Gastbeitrag Jochen: Klein Dummie und seine Mutti Anna Luehse

Heute möchten wir mal einen „Kommentator“ zu Wort kommen lassen, der sich bereit erklärt hat, ebenfalls ein wenig beizutragen, dass unser Blog mehr ansprechenden Unterhaltungswert für die Leserinnen und Leser erhält. – Da wir wissen, dass er selbst aus triftigen Gründen ein sehr ernsthafter Mensch ist, bewundern wir einerseits seine Liebe zu schlagfertigem Humor und bedanken uns andererseits ganz herzlich für die erste Dosis dieser überaus wichtigen Medizin …

Darüber wollen wir den Ernst des Lebens, der sich für jeden Menschen individuell anders darstellt, aber auch nicht vergessen … deshalb unsere Bitte an Sie, sich auch einmal die Seite anzuschauen, wo unser „Kommentator-Autor“ hauptsächlich aktiv ist: BASTA!

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Klein Dummie und seine Mutti Anna Luehse ~~ Kreuzchen

SOHN: Du Mutti, warum sind heute am Sonntag so viele Spaziergänger unterwegs?

MUTTI: Die gehen wählen.

SOHN: Was ist wählen gehen Mutti?

MUTTI: Da gibt es solche Listen und da machen dann alle ihre Kreuzchen und wer die meisten Kreuzchen hat von denen, die da drauf stehen, der hat gewonnen.

SOHN: Hört sich aber wie ein langweiliges Spiel an.

MUTTI: Stimmt, als Spiel betrachtet ist es langweilig, aber danach geht es immer lustig zu.

SOHN: Wie geht das Spiel genau, erklär mal Mutti.

MUTTI: Habe ich doch schon gesagt, jeder darf zwei Kreuzchen machen.

SOHN: Warum nur zwei Kreuzchen Mutti, ich würde viel mehr machen.

MUTTI: Das geht nicht, dann sind Deine Kreuzchen ungültig.

SOHN: Heißt das, dann darf man nicht mehr mitspielen?

MUTTI: Doch, mitspielen, äh, Kreuzchen machen darf jeder, der 18 Jahre alt ist.

SOHN: Warum dürfen Kinder nicht mitspielen?

MUTTI: Weil Kinder noch nicht schlau genug sind.

SOHN: Aber ich kann doch sehr schöne Kreuzchen machen, sogar in allen Farben.

MUTTI: Auf die Farbe kommt es dabei aber nicht an. Bunt sind nur die Parteien.

SOHN: Was sind Parteien Mutti?

MUTTI: Eine Partei sind eine Gruppe von Leuten, die ein gemeinsames Ziel haben, was man Programm nennt.

SOHN: So wie das Fernsehprogramm?

MUTTI: Ja, so ähnlich.

SOHN: In unserem Fernsehheft, gibt es auch immer diese Kreuzworträtsel. Ist das auch so ähnlich?

MUTTI: Nein, das ist etwas ganz anderes. Dafür braucht man viel mehr Intelligenz.

SOHN: Intelligenz ist doch, wenn man schlau ist, oder Mutti?

MUTTI: Richtig mein Junge, ich bin stolz auf Dich.

SOHN: Wenn ich aber so intelligent bin, weil ich auch immer die Kästchen in den Kreuzworträtseln mit Kreuzchen auffülle, die Vater nicht mit Buchstaben ausgefüllt hat, warum darf ich dann nicht bei dem anderen Spiel mitmachen mit den zwei Kreuzchen?

MUTTI: Weil Du noch keinen Personalausweis hast. Den bekommt man erst im Alter von 16 Jahren.

SOHN: Aber Du sagtest doch, das Zweikreuzchen Spiel darf man erst mit 18 Jahren spielen.

MUTTI: Ja, weil man dann erst volljährig ist.

SOHN: Bedeutet volljährig sein, wenn Vati Samstag abends voll aus der Kneipe nach Hause kommt?

MUTTI: Nein, volljährig ist man, wenn man wählen gehen darf.

SOHN: Wer bestimmt, wann man volljährig ist?

MUTTI: Der Gesetzgeber.

SOHN: Was ist ein Gesetzgeben Mutti?

MUTTI: Das sind die Leute, denen das Volk über zwei Kreuzchen die Erlaubnis erteilt, zu sagen, wann jemand volljährig ist.

SOHN: Und dafür müssen die Parteien Kreuzchen sammeln?

MUTTI: Ja, genau so ist es.

SOHN: Was machen die Parteien dann mit den gesammelten Kreuzchen nach dem Spiel?

MUTTI: Die werden nach der Wahl weggeworfen.

SOHN: Du meinst, die müssen dann so ähnlich wie wir ein neues Fernsehprogramm kaufen?

MUTTI: Nein, das Parteiprogramm wird nur neu ausgearbeitet, aber dafür sind dann die Kreuzchen unwichtig.

SOHN: Wenn das Kreuzchenmachen so unwichtig ist, warum spielen die Erwachsenen dann überhaupt dieses Spiel?

MUTTI: Frage mich etwas Leichteres.

SOHN: Wieso dürfen die Kreuzchen nicht bunt sein?

MUTTI: Soviel wie ich weiß, dürfen die Kreuzchen nur mit Kugelschreibern gemacht werden. So ähnlich wie in der Lotterie.

SOHN: Eine Wahl ist so etwas wie eine Lotterie?

MUTTI: Ja, so ähnlich, denn nur eine Partei soll möglichst am Ende gewinnen.

SOHN: Und wenn Parteien gleich viele Kreuzchen haben, gibt es dann Streit?

MUTTI: Nein, eigentlich nicht. Wenn die Parteien zuwenig Kreuzchen bekommen haben, dann bilden sie eine Koalition und eine oder mehrere kleine Parteien, geben der Partei mit den meisten Kreuzchen ein paar von ihren Kreuzchen ab.

SOHN: Kanalisation? Aha, Du sagtest ja, die Kreuzchen werden nach der Wahl weggeworfen.

MUTTI: Stimmt, nach der Wahl spielen die Kreuzchen an sich keine Rolle mehr, aber bevor sie ganz weggeworfen werden, macht man noch schnell einen Tauschhandel damit.

SOHN: Du meinst, so wie ich meine Murmeln immer mit Peter tausche?

MUTTI: Ja, so ähnlich. Der mit der größten Murmel darf dann regieren.

SOHN: Was heißt regieren, Mutti.

MUTTI: Regieren bedeutet, festlegen dürfen, wie viele Kreuzchen ein Erwachsener in dem großen Spiel machen darf.

SOHN: Und das Ganze wird nur deswegen gemacht, um die Leute dazu zu bringen, Spazieren zu gehen?

MUTTI: Nein, man macht es deswegen, weil es sonst wahrscheinlich verboten wäre Spazieren zu gehen, wann man will.

SOHN: Das verstehe ich jetzt nicht.

MUTTI: Wenn wir nicht wählen gehen dürften, dann hätten wir eine Diktatur. Das heißt, Kreuzchenmachen wäre verboten.

SOHN: Ich dürfte dann die Lücken im Kreuzworträtsel nicht mehr mit Kreuzchen ausfüllen, die Vati vergessen hat auszufüllen?

MUTTI: Doch diese schon. Aber die zwei Kreuzchen im großen Spiel bei der Wahl, die dürftest Du dann nicht mehr machen.

SOHN: Aber die darf ich doch auch so nicht machen, denn ich bin ja lange noch nicht 18.

MUTTI: Die Diktatur betrifft am ehesten die Leute ab 18 Jahren, weil sie dann nicht mehr frei darüber entscheiden können, wem sie zwei Kreuzchen geben wollen.

SOHN: Eine Diktatur bedeutet also, ich muss meine Kreuzchen dem geben, der sie von mir haben will?

MUTTI: Nein, in einer Diktatur ist das Spiel mit den zwei Kreuzchen nicht erforderlich, weil da schon von Anfang an festgelegt ist, wer bestimmt.

SOHN: Das ist so wie bei Vati und Dir und mir, nicht wahr Mutti? Dann bist Du also ein Diktator Mutti?

MUTTI: Habe ich Dir jemals verboten die Lücken im Kreuzworträtsel mit Kreuzchen aufzufüllen, die Dein Vater „vergessen“ hat auszufüllen?

SOHN: Nein Mutti.

MUTTI: Na, siehst Du. In unserer Familie herrscht Demokratie.

SOHN: Vati hat gesagt, er ginge nicht mehr wählen. Das Spiel wäre Blödsinn, weil die sowieso machen was sie wollen.

MUTTI: Will denn Vati freiwillig in einer Diktatur leben?

SOHN: Er sagt auch immer, er hätte ja sowieso nichts zu sagen.

