Gastbeitrag Rebecca E: Sonntagsgedanke 23.08.09

In jüngster Zeit hört man gewisse politische Kreise vermehrt über „asymmetrische Kriege und Konflikte“ reden und alleine aus dieser Formulierung leiten sie in der Regel das Recht ab, jedes ihnen verfügbare Mittel zum Erreichen der eigenen Zwecke und Ziele einzusetzen … vollkommen gleichgültig, wie fragwürdig (bis kriminell, da völkerrechtswidrig) diese auch sein mögen. Darum allein dreht sich der aktuelle Sonntagsgedanke Rebeccas zwar nicht, aber unserer Ansicht nach weist ihre Meinung und Aussage im Kern in dieselbe Richtung …

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Das Recht auf Selbsterhalt

Von Rebecca E. | Duckhome |

Ist es mit meinem Gewissen vereinbar einen Menschen zu töten? Könnte ich ihn denn tatsächlich im Zweifelsfall töten? Meine Hemmschwelle ist da verdammt groß. Was muß geschehen, damit ich diese Hemmschwelle überschreite? Reicht es aus, aus Trauer so wütend zu sein um Rache nehmen zu können? Mir nicht. Würde ich töten, wenn mir jemand etwas wegnimmt? Es käme darauf an was es ist und wie schwerwiegend mich diese Wegnahme in meinem weiteren Leben beeinträchtigen würde. Erst wenn mir das Überleben kaum noch möglich erscheint – erst dann würde ich für mein eigenes Überleben töten.

Das Selbsterhaltungsrecht
In der Wikipedia lesen wir dazu: es ist „das Recht eines jeden Menschen sein Leben zu erhalten.“ Das Töten um des eigenen Lebens Willen wäre demnach legitim, weil ich das Recht habe mein eigenes Leben zu erhalten. Mord hingegen wird anders definiert. Oftmals aus Gelüsten heraus mit heimtückischen, grausamen oder mit gemeingefährlichen Mitteln. Aus Gelüsten wie Habgier, Neid, Hochmut oder aus Rache.

Wie viele Kriege wurden oder werden geführt die einzig das Überleben von Menschen, im Sinne des Selbsterhaltungsrechtes, rechtfertigen? Mir ist nicht einer bekannt. Allerdings weiß ich – und das ist im Sinne des Selbsterhaltungsrechtes für mich die logische Konsequenz, daß viele Menschen die in einem Krieg angegriffen werden ihr und das Leben ihrer Mitmenschen versuchen zu retten in dem sie sich zur Wehr setzten. Das Recht der Selbsterhaltung liegt hier definitiv auf der Seite der Angegriffenen. Keine Rolle spielt hierbei wer Auslöser für einen Kriegsangriff gewesen ist. Ich kann schließlich auch nicht in einen Supermarkt gehen und die ganze Belegschaft niederballern, nur weil sich eine Kassiererin weigert mir ein Brötchen zu überlassen für das ich nicht mal bezahlen will. Ich denke hier würde mir jeder zustimmen.

Asymmetrische Konflikte
Ein unausgewogener Konflikt – denn nichts anderes bedeutet „asymmetrisch“ – ist, je nach Blickwinkel des Betrachters, relativ. Wenn ein Angreifer über eine Mehrheit von technisch besser entwickelten Waffen verfügt, steht dies im Unverhältnis zu dem Gegner. Wenn der Gegner über mehr Kämpfer als der Angreifer verfügt, kann dies beim Angreifer ebenso als unverhältnismäßig angesehen werden. So gibt es, was die Kriegsführung betrifft – und nicht ausschließlich nur sie – schon eine jeweils einseitige Legitimation: die geglaubte Asymmetrie an sich. Oftmals allein schon Grund genug Kriege zu beginnen. Es gibt aber auch noch genügend andere Gründe Kriege zu beginnen; jedem hintersteht eine asymmetrische Selbstauslegung zur Legitimation. Ein Beispiel wäre: „Ich habe nicht mehr genügend Nahrung, also hol ich sie mir von jemand anderem, weil er mehr hat als ich.“

Angst
Sie spielt immer eine große Rolle. Sei es die Angst Macht oder Vormacht zu verlieren, Angst nicht mehr ernst genommen zu werden oder Angst längerfristig Menschen nicht mehr versorgen zu können. Sie ist es, die Sorge dafür trägt, welche Entscheidungen als nächstes getroffen werden wollen und sollen. Ein Krieg ist ein Krieg gegen die Angst, nicht aber für den Selbsterhalt. Eine Tat für den Selbsterhalt kann niemand befehligen, denn es ist an jedem selbst, zu fühlen wann das eigene Leben in Gefahr ist – dies bestimmt jeder für sich selbst.

Hochmut kommt vor dem Fall
Über andere hinweg zu bestimmen, zu befehlen was ein Mensch zu tun oder wie er sich zu verhalten hat, bricht – längerfristig gesehen – das gesellschaftliche Genick. Wie auch bereits das Sprichwort „Übermut tut selten gut“ zu verstehen gibt. Auf Grund der menschlichen Individualität ist ein längerfristiges Steuern der Menschen nur bedingt möglich. Nimmt es jedoch überhand, verschlägt es sich ins Gegenteil. Die Herrschaft eines einzelnen oder einer Gruppe über Menschen wird offenbar und wird mehrheitlich abgelehnt. Zwar brauchen die Menschen leitende – nicht führende – Hände, sehen und zu arg spüren wollen sie die jedoch nicht, da es ihnen das Gefühl gibt „beherrscht“ zu werden. Jeder der sich „beherrscht“ fühlt wird sich zwangsläufig dagegen wehren. Ein Regieren, ein weiteres Herrschen, wird unmöglich. Wird dennoch daran festgehalten, kann es soweit gehen, daß das Gefühl auf Recht zur Selbsterhaltung bei einzelnen einsetzt und die Hemmschwelle überschritten wird. Aus der Angst heraus ein Leben führen zu müssen, welches man selber niemals freiwillig gewählt hätte.

Macht ist eben auch und insbesondere asymmetrisch!

Eine Antwort

  1. „Darum *allein* dreht sich der aktuelle Sonntagsgedanke Rebeccas zwar nicht, aber unserer Ansicht nach weist ihre Meinung und Aussage im Kern in dieselbe Richtung..“

    Absolut korrekt.
    Wichtig war es mir eine Verbindung zu vorherrschenden politischen Wegen aufzeigen zu können. Eine Verbindung die es legitimieren könnte sich selbst in unserem System zu erhalten.

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