Gastbeitrag Jochen Mitanna: Das anonyme Interview … zum Thema Haiti

Der nachfolgende Beitrag wurde ursprünglich als Kommentar zum heutigen „Themenschwerpunkt Haiti“ eingereicht … wir denken jedoch, dass er Besseres verdient hat als im Kommentarbereich zu verschwinden. Es handelt sich nach Aussage des Autors um eine Satire – das werden wir selbstverständlich respektieren, erlauben uns aber dennoch, hier leichte Zweifel anzumelden.

Doch lesen Sie selbst und bilden Sie sich eine eigene Meinung zu unserer „unverschämten“ Einlassung. Trotz des ernsten Hintergrunds wünschen wir viel Vergnügen mit diesem – unserer Ansicht nach – perfekt getroffenen und unsere politische Klasse grandios widerspiegelnden Gastbeitrag.

* * * * * * * * * * * * * * *

Satire (??? HDZ ???) von Jochen Mitanna

Das anonyme Interview – Nichts als die Wahrheit

Heute mit einer ranghohen deutschen Politikerin zum Thema Erdbebenkatastrophe in Haiti

Reporter: Was fühlten Sie dabei, als Sie von der Erdbebenkatastrophe in Haiti hörten?

Politikerin: Wenn wir Politiker Gefühle hätten, dann könnten wir unseren Job nicht so erledigen, wie wir das tun.

Reporter: Aber die vielen Toten, alles ist dort zerstört worden, die Leute stehen dort praktisch vor dem Nichts.

Politikerin: Ja schon, aber die gute Seite ist dabei doch, man kann jetzt alles wieder aufbauen.

Reporter: Aber die Menschen dort kämpfen doch zunächst einmal nur ums nackte Überleben.

Politikerin: Das sieht nur so aus, die Bevölkerung dort betreibt Voodoo Zauber. Für die ist tot sein etwas ganz normales.

Reporter: Sie meinen also, die Opfer stehen vielleicht sogar von selbst wieder auf, wenn man sie lange genug liegen lässt?

Politikerin: Wenn man nur fest genug daran glaubt, dann vielleicht.

Reporter: Und die ganzen Einzelschicksale berühren sie überhaupt nicht?

Politikerin: Viel schlimmer ist es, dass die staatliche Ordnung zerstört wurde. Ohne Staat gibt es keine Regierung, ohne Regierung ist Haiti kein richtiges Land und mit Bürgern denen alles egal ist, lässt sich auch kein Staat machen.

Reporter: Aber ist es nicht viel schlimmer, dass auch die Infrastruktur komplett zusammen gebrochen ist?

Politikerin: Wenn die dort den Müll von den Straßen räumen würden, dann läuft das mit der Infrastruktur auch bald wieder. So toll war die bei denen ja nie.

Reporter: Was würden Sie davon halten, alle deutschen Hartz IV Empfänger dort mit Schiffen hinzukarren? Wäre das nicht eine gute Arbeitsbeschaffungsmaßnahme?

Politikerin: Dem faulen Gesindel bei uns auch noch eine Seereise zur Erholung anbieten. Ich glaube Ihnen geht es zu gut, was?

Reporter: Das war ja nur so eine spontane Idee. Denn es wurde doch gesagt, die Arbeitslosen müssten jegliche, sich ihnen bietende Arbeit annehmen.

Politikerin: Soweit sind wir ja leider noch nicht. Wenn, dann wird uns schon noch etwas Besseres einfallen, was wir denen zu arbeiten geben.

Reporter: Was halten Sie davon, dass das amerikanische Militär auf Haiti die Kontrolle übernommen hat?

Politikerin: Was soll ich davon schon halten? Ich wäre die letzte, die andere davon abhalten würde schnelle Hilfe zu leisten.

Reporter: Glauben Sie nicht, dass dies auch politische Hintergründe hat?

Politikerin: Guter Mann, ich möchte Sie daran erinnern, dass ich selbst eine Politikerin bin. Vor allem die Hintergründe bilden das Konzept, auf das überall auf der Welt die ganze Politik fußt.

Reporter: Aber was hat denn Politik mit der Not der Menschen auf Haiti zu tun?

Politikerin: Wenn eine Weltmacht in die Geschicke eines heruntergekommenen Staates eingreift, dann spielt die Not der einzelnen Menschen dort keine Rolle. Zunächst geht es ja mal darum, dass sich dort keine falschen Subjekte einnisten können.

Reporter: Wen meinen Sie mit falschen Subjekten?

