Jonathan Cook – Israelis wollen Verabredungen von jüdischen Mädchen mit arabischen Männern verhindern

Heute übernehmen wir erneut einen von unserem Partner Lopez Suarez (Womblog) übersetzten Artikel von Jonathan Cook.

Wer beim Lesen dieses Berichts immer noch keine Parallelen zu unserer dunkelsten Vorzeit erkennt und begreift, dass Israel von menschenverachtendem Rassismus regiert wird, dem kann allenfalls noch ein Blick in das Buch „Erst Manhatten, dann Berlin“ [bitte ganz nach unten scrollen] von Wolfgang Eggert … oder, noch direkter und zudem kostenlos, ein Besuch der von ihm initiierten Webseite „Apocalypse-No“ helfen. Das Studieren der dort und im Buch dargestellten Fakten sollte sich auch für Mitmenschen jüdischen Glaubens als „interessant“ erweisen.

Nun aber zum Artikel …

* * * * * * * * * * * * * * *

Israelis wollen Verabredungen von jüdischen Mädchen mit arabischen Männern verhindern

Von Jonathan Cook | The National |

| Übersetzt von Lopez Suarez |

NAZARETH // Eine israelische Regionalbehörde gab bekannt, man sei im Begriff ein spezielles Team von Jugendberatern und Psychologen zusammenzustellen, dessen Aufgabe es sein wird, junge Jüdinnen, die mit Arabern ausgehen, zu ermitteln und zu „retten“.

Dieser Schritt von Seiten der Kommune Petah Tikva, einer Stadt in der Nähe von Tel Aviv, ist der jüngste in einer Serie einzelner – und kaum hinterfragter – Initiativen durch öffentliche Institutionen, Rabbis, private Organisationen und Gruppen israelischer Einwohner, um interkulturelle Verabredung und Heirat zu verhindern.

Diesen Monat berichteten die israelischen Medien über eine ähnliche Entwicklung in Pisgat Zeev, einer großen jüdischen Siedlung inmitten von Palästinenservierteln in Ostjerusalem. Die Bewohner hatten eine bürgerwehrähnliche Patrouille gebildet, um arabische Männer daran zu hindern, mit jüdischen Mädchen aus der Region Umgang zu pflegen.

Diese Feindseligkeit gegenüber intimen Beziehungen, welche sich über die ethnische Spaltung Israels hinwegsetzen, wird von vielen israelischen Juden geteilt, die ein solches Benehmen als Bedrohung für die jüdische Kultur des Landes betrachten. 2007 ergab eine der wenigen Umfragen zum Thema, dass mehr als die Hälfte der israelischen Juden glaubten, Mischehen kämen dem “Landesverrat” gleich.

Seit der Staatsgründung im Jahre 1948 haben Analytiker eine Reihe von juristischen und verwaltungstechnischen Maßnahmen beobachtet, die von Israel unternommen wurden, um die mögliche Entwicklung enger Beziehungen zwischen jüdischen und arabischen Bürgern einzuschränken. Letztere umfassen immerhin ein Fünftel der Bevölkerung.

Weitgehend abgeschottete Gemeinden und getrennte Erziehungssysteme bedeuten, dass es nur wenige Gelegenheiten für junge Araber und Juden gibt, einander kennenzulernen. Sogar in der Handvoll “gemischter Städte” werden arabische Bewohner durch separate Wohngegenden ausgegrenzt.

Zudem ist standesamtliche Trauung in Israel verboten. Das heißt, in jener kleinen Zahl von Fällen wo Juden und Araber heiraten möchten, können sie dies nur tun, indem sie das Land verlassen und die Zeremonie auswärts durchführen. Bei Rückkehr des Paares wird die Ehe anerkannt.

Dr. Yuval Yonay, Soziologe an der Universität von Haifa, erklärte die Anzahl der Mischehen für “zu klein, um erforscht zu werden”. „Die Trennung von Juden und Arabern ist derart tief in der israelischen Gesellschaft verwurzelt, dass es überrascht wenn es überhaupt jemandem gelingt, sich diesen zentralen Kontrollmechanismen zu entziehen.”

Das Team in Petah Tikva, einer jüdischen Stadt mit 200.000 Einwohnern, wurde als direkte Reaktion geschaffen auf die Nachricht von zwei jüdischen Mädchen im Alter von 17 und 19 Jahren. Sie waren in Begleitung einer Gruppe junger Araber, als diese im vergangenen Monat den Juden Leonard Karp an einem Strand von Tel Aviv zu Tode prügelten. Das ältere Mädchen stammte aus Petah Tikva.

Die Beziehung des Mädchens zu den jungen Arabern hat allgemein die Besorgnis wiedererweckt, manche Jugendliche würden damit beginnen, das einstmals strikte Tabu gegen interkulturelle Verabredungen zu untergraben.

Hezi Hakak, Sprecher der Gemeinde Petah Tikva, äußerte eine Empfindung, die viele teilen: „unter den jüdischen Frauen seien jene russischen Mädchen, deren Eltern nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion während der letzten beiden Jahrzehnte nach Israel kamen, besonders anfällig für die Aufmerksamkeiten arabischer Männer.“

Dr. Yonay erklärte, die russischen Frauen würden sich weniger gegen die Idee einer Beziehung zu Arabern sperren, da sie “nicht der Art religiöser und zionistischer Erziehung ausgesetzt waren, der die etablierteren israelischen Juden unterzogen wurden.

Laut Aussage von Hakak habe die Gemeinde eine Hotline eingerichtet, wo Eltern und Freunde von jüdischen Frauen sich informieren könnten.

„Wir können den Mädchen keine Vorschriften machen, aber wir können einen Psychologen zu ihnen nach Hause schicken, um ihnen und ihren Eltern Beratung anzubieten” betonte er.

Der stellvertretende Bürgermeister Motti Zaft erklärte der Webseite Ynet, dass die Stadt auch hart gegen Hausbesitzer vorgehen würde, die Apartments illegal parzellieren und billig untervermieten an alleinstehende Araber, welche im Raum Tel Aviv nach Arbeit suchen. Er schätzte, dass als Ergebnis einige Hunderte arabischer Männer in die Stadt gezogen seien.

Die feindselige Einstellung von Petah Tikva gegenüber Arabern, die sich mit jüdischen Frauen der Region einlassen, wird von anderen Gemeinden geteilt.

Aus Pisgat Zeev, einer Siedlung von 40.000 Juden, wird von 35 jüdischen Männern berichtet, die einer Patrouille namens “Fire for Judaism” angehören, welche versucht interkulturelle Verabredungen zu unterbinden.

Pisgat Zeev hat eine kleine, doch wachsende Bevölkerung von arabischen Familien aus Ost-Jerusalem und dem Landesinnern Israels angezogen, was ungewöhnlich für eine Siedlung ist. Da Pisgat Zeev innerhalb der Stadtgrenzen von Jerusalem liegt, können Araber mit israelischer Aufenthaltsgenehmigung hier so lange wohnen, wie jüdische Siedler gewillt sind, an sie zu vermieten.

Einer der Mitglieder, der sich selbst Moshe nannte, sagte der Zeitung Jerusalem Post gegenüber: “Unser Ziel ist es, in Kontakt mit diesen Mädchen zu treten und ihnen die Gefahren dessen, in das sie im Begriff sind hineinzugeraten, zu erläutern. In den vergangenen 10 Jahren sind 60 Mädchen aus Pisgat Zeev weggegangen in [palästinensische] Dörfer [der West Bank]. Und von den meisten hat man nie wieder etwas gehört.”

Er bestritt, dass Gewalt oder Drohungen gegen Araber eingesetzt würden.

Im vergangenen Jahr führte die Gemeinde Kiryat Gat, eine Stadt mit 50.000 Juden im Süden Israels, ein Programm in Schulen ein, um jüdische Mädchen vor den Gefahren zu warnen, sich mit Beduinen aus der Region zu verabreden. Den Mädchen wurde ein Video mit dem Titel “Schlafen mit dem Feind“ gezeigt, welches gemischte Paare als “unnatürliches Phänomen” beschreibt.

Haim Shalom, Vorsitzender des städtischen Wohlfahrtsamtes, wurde dabei gefilmt wie er sagt:“Die Mädchen in all‘ ihrer Unschuld gehen mit dem Araber der sie ausbeutet.”

2004 tauchten überall in der Stadt Safed im Norden des Landes Plakate auf, die jüdische Frauen warnen, Verabredungen mit arabischen Männern würden zu “Prügeln, harten Drogen, Prostitution und Verbrechen“ führen.

Shmuel Eliyahu, der Chefrabbiner von Safed, erklärte einer Lokalzeitung, „das Verführen von jüdischen Mädchen durch Araber sei eine andere Form des Krieges”.

Beide Kampagnen von Both Kiryat Gat and Safed wurden durch eine religiöse Organisation namens Yad L’achim unterstützt. Diese betreibt eine Anti-Assimilationsteam, das sich offiziell der „Rettung“ von jüdischen Frauen widmet.

Laut ihrer Webseite, erhält die Organisation mehr als 100 Anrufe im Monat über Jüdinnen, die mit Arabern zusammenleben, sowohl in Israel als auch in der West Bank. In Zusammenarbeit mit Polizei und Armee lanciert man “militärähnliche Rettungsaktionen [der Frauen] aus feindlichen arabischen Dörfern”.

“Die jüdische Seele ist ein kostbares, allzu seltenes Gut, und wir sind nicht bereit, auch nur eine einzige aufzugeben,” betont die Webseite.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: