Gastbeitrag Rainer Weigt: Armut nimmt Würde

Unser geschätzter Gastautor, den wir bevorzugt als „politischen Poeten“ präsentieren, hat uns wieder einmal eines seiner Werke zur Veröffentlichung überlassen, wofür wir ihm zunächst einmal danken möchten. Wer uns und unsere persönliche, auf Erfahrungen und eingehender Recherche basierende Einstellung zum Thema „Tafeln“ kennt, wird sich beim Lesen der ersten Strophe des folgenden Gedichts sicher denken können, dass wir zunächst einmal skeptisch waren. Da wir aber grundsätzlich alles lesen, bevor wir uns eine Meinung bilden, hat sich dieses störende Gefühl sehr rasch verflüchtigt, denn der Autor bringt das Thema umfassend korrekt rüber! – Siehe dazu auch den anschließenden Kommentar …

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Danke …

Die Tafeln tun viel Gutes heute,
es gibt so viele bedürftige Leute.
Sie helfen Kindern, speisen dort,
drum sag ich gern ein Dankeswort.

~oo~

Doch für die Zukunft möchte ich sehen,
dass keiner mehr braucht bitten gehen.
Das Tafeln heut so nötig sind,
ist was ich nicht in Ordnung find.

~oo~

Es gibt für alle genug auf Erden,
es muss nur gerecht geteilet werden.
Solange einige viel profitieren,
müssen andere zu viel verlieren.

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Rainer Weigt 01.12.09
Tel 0170-1515677
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AmSeL-Kommentar:

Wie in der Einleitung bereits hervorgehoben, haben wir bei unseren über gut drei Jahre zurückreichenden Recherchen ein “eher negatives” Gesamtbild von der Einrichtung namens “Tafel” erhalten … allerdings betrifft dies nicht die Menschen, welche sich dort als ehrenamtliche Helfer/innen oder von den Kommunen den jeweiligen Trägern “zur Verfügung gestellte” 1-€-Jobber/innen um die Versorgung Bedürftiger bemühen.

Dies entspricht auch der Sichtweise unseres Gastautors, wie wir gestern in einem längeren Telefonat feststellen durften – auch wenn er in seiner Region offensichtlich andere (teilweise auch bedeutend bessere) Erfahrungen mit derartigen Einrichtungen und ihrem deutlich über die reine Verteilung von “gespendeten” (de facto auf Kosten der Allgemeinheit entsorgten, abgelaufenen!) Nahrungsmitteln hinaus gehenden Engagement sammeln konnte.
Grundsätzlich ist es aber eine Schande, dass es Einrichtungen wie die Tafel in einer der reichsten Industrienationen … und das ist die “BRD” nach wie vor … überhaupt geben muss. Noch schlimmer ist allerdings, dass sich viele – sowohl kirchliche als auch private – Träger zulasten von Menschen, die von unserem Polit- und Wirtschaftssystem sehenden Auges in soziale und wirtschaftliche Not getrieben wurden, an der Bereitstellung einer sozialen Unterstützungsleistung bereichern, die angesichts der oben genannten und objektiv unbestreitbaren Tatsache eigentlich selbstverständlich sein sollte!

Aus diesem Grund hat der Autor auch darum gebeten, seinem Beitrag “zwei unterschiedliche Überschriften” voranzustellen. Die oben beschriebene Konstellation führt in der Tat dazu, dass Menschen, die auf die Unterstützung von Einrichtungen wie der Tafel angewiesen sind, Schritt um Schritt sukzessive mehr ihrer Würde beraubt werden!

Dafür können jene Menschen aber nichts, die ehrenamtlich oder als um eine sinnvolle Beschäftigung und Wiedereingliederung bemühte 1-€-Jobber/innen ihre Zeit und Arbeitskraft einbringen. Insofern stimmen wir auch mit unserem Gastautor überein (wie in vielen anderen Bereichen auch), dass man nicht über einen Kamm scherend alles verurteilen und abwerten darf, was in diesem Zusammenhang steht. Im Gegenteil: manchmal muss man gerade den menschlichen Faktor, der oftmals in Gestalt von aktiver Mitarbeit in derartigen Einrichtungen positiv in Erscheinung tritt, lobend erwähnen und aus dem ansonsten größtenteils fragwürdigen Gesamten hervorheben!

2 Antworten

  1. Hallo,

    erst vorgestern sah ich zufällig einen Bericht zu so einer Tafel im TV. Jemand mit vormals gutem Job war arbeitslos geworden, war jetzt so um die fünfzig, bekam einfach keine neue Stelle, musste wieder bei der Mutter wohnen, die zufälligerweise ehrenamtlich für die im Film genannte Tafel arbeitet. Der Mann, von dem die Rede ist, lehnte es zunächst ab zur Tafel zu gehen. Ich denke, weil er es nicht mit seiner Würde vereinbaren konnte, den Bettler zu spielen. Schließlich ging er doch dahin, weil ihm nichts anderes übrig blieb. Er sagte selbst, er wird wohl jetzt dort Stammgast werden müssen.
    Die Mutter erzählte, die Tafel würde auch genutzt, um mit den Leuten Probleme zu besprechen. So spart sich die Stadt nebenbei fest angstellte Sozialarbeiter.
    Ich finde auch, die guten Taten der Leute da in allen Ehren, aber wenn das die heutige BRD ist, dann Prost Mahlzeit. An der Börse verjubeln die unser aller Geld, wenn man an die Bänker jetzt denkt, die Bundesregierung verschenkt Millionen ans Ausland, Deutschland bezahlt immer noch die Kriegsschulden ab, die Poltiker und Manager kassieren überhöhte Gehälter, Verzeihung im Fall der Politiker oder besser abgehobenen Abgeordneten, heißt es ja Diäten. Ich sehe langsam nur das Volk Diäten machen, oder irgendwelchen Fast Food Dreck essen oder man will uns allen genmanipulierten anderen Dreck unterjubeln, weil ja die ganzen Konservierungsstoffe und Pestizide in den Lebensmitteln die Menschen noch nicht genug krank machen. Ohne Krankheiten hätten ja auch die Ärzte nichts mehr zu tun.
    Alles befindet sich in einem sehr komischen Kreislauf. Aber solange es läuft, kann man ja dabei zusehen, wie andere Menschen versuchen, krampfhaft ein Leben in Würde zu verbringen. Wird mit der Zeit aber immer schwerer werden. Ich würde sagen, die Politiker und andere Reiche z.B. sehen das so: Es trifft ja andere und nicht uns.

    Grüße, Jochen

  2. Hallo Jochen,

    vollkommen richtig erkannt und dargestellt. Das soll zwar das Engagement der mit Herzblut für andere eintretenden Menschen keineswegs schmälern, aber so lange unser System so perverst bleibt, wie es ist, wird sich am grundlegenden Dilemma nichts ändern. Und genau das ist „von oben“ ja auch gewollt.

    Ansonsten ist Deinen Ausführungen im Kern nichts mehr hinzuzufügen. Danke dafür.

    Gruß retour – auch in Elkes Name – Hans.

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