Politikerin: Na jene, die nur so tun als würden sie Hilfe leisten, aber dabei etwas ganz anderes im Sinn haben.

Reporter: Seien Sie mal ehrlich, geschieht so etwas nicht gerade auch in Afghanistan?

Politikerin: Nein, da war soviel ich weiß kein Erdbeben.

Reporter: Ich meinte eher, dass dieses Land auch von fremden Mächten besetzt ist, die dort nicht hingehören.

Politikerin: Wo schon so lang Krieg ist, so ein Land würde ich nicht als meine Heimat betrachten. Ich finde, die Afghanen sollten sich ernstlich überlegen, ob sie sich nicht besser eine andere Heimat suchen und uns ihr Land als militärischen Übungsplatz ganz überlassen.

Reporter: Das ist doch jetzt ein Witz oder?

Politikerin: Sehe ich so aus, als könnte ich Witze machen?

Reporter: Nein, natürlich nicht, das haben wir in Deutschland auch schon gemerkt.

Politikerin: Dafür machen wir aber immer neue und gute Gesetze. Oder etwa nicht?

Reporter: Es gibt Leute, die glauben, das Erdbeben in Haiti sei künstlich erzeugt worden mittels HAARP Technologie.

Politikerin: Jetzt machen Sie aber Witze. Wenn so etwas ginge, dann wären wir in Deutschland unsere Geldsorgen auf der Stelle los.

Reporter: Wie meinen Sie das?

Politikerin: Nun, das wäre doch wie auf Haiti jetzt. Was kaputt ist, muss aufgebaut werden und kurbelt die Konjunktur an. Der wirtschaftliche Motor läuft wieder rund, der zurzeit sehr ins stottern gekommen ist. Und zum Glück ist bei uns beim einzelnen ja auch noch viel mehr zu holen. Aber hier bebt die Erde einfach nicht mal richtig. Das ist unser Pech.

Reporter: So etwas können Sie sagen ohne dabei rot zu werden?

Politikerin: Wieso rot? Ich verrate doch nicht meine Partei. Das ist ein anonymes Interview. Das haben Sie mir versprochen.

Reporter: Wenn ich meine Versprechen so einhalten würde, wie Sie das mit Ihren politischen Versprechen vor den Wahlen immer machen, dann sähen Sie aber alt aus.

Politikerin: Sie finden mich jetzt also noch jugendlich und hübsch?

Reporter: Ich finde, wir sollten zum Thema Haiti zurückkehren.

Politikerin: Haiti kann jetzt abgehakt werden. Dort sind jetzt unsere amerikanischen Freunde.

Reporter: Und warum bringt man dann das Thema dauernd bei uns in den Nachrichten?

Politikerin: Nach den Einschaltquoten der Sender, liegen Katastrophenfilme ganz vorne auf der Beliebtheitsscala der Fernsehzuschauer. Außerdem sehen die Leute dann bei uns, wie gut es ihnen geht. Dann regen sie sich nicht so sehr über die nächsten Steuererhöhungen auf.

Reporter: Haben Sie den Erdbebenopfern auch schon Geld gespendet?

Politikerin: Im Moment bin ich knapp bei Kasse, die nächste Diätenerhöhung ist schließlich noch nicht durch.

Reporter: Meinen Sie, die Hungernden dort können so lange warten?

Politikerin: Muss ich ja auch.

Eine Antwort

  1. Hallo Hans,
    vielen Dank dafür, den als Kommentar gedachten Beitrag als Artikel einzustellen.
    Es freut mich die neue Art der Berichterstattung dieses auch von mir sehr geschätzten Autors lesen zu dürfen. Mein Glückwunsch.
    Dieses feminine Wesen erinnert mich an einen Traum, den ich mal hatte.
    Ich träumte in meinem Wohnzimmer zu sitzen und eine köstliche Speise zu mir zu nehmen. Ich sah plötzlich mir gegenüber eines von Satans Geschöpfen sitzen. Statt aufzuwachen, bekam ich einen Schock und konnte plötzlich fliegen. Wo der Flug hinging, weiss ich leider nicht, da ich schweissgebadet aufwachte. Wahrscheinlich bin ich immer noch am Fliegen. Denn ich bin ja aufgewacht, aber der Traum ging ja bestimmt weiter. Daher nehme ich an, immmer noch auf der Flucht zu sein.In diesem seltsamen Traum.
    Also diese Ähnlichkeit ist schon beängstigend.

    Die herzlichsten Grüsse von hier nach dort und einen gemütlichen Wochenausklang

    Jan

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: