Gastbeitrag Muskelkater zu Missverständnissen und Peepshow

Heute freuen wir uns, Ihnen wieder einmal eine Geschichte aus der Reihe „Papa, Matze hat gesagt“ empfehlen zu dürfen. Diesmal ist es ein recht heftiges Vater-Sohn-Gespräch mit brisantem und vielschichtigem Inhalt, das man sehr sorgfältig lesen und auf sich wirken lassen sollte. Wir wünschen vergnügliche, aber auch nachdenklich stimmende Momente …

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Papa, Matze hat gesagt … Heute: Missverständnisse und die Peepshow

Von Muskelkater

Ich sag’s mal so: Einen 16-Jährigen zu Hause zu haben, ist nicht leicht. Andersrum für ihn plädiert: Einen Vater und dessen Partner zuhause zu haben, die dementsprechend älter sind, ist sicher auch nicht leicht. Positiv an der Sache ist allerdings, dass sich in meinem Fall Vater und Sohn verstehen. Was weiter bedeutet, dass ich mich auch mit seinen Freunden und deren Einstellungen verstehe und gleichzeitig auch die Freunde meines Sohnes sich mit meiner Einstellung einverstanden erklären. Das ist doch schon erst mal eine gute Sache, oder?

Wenn dann allerdings ein ziemlich langes Gespräch sich daraus ergibt, wo der andere Vater eines Sohnes wiedermal zum Kernpunkt wird, dann kann es auch Unannehmlichkeiten geben, oder ein ziemlich arges und unangenehmes Streitgespräch. Wie zum Beispiel folgende fiktive Unterhaltung. Viel Spaß dabei …

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SOHN: „Du Papa, kann ich dich mal was fragen?“

VATER: „Na klar! – Aber komisch, mit solcher Eingangsfrage kamst du schon mal. Bedeutet das jetzt was Negatives?“

SOHN: „Ach Paps, was du nur immer denkst…“

VATER: „Paps? – Hast du doch noch nie gesagt. Sonst sagtest du immer Papa…“

SOHN: „Na okay, dann Papa. Hast ja auch recht. Aber Matze hat gesagt…“

VATER unterbricht: „… ich weiß: sein Vater hat gesagt … Und so weiter. Ich kenne das schon, mein Sohn!“

SOHN: „Ne, diesmal nicht. Denn Matze hat gesagt, er hätte festgestellt, im Internet geht es manchmal total nicht mit rechten Dingen zu.“

VATER: „Im Internet. – Naja, da kennst du dich ja bitte besser aus als ich.“

SOHN: „Ja schon. Aber auch da haben meine Freunde und ich Prob’s.“

VATER: „Du meinst jetzt sicher Matze’s Vater, oder?“

SOHN: „Ne, eben nicht. Obwohl es auch mal toll wäre, wenn er sich mal einmischen würde!“

VATER legt die Zeitung zur Seite: „Da haben wir’s mal wieder. Überall mischt sich der Mann ein!“

SOHN: „Papa, du verstehst nicht. Ich und meine Freunde würden es uns wünschen, wenn er sich einmischen würde…“

VATER berichtigend: „Deine Freude und du. Der Esel geht voran und…“

SOHN unterbricht wütend: „Ist doch egal, wer voran geht. Wichtig ist doch nur, dass uns mal ein Erwachsener zuhört und unterstützt. Du tust es ja nicht. Dann ist mir Matze’s Vater aber lieber!!!“

Eine Pause entsteht.

Vater schluckend: „Du meinst also, dass dein eigener Vater dich nicht gebührend unterstützt?“

SOHN: „Ja. Denn du weisst ja garnicht, worum es geht…“

VATER: „Hmm. Das kränkt mich aber. Wahrscheinlich habe ich dir tatsächlich nicht genügend zugehört. – Aber ich hole es jetzt nach.“

SOHN wieder ganz ruhig: „Na gut, dann erzähle ich es dir. – Es gibt da im Internet in einem Chat eine echt bescheuerte Kampfamazone, die uns immer wieder angreift. Da können wir tun und lassen, was wir wollen, sie fängt immer wieder neu an, weil sie meint, das wir was schlechtes gemacht haben. Dabei war es genau umgekehrt.“

