Früher wurden von den Lehnsherren die Knechte zum Kriegsdienst befohlen. Diese Menschen wussten also noch, für wen sie sterben durften. Der heutige Soldat in Afghanistan ist zwar so gesehen kein Knecht mehr, denn wenn er zurückkehren sollte, falls ihm dort drüben im fremden Land nichts zustößt, dann wartet hier im eigenen Land nicht auch unbedingt eine Arbeit auf ihn. Und für’n Euro anderen den Hintern abzuwischen, dafür sollte sich ein ehemaliger Kriegsheld schon zu schade sein, finde ich. Aber eigentlich sind die heutigen Arbeitslosen auch Kriegshelden, denn ihre Front steht auch fest und unerschütterlich. Und der Kampf, den mancher von ihnen zum Überleben austragen muss, ist wahrscheinlich noch um ein Vielfaches schwerer, als der eines solchen armen Schweins, dem man ein Gewehr in die Hand gedrückt hat und der nicht weiß, warum er dafür keine Raten bezahlen muss. Dass diese Menschen als Kriegsmaterialabnutzungsberechtigte voll vom Staat gelinkt wurden, merken ja die wenigsten davon, bei der perversen, das Gehirn vernichtenden Ausbildung zum Tötungsspezialisten. Sogar rohe Leber essen und Alkohol saufen bis zum Umfallen, soll beim Militär schon seit Jahrzehnten zum Dienstalltag gehören. Na, dann Prost.
Aber die anderen 250.000 sündenlose Soldaten, wollen wir hier jetzt nicht voll beabsichtigt mit durch den Kakao ziehen. Mal nachrechen, wie viel abartig Verwöhnte wir jetzt von den artig Verhöhnten abziehen können. Nach meiner Rechnung können wir die Truppen aus Afghanistan jetzt vollständig abziehen.

In Griechenland wollte der Staat die Leute ganz anders zum Kriegsdienst anspornen. Da wo die spartanischen Gewinne blühten, versuchte man das dann staatlicherseits ganz zu verhüten. Erst neulich ging man dazu über, mit einer Rosskur aus Lohnstopp und Steuererhöhungen das hohe Staatsdefizit von 12,7 Prozent zu drücken. Das hatte man aber noch nicht gekannt, was da für eine Kampfeslust unter dem Volk ausbrach. Sogar Gewerkschafter zogen demonstrierend durch die Athener Innenstadt. Dafür sind doch gerade die sonst immer für eine schnelle Schlichtung bekannt. Am Rande der Demonstration setzte die Polizei, wie auch sonst schon mal hierzulande üblich, Tränengas gegen junge Leute ein, die Universitätsgebäude stürmen wollten. Ich habe aber in der Presse auch Bilder von Polizisten und Demonstranten mit gezückten Schlagstöcken gesehen. Klar, wer aber die besser ausgerüstete Truppe hat. Natürlich die Seite, die sich besseres Material immer dann noch leisten kann, wenn auf der anderen Seite schon lange Ebbe in den Kassen herrscht. Die Herrscher drucken es sich einfach neu, was sie an Barem benötigen. Natürlich will eigentlich niemand Beulen aus Athen davontragen. Aber vielleicht ist das auch alles ja genau so und nicht anders gewollt.

Wenn die Glocke Zwölf geschlagen hat, dann wird klar Schiff gemacht werden. Denn ein Staat mit Finanzbeschwerden der läuft nicht rund. Daran kann dann auch der beste Trainer nichts ausrichten. Bis die D-Mark II draußen ist, werde ich wohl bei meiner Bank noch länger in der Schlange stehen müssen und ich glaube nicht, das sich daran je etwas ändern wird. Denn wer lässt schon einen weniger Verdienenden im großen Spiel der Reichen mitspielen?
Ich sehe gerade, in deren Spiel ist ein Tor gefallen. Zu früh gefreut, war eine Absatzfalle, wie gewöhnlich.

