Klein Dummie und seine Mutti Anna Luehse (VII) ~ Die Frage, wer Gott ist

Kinder stellen manchmal Fragen, worauf dann selbst Erwachsene keine genaue Antwort wissen. So geht es heute unserer sonst nicht um eine Antwort verlegenen Mutti Anna Luehse. Vielleicht machen es sich die Erwachsenen auch einfach zu schwer, weil sie die Erklärungen oft da suchen, wo sie nicht zu finden sind. Kinder sind in dieser Hinsicht noch viel offener und durch ihr kindliches Gemüt finden sie die Lösung auf eine schwierige Frage oft da, wo wir es als „die Großen“ gar nicht vermuten würden. Tauchen Sie, wenn Sie möchten, nun in eine neue Folge dieser Reihe ein und erfahren Sie, wer der Allmächtige in der Welt von Klein Dummie ist.

SOHN: Mutti, was machen die Leute in der Kirche?

MUTTI: Sie beten da.

SOHN: Was ist beten Mutti?

MUTTI: Wenn jemand betet, dann spricht er zu seinem Gott.

SOHN: Was ist ein Gott?

MUTTI: Gott ist das höchste und mächtigste Wesen, das alles erschaffen hat. Alles weitere ist zu kompliziert.

SOHN: Ist Vati Gott Mutti?

MUTTI: Wie kommst Du denn auf so etwas?

SOHN: Wenn Vati abends heim kommt, dann sagt er oft: „Wer wohl die Arbeit erschaffen hat? Ich war es jedenfalls nicht.“

MUTTI: Dein Vater ist zwar manchmal eine arme Socke, weil sein Chef ihn immer antreibt, aber erschaffen hat er bisher nur Dich. Und das auch nur teilweise.

SOHN: Was heißt teilweise Mutti?

MUTTI: In Deinem Fall würde ich mal sagen, zu einem Drittel.

SOHN: Zu einem Drittel?

MUTTI: Ja schau, wie diesen Apfel hier. Den schneide ich jetzt in drei Teile. Zwei Teile sind von mir und ein Teil ist von Deinem Vater.

SOHN: Aber Mutti, den Apfel haben wir doch im Laden gekauft.

MUTTI: Der Apfel soll doch nur ein Symbol für Dich und Deine Zeugung sein.

SOHN: Felix hat gesagt, sein Bruder hätte ein sauschlechtes Zeugnis bekommen.

MUTTI: Nein, wir sprechen jetzt nicht von einem Zeugnis, sondern von ZeuGUNG.

SOHN: Dann muss ich das Felix sagen.

MUTTI: Was musst Du Felix sagen?

SOHN: Das sein Bruder eine sauschlechte Zeugung war.

MUTTI: Nein, das darfst Du ihm nicht sagen. Das wäre eine Beleidigung. Du weißt doch was eine Beleidigung ist?

SOHN: Na klar Mutti, das war in Düsseldorf, wo die ganze Familie da war, um sich auf dem Friedhof von Großtante Margot zu verabschieden.

MUTTI: Wenn Du so weiter machst, dann verabschiede ich mich davon, Deine Mutter zu sein.

SOHN: Aber Du bist doch meine Mutti.

MUTTI: Ja, daran besteht leider kein Zweifel.

SOHN: Warum nicht?

MUTTI: Nun, weil ich höchstpersönlich bei Deiner Geburt dabei war.

SOHN: Und wo war ich?

MUTTI: Oh, Gott! Ich nehme mal an, bei Deinem Freund Felix. Da bist Du doch immer, wenn ich im Stress bin.

SOHN: Bin ich Gott Mutti?

MUTTI: Nein, Du bist nur mein Sohn, mein ein und alles, mein Augapfel. Gott rufe ich nur an, weil ich glücklich darüber bin, Dich zu haben.

SOHN: Ich möchte auch mal mit Gott telefonieren.

MUTTI: Mit Gott kann man nicht telefonieren. Es genügt einfach zu wissen, dass er da ist, um mit ihm zu sprechen.

SOHN: Dann hast Du eben zu Gott gebetet?