VATER: „Gut, das gibt es. Auch im realen Leben. Aber habt ihr auch schon mal über den Grund nachgedacht, warum sie zu dem geworden ist, bzw. ihr selber falsch gemacht habt?“

SOHN sauer: „Ich hatte mir schon gedacht, dass du sie in Schutz nehmen wirst! Bloß, weil sie ein Mädchen ist. Eine bescheuerte dazu!!!“

VATER jetzt ganz Ohr: „Nein, Oh nein. Ich unterstütze sie nicht. – Aber dich im Moment auch nicht. – Bitte überlege und erzähle mir zuerst, warum dieses Missverständnis entstanden ist…“

SOHN etwas verlegen: „Naja, ich hatte mal gesagt, dass ich etwas über sie weiß, was andere nicht wissen. Deshalb ist sie jetzt sauer und will wissen, was ich weiß. Sie bekämpft mich, wo sie nur kann. Dabei weiß sie genau, dass ich nur Frieden und Ruhe möchte – Und keine Auseinandersetzung mit ihr. Die Vorgeschichte ist zwar noch etwas länger, aber mit meinem Wissen, wenn ich das einsetzen täte, würde ich sie blamieren vor allen Leuten.“

VATER: „Moment. Verstehe ich das richtig? Du hältst Informationen einfach so zurück?“

SOHN: „Ja. Aber nur, weil ich sie schützen will.“

VATER anerkennend: „Das ist ein edler Zug von dir, mein Sohn. Das hast du von mir geerbt. Matze’s Vater hätte sicher ganz anders gehandelt!“

SOHN: „Im Gegenteil. Er sagte, ich sollte einfach stillschweigen und Gras über die Sache wachsen lassen, weil ich mich ja damit auch selber bloß stellen würde. Und dann wird sie sich sicher auch wieder von selbst beruhigen. Genauso wie unsere Bundeskanzlerin.“

VATER: „Moment. Bundeskanzlerin? – Wo bitte ist da der Zusammenhang?“

SOHN dreht verlegen mit seinen Fingern: „Naja. Matze hat gesagt, sein Vater hat gesagt, dass die Merkel momentan in der selben Situation steckt.“

Vater erbost: „Bitte!!! … das ist doch eine ganz andere Sache. Das kannst du doch jetzt nicht vergleichen…“

SOHN: „Warum nicht. Die verbreitet doch mit ihrem Außenminister genauso so viel Dünnschiss wie die im Internet…“

VATER steht auf und ist ziemlich wütend: „Dünnschiss??? Was muss ich da von dir hören. Ich möchte, dass du sofort auf dein Zimmer gehst und dir deine Worte nochmal überlegst!!!!!“

SOHN standhaft: „Das brauche ich mir nicht zu überlegen, Papa. Oder bist du für diese Peepshow?“

VATER erstaunt: „Peepshow? – Wie kommst du jetzt wieder da drauf. Du bringst Themen durcheinander, wo man nicht mal die Möglichkeit hat, von einem zum anderen zu wechseln!“

SOHN: „Garnich. Das stand doch schon in der Zeitung. Du liest es doch…“

VATER schaut verwirrt auf den Artikel: „Meinst du die Scanner, die jetzt eingesetzt werden sollen?“

SOHN: „Ja, diese Nacktscanner. Das ist doch echt blöd sowas!“

VATER: „War das mal wieder einer dieser dummen Bemerkungen von Matze’s Vater? – Also, der kann wohl nicht mal eine Sekunde sein Maul halten…“

SOHN: „Ne. Aber Matze sagt, sein Vater hat gesagt: So werden wir immer mehr überwacht.“

VATER unbeirrt: „Aber keinen Verstand haben, das damit die Sicherheit erhöht wird…“

SOHN: „Matze sagt, sein Vater hat gesagt, dass es ihm nichts ausmacht, wenn durch ihn eine Peepshow veranstaltet wird…“

VATER: „Spielst du da auf meinen kleinen Bauch an?“

SOHN: „Ne, garnich. – Aber ich möchte nicht in der Haut der stecken, die sich jeden Tag immer nur dicke fette Weiber und bescheuerte Kerle ohne einen Arsch in der Hose ansehen müssen!“

VATER sauer: „Jetzt halt aber mal die Luft an, mein Sohn. Deine Ausdrucksweise geht jetzt langsam etwas zu weit. Hast du das von Matze’s Vater gehört und gelernt?“

SOHN: „Ne, das habe ich mir selber ausgedacht.“

VATER: „Ich möchte, das du dir schnellstens abgewöhnst, so zu reden. Hast du mich verstanden?! – Wir sind schließlich ein anständiges Haus! – Verstanden, mein Herr Sohn?!!!“

Kleine Pause.

