Leseempfehlung des Tages 12.01.09 – Auto-Anthropophag

Mit seinem neuesten Beitrag hat sich Frank Benedikt eines Themas angenommen, das eines von mehreren dunklen Kapiteln in der glorreichen Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika repräsentiert … politische Justiz. Darüber, dass dieselbe Form der gewaltsamen Unterdrückung von missliebiger Systemkritik auch in anderen Ländern und sämtlichen Systemen praktiziert wird, muss man nicht reden, da es bekannt und unbestritten ist. Dennoch ist das Beispiel USA entlarvend für die Scheinheiligkeit und Doppelmoral der gerade heute in schillerndsten Pseudofarben gemalten „westlichen Wertegemeinschaft“ …

Wie der Autor es vollkommen korrekt ausführt, kann ein solches System keinen Anspruch darauf erheben, sich als humanes und gerechtes Rechtssystem zu bezeichnen, was – wie wir etwas vom Artikelthema abschweifend hinzufügen möchten – seinen „Betreibern“ gleichzeitig die Legitimation entzieht, andere „Schurkenstaaten“ wegen zumindest sehr ähnlicher Vergehen gegen Menschen-, Grund- und Freiheitsrechte anzuklagen und „Befreiungskriege“ im Namen von Frieden, Freiheit und Demokratie anzuzetteln.

Das gilt – auch trotz offiziell abgeschaffter Todesstrafe – im gleichen Maße auch für die Politik, Gesetzgebung und die Rechtsprechung der Bundesrepublik.

 

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Doch nun zur Leseempfehlung, die wir auch deshalb aussprechen, da der Autor dieses höchst komplexe Thema trotz der vergleichsweisen, leserfreundlichen Kürze des Artikels unserer Ansicht nach sehr fundiert und treffend ausgearbeitet hat.

 

Keine politische Justiz?

Von Frank Benedikt | Auto-Anthropophag |

Zitat zum Einlesen:

Von den Palmer Raids der Zwanziger Jahre bis zu den Fällen Peltier und Abu-Jamal durchzieht ein roter Faden die amerikanische Rechtsgeschichte – der der politischen Justiz

Zwei mal drei Meter – das sind die Abmessungen der Zelle, in der der wohl bekannteste Todeskandidat der Welt seit 1995 eingekerkert ist. Seit 1982, als er wegen Polizistenmordes in einem fragwürdigen Verfahren zum Tode verurteilt wurde, hat der Journalist und Aktivist Mumia Abu-Jamal stets den Tod vor Augen. An seiner Schuld bestehen seit langem erhebliche Zweifel, dennoch droht ihm weiter die Hinrichtung. Das Todesurteil, das im März 2008 vorläufig aufgehoben wurde, wird in den kommenden Tagen vom Obersten Gerichtshof der USA entweder bestätigt oder in lebenslange Haft umgewandelt werden, ungeachtet weltweiter Initiativen, die seit langem eine Freilassung Abu-Jamals oder zumindest eine Wiederaufnahme des Verfahrens fordern […]

Zitat Ende.

Ergänzende Anmerkung:

Wie vom Autor ebenfalls hervorgehoben, gibt es zum Fall von Mumia Abu-Jamal noch weitere ausführliche Berichterstattungen, die z. B. auf den Seiten trueten.de, redblog, Mumia Hörbuch und freemumia veröffentlicht wurden/werden.

Eine Antwort

  1. „An seiner Schuld bestehen seit langem erhebliche Zweifel, dennoch droht ihm weiter die Hinrichtung. Das Todesurteil, das im März 2008 vorläufig aufgehoben wurde, wird in den kommenden Tagen vom Obersten Gerichtshof der USA entweder bestätigt oder in lebenslange Haft umgewandelt werden, ungeachtet weltweiter Initiativen, die seit langem eine Freilassung Abu-Jamals oder zumindest eine Wiederaufnahme des Verfahrens fordern […]“

    Mich kann ja kaum noch etwas erschüttern. Aber wenn ich so etwas lese, dann graust mir vor unserer Gesellschaft. Da gibt es unsere politischen Führer, die ohne mit der Wimper zu zucken, ihre Soldaten (können Menschen in einen Besitz übergehen?) dazu benutzen, um die wirtschaftliche Lage ihrer Länder zu verbessern und es als Kampf gegen den Terror auslegen. Die Welt dient ja bekanntlich in voller Größe als Schlachtfeld heutzutage. Dabei spielt die Größe, des zum Leben benutzbaren Raumes selbstverständlich keine Rolle. Außer wenn das Leben mancher Menschen dabei abhanden kommt und ihnen noch zwei Meter Zink- oder Holzraum zum da niederlegen zugestattet wird. Zuweilen ist es ja auch zuerst nur ein schwarzer Kunststoffsack. Der gelbe Sack ist in seiner Konsistenz wohl für die Entsorgung zu dünn. Welch ein Glück für uns. Soviel zu dem, was heute menschliches Leben Wert ist. Zumal wenn es nicht denjenigen gehört, die auf der Seite der Macht mitspielen dürfen. Oder war es vielleicht gar schon immer so in den verschiedenen Zivilisationen?
    Die anderen dürfen sich meistens alles nur immer gefallen lassen. Nicht weit von da wo ich wohne, im nächsten Dorf, hat mal jemand seinen Garten umgegraben. So stand es in der Zeitung. Dieser Mann wurde dann von der Polizei angehalten mitzukommen. Ich weiß nicht, worum es genau ging. Er wollte wohl nicht Folge leisten und hat zu seinem Pech auch noch den Spaten etwas zu hoch gehoben. Da war ein Polizist doch der Schnellere am Abzug. Die Kugel war sogleich tödlich. Der Spaten hatte wohl so eine Art Ladehemmung. Solche Duelle können nie gut ausgehen. Das sollte sich jeder Gartenbesitzer gut merken, wenn mal die Polizei zu ihm kommt.
    Wie ich jetzt lesen kann, hat der arme Mann in der Todeszelle auch keine unerheblichen Schwierigkeiten mit dem gesetzlichen Regelwerk der politischen Ordnung in seinem Land. Da heißt es anscheinend im Zweifel gegen den Angeklagten, wenn er jetzt Pech hat. Wenn die erheblichen Zweifel an seiner Schuld ihm auch nicht das Leben kosten, so wird er vielleicht erst mit der Zeit verrosten. Ich bitte, mir meinen Galgenhumor zu verzeihen. Wenn der Inhaftierte diesen Humor jedoch auch besitzt, wäre es besser für ihn. Denn dann sähe er der lebenslänglichen Inhaftierung mit Freude entgegen, als nur in einem kurzen letzten Atemzug noch einmal die Freuden dieser Welt auszukosten, die ihn dahin gebracht hat, wo er jetzt ist.
    Die Moral von der Geschicht‘, traue einem Uniformierten nicht, vor allem tue ihm nichts, am besten komme gar nicht in seine Nähe, denn so oder so, ob schuldig oder auch nicht, er ist näher am Gesetz, denn er hat es eher im Rücken, man sieht, in der Rechtsprechung gibt es immer mal wieder Lücken. Dennoch finden sich immer wieder Opfer, um diese Löcher zu stopfen.
    Ich wünsche Mumia Abu-Jamal, dass die Wahrheit über dem Gesetz stehen möge und ihm kein weiteres Unrecht zuteil wird.

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