Besondere Leseempfehlungen zwischendurch – 11.02.10

Heute haben wir uns mal wieder etwas ausgiebiger in der Netzwelt umgeschaut, um die (notwendige und damit gerechtfertigte) Hartz-IV-Monotonie der letzten Tage auszugleichen. Wir sind auf einige interessante und empfehlenswerte Artikel gestoßen, die wir unseren Leser/innen im Nachfolgenden eindringlich ans Herz legen möchten. Leider ließ sich ein leichter Rückfall nicht vermeiden …

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Egon W. Kreutzer Die Sache mit dem Zins (Paukenschlag 6/2010)

Mit diesem Beitrag geht der Autor auf die „recht leidige“ Diskussion um Für und Wider von Zinsen ein, die in Expertenkreisen seit langem stattfindet und meist mehrheitlich das Ergebnis produziert, dass Zins und Zinseszins in Wahrheit gar kein Problem seien … das kann der Autor aber viel besser erläutern, weshalb wir ihn ein Stück weit zitieren möchten:

Angebot zur Abkürzung einer ermüdenden Diskussion

Im Ringen um den rechten Weg für eine neue Geldverfassung wächst die Zahl der Anhänger des Gedankens, der Zins an sich sei im Geldwesen eine vollkommen harmlose Erscheinung; die eigentliche Gefahr gehe nicht vom Zins, sondern ausschließlich von der Hortung aus.

So werden der Wachstumszwang und die Notwendigkeit der sich stetig ausweitenden Neuverschuldung, also letztlich auch das Wachstum der Guthaben, ganz ausschließlich der Hortung von Geld zugeschrieben.

Die Hortung, heißt es dann weiter, könne aber nur durch eine Umlaufsicherungsgebühr unterbunden werden, niemals durch ein Zinsverbot.

Das habe ich lange als zulässige „Meinungsäußerung“ in einer offenen, auf gemeinsamen Erkenntnisgewinn gerichteten Diskussion angesehen und mich nur so weit dazu geäußert, wie ich direkt dazu angesprochen und um meine Auffassung befragt wurde. Dabei habe ich in großem Respekt vor den Gedanken und dem Erkenntnisstand meiner jeweiligen Partner viele, z.T. sehr ausführliche Diskussionen geführt.

Da sich der Gedanke in den letzten Monaten im Internet jedoch epidemisch ausbreitet, sehe ich die Notwendigkeit, zu alledem heute noch einmal – so umfassend wie nötig und so abschließend wie möglich – Stellung zu beziehen.

Zitat Ende.

Kommentar: Der Autor nimmt sich dieser Notwendigkeit mit sehr viel Aufwand an und liefert auch ebenso anschauliche wie einleuchtende Argumente dafür, warum die vorherrschende Meinung, die er im ersten Absatz kurz zusammengefasst hat, nicht zutreffen kann. Da er zweifelsohne über mehr Fachwissen verfügt, möchten wir vorrangig nur die Empfehlung ausgeben, seinen Artikel sehr gründlich zu studieren und die von ihm aufgebotenen Beispiele ebenso eingehend zu prüfen, wie wir das getan haben. Am Ende sollte, auch bei Verfechtern der gegenteiligen Meinung, durchaus wenigstens die eine oder andere Falte auf der Denkerstirn erscheinen …

Wir möchten nur noch anfügen, dass man sich – wenn man sowohl die Macht als auch die Bedrohung wirklich einschätzen können möchte, die von Verschuldung, Zins und Zinseszins ausgeht – auch eingehender mit dem Thema „Geschichte der Staatsverschuldung“ (nicht auf die BRD und die Nachkriegszeit) beschränkt befassen sollte. Zugegeben – das ist nicht ganz einfach, weil es wenige offizielle Quellen gibt, die mehr an Informationen liefern als man bei aufmerksamer Lektüre der „Tagespresse“ finden kann, aber das Internet ist „groß und ergiebig“ … den/die mutige/n und hartnäckige/n Suchende/n erwarten interessante Fakten.

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Roberto J. De Lapuente [ad sinistram]Soziale Unruhen ausgeschlossen! (11.02.10)

Das ganze Dilemma unserer Gesellschaft, welches sich durch das Urteil des BVerfG bezüglich der Hartz-IV-Regelsätze und die dadurch zu hektischem Spareifer getriebene politische Klasse auf ein neues, abartiges Niveau steigern dürfte, zeigt der oben verlinkte Artikel auf. Die Warnungen, die auch wir immer wieder an die Frau und den Mann zu bringen versuchen, werden nicht nur schon bald von der sich anbahnenden asozialen Wirklichkeit gerechtfertigt werden, sondern das sich androhende Unheil sogar noch dramatischere Formen annehmen. Und schuld daran sind nicht nur die politisch Verantwortlichen oder die hetzenden Medien und Experten, sondern in mindestens ebenso großem Umfang auch die Gesellschaft selbst … Stichworte wie „Neiddebatte“ und „Ellbogengesellschaft“ sollte man im Hinterkopf behalten!

Zitat zum Einlesen:

Es war kaum wenige Stunden her, dass das Urteil zur Welt kam, da setzte sich bereits eine untergründige, verschmitzte Stimmungsmache in Bewegung. Bevor die Sturmgeschütze des bürgerlichen Anstandsmenschen, der durch Arbeitsplatz, Fleiß, Unterwürfigkeit und naiven Untertanengeist für sexy erklärt wird, bevor die üblichen Verdächtigen mit ihrer plumpen, klobigen Eigenart zur Attacke auf die schmarotzende, unersättliche, immer dürstende Unterschicht bläst, machte sich eine feinsinnige, eine sensitive Wühlarbeit im Fundus der Ressentiments ans Werk. Noch ehe die aufzuwiegelnde Menge intravenös an den Tropf genommen wird, greift man auf subkutane [Erklärung], ja fast schon fintenreich intrakutane Mittelchen.

Zitat Ende.

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Lutz Herden [der Freitag]Symptom und Krankheit (10.02.10)

Ein überzeugender Sachvortrag in Sachen „Atom-Eskalation Iran-USA (Israel)“, bei dem die „westliche Staatengemeinschaft“ angemessen schlecht wegkommt. Der Artikel liefert fundierte Argumente gegen die Eskalationsstrategie des Westens, die auch den Doppelstandard nicht verschweigen, der bspw. in Gestalt der „befreundeten Partner“ Pakistan und Indien, noch mehr aber durch die israelische Atommacht angewendet wird – und, noch wichtiger, er weist auch auf die Bringschuld der Atommächte hin, die wir nachfolgend als auszugsweises Zitat zum Einlesen anbieten möchten. Insgesamt ein empfehlenswerter Artikel, dessen Titel um einiges mehr an reeller Wahrheit beinhaltet als alle verlogene Propaganda des Westens zusammengenommen.

Zitat:

Dabei hat Iran wie jeder andere Nicht-Nuklearstaat zumindest das Recht, jede Nuklearmacht, die 1968 oder danach den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) unterzeichnet hat, daran zu erinnern: Es existiert laut Artikel 6 dieses Abkommens seit Jahrzehnten die Pflicht, Kernwaffen zu verschrotten. Dieses Gebot war seinerzeit für alle Nichtatomstaaten Conditio sine qua non, um ihrerseits in Artikel 2 des NPT zu erklären: Wir werden auf eigene nukleare Rüstung verzichten.

Zitat Ende.

Nachtrag: Wobei natürlich beachtet werden muss, dass so manche „Atommacht“ den genannten Vertrag gar nicht erst unterschrieben hat – und darauf passt sicherlich der alte Spruch: ein Schelm wer Böses dabei denkt!?

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Frank Benedikt [Auto-Anthropophag]Annäherung an die Realität?

Wie der Einleitungssatz …

Der Außenminister im “nichtinternationalen bewaffneten Konflikt”

… bereits klarstellt, geht es um den großen Auftritt des Herrn Westerwelle im Bundestag, den so mancher (bspw. die Gewerkschaft der Polizei) mit dem Kommentar bedenkt, das „Westerwelle quasi den Krieg erklärt habe“ – was so falsch nicht ist, da es sich um den Einsatz der Bundeswehr im Rahmen des ISAF-Mandats in Afghanistan handelt. Der Autor spricht uns mit seiner Analyse des Ganzen aus der Seele und stellt jene Fragen, die nun unbedingt ohne jede weitere Verzögerung einer umfassenden Beantwortung zugeführt werden sollten. Andernfalls hätten doch jene Stimmen recht, die aufgrund vielfältiger Anlässe an der Gewaltenteilung (-Trennung!) zweifeln, die angeblich immer noch ein wesentliches Kriterium für die Funktionalität eines demokratischen Rechtsstaates sein soll.

Zitat zum Einlesen:

Wie bereits der Herr der Hardthöhe unlängst feststellen mußte, liegt die Entscheidungskompetenz für eine Neubewertung der Verhältnisse am Hindukusch nicht bei der Politik, sondern bei der Justiz. Dass nun der deutsche Außenminister, Guido Westerwelle, in’s selbe Horn stößt und von einem “nichtinternationalen bewaffneten Konflikt” spricht, zeugt nicht von besonderer politischer Klugheit. Entweder haben die Berater des Ministers schlichtweg versagt und diesen Sachverhalt einfach übersehen oder Westerwelle setzt sich wider besseres Wissen über die von Juristen als gültig eingestufte Rechtslage hinweg. Beides spricht gleichermaßen nicht für den Außenminister und könnte zu unangenehmen Fragen führen.

Zitat Ende.

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