Leseempfehlung Spezial – Themenschwerpunkt: Haiti

Seit dem schweren Erdbeben auf der Karibikinsel, das mehr oder weniger offiziellen Schätzungen zufolge 70.000, vielleicht sogar Hunderttausende von Opfern gefordert hat, überschlagen sich die Medien mit Horrormeldungen und Spendenaufrufen. Doch was liegt hinter dieser Fassade aus Katastrophenjournalismus und scheinheiliger Hilfsbereitschaft an nicht für die Weltöffentlichkeit bestimmten Fakten verborgen? Diese Frage interessierte uns und deshalb haben wir uns ein wenig umgetan, um in Erfahrung zu bringen, was die alternativen Berichterstatter darüber zu vermelden wussten.

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Als Beispiele für die reguläre Berichterstattung haben wir uns einen Bericht ausgesucht, der gestern unter dem Titel „Da draußen tobt ein Krieg“ bei FAZ.net erschienen ist, dazu noch einen vom Freitag stammenden Bericht von Spiegel online und zu guter Letzt noch einen gestern veröffentlichten Artikel von focus.online mit einem „geringfügig anderem Tenor“. Wir wollen und werden diese Berichte nicht kommentieren, möchten aber darum bitten, sie sehr genau zu lesen, die doch erkennbaren Unterschiede zu beachten und sich ein eigenes Bild davon zu machen, worauf bei der offiziellen Berichterstattung eingegangen wird. Dieser vergleichsweise geringe Aufwand wird sich im Zusammenhang mit den nachfolgend zusammengetragenen alternativen Meinungen sicherlich lohnen.

Die „Gegenöffentlichkeit“ … kurz kommentierte und ohne besonderes System angeordnete Leseempfehlungen, die wir nur aus den uns täglich zugehenden Informationen auswählten:

Werner Weiland (Linke Zeitung)Haiti: Katastrophenhilfe oder Militäreinsatz? (17.01.10)

Ein sehr umfangreicher Bericht, der nicht nur die gegenwärtige Situation beleuchtet – wobei die USA zu Recht „nicht allzu gut wegkommen“, sondern auch in die Tiefe geht. Er liefert ausführliche Informationen zur wechselhaften, aber ausnahmslos von Unterdrückung, Ausbeutung und fremden Interessen bestimmten „Beziehung“ zwischen den USA und Haiti – die völlig anders geartete Hilfe Kubas und der lateinamerikanischen „Problemstaaten“ und viele wissenswerte und wichtige Informationen mehr! – Er bietet auch den notwendigen Weg an, wie Haiti (genauso wie andere unter Kapitalkolonialismus leidende Staaten der Dritten Welt) und seine Bevölkerung gerettet werden könnte.

Jochen Hoff (Duckhome) Die USA werden Haiti langfristig besetzen (18.01.10)

Wie gewohnt ein knallhart die Fakten präsentierender Artikel, der vor allem hinsichtlich der „vermuteten“ langfristigen Strategie der USA unsere ungeteilte Zustimmung findet. Stichpunktartig werden einige historische Wegmarken aufgezeigt, die in der Tat jede Hoffnung auf eine „wirksame Hilfe“ für die seit ewigen Zeiten unterdrückten Haitianer wie reinstes Wunschdenken erscheinen lassen. Auch die Rolle, welche die internationalen Kapitalinstrumente namens IWF und Weltbank bei der sozialen und wirtschaftlichen Verwüstung Haitis spielte, auch unter unserem jetzt so auf mitfühlend machenden Bundespräsidenten Köhler, wird knapp und korrekt dargestellt. Man wünscht sich, dass Jochens düstere Erwartungen sich nicht erfüllen mögen, aber leider ist das eher unwahrscheinlich!

Luise (Duckhome)Cuba hilft seinem Nachbarland Haiti schon lange (16.01.10)

Mal ein etwas anderer Blickwinkel auf dieses Thema – ausgehend von Sympathie und Respekt für den gerne und arg gescholtenen „Diktator von Kuba“. Man sollte sicher nicht vergessen, dass nicht alles „reines sozialistisches Gold“ ist, was in Verbindung mit seinem Namen steht und glänzt … aber was die Autorin über diese Katastrophe und die Bedeutung der Hilfe schreibt, die Kuba seinem Nachbarstaat schon lange gewährt, ist es sicherlich anders. Insbesondere wenn man diese Verbundenheit mit jener Form von Hilfe vergleicht, weiche die „untadeligen“ USA anzubieten haben. Das kann man sowohl ernst gemeint als auch brutal sarkastisch verstehen.

