Radio Utopie – Korea: Der merkwürdige Tod des Ex-Präsidenten Rho Moo-hyun

Auf Anfrage des Autors wird der Artikel vom Partnernetzwerk übernommen und veröffentlicht. Wir finden dies angesichts der Entwicklungen rund um den „Schurkenstaat“ Nordkorea und der allgemeinen Weltsituation für angebracht und sinnvoll!

Von Daniel Neun | Radio Utopie | vom 28.05.09

In den letzten 5 Tagen passierte in Korea so einiges.

Samstag Morgen wurde der ehemalige Präsident Südkoreas, Rho Moo-hyun, nach Angaben des Pusan National University Hospital um 8.10 Uhr Ortszeit mit einer elf Zentimeter grossen Wunde am vorderen Kopfbereich eingeliefert. Der wegen seiner Aussöhnungspolitik mit dem Norden auch dort geachtete frühere Bürgerrechtler starb den Angaben zufolge nur kurze Zeit später.

Noch im Krankenhaus stellte sich sein ehemaliger Stabschef Moon Jae-in vor die Presse und verkündete, Rho sei, wegen einer Korruptionsaffäre psychisch schwer belastet und depressiv, von einer Felswand gesprungen. Man habe bereits einen Abschiedsbrief auf Rhos Computer gefunden…

TOD AM EULEN-FELSEN

Wie Moon verlautbarte, sei Rho bereits um 5.45 Uhr zu seinem Selbstmord in die Berge aufgebrochen. Um 6.40 Uhr sei er dann von einem Berg gesprungen. Nur ein Leibwächter sei zu diesem Zeitpunkt bei ihm gewesen (1).
Die „Zeit“ (2):

„Der Begleiter äußerte sich zunächst nicht zu den Umständen des Todesfalls“

Gestern nun gab die südkoreanische Polizeibehörde der Gyeongnam Prozinz, welche die Untersuchung bezüglich des Todes des Ex-Präsidenten leitet, eine ebenso überraschende wie bizarre Wendung der Darstellungen bekannt:

Der Leibwächter, dessen Name mit „Lee“ angegeben wird, hat gelogen (3).

Nun behauptet der Bodyguard des ehemaligen Präsidenten beim Selbstmord gar nicht vor Ort gewesen zu sein, entgegen allen seinen ausführlichen Schilderungen welche er vorher bei der Polizei gemacht hatte. Stattdessen behauptet er nun folgendes:

Rho sei zusammen mit ihm um 6.14 Uhr am Gipfel des „Eulen-Felsens“ („Owl Rock“) angekommen. Der Ex-Präsident habe ihn dann um 6.17 Uhr angewiesen, in einen 200 Meter entfernten Tempel zu gehen um nach dem leitenden Mönch zu fragen. Irgendwann sei er, der Leibwächter, dann zurückgekehrt. Rho sei fort gewesen. Daraufhin habe er angefangen nach Rho zu suchen. Um 6.45 Uhr, fast eine halbe Stunde nachdem er Rho verließ, habe er den toten Ex-Präsidenten am Abhang des Eulen-Felsens („Owl Rock“) gefunden.

Wir erinnern uns: Rhos ehemaliger Stabschef Moon sagte noch im Krankenhaus, dass dieser um 6.40 Uhr vom Eulen-Felsen gesprungen sei. Woher hätte der dies in diesem Falle wissen können?

Aber weiter: Leibwächter „Lee“ habe des Weiteren ausgesagt, so Polizei Commissioner Lee Woon-wu, dass er um 6.45 Uhr den toten Ex-Präsidenten auf seinen Schultern in ein Auto getragen und zu „einem nahegelegenen Krankenhaus“ gefahren habe – offensichtlich das Pusan National University Hospital. Warum er dort dann erst um 8.10 Uhr eintraf – fast anderthalb Stunden später –  erschließt sich nicht.

D.h.: alle Angaben zum angeblichen Selbstmord begründen sich ausschließlich auf den Behauptungen von Ex-Stabschef Moon Jae-in, dem der einzige Zeuge des angeblichen Selbstmordes, der Bodyguard des Ex-Präsidenten Südkoreas, die Darstellung der Ereignisse an diesem Morgen geschildert haben soll. Und dieser Zeuge belog die Polizei.

Das noch am gleichen Morgen blitzschnell angeblich auf dem Computer Rhos gefundene Schreiben, das ab diesem Zeitpunkt in der Weltpresse nur noch „der Abschiedsbrief“ genannt wurde und dessen Echtheit nie in Zweifel gezogen wurde, wurde von Moon noch im Krankenhaus laut dieser Pressemeldung wie folgt zitiert (1):

„Es ist so hart gewesen. Ich habe es so vielen Leuten schwer gemacht. Ich kann nicht einmal mehr Bücher lesen..Verurteilt mich nicht. Leben und Tod sind dasselbe. Bitte verbrennt mich und errichtet ein kleines Steindenkmal für mich in meinem Dorf“.

Wie schnell der umsichtigen Bitte des angeblichen Selbstmörders nach schneller Beseitigung seiner Leiche nachgegangen wurde, lässt sich in der höchst investigativen „Frankfurter Rundschau“ (4) nachlesen:

„In einem Abschiedsbrief, den er auf seinem Computer hinterließ, erklärte er: „Der Schmerz, den ich so vielen Menschen bereitet habe, ist zu groß.“ Die Ermittlungen gegen ihn seien „sehr schmerzhaft“ gewesen und sein weiteres Leben wäre „nur noch eine Bürde für andere Menschen“. Sein Ende bezeichnete Rho als Schicksal: „Sind Leben und Tod nicht Teil der Natur?“… Er hatte vor seinem Tod verfügt, dass sein Leichnam eingeäschert und in seinem Heimatdorf in einem Grab mit einem kleinen Gedenkstein beigesetzt werden soll.“

Am Freitag soll die Asche von Rho Moo-hyun unter die Erde. Doch was ist mit den Korruptionsermittlungen gegen ihn, die den ehemaligen Bürgerrechtler angeblich in den Selbstmord getrieben haben sollen?

DIE PARK-AFFÄRE

Der als „Anti-Amerikaner“ verunglimpfte Rho Moo-hyun (5) war 2003 als Präsident angetreten, die weitverbreitete Korruption in Südkorea zu bekämpfen. Seine Wahl kam den Interessen japanischer Konzerne, sowie den geostrategischen Interessen der USA in die Quere.
Nun steht im Zentrum einer seit geraumer Zeit Südkorea erschütternden Korruptionsaffäre der Chef des „Taekwang“-Konzerns, ein gewisser Park Yeon-cha. Er soll massiv Einfluss auf die südkoreanische Politik genommen haben – interessanterweise aber nicht auf die von Rho. Im Gegenteil.

Zur Zeit sind mittlerweile drei hochrangige Regierungsbeamte des amtierenden rechtsgerichteten Präsidenten Lee Myung-bak der Bestechung und der politischen Einflussnahme zugunsten Paks angeklagt (6): Lee Jong-chan (Ex-Sekretär von Präsident Lee), Choo Bu-ghil (ebenfalls ein ehemaliger Sekretär des amtierenden Präsidenten Südkoreas), sowie Chun Shin-il (auch geschrieben Shin-il Chun, Cheon Sin-il ), dem Chef eines der drei größten Touristikkonzerne Südkoreas sowie ebenfalls prosperierenden (und mutmaßlich mit diversen Computerspezialisten versehenen) IT-Unternehmens „Sejoong Namo Tour“ (7).

Lee Jong-chan wird nun zusammen mit „Sejoong Namo Tour“-Konzernchef Chun durch die Untersuchungsbehörden beschuldigt, Park zwischen Juli und November 2008  dabei geholfen zu haben, die anstehende Steuerprüfung seines „Taekwang“-Konzerns zu fälschen. Lee Jong-chan wird ebenfalls verdächtigt, bereits 2003 von Park 540 Millionen südkoreanische Won (etwa 99.000 Euro) erhalten zu haben.
Ebenfalls unter Korruptionsverdacht: der ehemalige Chef der südkoreanischen Steuerbehörde, Han Sang-ryule, welcher sich gerade in den USA aufhält (6).

Wie aber kam es dann zu den Vorwürfen gegen den nun so plötzlich verstorbenen Ex-Präsidenten Rho?