MUTTI: Ja, so in der Richtung.

SOHN: Aber Du hast mich dabei angesehen.

MUTTI: Es ist egal, wo man dabei hinschaut. Man kann auch beim Beten die Augen geschlossen halten.

SOHN: Aber wenn Du mit jemand sprichst und ihn nicht siehst, dann könntest Du doch auch aus Versehen zu jemand beten, der nicht Gott ist.

MUTTI: Nein, das geht nicht, denn Gott ist einmalig.

SOHN: Wer ist denn nun Gott?

MUTTI: Gott ist das höchste und mächtigste Wesen, das alles erschaffen hat. Alles weitere ist zu kompliziert.

SOHN: Hat Gott keinen Vati und keine Mutti?

MUTTI: Mach mir bitte keinen Stress Söhnchen.

SOHN: Was ist denn Stress Mutti?

MUTTI: Stress hatten z.B. Dein Vater und ich, kurz bevor Du geboren wurdest, weil das Taxi einfach nicht kam, das uns ins Krankenhaus fahren sollte.

SOHN: Was habt Ihr dann gemacht Mutti?

MUTTI: Dein Vater hat sein altes Motorrad aus der Garage geholt und damit sind wir dann in einem Höllentempo in die Klinik gefahren. Unterwegs hatte ich ständig Angst, Dich zu verlieren.

SOHN: Du hättest aber keine Angst um mich haben müssen Mutti.

MUTTI: Warum nicht?

SOHN: Weil ich in der Zeit doch bei Felix war.

MUTTI: Oh, mein Gott, womit habe ich nur diesen Sohn verdient.

SOHN: Oma hat mir erzählt, ich wäre für die Familie ein Geschenk des Himmels gewesen.

MUTTI: Natürlich bist Du mein kleiner Engel und ein Geschenk des Himmels für uns alle. Aber auch ein Engel wie Du muss geboren werden.

SOHN: Ist Felix auch geboren worden?

MUTTI: Natürlich, jeder Mensch wird geboren. Wie soll man denn sonst auf diese Welt kommen?

SOHN: Felix hat mir aber gesagt, ich wäre nicht geboren worden, sondern Ihr hättet mich aus dem Katalog bestellt.

MUTTI: Da kann ich Dich beruhigen. Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen dicken Bauch, als ich Dich da drinnen hatte.

SOHN: Aber Felix hat mir im Katalog einen Jungen gezeigt, der sah genau so aus wie ich.

MUTTI: Der sah bestimmt nur so ähnlich aus wie Du. Ich wüsste nämlich nicht, dass ich Zwillinge bekommen hätte.

SOHN: Mutti, Zwillinge haben doch etwas mit Eiern zu tun. Nicht wahr?

MUTTI: Wenn Du mir jetzt noch die Sache mit dem Eisprung erklären kannst, dann habe ich ein Genie als Sohn.

SOHN: Ist das der Junge, der bei Felix im Katalog ist?

MUTTI: Welcher Junge?

SOHN: Na, der Genie heißt.

MUTTI: Meine Hoffnungen sind soeben begraben worden.

SOHN: Aber wir sind doch jetzt überhaupt nicht auf einem Friedhof.

MUTTI: Hoffnungen werden geistig beerdigt. Aber mach Dir darüber jetzt mal keine weiteren Gedanken.

SOHN: Der Mann im Kostüm, was hat der bei der Beleidigung von der Großtante Margot gemacht?

MUTTI: Es heißt Beerdigung und der Mann ist ein Pfarrer, der auch kein Kostüm trug, sondern ein Priestergewand. Am Grab hat er dann die Grabrede gehalten.

SOHN: Ist das so etwas wie ein Zauberspruch?

MUTTI: Nein, das Ganze hat mit Zauberei nichts zu tun.

SOHN: Aber wie hat er dann die große Tante in die kleine Büchse gekriegt?

MUTTI: Die kleine Büchse nennt man Urne und darin ist jetzt nur noch etwas Staub von Großtante Margot, nachdem sie verbrannt worden ist.

SOHN: Hat das der Tante denn nicht weh getan?

MUTTI: Nein, denn da war sie ja schon tot.

SOHN: Wie ist das, wenn man tot ist Mutti?

MUTTI: Tot sein ist so etwas ähnliches wie schlafen, nur dass man dann nicht mehr aufwacht.

SOHN: Aber wenn jemand wieder aufwachen würde, was wäre dann?

MUTTI: Dann wäre das ein Wunder und so etwas soll bisher nur Jesus Christus vollbracht haben.

SOHN: Jesus Christus?

MUTTI: Ja, das ist der Sohn Gottes.

SOHN: Wie viele Söhne hat Gott?

MUTTI: Nur einen, aber warum fragst Du?

SOHN: Wenn ich mit Papi Sonntag morgens spielen will und ich ihn dafür aufwecke, dann sagt er immer: „Lass mich bitte noch etwas schlafen, ich bin total kaputt.“

MUTTI: Aber das sagt Dein Vater doch nur, weil er keine Lust hat mit Dir so früh zu spielen. Er wacht Sonntags eben gerne von alleine auf, und außerdem sagte ich Dir doch bereits, dass Dein Vater kein Gott ist.

SOHN: Warum ist denn Großtante Margot nicht mehr aufgewacht?

MUTTI: Die arme Tante war sehr krank und deshalb hat Gott sie zu sich geholt.

SOHN: Ist Gott in der Erde Mutti?

MUTTI: Nein, er ist im Himmel.

SOHN: Warum hat man dann für die Tante ein Loch in der Erde gebuddelt?

MUTTI: Weil dort die Toten auf den großen Tag warten, an dem Gott sie holen kommt.

SOHN: Ist Opa Gott Mutti?

MUTTI: Nein, natürlich nicht. Wie kommst Du denn jetzt darauf?

SOHN: Als Opa im Garten unseren Kirschbaum eingepflanzt hat, da hat er eine alte Büchse gefunden und gesagt: „Schon toll, was man in Eurem Garten so alles findet.“

MUTTI: Nein, Opa ist trotzdem kein Gott.

SOHN: Aber wer ist denn nun Gott Mutti?

MUTTI: Gott ist das höchste und mächtigste Wesen, das alles erschaffen hat. Alles weitere ist zu kompliziert.

SOHN: Ich gehe jetzt zu Felix Mutti.

MUTTI: Ja ist gut, viel Spaß Euch beiden.

Als Klein Dummie zu Felix kommt, hält dessen Bruder ihn im Schwitzkasten und schreit ihn an: „Ich lasse Dich erst wieder los, wenn Du endlich begreifst, wer in unserer Familie das größte und mächtigste Wesen ist.“
Der arme Felix hat schon einen knallroten Kopf und unser kleiner Freund ist deshalb sehr besorgt um ihn.

KLEIN DUMMIE: MEIN GOTT, lass Felix los, er bekommt ja keine Luft mehr. Du bist doch viel stärker als er.

BRUDER VON FELIX: Wenigstens einer, der es kapiert hat.

2 Antworten

  1. Hallo Jochen,

    wie immer, sehr erfrischend. Ist doch besser, Kinder treiben einen mit Fragerei in den Wahnsinn, als eine Spezies die sich Politiker nennt.
    Heute mal sehr kurz gehalten.
    Noch eine schöne Woche wünsch ich Dir und Deinen Lieben
    herzlichste Grüsse

    Jan

  2. Hallo Jan,

    freut mich, dass Dir auch dieses Mutter-Sohn Gespräch gefallen hat.
    Was das kurz halten betrifft: War nett von Dir, hier zum Lesen mal wieder kurz anzuhalten. Sollten andere auch machen. Kurz mal inne halten, über alles gründlich nachdenken, was so passiert und wie man uns alle kurz hält.
    Übrigens, das nächste Mutter-Sohn Gespräch wird etwas kürzer und diesmal stellt die Mutter mehr Fragen als der Sohn.

    Ich wünsche Dir auch eine angenehme Woche und grüße herzlichst zurück,

    Jochen

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