Gastbeitrag Eifelphilosoph: Asoziales Deutschland – Mörderland?

Den nachfolgenden Artikel übernehmen wir kommentarlos … er sagt alles, was zum Thema, das im Titel übrigens vollkommen korrekt umrissen wird, zu sagen ist. Ein weiterer Kristallspiegel, den sich unsere Gesellschaft größtenteils und ihre „führenden Köpfe“ ausnahmslos mit Fug und Recht vorhalten lassen müssen!

Am Ende dann noch ein zwei Links, die diese Fakten jeweils aus etwas anderer Sicht untermauern und deutlich machen, dass diese Armutsentwicklung mit all ihren katastrophalen bis fatalen Folgen im wahrsten Sinne des Wortes systemimmanent (oder einfacher ausgedrückt: gewollt!) ist.

Von Eifelphilosoph

Man wirft ja Bloggern gelegentlich vor, sie brächten keine echten Nachrichten. Sie würden nicht recherchieren, nicht vor Ort ermitteln und nur von der Arbeit anderer leben.

Nun, auch das kommentieren von Kommentaren, Nachrichten, Meinungen gehört zur freien Meinungsbildung. Es scheint mir nicht in erster Linie Aufgabe von Bloggern zu sein, Nachrichten selbst zu recherchieren. – Aber natürlich können wir das auch … wie jeder Hauptschüler, der ein modernes Handy mit allem Schnick-Schnack hat. Um Nachrichten zu übermitteln braucht man kein Journalistikstudium. Dazu muß man nur vor Ort sein, wenn ein Ereignis geschieht.

Die Welt ändert sich halt, auch wenn das für die alte Journalistenzunft sehr bedrohlich ist und ihre finanzielle Pfründe bedroht.

Um meine Aussagen nicht leer im Raum stehen zu lassen … hier nun ein Exklusivbericht aus der Eifel.

Bei uns gibt es ein kleines, sehr beschauliches Städtchen mit 355 denkmalgeschützten Häuschen: Monschau. ~ Hauptsächlich ist es Kajakfahrern bis Kanada hinauf bekannt, Normalbürger kennen es weniger – es sein denn, sie sind Holländer.

Es hat pro Jahr 2 Millionen Besucher, Touristen und 1700 Einwohner (mal von den vielen umliegenden eingemeindeten Dörfern abgesehen), hält auf der ortseigenen Burg regelmäßig ein Klassikfestival ab, auf dem dieses Jahr sogar Barclay James Harvest auftreten. Die Perle der Eifel, halt. Oder das Venedig der Eifel, wie es auch genannt wird – wegen dem vielen Wasser und den vielen Brücken.

Ein sehr feiner Ort.

Vor fünf Jahren bildete sich dort ein Verein „Antoniusbrot“ genannt. Eigentlich ein Werbegag, doch mit sozialem Auftrag – Bedürftige im Stadtgebiet sollten gratis Brot erhalten. Eine Überraschung, ein Skandal, der damals Wellen schlug … es gab mehr Bedürftige als Brot, nur niemand hatte es bisher wahrgenommen. Witwen mit Miniaturrenten. Die indischen Nonnen, die das Brot verteilten, waren entsetzt über die Armut in diesem reichen Land, wo so viele so viel haben und alte Frauen am Rande des Hungertodes lebten.

Das war … sehr, sehr peinlich. Mehr als 10000 Brote verteilte der Verein seitdem.

Dann kam: Hartz IV.

Die Armut explodierte. Es bildete sich eine Tafel mit einer festen Ausgabestelle, die ab 2007 den Dienst aufnahm. Es waren damals neben den Alleinstehenden 14 Bedarfsgemeinschaften, die fest versorgt wurden. ~ Familien mit Kindern. Letzte Woche Samstag, anderthalb Jahre nach der Gründung, wurde die 200. Familie aufgenommen. Eine Steigerung von knapp 1500 % innerhalb von anderthalb Jahren.

Es gibt mittlerweile eine Allianz von Unternehmern, Ärzten, engagierten Bürgern, die dieser Flut von Armut Herr werden wollen … sie schaffen es nicht.