DIE VORWÜRFE GEGEN RHO

Anfang 2009 war Rhos älterer Bruder, Rho Gun-Pyeong, wegen Bestechung verurteilt worden. Laut den Ermittlungsbehörden bekam dessen Schwiegersohn Yeon Cheol-ho von Park 5 Millionen Dollar. Rhos früherer Sekretär, Chung Sang-moon (auch geschrieben Jung Sang-moon,) organisierte die Transaktion (8).
Vermuteter Hintergrund: Yeon eröffnete ein Start Up-Unternehmen, an dem Rhos Sohn Geon-ho mit dem Geld Parks der Hauptanteilseigner wurde (16).

Trotzdem hatten die Korruptionsermittler den Verdacht, das Geld sei für den früheren Präsidenten selbst bestimmt gewesen. Dazu hiess es in der „Korea Times“ (8) am 7.April:

„Rho nahestehende Vertraute bestätigten die Transaktion aber sprachen davon, dass diese als legitimes Investment getätigt worden sei“

Die Formulierung „Rho nahestehende Vertraute“ („aides close to Rho“) muss man sich in diesem Zusammenhang gut merken.
Rhos Sekretär Chung wird am 7.April wegen weiteren Geldzahlungen von Park verhaftet. Er soll in einem Briefumschlag 1 Million Dollar Cash vom Sekretär Parks, Chung Seung-young, persönlich in Empfang genommen haben (16).

Sofort nach der Verhaftung seines Sekretärs Chungs nimmt Rho, ganz im Sinne der heimischen Tradition, für „seine Familie“ schamerfüllt alle Schuld auf sich. Er bezieht die Formulierung „Familie“ ausdrücklich auf seine Frau und spricht von „großer Schande“. Man solle nicht Chung, sondern ihn verantwortlich machen.

Seine Frau habe sich Geld von Park borgen wollen – 1 Million Dollar. Rho erklärt, er habe „Schulden“ damit begleichen müssen (9).
Seltsamerweise geht es ihm nach Presseberichten zu diesem Zeitpunkt finanziell besser denn je. Seine Einkünfte aus Aktien sind gestiegen (17).

Nun stehen also insgesamt 6 Millionen Dollar im Raum, die vom Chef des „Taekwang“-Konzerns Park Yeon-cha an den ex-Präsidenten Rho geflossen sein sollen. Doch nicht eine einzige Zahlung an Rho selbst ist belegt. Es gibt nur Vermutungen, Gerüchte und einen immensen Druck der Ermittlungsrichter, welche ständig neue Meldungen an die Presse geben.

Dazu kommt: sämtliche bis zu diesem Zeitpunkt von Konzernchef Park bekannt gewordenen Zahlungen – 6 Millionen Dollar – sind ausnahmslos über Rhos Sekretär Chung geflossen.

Am 30.April wird Rho dann durch die Korruptionsermittler verhört. Es ist eine öffentliche Hinrichtung.
Rho beteuert, von Zahlungen Parks an seine Familie nichts gewusst zu haben. Seine Frau beteuert öffentlich, ihr Mann hätte sich im Haushalt nicht um das Finanzielle gekümmert, das habe sie gemacht (auch in asiatischen Haushalten eine denkbar plausible Aussage.)
Park wiederum, der im Dezember verhaftet worden war, behauptet, er habe

„Geld gegeben auf Anforderung des früheren Präsidenten Rho.“

Während des gesamten Verhörs durch die Untersuchungsrichter, bei dem Rho keine Fragen beantwortet und nur ein paar formale Statements abgibt, sitzt neben ihm (10) ausgerechnet sein ehemaliger Stabschef Moon Jae-in, welcher später am Tage seines Todes im Krankenhaus vor der Presse stehen wird, um entschieden mehr über dessen angebliche Umstände zu wissen als er eigentlich kann.

Am 5.Mai nun wird folgende Version Parks bekannt: er habe die 5 Millionen Dolllar in den letzten Tagen von Rhos Präsidentschaft an dessen Nichte überwiesen.

Vermutung der Ankläger: dieses Geld sei letzten Endes bei Rhos Sohn gelandet, welcher damit in ein Computerprogramm investieren haben wollte, was der ehemalige Präsident selbst entwickelt haben soll. Das Ganze habe sich im Januar 2008 abgespielt, Rho habe davon erfahren, ergo sei er noch während seiner Amtszeit bestochen worden, da er zwar schon abgewählt worden war aber erst im Februar 2008 aus dem Amt geschieden sei.

Des Weiteren behaupten die Ankläger nun öffentlich, dass Park die andere im Raum stehende Summe – 1 Million Dollar – an Rhos Frau Kwon Yang-sook übergeben habe. Das Präsidentenpaar habe diese Summe für ihre Kinder benutzt, welche in den USA studierten. Kwon habe selbst „eine größere Summe“ in die USA überwiesen. (11)

Am 8.Mai dann wird es richtig interessant. Nun hei?t es: im Juni 2007 sei von Park die Summe von 1 Million Dollar an die weitläufige Präsidenten-Residenz Südkoreas transferiert worden: das Cheong Wa Dae (12). Das „Blaue Haus“, wie es im englischsprachigen Raum auch genannt wird, umfasst mehrere Gebäude, u.a. die des Stabschefs und des Sekretärs des Präsidenten.(13)

Chef des Cheong Wa Dae in 2007: Rhos damaliger Stabschef Moon Jae-in
(14).
Seit dem 10.Mai angeklagt 324.000 Dollar Bestechungsgeld von Park angenommen, sowie ca. 1 Million Dollar aus Geldern des Cheong Wa Dae veruntreut zu haben: Rhos ehemaliger Sekretär, Chung Sang-moon.
(15)

Die ehemalige First Lady Südkoreas Kwon Yang-sook gibt nun bei Verhören gegenüber den Ermittlungsbehörden folgendes Statement ab: sie habe von der einen Million Dollar Parks 700.000 ihrem Sohn und ihrer Tochter in den USA gegeben. Einen Teil davon habe sie überwiesen, einen Teil davon diesen in bar in die Hand gedrückt, als diese Südkorea besucht hätten.
Zum Rest, ungefähr 300.000 Dollar, bleibt sie schweigsam. Sie habe eine „Schuld begleichen“ müssen, so die Ex-Präsidentengattin. (12)

Am 12.Mai geben die Untersuchungsbehörden dann bekannt, dass 2 Monate nach der Zahlung Parks in Höhe von 1 Million Dollar an die südkoreanische Präsidenten-Residenz Cheong Wa Dae, im September 2007 eine Überweisung von 400.000 Dollar von den Konten der Bank APC (im Besitz von Park) an einen Immobilienhändler in New York erfolgte, welcher zu dieser Zeit mit der Tochter Rhos zusammen gewesen sein soll. Die Ankläger: dies sei auf Anforderung Rhos geschehen, dafür sei ein Haus in Manhattan für den Sohn Rhos gebaut worden (14).

Nun stehen also nicht nur die 1 Million im Raum, die Rhos Sekretär Chung (offensichtlich unter Moons Mitwisserschaft als Chef der Präsidentenresidenz) von Parks Sekretär bekam und welche Rhos Frau Kwon bei ihrer Aussage eingestanden hatte; jetzt geht es um eine weitere Zahlung.

Daraufhin Auftritt Moon: Rhos ex-Stabschef und „Vertrauter“ („aide“) liefert am 13.Mai die wildesten Erklärungen über diese obskuren in die USA überwiesenen 400.000 Dollar. Er behauptet weiterhin, es habe sich bei dieser Zahlung Parks insgesamt nur um eine Million gehandelt (18):

Ich schätze, Kwon (Anm: Rhos Ehefrau) konnte mit den Anklägern nicht über die Übersee-Überweisung reden, weil sie dachte ihre Tochter wäre involviert und Park sagte früher aus, dass er insgesamt eine Million Dollar an die Rho Familie in Korea übergeben hatte. Aber er gab 600.000 in chash und die Überweisung von 400.000 Dollar war bereits geplant.“

Demgegenüber hatte Park in Haft ausgesagt, dass er Präsident Rhos Sekretär Chung im Sommer 2007 eine Million Dollar cash hatte übergeben lassen. Ein Ankläger gab folgende merkwürdige Erklärung ab:

