Wenn Politiker weinen könnten

Haben Sie schon einmal einen Politiker weinen sehen? Also ich kann mich daran nicht erinnern. Egal was auch geschieht, diese Bevölkerungsgruppe scheint sich immer ein Lächeln abringen zu können und wenn ihnen doch mal etwas zu Herzen zu gehen scheint, dann vergraben sie sich in ihre „Arbeit“ oder lassen sich zur Befreiung einfach einmal vom Himmel fallen. Hin und wieder bleibt auch einer von ihnen gleich dort.

Ich möchte nachfolgend auf zwei Beispiele dieser Art näher eingehen. Erinnern sie sich noch an einen gewissen Jürgen Möllemann, dessen Äußerungen zum Antisemitismus ihm den Hals gebrochen haben? Nein natürlich nicht so direkt. Er hatte nun einmal als Freizeitfalschschirmspringer ein gefährliches Hobby. Ein Schirm, der sich nicht öffnet, ist für jemand, der auf freiem Feld in einem Platzregen steht, immer eine große Gefahr. Vor allem dann, wenn der Betreffende zu denen gehört, die Entscheidungen fürs Volk treffen dürfen und teuren Zwirn tragen, der zum Wählerstimmen einkaufen ermächtigt. Am 5. Juni 2003 verließ dieses Licht der strahlenden Politikergemeinde unsere Welt. Es sah für mich so aus, als wäre außer Teilen der Bevölkerung und seiner Familie, niemand besonders traurig darüber. Eine große Partei trug zwar schwarz, aber diese Farbe trägt sie ja immer und so passte das eben zufällig.
Vorher sah man Jürgen Möllemann im Bundestag, auf einem für ihn extra abseits vom parlamentarischen Block bereitgestellten Stuhl, etwas traurig aus der Wäsche blicken. Aber obwohl offensichtlich mit ihm niemand mehr etwas zu tun haben wollte, weinte er nicht. Weiter möchte ich aber auf diesen Fall jetzt nicht eingehen. Aber ganz vergessen sollte man ihn eben auch nicht. Zu jener Zeit des Geschehens aber, kam mir schon der Verdacht, dass man Politikern die Tränendrüsen herausoperiert, bevor sie ihr Amt antreten.

Um meinen Verdacht jetzt zu untermauern, möchte ich nachfolgend den Fall Wolfgang Schäuble noch kurz beleuchten. Drei Schüsse aus einer Smith &Wesson, Kaliber 38, würden jedem normalen Menschen Tränen in die Augen treten lassen, aber doch keinem Politiker. Nein, dass sind eben teilweise zu harte Brocken. Wenn jemand an der Front der politischen Ordnung, wie auch der staatlichen Stabilität kämpft und dabei verwundet wird, dann verkneift dieser jemand sich den Schmerz eben, den das mit sich bringen kann. „Im Westen immer noch nichts Neues“, hätte damals zu diesem Vorfall in der auf dem heimatlichen Frühstückstisch liegenden Zeitung stehen können.
Im Detail könnte folgendes im damaligen Zeitungsartikel gestanden haben: Der Abend des 12. Oktober 1990 verlief zuerst an der genannten Front normal. Wolfgang Schäuble schoss sich in Oppenau auf einer Veranstaltung der CDU für die Deutsche Einheit ein. Als Bundesinnenminister hatte er selber reichlich Munition für den Vertrag mitentwickelt. Dann plötzlich Schüsse aus dem Hinterhalt und unser Krieger schien gefallen. Aber noch war Leben drin im politischen Kämpfer. Sanitäter schallte es lauthals durch den Schützengraben und man brachte ihn ins gehobene Klasse Lazarett.

Deutsche Ärzte sind nicht umsonst berühmt für ihre Künste, vor allem wenn sie aus Freiburg kommen. Dort an der Uniklinik spielte man dann Poker mit dem Leben und dem Tod. Gut für die renommierten Ärzte und unseren armen Verletzten, dass der Tod im entscheidenden Moment nicht die richtigen Karten bekam. Selbst alle Bluffversuche des Todes hatten ihm nichts genutzt. Der Erfolg wurde der breiten Öffentlichkeit schnellstens mitgeteilt. Der Papiertaschentücherverbrauch der Bevölkerung, war in der Zwischenzeit bis ins Unermessliche angestiegen und hatte der damaligen Wirtschaft dadurch noch Höhenflüge bereitet. Nach nur wenigen Tagen präsentierte sich dann der hartgesottene Schwerstverwundete wieder dem immer noch rote Augen habenden und unter Schock stehenden deutschen Volk.

Kleinere missliche Umstände trübten jedoch die allgemeine Freude: Therapieversuche in der Rehabilitationsklinik Langensteinbach hatten nicht den gewünschten Erfolg erzielt. Unser tapferer Parteisoldat Schäuble war nun vom dritten Brustwirbel an abwärts gelähmt. Obwohl er nun Zeit seines Lebens auf den Rollstuhl angewiesen sein würde, quoll nicht eine Träne aus seinen Tränendrüsen. Schäuble zeigte absolute Stärke. Sein Arbeitseifer sollte ab nun für ihn der Ausgleich für seine eingeschränkte sonstige Beweglichkeit sein. Sehr zum Unwohle größerer Bevölkerungskreise, die sich von da an mit seinem Rollstuhl über die Füße gefahren fühlen sollten.
Die CDU gewann am 2. Dezember 1990 die Wahl und Schäuble blieb bis 1991 Innenminister. Danach stand er bis 2000 der CDU-Fraktion im Bundestag vor, 2005 wurde er wieder Innenminister. Einmal Innenminister, immer Innenminister, hieß ab da sein Kampfmotto. Und das auch richtig und mit Nachdruck auf die allgemeine Unsicherheit im Land. Die bis dahin auf zu großen freien Füßen lebten und sich deshalb bis dato nicht in enge Sicherheitsschuhe zwängen lassen wollten, sollten alsbald mit ausgereiften neuen Schutzgesetzen dazu angewiesen werden, mehr auf ihre großen Zehen zu achten. Die Freude beim Volk hatte natürlich keine Grenzen.

Darum freuten sich alle Bürger im Jahr 2009 auch so sehr auf die Bundestagswahl, denn sie wollten einen immerwährenden Innenminister Schäuble – den einzigen von Gott auserwählten Krieger im Land. Diese Vorfreude machte dann jedoch die ebenfalls wiedergewählte Kanzlerin zunichte, indem sie den Krieger zum neuen Finanzminister ausrief. Völlig auf den falschen Posten befohlen, fühlte sich unser Held plötzlich nicht mehr wohl und machte seinem Unmut und seinem geliebten Land durch vermehrte Geldausgabe Luft. 86 Milliarden mehr als eigentlich erlaubt, sollen nun an der Front des himmlischen deutschen Friedens verpulvert werden. Das Volk fühlt sich durch die Kanzlerin hintergangen und weint um das verlorene Geld. Aber aus Schäubles Augen fließt immer noch keine Träne. Aus dem Auge der Kanzlerin selbstverständlich auch nicht. Frauen kommen mit Schmerzen, wie Mann und armes Volk weiß, sowieso besser klar.

Hat sich also mein Verdacht bestätigt, dass Politiker nicht weinen können?

Vielleicht weinen Politiker auch nicht, weil sie keine Zukunftsängste kennen. Denn sie säen nicht, sie ernten nicht und das himmlische deutsche Volk ernährt sie doch. Zwar leben Politiker schon mal gerne auf Diäten, fallen in Meinungsumfragen auch schon mal tief hinunter, aber das alles scheint sie kaum zu bedrücken. Denn sie können sich zur Not ihr Geld als Staatsinhaber auch selbst drucken oder eben so wie immer, mittels höheren Steuern aus der Bevölkerung erpressen. Fällt ein Politiker nicht aus Versehen selbst aus allen Wolken oder trinkt er nicht in der Badewanne zuviel mit Chemikalien versetztes Wasser, dann sind diese Leute selbstverständlich unkündbar. Lange nach ihrer Zeit hört man noch, was den Kohl fett macht. Politiker arbeiten und arbeiten bis sie umfallen oder umgefallen werden.

Daran sollte ein armer Hartz IV Empfänger, mit richtigen Zukunftsängsten, sich mal ein Beispiel nehmen. Den ganzen Tag dem armen Staat auf der Tasche liegen, kann doch nicht der Sinn und Zweck seines erbärmlichen Lebens sein. Andere müssen ja auch für ihr Geld um ihr Leben kämpfen oder Löhne dämpfen. Eine Frechheit aber auch, dann noch vor Gericht zu ziehen und sich das Wohlwollen des Staates erschleichen zu wollen. Gut, dass auch hier eine Frau an der Spitze der Angeklagten steht und mit froher Miene die Richter anlächeln konnte. Die wussten sofort, der Preis ist heiß und die Ankläger reden nur Scheiß.

Wenn nun Politiker weinen könnten, dann wären sie ja keine Gotteskrieger, Einzelkämpfer, Kanzler und an ARGE Zeiten gewöhnte Menschen. Nein, dann wären sie ja Menschen wie Du und ich. Wer aber einen ganzen Staat zu leiten hat, der hat ganz andere Pläne, als jemand der sehen muss wie er seine kleine Familie über die Runden bringt. Dies geht natürlich am besten mit großen Reden schwingen. Für keinen Missmut in den eigenen Reihen zu sorgen, ist dabei das wichtigste Ziel. Zu sagen, wer arbeitet, der muss mehr haben als jemand der nicht arbeitet, das ist kein Fehler. Auch wenn es im ersten Moment so aussieht. Wichtig ist, dass es gesagt wird. Das ist die Showbühne der Politik und nicht zu weinen gehört selbstverständlich auch dazu. Weinen können und dürfen immer nur die anderen. Aber wen interessiert das denn schon groß.

3 Antworten

  1. Hallo Jochen,

    kurz zum letzten Beitrag. Es ist vollkommen richtig, in der heutigen Situation nicht alle Gedanken schriftlich darzulegen. Da dies ja öffentlich ist. Und da diese BRD Staatssimulation auch vom EuGh als Unrechtssytem beurteilt wurde, ist Vorsicht angesagt. Es sitzen ja unendlich viele im Knast, weil sie die Wahrheit sagten.
    Nun zum aktuellen. Du hast die Situation hier sehr gut beschrieben. Ja, die Sache mit Möllemann lässt schon tief blicken. Manch einer ist da wohl aufgewacht und sagte sich vielleicht: Huch, hier bei uns in Deutschland auch??
    Nun, nicht nur in den USA und anderen Staaten wird etwas nachgeholfen. Nur runterfallen ist dann doch etwas zu auffällig, finde ich. Gerade bei einem Profi.
    Ja, die Politiker. Ich hab vor langer Zeit mal auf einer, sagen wir mal, ulkigen Seite was Ulkiges gelesen. Da wurde die Behauptung aufgestell, das Teile der Politikergilde gar Ausserirdische seien. Gut, ich hatte dann abgelacht und die Geschichte vergessen. Nach Deinem Artikel habe ich kurz überlegt. Dann fiel mir die Sache wieder ein. Ich habe nie darauf geachtet, ob die weinen, oder nicht. War mir schlichtweg egal. Wenn ich aber darüber nachdenke – stimmt, die heulen nie, und wenn, dann mit Hilfe von Zwiebelerzeugnissen. Hm – sollte vielleicht an der Sache von damals was dran sein? Ich meine,die Gesichtsausdrücke sind ja auch ziemlich eigenartig – oder nicht?? Und das Verhalten und, und und.

    Nun, Ja. Die herzlichsten Grüsse auch an die Famile und nen schönen Restsonntag noch

    Jan

  2. kurzer Nachtrag,

    Ich hörte übrigens von einer netten Sadt. Es ist Moskau glaube ich. Soll ein gutes Exil für Wahrheitsberichterstatter sein. Leider hat die Sache zwei Haken. 1. Die Sprache und 2.Das liebe Geld.
    Aber ansonsten soll es dort entgegen unsere unfreien Presse noch so etwas wie Demokratie geben.
    So, das hatte ich vergessen zu erwähnen.
    Nochmals dasselbe wie vorhin

    Jan

  3. Hallo Jan,

    freut mich, dass Du das von mir angebotene Du angenommen hast.

    Die von Dir genannten Haken kenne ich nur zu gut. Am ersten Haken ließe sich ja noch etwas ändern, wenn man nur nicht so lernfaul in bezug auf Sprachen wäre. Aber ich könnte es vielleicht mal mit Kölsch probieren, auf dem Roten Platz als Alleinunterhalter. Wäre doch was, oder?
    Tja, und der zweite Haken, dafür kann ich nun wirklich nichts. Ich war mal etwas reicher, aber wer dann in der BRD alleine schon krankenversichert ist, der kann eben ganz schnell arm werden.

    Was die Idee mit der außerirdischen Politikergilde angeht, so hege ich da auch einen leisen Verdacht und das auch schon etwas länger. Du kennst bestimmt den Film von John Carpenter „Sie leben!“ Als ich den gesehen hatte, dachte ich mir, der Carpenter dreht die besten Filme und den besten Stoff für die besten Filme liefert eben das Leben. Damit sollte alles gesagt sein.
    Kürzlich lief mal wieder Men in Black. Früher dachte ich immer, solche Filme wären der reinste Quatsch. Stimmt ja auch. Aber was machen denn die Politiker. Den besten Stoff für den größten Quatsch liefert eben das Leben. Außerdem kommen nur noch Wiederholungen.
    Den besten Stoff für die meisten Wiederholungen, liefert…..

    Liebe Grüße,

    Jochen Mitanna

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