Gastbeitrag von Arno Hirsch konkret zum Sinn des Lebens

Wieder einmal veröffentlichen wir einen Beitrag, der uns vom Autor freundlicherweise zur Verfügung gestellt und zur Veröffentlichung freigegeben wurde. Wer uns kennt und diesen Text liest, wird sicher nachvollziehen können, wenn wir sagen, dass wir darin einige der elementarsten Ideen wiederfinden, die wir schon sehr häufig mit eigenen Worten auf diesem Blog zur Diskussion stellten. – Deshalb bedanken wir uns besonders aufrichtig bei Herrn Hirsch und bitten unsere Leser, beim Lesen des nachfolgenden Textes in sich zu gehen und die unbestreitbare Richtigkeit der Aussagen an dem zu messen, was Sie tief in sich empfinden (sollten!).

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Wir sind geboren um frei zu sein

Von Arno Hirsch

Kaum jemand, der nicht die Taschen voller Geld hat, kann seine Träume wirklich leben. Ganz im Gegenteil, die Realität zwingt uns ein Leben auf, das wir so nicht führen wollen. Andere bestimmen, was von unseren Wünschen übrigbleibt. Wir definieren uns durch Arbeit, Arbeit die uns oft nicht erfüllt und uns nicht einmal die Taschen füllt. Doch schlimmer noch als die Arbeit ist die Arbeitslosigkeit, doch nicht deswegen, weil uns die Beschäftigung fehlt, nein, sondern weil wir dann völlig abhängig sind. Dann dürfen wir das tun, was wir niemals tun würden, wir müssen dann jede Arbeit annehmen, auch wenn sie noch so würdelos ist.
Arbeit ist nicht der eigentliche Sinn, um dessentwillen wir unser Dasein fristen, sondern Arbeit dient uns vor allen dingen als Möglichkeit Geld zu beschaffen. Wenn dabei die Arbeit auch noch Spaß macht, so ist das wunderbar, aber auf wie viele trifft das wirklich zu. Der moralische Anspruch an Arbeit, Arbeit als Instrument der persönlichen Verwirklichung, gehört für viele, und die Hungerlöhner insbesondere, ins Reich der Märchen und Sagen. Das war nie so und wird in solchen Systemen der Abhängigkeit nie so sein. Es geht nicht um Moral – es geht ums Geld.
Unser kurzes Leben führen wir um die Interessen anderer zu bedienen. Wenn unser Dienst nicht mehr benötigt wird, werden wir weggeworfen, als Nutzlose gehandelt. In den Staatsbilanzen als Minus-Wert geführt, muß der Arbeitslose alles über sich ergehen lassen. Heutzutage trifft es auch immer mehr Akademiker, denn selbst die IT-Branche verlässt das Land. SAP zum Beispiel, verlagerte nach Indien und selbst dort ist es dem Konzern schon zu teuer geworden.
Haben wir je eine Chance gehabt, hat wirklich jeder eine Chance durch Bildung oder sonst wie diesem Joch zu entgehen? Der deutsche Traum ist doch nur Lüge. Etwa 10% Arbeitslosigkeit vielleicht 30% Armut, ob es dabei bleibt? Schon in der Schule wird ausgezählt, und wenn der Durchschnitt steigt, wird die Latte einfach hoch gesetzt, ein Drittel fällt einfach raus. Wenn es den einen nicht trifft, dann den nächsten. Und unsere Ziele, unsere Wünsche, das was wir noch aus unserem Leben machen wollten. Was wird aus unseren Träumen, wir sind doch geboren um frei zu sein?

[=> Video! „Wir müssen hier raus“ <=]

Bei der letzten Finanzkrise wurde soviel Geld verzockt, das alle Menschen dieser Erde mehr als 1 Jahr umsonst arbeiten müssten, um die Güter zu produzieren, die wertmäßig diesem Geld entsprechen. Diese real wertlosen Papiere werden größtenteils immer noch durch unsere Bürgschaft als Wertpapiere in den Bilanzen geführt. Die Papiere sind wertlos, unsere Bürgschaft nicht. Irgendwann wird diese Bürgschaft von uns eingefordert. Heute schon ist die Schuldenlast des Staates so hoch, dass die Zinslast den Staat zu immer neuen Schulden zwingt. Der Handlungsspielraum engt sich ein, und die Wirtschaftskrise, die auf die Finanzkrise folgte, hat den Rest des Staatsystems an die Wand gefahren.
Die Wirtschaft, d.h. die Konzerne begegnen der Krise, indem sie ihre Produktionskosten reduzieren und zwar in einem nie gekannten Ausmaß. Sie erreichen das durch Entlassungen, Standortwechsel und Rationalisierungen, daraus folgt nach dem kleinen Einmaleins der Marktwirtschaft, ein Preisverfall bei den Löhnen. Dass sie das tun, ist aber marktwirtschaftlich gesehen nicht etwa verwerflich, sondern innere Logik in diesem System.
Das Ganze hat aber einen Haken, denn sinkende Löhne und Arbeitslosigkeit schwächen die Nachfrage nach Gütern, die die Konzerne immer billiger anbieten müssen. Das setzt eine Spirale in Gang, deren desaströse Entwicklung nicht von innen durch das Wirtschaftsystem selbst aufgelöst werden kann. Auch wenn das über Jahre immer beschönigt wurde, ein paar Windungen dieser Spirale haben wir schon vollzogen. Die Wirtschaft stagniert schon seit den 80er Jahren, aber die Konzerne sind Global Player und der Welthandel konnte vor allem durch Länder wie China und Indien zulegen.
Der zweite Haken des Reallohnschwundes und des Wegfalls von Arbeitsplätzen trifft unser Staatssystem. Die Einnahmen sinken, die Schulden explodieren und mit daraus resultierend kollabieren die Sozialsysteme. Die fehlerhafte Politik der Einseitigkeit, hat uns bewusst dahin gebracht. Heute wo dringend Nachfrage gebraucht wird, ist dieses System derart in Handlungsunfähigkeit erstarrt, das jede Hoffnung als unbegründet angesehen werden muß. Und diesen Oligarchen fällt auch nichts anderes ein, als das jäh beschädigte Sozialsystem weiter zu demontieren, um die Spirale noch eine Windung weiter zu drehen. Das Spiel wird noch ein paar Mal wiederholt und dann ist die Masse der Opfer so groß, das ein Aufstand unvermeidlich wird. Bis dahin aber, hat sich der Staat vollends gerüstet, mit Überwachung und Polizeiapparat. Und mit dem Vertrag von Lissabon, für den der Weg jetzt frei ist, Vaclav Klaus wird sich nicht mehr lange dagegen wehren können, dann kann man die Aufständischen ja niederschießen.

Es ist vorbei, wir können nur noch zusehen, denn auch wir befinden uns in einer Krise. Die, die nicht völlig verblödet sind, das wäre schon eine ausreichende Menge, erkennen schon sehr genau was vor sich geht. Aber wir sind zerspalten. Jede Gruppe verfolgt eine andere Strategie. Wir sind zerspalten in Reformer und Gruppen, die nur durch einen Systemwechsel, sprich Revolution eine Lösung erwarten. Wir sind gespalten in Aussteiger, die Alternativen praktizieren und Revoluzzer, die selbst vor Straftaten nicht zurückschrecken. Wir sind aufgespalten in Leute, die sich aus Gram in Alkohol und Drogen geflüchtet haben und Personen die sich ins Private zurückgezogen haben oder in Scheinproblemen abgetaucht sind. Wir sind aufgespalten und jede Gruppe ist wieder aufgespalten. Und alle sind wir unzufrieden mit diesem fatalen System. Was heißt unzufrieden, wir sind wütend.

[=> Video! „Die Wut des Volkes“ Französisch mit englischen Unteriteln <=]

Das ist der Abgrund, den wir überwinden müssen. Ich persönlich habe mich mit so vielen Ideen versucht anzufreunden und konnte noch keine als die wahre richtige Idee ausmachen. Als Reformer geboren, habe ich dieser zwar den Vorrang gegeben, aber die Logik der Krisen und der Marktgesetze bringt mich immer mehr dazu einzugestehen, das der Fehler in der Marktwirtschaft selbst liegt. Doch wie soll man aus diesem System aussteigen. Soweit ich in meinem Leben zurückdenken kann, war alles was ich gelernt und erfahren habe, sogar die Sprache selbst, von dieser Marktwirtschaft geprägt. Ich ertappe mich immer wieder dabei, und nicht nur mich, wie ich mit dessen Ideologie Verhältnisse bewerte und durchdenke, das reicht bis in die Tiefen des Privaten hinein. Wie soll man also das überwinden? Die Sozialisten machen es sich da einfach oder besser gesagt. sie haben es da leichter. Sie nennen das Kapitalismus, und stellen sich dadurch außerhalb, wie ein Philosoph. Das System ist die Ursache für alles und muß überwunden werden. Insystemisch kommt man leider immer wieder zu Sachzwängen.

Ich möchte nicht aufklären oder informieren, ich bin weder Journalist noch habe ich die Weisheiten parat, die uns aus der Sackgasse führen könnten. Ich möchte nur die Zweifel wecken, allzu leicht einer Ideologie zu folgen, die uns am Ende auch nicht weiter bringt. Und wir sollten einander nicht verachten, dafür das jemand den vermeintlich falschen Weg genommen hat, welcher ist schon der richtige. Von Kindesbeinen an haben wir die Denkmuster aufgenommen und verinnerlicht, mal grober mal feiner, Denkmuster die der Logik der Marktwirtschaft genügen. Es ist mehr als nur das Vorhandensein von Klischees und Vorurteilen. Oft genug bringt uns dieses Denken in eine Richtung, die sich unseren eigentlichen Zielen entgegenstellt. Diese Ziele sollten wir nie aus den Augen verlieren.

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