Rolf Ehlers (Readers Edition) via Mein PolitikblogHaiti ausgeplündert und vergessen (16./17.01.10)

Der Artikel liefert eine bedrückende Chronologie der Geschichte Haitis, die belegt, dass die Menschen in dem Inselstaat seit der Entdeckung Hispaniolas durch Columbus immer als Opfer unter der rigorosen Gier von Kolonialmächten zu leiden hatten … und dass es wieder einmal mit der Ausrottung der Urbevölkerung begann, die wie in vielen Teilen Süd- und Mittelamerikas das Werk der „spanischen Seemacht“ war. – Ein sehr lesenswerter Artikel, der auch die Brücke in die Neuzeit schlägt, in welcher die USA und deren weltweit bekannte Interessengewichtung das Schicksal der Haitianer prägte … und es auch weiterhin prägen wird, wenn nicht ein „globales Wunder“ geschieht.

Bill van Aucken (WSWS) via Mein PolitikblogDie Geschichte, die die USA und Haiti vereint (16./17.01.10)

Noch ein sehr guter Artikel, der die „spezielle Beziehung“ zwischen den USA und Haiti noch etwas konkreter beschreibt. Beginnend mit zwei Beispielen dafür, mit welchem verlogenen Zynismus die US-amerikanischen Mainstream Medien (New York Times und Wall Street Journal) über die Katastrophe und das vorgebliche Eigenverschulden von Volk und haitianischer Politik berichten. Die Wahrheit, die der Artikel erbarmungslos aufzeigt, wird – wie auch in überwiegenden Teil der restlichen „westlichen Welt“ – rigoros ausgeblendet. Dass es sich bei dieser Wahrheit um die rigorosen Machenschaften der herrschenden Eliten in beiden Staaten handelt, kann Menschen, die objektiv-kritisch mit dem US-amerikanischen, sowohl militärisch als auch wirtschaftlich betriebenen Imperialismus umgehen, kaum überraschen. Leider ein weiterer Artikel, der – unter normalen Umständen – wenig Hoffnung auf Besserung aufkeimen lässt, aber dennoch lesenswert ist.

ZAS – Correas de las Américas via Womblog Haiti: Nach dem Grauen die Profitraserei (14./18.01.10)

Ebenfalls ein Bericht, der sehr ins Detail geht. Auch hier wird der Punkt hervorgehoben, dass Obama mit Bill Clinton und George W. Bush jene beiden Präsidenten als „Hilfskoordinatoren“ eingesetzt hat, unter denen 1991 und 2004 zwei blutige Invasionen gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Aristides stattgefunden hatten … und er zieht, wie wir finden absolut mit Recht, sogar Parallelen zwischen der aktuellen Katastrophenhilfe in Haiti und dem „Versagen der Hilfskoordination“ nach „Katrina“ in New Orleans. Anhand diverser offizieller Zitate wird belegt, dass es in Wahrheit um etwas anderes geht – und zwar exakt um das, was der Artikeltitel aussagt!

Prensa Latina – Harald Neuber (Übersetzung / Portal america.21) via WomblogKuba stockt Ärztebrigade in Haiti auf (18.01.10)

Bericht über die Hilfsleistungen von Seiten Kubas und Venezuelas … kurz, aber aussagekräftig in Bezug auf eine Form der Solidarität, die nicht nur selten geworden ist in unserer Zeit und Gesellschaft, sondern auch ein Dorn im Auge der US- und anderer Imperialisten. Dass dies die „gescholtenen Revolutionäre und Feindbilder“ nicht abschreckt, spricht unwiderlegbar für diese und den Respekt, den sie bei ihren Völkern genießen.

Peter Hallward (The Guardian – Übersetzung: Andrea Noll – ZNet) via Womblog Unsere Rolle bei der Katastrophe auf Haiti (13./14./18.01.10)

Ein bemerkenswerter Artikel, der in Punkto konkreter Schuldzuweisung und expliziter Forderungen nichts zu wünschen übrig lässt. Sehr detailliert geht er vor allem auf die Ursachen für die fatalen Auswirkungen der Katastrophe ein und liefert darüber hinaus auch eine unzweideutige Erklärung, die man problemlos auf andere arme Regionen der Welt – und in absehbarer Zeit auch auf die „Unterschichten der fortschrittlichen westlichen Industrienationen“ übertragen kann. Es ist das ewige und scheinbar auch in Zukunft weitergehende Spiel der „entfesselten Märkte“, das zwar nichts mehr mit natürlichen Gesetzmäßigkeiten gemein hat, aber dennoch nach den „Regeln des Größeren, Stärkeren und Mächtigeren“ gespielt wird.

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Soweit unsere kleine Auswahl an alternativen Berichten rund um die Erdbebenkatastrophe auf Haiti. Da wir sie alle von Anfang bis Ende gelesen haben und mit unseren eigenen Erkenntnissen über das „segensreiche Wirken“ der USA und anderer Weltmächte abgleichen können, kommen wir zu dem glasklaren Urteil, dass sie der objektiven Wahrheit wieder einmal um ein Vielfaches näher kommen als alles, was die „seriösen Medien“ auf ihre Konsumenten loslassen.

3 Antworten

  1. Liebe Leser/innen … insbesondere geschätzter Jochen Mitanna,

    zu diesem Artikel ist ein satirisch gemeinter Kommtentar eingegangen, den wir lieber an etwas erhobenerer Stelle platzieren wollten, da er hier im Kommentarbereich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die Beachtung gefunden haben würde, die er unserer Ansicht nach verdient … deshalb diese „Umeitung“:

    https://moltaweto.wordpress.com/2010/01/19/gastbeitrag-jochen-mitanna-das-anonyme-interview-%E2%80%A6-zum-thema-haiti/

  2. Hallo Hans und Team,

    das ich meinen Verstand noch nicht verlor ist ein kleines Wunder. Hier auf dem ehem Flughafen nennen die Idioten ne Modemesse Brot und Butter. Im „Kanzeramt“ trafen sich gestern die grössten Verbrecher. Wem jetzt noch nicht klar ist wer hier das SAGEN hat, gehört in eine geschlossene.
    Und was der Hosenanzug von sich gelassen hat ist mehr als nur kriminell.
    Haiti-ja-Haiti. Kommt doch wie gerufen – nicht wahr? Die Zahl der Toten (oder soll ich besser schreiben – ERMORDETEN) spielt doch keine Rolle mehr. Immer näher und dann rein nach Venezuela. Erdbeben. Ja klar, aber NATÜRLICH????? Das ist die Frage. Nun haben sie also Haiti besetzt. Als nächstes dan Iran. Wurde ja von den Zios und der Mai schon angedroht. Befehl angekommen. Wird ausgeführt. Na Klasse wo wir jetzt angekommen sind. Ich hoffe das mein Senf nicht zuuuu krass ist.
    Das musste ich einfach los werden.
    Meine herzlichsten Grüsse aus Ihr wisst schon (Nur noch Geiseskranke um uns rum)

    Jan

  3. Hallo Jan,

    also das Wichtigste mal ganz zu Anfang: „zuuuu krass“ ist Ihr Senf sicherlich nicht, da wir ja in einem Staat leben, der seinen Bürgern angeblich Meinungsfreiheit zusichert – und hier bei uns erst recht nicht zensiert wird. Ansonsten ist Ihre „wüste Theorie“ im Internet ja schon ziemlich heftig am kursieren und sollte – wie so viele andere „unglaubliche Geschichten“ – nicht einfach ignoriert werden. Hinzu kommt, dass die Theorie (nicht natürliche Entstehung des Erdbebens ~ Haarp ~ ELF-Wellen) zumindest mit (nicht nur) Ihren Überlegungen hinsichtlich der geostrategischen Bedeutung Haitis für die „aktuellen außenpolitischen Überlegungen“ der USA korrespondiert, die bisher ja vor allem durch die Entsendung von Truppen und der Vereinnahmung des Flugplatzes auf die Katastrophe reagiert haben. – So weit dazu …

    Was die Äußerungen der Frau BK und die „diplomatischen Begegnung auf höchsten Niveau“ zwischen unserer Regierung und jener des Staates Israel, sowie deren lautstark verkündetes Ergebnis betrifft, sehe ich ehrlich gesagt auch keinen Anlass, Ihnen zu widersprechen. Leider, wie man hinzufügen muss, denn „wer das Sagen hat“ wissen „Verschwörungstheoretiker wie Sie und ich“ nur zu genau und Frau Merkel tut mit ihrem duckmäuserischen oder auch nur willfährigen Gehabe auch nicht das Geringste, um „Lästermäuler wie uns“ zu widerlegen. Mehr dazu erst einmal nicht, aber es steht zu befürchten, dass wir uns in naher Zukunft wieder und dann eingehender darüber werden austauschen müssen!

    In diesem Sinne – die herzlichsten Grüße von einem (teilweise) unüberdachten Irrenhaus ins andere😉
    Hans (fürs Team, aber in erster Linie in Ausübrung der individuellen Meinungsfreiheit!)

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