Klein Dummie und seine Mutti Anna Luehse (VIII) ~ Ein Geburtstagsgeschenk für Vati

Was sich Behörden alles einfallen lassen, um Geld zu sparen, davon können Hartz VI Empfänger jetzt wieder ein Lied singen. Anstatt Geld, werden an die Kinder von Arbeitslosen jetzt lieber Sachmittel vergeben. So wie es ihrem Bedarf entspricht. Aber selbst dafür gibt es strenge Richtlinien und so bekommt ein solches Kind auch nur dann etwas, wenn dafür eine besondere Rechtfertigung vorliegt.
Klein Dummie hat zwar das Glück zu einer Familie zu gehören, die momentan nicht von Arbeitslosigkeit bedroht ist, aber wenn Ebbe in der Taschengeldkasse herrscht, weicht auch er gerne auf andere Sachmittel aus, die er sich leisten kann. Dabei kennt sein Einfallsreichtum keine Grenzen. Für seinen Vati jedoch, überlegt sich der Kleine selbstverständlich immer etwas ganz Außergewöhnliches zu dessen Geburtstag. Vielleicht kann sogar unsere Arbeitsministerin von der Leyen noch etwas von unserem kleinen Racker lernen, wenn es darum geht, anderen mit einer Gabe eine mehr oder weniger große Freude zu machen. Aber lesen Sie bitte selbst.

SOHN: Mutti, ich weiß jetzt was ich Vati zum Geburtstag schenken kann.

MUTTI: Das wäre gut, denn er hat ja schon morgen Geburtstag. Aber es ist doch hoffentlich nicht wieder so etwas wie im letzten Jahr.

SOHN: Nein, ich habe diesmal keine alte Klobürste beim Sperrmüll finden können.

MUTTI: Dann bin ich beruhigt. Und was ist es diesmal?

SOHN: Wenn ich Dir das sage Mutti, dann verrätst Du es Vati.

MUTTI: Nein, ich sage nichts. Mein großes Mütterehrenwort darauf.

SOHN: Ich möchte aber, dass Du mir versprichst nichts zu sagen.

MUTTI: Ein Ehrenwort ist sogar fast noch etwas mehr wie ein Versprechen.

SOHN: Aber ein Wort ist doch viel weniger, als ein ganzer Satz.

MUTTI: Trotzdem ist es aber eigentlich dasselbe. Aber wenn Du möchtest, dann lege ich sogar einen Eid darauf ab.

SOHN: Das Frühstücksei von heute morgen, war das auch von Dir Mutti?

MUTTI: Ich kann doch keine Eier legen. Oder sehe ich etwa aus wie ein Huhn?

SOHN: Aber Du sagtest doch eben, Du würdest sogar ein Ei darauf ablegen.

MUTTI: Ich sagte Eid und nicht Ei.

SOHN: Und was ist der Unterschied Mutti?

MUTTI: Erst einmal wird Eid mit einem weichen D am Ende geschrieben und dann legt man ein Ei in ein Nest und einen Eid legt man beispielsweise auf die Bibel ab.

SOHN: Das Ei von heute morgen war jedenfalls wieder ganz schön hart Mutti.

MUTTI: Und was hat das jetzt bitte mit einem Eid auf die Bibel zu tun?

SOHN: Hast Du doch selbst gesagt Mutti. Das Ei auf der Bibel muss am Ende weich sein.

MUTTI: Herrgott noch mal Söhnchen, einen Eid auf die Bibel ablegen, ist das Gleiche wie ein Schwur oder ein Versprechen.

SOHN: Dann hast Du Dich eben nur versprochen Mutti?

MUTTI: Also eigentlich wollte ich Dir nur erklären, dass auf die Bibel zu schwören, so etwas ist wie ein Mütterehrenwort.

SOHN: Ich verstehe aber nicht, warum Du am Ende für ein Versprechen ein weiches Ei auf die Bibel legen musst.

MUTTI: Gut, beginnen wir noch einmal ganz von vorne. Ich verspreche Dir, dass ich nichts sagen werde.

SOHN: Ich möchte es aber wissen.

MUTTI: Eigentlich wollte ich ja etwas von Dir wissen und zwar, was Du Vati schenken willst.

SOHN: Ich kann aber Vati keine Bibel schenken, dafür reicht mein Taschengeld nicht und Eier bekommt er schon genug von Dir zum Frühstück.

MUTTI: Von so etwas war ja auch nie die Rede. Aber wofür hat denn Dein Taschengeld jetzt noch ausgereicht?

SOHN: Aber Mutti, wenn ich Dir das sage, dann ist es doch keine Überraschung mehr.

MUTTI: Du willst doch nicht mich überraschen, sondern Deinen Vater. Deshalb kannst Du mir ruhig sagen, was es für ein Geschenk ist.

SOHN: Als ich Vati im letzten Jahr die alte Klobürste geschenkt habe, da bist Du aber genau so überrascht gewesen wie Vati.

MUTTI: Das stimmt, aber wenn Dir jemand eine gebrauchte Klobürste zum Geburtstag geschenkt hätte, dann wärst Du bestimmt genau so überrascht gewesen. Oder nicht?