Allein letzte Woche haben zwei Familienväter einen Suizidversuch unternommen, weil sie ihre Hilflosigkeit und das Leiden ihrer Kinder nicht mehr ertragen konnten.

Einer war erfolgreich.

Die indischen Nonnen kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.

Führt hier ein Staat einen brutalen Wirtschaftskrieg gegen seine Bürger? Vor allem gegen Familien mit Kindern, deren Regelsätze sogar das Verfassungsgericht als willkürlich gesetzt sieht und die Familienväter nicht mit ihren eigenen viel zu knappen Regelsätzen auffangen können?

Sie sehen die vielen reichen Deutschen, die mit noblen Autos zu den Klassikfestivals fahren … während in den schmucken kleinen Häuschen Menschen hungern, die ihr Leben lang gearbeitet und Kinder großgezogen haben.

Dieses Bild von Deutschland ist das, was außerhalb der Medien in Indien ankommt … und die Regierung wundert sich, dass ihre großzügigen Einbürgerungsangebote für ausländische Fachkräfte nicht in dem Maße angenommen werden, wie sie es dachten.

Nun, wahrscheinlich wissen sie auch nicht, wie dieses Land mittlerweile von einfachen Menschen im Ausland wahrgenommen wird, die über Augenzeugenberichte aus dem deutschen Alltag verfügen.

Man darf dabei nicht vergessen: es handelt sich hierbei nicht um Armut, die aus einer Naturkatastrophe resultiert, aus Missernten oder infolge von Kriegen.

Diese Armut ist in einem der reichsten Länder der Welt per Gesetz jenen Bürgern aufgezwungen worden, die ihre Arbeit verloren und zu alt, zu krank oder zu gering qualifiziert waren, um noch neue Arbeit zu bekommen. Für einen Schreinermeister in unserer Gegend heißt das: er ist über 40. Das reichte schon vor zehn Jahren aus, um aus dem Netz herauszufallen, in das er zwanzig Jahre brav und gut eingezahlt hat.

Andererseits werden per Gesetz Möglichkeiten geschaffen, Reichtümer in immer größerem Maße anzuhäufen – wenn man nur irgendwie das Glück hatte, an einer Quelle zu sitzen, von der sich Geld abschöpfen läßt. Davon gibt es in der Eifel leider keine, gab es noch nie. Dafür hatten wir hier vor Ort auch keine Hexenverbrennungen, hier war die Hauptfluchtroute Berliner Juden, die von Eifelern unter Lebensgefahr über die Grenze geschmuggelt wurden, um der Ermordung zu entgehen.

Wir haben Wasser in Überfluß … und trotzdem mit die höchsten Wassergebühren in Deutschland. Per Gesetz verordnet. Das Geld fehlt anderswo … z.B. am Konsum. Zwei Videotheken, zwei Lebensmittelgeschäfte, zwei Blumenläden und ein Geschäft für Rasenmäher sind der Tatsache bisher zum Opfer gefallen.

Ohne Gesetze … wären wir nicht arm. Nicht mehr heutzutage, wo Wasser ja eigentlich knapp sein soll. ~ Und ohne Politiker, Journalisten und Blogger wären unsere Armen auch nicht würdelos.

Darum … ist dieser Selbstmord auch kein Selbstmord, sondern Mord.

Die Täter sitzen an Schreibtischen.

Politiker, Journalisten, Blogger … all jene, die den einfachen Menschen nicht nur das Brot, sondern auch noch ihre Würde stehlen, bis sie keinen anderen Ausweg mehr sehen als ein dunkles Grab, das als Einziges noch Ruhe vor der Qual verspricht, einer Qual, die von Politikern, Journalisten und Bloggern verursacht wird. Tag für Tag.

Es wird Zeit, diese Schreibtischmörder zur Verantwortung zu ziehen und sie einer weltlichen Gerichtsbarkeit zuzuführen, bevor wir nur noch mit Beerdigungen beschäftigt sind.

* * * * * * * * * * * * * * *

Und hier noch der Link:

Prinzip Reichtumsmehrung (junge Welt) von Prof. Dr. Christoph Butterwegge

Hintergrund. 60 Jahre Armut in der BRD: Reichtum wird von der Staatsmacht gefördert, das dadurch wachsende Elend ideologisch verharmlost, verdrängt und kriminalisiert.