MUTTI: Ich werde Vater schon gleich Beine machen, dass er auch Kreuzchen machen geht.

SOHN: Du meinst, Vati geht heute noch spazieren?

MUTTI: Er muss! Denn ich wünsche mir jemand anders an der Regierung.

SOHN: Ja, Vati auch!

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~~~ Zugabe ~~~

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Wäscheklammern und 9/11

Habt ihr schon mal mit Wäscheklammern aus  Holz gespielt? Damit kann man ganz tolle Sachen bauen. Türme und Straßen und so. Ich baue immer gerne ganz hohe Türme damit. Da kann man dann mit den Spielautos schön mit spielen und klar, auch mit so kleinen Plastikmännchen. Irgendwann wird das Spiel natürlich langweilig und dann macht es noch viel mehr Spaß alles wieder kaputt zu machen. Dabei komme ich immer auf die besten Ideen. Einmal habe ich mir so ein Flitsche [Schleuder, Anm. HDZ] gebaut und damit dann mit Murmeln am liebsten auf die hohen Türme geschossen.

So leicht ist so ein Turm aus Wäscheklammern gar nicht kaputt zu machen. Ein Rest davon bleibt oft stehen. Sind unheimlich stabil diese Dinger. Habe auch schon mal mit der Faust von oben drauf gehauen. Dabei ist so gut wie nix passiert. Natürlich kann man auch dagegen treten. Aber das ist dann ein anderes Spiel und nennt sich Fußball. Irgendwann habe ich mir dann Gedanken gemacht, wie ich mehr Spaß dabei haben könnte, die Türme auf andere Weise kurz und klein zu kriegen. Ich bin ja schlau und habe auch viel Geduld. Klar habe ich viel Geduld, denn das Bauen solcher Türme ist ganz schön anstrengend, auch weil es schon seine Zeit braucht sie aufzustellen. Habe also gewartet bis mal wieder Sylvester war und dann habe ich mir von den größeren Jungs solche Chinakracher stibitzt. Mutti kauft mir ja nie welche. Sie sagt immer, dieses Zeug sei zu gefährlich für kleine Jungs. Schon schade, denn es rummst gewaltig, wenn man die anzündet. Aber zum Glück hält mich Mutti doch schon für so groß, dass sie mich auch schon mal alleine lässt. So einen Tag habe ich dann abgewartet, nachdem ich mir die Dinger „besorgt“ hatte. Baute also wieder meine großen Türme und steckte ganz unten einen Chinakracher hinein und ließ die Lunte etwas heraushängen. Ich hatte noch andere Kinder eingeladen und ihnen gesagt, diesmal würde es ganz schön spaßig werden. Damit sollte ich recht behalten, zumindest zuerst.

Wir spielten also etwas schneller als sonst, weil die Mutti nie lange wegbleibt. So, jetzt wird aufgeräumt, sagte ich meinen Spielkameraden und bat sie, ein wenig Abstand zu nehmen. Dann zündete ich mit einem Streichholz die Lunte an. Wow! Das gab einen Knall. Leider kam da gerade Mutti durch die Tür und die Wäscheklammern flogen ihr um die Ohren. Uns Kindern natürlich auch. Da hat Mutti vielleicht mit uns geschimpft. Nun, ich muss zugeben, dass hätte auch ganz schön ins Auge gehen können.

Nicht viel später sah ich aber im Fernsehen, dass die Erwachsenen das genau so machen. Da in Amerika standen auch mal zwei Türme. Ob die auch aus Wäscheklammern gebaut waren, weiß ich nicht. Aber sie schienen genau so stabil zu sein. Da hat dann ein Herr Bush bestimmt auch mit Chinakrachern gespielt. Weil, die Türme sind auch komplett zusammengefallen. Wow! Dem Herrn Bush seine Explosion hat mir noch besser gefallen als meine eigene. Weil, sie hat auch noch gewaltig gequalmt und dadurch bekommt man dann natürlich auch viel mehr Freunde, die dabei zugucken und mitspielen wollen. Aber später sind die Spielkameraden von dem Herrn Bush auch alle weggelaufen. Man sucht sie heute in aller Welt als Spezialisten. Die haben bestimmt auch alle Schimpfe von ihren Muttis bekommen, als denen die Teile um die Ohren flogen. Später habe ich dann noch so mitbekommen, der Herr Bush wäre sogar Bundessprengmeister gewesen. Das will ich, wenn ich groß bin, auch mal werden.

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