SOHN: „Aber…“

VATER: „Was aber. Noch so ein dummer Satz von Matze’s Vater?“

SOHN: „Ne. – Aber wenn wir alle durchleuchtet werden, dann gibt es doch garkeine Geheimnisse mehr, oder?“

VATER wieder zeitunglesend: „Hast du denn Geheimnisse?“

SOHN: „Hmm, vor dir nicht…“

VATER uninteressiert: „Na also, dann ist ja alles bestens. Dann kann Matze’s Vater ja auch nicht meckern.“

SOHN: „Ich weiß. Das tut er ja auch nicht direkt. – Aber dann weiß ich nicht, wie ich mit der Kampfamazone im Internet-Chat weiter machen soll…“

VATER: „Tut mir leid, aber den Zusammenhang verstehe ich jetzt nicht. Ich habe dir schon tausendmal gesagt, dass du nicht immer alles so verquert erzählen sollst!!!“

SOHN: „Tue ich doch garnicht. Ich sagte doch nur, dass die Kanzlerin mit der Peepshow dasselbe macht. Und du sagst mir, dass es gut ist, wenn ich keine Geheimnisse preisgebe. Was ist denn jetzt richtig???“

VATER stöhnt und wird langsam wütend: „Ich habe gesagt, du sollst nicht alles in einen Topf werfen. Verdammt nochmal!!!“

SOHN: „Aber Matze sagt, sein Vater hat gesagt, es ist doch egal, wer einem durchleuchtet. Geheimnisse gibt es dann nicht…“

VATER steht auf und fährt seinen Sohn zornig an: „Ich will von diesem Vater von Matze nichts mehr hören. Verstanden??? – Raus jetzt in dein Zimmer!!!!“

SOHN verzweifelt: „Aber Papa, was ist das denn?! – Kriege überall und das Volk wird betrogen mit der Schweinepest und der Klimakatastrophe und dem Geld, was überall fehlt. Und jetzt wird es auch noch nackt gescannt und ausgezogen bis auf die Haut … Meine Kampfamazone vom Internet ist doch ein Christkind dagegen, was die Regierung macht. Verstehst du das denn nicht???“

VATER: „RAUS, habe ich gesagt!!!!“

SOHN geht zur Tür: „Okay Papa. Dann überlege dir aber mal, wer der Intelligentere ist…“

VATER unterbricht ihn zornig: „…unterstehe dich, noch ein Wort zu sagen…“

SOHN unbeirrt und lächelnd: „Ich habe im Internet nachgegeben und verhalte mich still und friedlich. Die Merkel aber mit ihren Ministern, dem Nacktscanner und dem….“

VATER unterbricht ihn und läuft ihm nach: „RAUS!!! – VERDUFTE, DU…“, geht dann zurück zu seinem Sessel, zündet sich eine Pfeife an und lächelt in sich hinein: „Du weißt garnicht, wie nahe du der Wahrheit gekommen bist, mein Sohn! – Aber ich über deine Worte noch sehr nachdenken muss!“

2 Antworten

  1. Hallo Hans,Elke und der Rest

    danke für die Übernahme des Beitrags. Wieder mal nach meinem Geschmack. Realitäten mit Humor gewürzt.

    Ich muss doch hier meien Senf zugeben. Gehört sich einfach so.

    Herzlichste Grüsse

    Jan

  2. Hallo Jan,

    freut uns, dass Ihnen der Beitrag gefällt (auch wenn wir auch nichts anderes erwartet hätten😉 ) und vielen Dank für den höchst willkommenen Senf, den wir uns im Namen des Autors gerne munden lassen.

    Herzlichste Grüße – von uns allen – retour.

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