__________________________________

Und ganz aktuelle nachgereicht

Danke an Julie von Mein Politik-Blog:

Ursache der Armut ist der Reichtum (und umgekehrt) von Roland Rothenfusser (Zeitpunkt)

Menschen hungern – und Geldgurus fordern bessere Autosuggestionstechniken. Sind Armut und Reichtum wirklich nur eine Frage des Bewusstseins, oder liegt der Fehler im System?

5 Antworten

  1. „Es wird Zeit, diese Schreibtischmörder zur Verantwortung zu ziehen und sie einer weltlichen Gerichtsbarkeit zuzuführen, bevor wir nur noch mit Beerdigungen beschäftigt sind“, steht da als markiger Abschlusssatz

    Ja wie denn? Dieses Land erstickt an der permanenten Korruption, die Politiker und Amtsträger hier täglich abliefern. Selbst im kleinsten Provinznest gehört korruptes Geschacher zum Alltag. Und was du auch versuchst die „Bande“ hängt zusammen wie Pech und Schwefel.

    Ich will versuchen in meinem Blog diese alltägliches Schweinerei aufzuzeigen – doch wen wird es interessieren? Die meisten sind so mit sich beschäftigt, dass sie nur wenig Bereitschaft zeigen, überhaupt in die Materie einzusteigen.

    Heute sagte mir ein Bekannter: „Aber da muss es doch jemanden geben, der mit dem ganzen Sumpf aufräumt!“ Tja, da war er wieder, dieser Ruf nach dem Allmächtigen, der dem Ganzen ein Ende setzt.

    Es gibt ihn nicht! Wie schreibt Jutta Ditfurth in ihrem neuesten Buch „Zeit des Zorns“: Wir müssen das alles ganz alleine machen.

    Sie hat Recht. Aber warum fangen wir nicht damit an?

  2. Hallo Morla,

    danke für den Kommentar.

    Ich pflichte Ihnen gerne bei, es ist alles richtig, was Sie schreiben … aber ich springe gleich zur abschließenden Frage, die ich schon seit über drei Jahren und mit stetig wachsender Vehemenz „in die Welt hinaus schrei(b)e“. Aber auf der anderen Seite ist sehr wohl so einiges am Entstehen, wobei man seine Gedanken und Ideen nutzbringend einsetzen und sich aktiv am Arbeiten gegen das allenthalben sprießende Unrecht beteiligen könnte.

    Bspw. hier auf dem Blog kann man eine Menge Ansatzpunkte und bereits begonnene Bestrebungen finden … man muss dann aber auch bereit sein, konsequent den nächsten Schritt zu wagen und sich nicht nur schreibend, sondern auch im Alltag der realen Welt am überfälligen Widerstand gegen pseudostaatliche Willkür (dazu gehört auch Korruption und alle anderen Formen der Selbstbereicherung von Politiker/innen oder sonstigen „Funktionär/innen“) beteiligen.

    Das Warten auf den „edlen Ritter auf dem weißen Pferd“, der daher kommen und alles für uns regeln wird, können und müssen wir in der Tat aufgeben und selbst in die Hände spucken …. und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt!

    mfG

  3. kann jeden satz der da steht doppelt unterstreichen, das problem aber ist, an die wirklich grossen verbrecher kommt niemand heran, weil sie sich hinter mauern und personal verschanzt haben,und all die ekligen kleinen mitläufer, in den ämtern und behörden, den banken und versicherungen – sie sind hunderttausende, zusammen mit den schergen von justiz und polizei – millionen, die um ihres eigenen kümmerlichen überlebens willen zu jeder schandtat – bis hin zum massenmord bereit sind. und dazu kommen dann noch als krönung die millionen von dummbaxen, die das ganze dank blödinfo auch noch für gut und richtig halten. also – wie anfangen – oder wie nicht angesichts dieser übermacht verzweifeln?

  4. krieg ist die lösung

  5. Aber natürlich können wir das auch … wie jeder Hauptschüler, der ein modernes Handy mit allem Schnick-Schnack hat.

    schön, man möchte mit vorurteilen aufräumen und startet direkt mit einem…….

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