Gastbeitrag Womblog: Guttenberg, übernehmen sie (sich)!

Die einen nennen ihn heute schon „Kanzler der Zukunft“, die anderen halten ihn für eine überkandidelte (und ebenso überschätzte) Witzfigur … sehr gut beschrieben und eingeschätzt wird der „Wirtschaftsministerdarsteller“ im nachstehenden Beitrag, den wir aus dem Partnernetzwerk übernehmen und gerne veröffentlichen … im Endeffekt muss man sich aber seine eigene Meinung zum Herrn Von und Zu machen – und abwarten, ob sich bis zum September nicht doch noch eine bessere Lösung finden lässt … siehe auch den „etwas vom Thema abweichenden Nachtrag“ …

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Guttenberg, übernehmen Sie (sich)!

Von Lopez Suarez | Womblog |

Die Geliophobie oder auch Gelophobie ist Teil der Familie spezifischer Angststörungen und beschreibt eine krankhafte Angst davor, zu lachen oder ausgelacht zu werden. Dies mag mitunter verwundern, hält man sich doch vor Augen, dass mit Gel und Gewalt zurückgekämmte Haare viel eher Fratzen freigeben, die eine wilde Haarpracht doch weitaus besser verstecken könnte.

Insofern mag man dem Bundesminister für Wirtschaft und Technologie Selbstvertrauen wohl nicht absprechen können. Ähnlich doppelgestaltig wie sein Arbeitsbereich, ist auch sein Name Hort frappierender Ambiguität: VON und ZU Guttenberg.

Beide Präpositionen teilen die Angewohnheit, dem Dativ ein treuer Begleiter zu sein, wobei man weiß, dass dieser Kasus als Instrumentalis oder Sociativus auftauchen kann. Man kann ihn sich Werkzeug und/oder Freund machen – nicht Herrn Dr. Guttenberg, sehr wohl jedoch seine Funktion, die weit über das erhabene und aalglatte Grinsen des Beherrschers der P(r)om(en)ade und promovierten Provinzadelsblaublut hinausgeht.

Schließlich dient der oberfränkische Rittergeschlechte auch als Domänenverwalter, wenn es um das Abstellen der Inkontinenz im Inkompetenzteam Leck geschlagener Seniorenarbeitskreise geht. Von und zu Guttenberg soll den spezifischen demografischen Faktor seiner Fraktion bekämpfen, in dem er als weltmännischer und junger Alpen- und Almbaron den Globus bereist und ganz in ruraler Tradition auch beackert. So lässt er sich dann – geblendet von den Neonlichtern des Broadway und seiner eigenen Eitelkeit – auf dem Boulevard of broken dreams ablichten, rennt hektisch durch die Straßen der Stadt, welche die Welt bedeutet, und kommt letztendlich mit Taschen voll leerer Versprechungen zurück.

Jenseits aufgeblasener PR-Effekte herrscht eben Vakuum. Und hinter Guttenberg steht die Hoffnung der Alteingesessenen (gleicht ihre Gier nach Macht doch quasi einer Sitzblockade auf der Regierungsbank), der Kanon des Abgesangs möge noch viele Strophen haben. So schicken sie ihn – Kreuzritter edlen Geschlechts mit einem gewissen Hang zur bürgerlichen Pose – als Speerspitze in die Schlacht und verlassen sich auf die Kampferfahrung des Unteroffiziergebirgsjägers der Reserve. Dabei mag keiner von Ersatzbank reden, angesichts der nahenden Wahlversprechen – also jener Dinge, die man genau so sagt, wie man sie auch meint, aber mit Rücksicht auf gesellschaftliche Konventionen eigentlich nicht aussprechen darf. Vielmehr wird jetzt schon eifrig auf dem Transfermarkt eingekauft, wobei zu befürchten ist, dass Guttenberg nicht zur Disposition steht.

Viel zu angewiesen scheinen Merkel, Seedoofer und Co. von seinem Charisma, jener Mischung zwischen dem Charme einer ius primae noctis, also des Herrenrechtes der ersten Nacht, und dem Geschäftsführer einer mittelständischen Isolierungsfirma, was Berührungspunkte in jedem Fall ausschließt.

So weiß Guttenberg sehr genau, dass er ganz Geschäftsmann den Untergang von Opel, Arcandor und Quelle fordern kann und damit Volkes Wille nach dem Mund redet, insofern als dass keiner einsieht, warum er marode gewirtschafteten Unternehmen seine Steuern in die Gratifikationsumschläge der Manageretage stecken soll. Andererseits muss Guttenberg dann mit Entsetzen feststellen, wie sein Ziehvater und Beherrscher des weiß-blauen Stadtstaates Bayern München – Horst Seehofer – genüsslich einen Quelle-Katalog in die Luft hält und sich damit die Insolvenz des Unternehmens nur noch ein Stück weiter nach hinten in den Warenausgang legt. Letztendlich wird der Versand erfolgen und die Rechnung dürfen die nächsten Generationen auf Raten der Regierung zurückzahlen.

Seehofer seinerseits interessiert das wenig. Für ihn gilt, dass Macht ein flüchtiges Gas ist, welches sich nur mit großem Aufwand speichern lässt, ähnlich dem CCS Carbon Capture and Storage, einem Verfahren, bei dem entstehendes CO² aufgefangen, abgetrennt, verdichtet, über Pipelines oder über Wasser transportiert und dann in Gasspeicher oder auch Gesteinsschichten injiziert wird, in der Hoffnung, es bleibe die nächsten Jahre tief in der kollektiven Vergessenheit begraben.

Ganz bestimmt jedoch werden sich die Menschen jedoch daran erinnern, dass Guttenberg insofern nicht nur den oberfränkischen Proporz in der CSU verteidigt und das ethnische Gleichgewicht im Gleichgewicht hält, sondern sich inmitten all jener ergrauter Permanenzen auch täglich dem Klischee erwehren muss, er diene der CDU und CSU nur als Maskottchen. Und wer heute noch fragt, was eigentlich der arme Goleo so treibt und ob er denn endlich seine Hose gefunden hat.
Was bleibt, ist die Metrik einer nicht erwiderten Liebe:
Er spie Gel in den Spiegel //

Dieser Beitrag steht unter einer Piratenlizenz und darf Frei verwendet werden.

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Aktueller Nachtrag:

Offener Brief des Bündnis für Zukunft an alle MdBs … gefunden via Egon W. Kreutzer, der diesen Brief mit folgendem, knapp gehaltenen, aber gerade deshalb überzeugenden Wortlaut empfiehlt:

Liebe Newsletterempfänger,

soeben erreichte mich die angehängte Nachricht des Bündnisses für die Zukunft. Der offene Brief, der von diesem Bündnis an die Mitglieder des Deutschen Bundestags gerichtet wurde, findet meine volle Zustimmung und Unterstützung.

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