SOHN: Aber Mutti, was soll ich denn auch mit einer alten Klobürste anfangen?

MUTTI: Und was soll Dein Vater damit machen?

SOHN: Ich war mal mit Vati in einem Restaurant. Da sind wir auf die Toilette gegangen und als Vati fertig war, sagte er: „Sohn, was gäbe ich jetzt für eine alte Klobürste. Das hier scheint ein sehr armer Laden zu sein.“

MUTTI: Meinst Du denn, Dein Vater geht deswegen jetzt immer mit Klobürsten aus?

SOHN: Weiß ich nicht Mutti, aber sonst geht er immer nur mit Dir aus.

MUTTI: Möchtest Du mir jetzt nicht endlich erzählen, was Du Deinem Vater zum Geburtstag schenken möchtest?

SOHN: Ich habe vorher Felix gefragt, was er seinem Vater zum Geburtstag schenken würde.

MUTTI: Du bist aber vielleicht raffiniert Söhnchen. Du lässt also andere für Dich denken.

SOHN: Felix hat immer supergute Ideen Mutti.

MUTTI: So? Das ist aber interessant. Was hat Dir Felix denn nun vorgeschlagen?

SOHN: Felix hat sehr lange überlegt Mutti.

MUTTI: Mach es doch nicht so spannend Sohn. Ich platze ja fast vor Neugier.

SOHN: Felix hat mich dann mit zu seinem großen Bruder aufs Zimmer genommen. Er meinte, sein Bruder hat immer soviel herumliegen, da fänden wir bestimmt etwas Passendes.

MUTTI: Ihr habt doch nicht etwa den Bruder von Felix bestohlen?

SOHN: Nein, der Bruder von Felix war ja auch da.

MUTTI: Und dann? Was habt Ihr der dann zusammen ausgeknobelt?

SOHN: Nein, der Bruder von Felix hatte keine Lust mit uns Würfel zu spielen.

MUTTI: Söhnchen, bitte, was habt Ihr denn nun in dem Zimmer gefunden, was Du Deinem Vater schenken willst?

SOHN: Wir brauchten gar nicht danach zu suchen Mutti. Der Bruder von Felix hat uns etwas gegeben und dazu gesagt: „Hier, das ist genau das Richtige für Deinen Vater. Damit hat er dann ganz bestimmt auch seinen Spaß.“

MUTTI: Du machst mich ganz fertig, was ist es denn nun?

SOHN: Ein Gummi.

MUTTI: Ein Gummi? Du machst so einen Wirbel um ein einzelnes neues Kaugummi?

SOHN: Wieso neu Mutti?

MUTTI: Du willst Deinem Vater doch sicher jetzt nicht wirklich ein gebrauchtes Kaugummi schenken?

SOHN: Nein Mutti, doch nicht jetzt. Vati hat doch erst morgen Geburtstag.

MUTTI: Dann war ja die alte Klobürste von letztem Jahr noch besser als Geschenk.

SOHN: Aber ich kann Vati doch nicht immer dasselbe schenken Mutti.

MUTTI: Nein, natürlich nicht. Für ein durchgekautes Kaugummi hat er bestimmt sehr viel mehr Bedarf.

SOHN: Warum sagst Du zu dem Gummi immer Kaugummi Mutti?

MUTTI: Ein einzelnes durchgekautes Gummibärchen wird es doch nicht sein. Oder vielleicht doch?

SOHN: Nein, aber der Bruder von Felix hat gesagt, man nennt das Gummi auch Kondom oder Pariser.

2 Antworten

  1. Hallo Jochen,

    ist ja ne nette Familie. Ich hab mich gerade weggeschmissen. Ich hab mir grad das Gesicht vom Pappi vorgestellt. Was machst Du eigentlich mit den schnuckeligen Sachen? – grins.
    Ne alte Klobürste und ein Jahr später ein passender gebrauchter Gummi. Klein Dummie ist einfach Spitze.

    Mit herzlichen lachenden Grüssen

    Jan

  2. Hallo Jan,

    zum Glück hat meine Anna ja noch rechtzeitig intervenieren können, denn sie kennt unseren Kleinen schließlich wie aus dem FF (= manchmal föllig ferrückt). Anna hat ihm etwas Geld gegeben und er ist dann zu unserer aller, aber hauptsächlich zu meiner Freude im Supermarkt noch fündig geworden. Als Geschenk habe ich jetzt von Klein Dummie einen Mülleimer bekommen. Sehr passend, findest Du nicht auch? Da sieht man gleich,der Junge hat etwas auf dem Kasten, der denkt voraus. Aus dem wird bestimmt noch mal etwas.
    In den Mülleimer kommen nun all die alten Sachen, die er mir schon geschenkt hat oder die ich noch von ihm in Zukunft bekomme. Wenn er mal heiraten sollte, dann habe ich wenigstens schon ein Komplettgeschenk für seine Hochzeit. Seine Frau wird sich freuen. Und er bestimmt auch. Tja, Rache kann sehr süß sein, wenn sie kalt genossen wird.

    Herzliche Grüße,

    Jochen

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