2 Antworten

  1. Hallo Jochen,

    habe gerade keinen angemessen blöden Scherz am Lager (alle in der verkalkten Talkrunde verschossen), deshalb bleibt mir nur ein Spaß- und Spiel verderbendes … CHAPEAU!!! … für diesen Artikel übrig.

    Kannst Du dafür aber auch am Stück behalten, das Wechselgeld investier mal lieber in GOLDbären für Deinen Kleinen … haben zwar nicht exakt die gleiche Werthaltigkeit wie das hart umkämpfte Edelmetall und gar kein Mindesthaltbarkeitsdatum, aber wenigstens einer von uns soll doch seinen Spaß haben … zumindest später, wenn die Leckereien als schwarze Löcher in den Zähnen Zinsen abwerfen – und darum geht es doch nun mal bei allem in unserer verkorksten Welt, gelle!

    Beste Grüße
    Hans

  2. Mal sehen ob ich das auf die Reihe kriege bekomme:
    Das Kriminallounching ist wegen Talkens verschoben, du hast gemalt, dann hast du auf der Bank eine Schlange gefunden. Das Treiben der Reichengelder beobachtend konntest Du das Klimpern in der eigenen Tasche hören. Dann hast Du einen toten Vogel gesehen und bist nach Griechenland geflüchtet, wo gerade eine der kurzen Unterbrechungen des monatlichen (also seit Monaten andauernden) Generalstreiks lief. Danach gab es Tränen, Krieg und Eulen.
    Schließlich hat Dich der Trainer angemotzt. Hätt‘ ich auch getan: Du solltest ja lediglich diesen blöden Ball ins Netz schaffen!
    Wie du beobachten kannst, bin ich nie verlegen, wenn es darum geht, einen blöden Witz einzuwerfen!

    Davon aber mal abgesehen.
    Ich fürchte, Griechenland ist ein Beginn. Ich fürchte, andere der Getricksten die sich als Trickser sahen – und es auch waren, wenn auch nicht in der Liga in der sie glaubten es zu sein sondern im Lokalspiel gegen das eigene Volk – kommen noch dran. Ich fürchte, bald wird man sich aussuchen können wessen Beulen man lieber zählen möchte und die Höhe des (Meeres)Wasserspiegels dürfte kein Kriterium sein bei der Wahl.
    Nur eine Beule wird nach wie vor systemisch relevant bleiben. Wir werden sie nicht von Athen davon tragen müssen, denn sie hat sich längst an die globale Luft gewöhnt und ist auf einer paradoxer Art und Weise demokratisch in den Auswirkungen. Wir werden sie wieder retten, denn unsere Gewerkschaften haben – wie du sagst – das Schlichten bis zur Selbstaufgabe perfektioniert und praktizieren es seit Jahren mit der Gründlichkeit die uns Deutschen ohnehin nachgesagt wird.
    Wir werden – fürchte ich – feststellen, dass es für unseren unabhängigen und investigativ ausgerichteten Journalismus keinen Grund gegeben haben wird, lächelnd über andere zu berichten anstatt einfach die Augen aufzumachen, denn wir sind nicht besser dran. Lediglich der Euter der Deutschen – nicht lila – Kuh ist eben größer, weswegen wir noch auf Nebenkriegsschauplätze gezerrt werden können, wo menschenwürdeähnliche Zustände an Prangern gestellt werden.
    Genauso ein Luxus ist auch die Illusion, wir würden auch eine andere Rolle spielen als die von Bodyguards von Firmen, deren Holdings unsere Ansprechpartner sein werden, vor deren Toren wir gerne gesehene Schlangesteher sein werden später, beim Kauf von Rohöl.
    Und weil wir wieder in der Schlange geraten sind, lasse ich es nachdenklich abklingen, indem ich mich erdreiste, Deine Worte zu zitieren: „Wenn die Glocke Zwölf geschlagen hat, dann wird klar Schiff gemacht werden.“
    Es hat mir gefallen, was und wie Du geschrieben hast. Schade, dass Dein Trainer Dich auf der Bank hält…;-)

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