„Wir haben die Aufzeichnungen des Währungstausches zusammen mit der Aussage Chungs, dass er das Bargeld zählte um zu bestätigen, dass es sich um 1 Million Dollar handelt. Chung sagte ausserdem, dass er Park gebeten hatte zusätzlich 400.000 Dollar an einen US-Immobilienhändler zu überweisen

Der Sekretär des damaligen Präsidenten Rho sagt bei einem konspirativem Treffen mit dem Sekretär eines Konzernchefs – welcher das halbe Land mit Bestechungsgelder zupflastert, u.a. an die höchsten Berater seines politischen Erzfeindes und späteren Nachfolgers Lee Myung-bak – Chung sagt also bei diesem konspirativem Treffen dem Sekretär von Konzernchef Park, er solle eine nachvollziehbare Überweisung an einen Immobilienhändler in New York tätigen welcher mit Rhos Tochter zusammen ist? Während gerade extra eine Bargeldübergabe stattgefunden hat?

Nach dem „Selbstmord“ Rhos am Samstag zeigt sich das Justizministerium des amtierenden Präsidenten Lee, welches den Ex-Präsidenten über Monate ohne einen Beweis gegen ihn rücksichtslos drangsaliert und in die Enge getrieben hatte, plötzlich erschüttert und sehr kulant.
Die Lee-Regierung verkündet die Einstellung aller Ermittlungen (19).

Es wird am Todestag Rhos außerdem bekannt, dass die Ankläger am 11.April seine Ehefrau heimlich verhört hatten. Dort habe sie ausgesagt, sich über Rhos Sekretär Chung die eine  Million Dollar Bargeld von Park beschafft zu haben, um

„persönliche Schulden ohne Rhos Wissen zurückzuzahlen.“

Der Leibwächter Rhos, welcher seine Version von den Todesumständen Rhos bei der ermittelnden örtliche Polizeibehörde mehrfach änderte, wurde Rho von der Präsidenten-Residenz Cheong Wa Dae seines Nachfolgers Lee Myung-bak gestellt (20). Es wird durch die Polizei von der Tonaufnahme eines Funkspruchs des Leibwächters gesprochen, wo dieser angeblich gesagt habe: „Ich habe ihn verpasst. Ich kann ihn nicht sehen“. Ein Polizeibeamter äußerte dazu, man wisse nicht, wann diese Kommunikation stattgefunden habe. Dabei ist die viel interessantere Frage mit wem, falls die Aufnahme echt ist.

Bis heute ist nicht eine einzige Zahlung an Rho durch Park oder einen anderen Konzernboss bewiesen worden. Anzunehmen ist vielmehr, dass Rhos Frau erpresst worden ist. Ebenso, dass sein ehemaliger Stabschef und späterer Anwalt Moon, sowie sein Sekretär Chung Gelder beiseite schafften. Fakt ist jedenfalls, dass der ehemalige Präsident Rho, abseits der Korruptionsaffäre, wegen irgendetwas zwar tief erschüttert war, sein angeblicher „Selbstmord“ aber die Behauptung von einem Lügner ist, nämlich die des vom Präsidentenpalast abgestellten Leibwächters. Der auf Rhos Computer in Windeseile gefundene „Abschiedsbrief“ hätte von jedem geschrieben werden können und ist nichts wert.

HOFFNUNG EINER GENERATION

Rho war 2003 als der Hoffnungsträger einer Generation angetreten, die in den 60er Jahren geboren wurde und die Nachkriegszeit mit ihrer politischen Repression endgültig satt hatte. Trotz aller Fehler schaffte er die Anfänge einer Verständigung mit dem Norden. Sein Nachfolger Lee schaffte es dagegen seit seinem Amtsantritt 2008 jeden noch so kleinen Ansatz von Fortschritt und Souveränität jenseits US-amerikanischer Vorherrschaft zunichte zu machen, den Süden Koreas explizit den japanischen Konzernen praktisch zum Fraß vorzuwerfen und die Aussöhnungspolitik mit dem Norden in enger Absprache mit der Bush-Regierung auf das Gründlichste zu ruinieren. Die Lebensmittel- und Saatgut-Lieferungen in den Norden wurden eingestellt und der Hardlinerflügel in Pjöngjang mit Argumenten versorgt.

Die neue Washingtoner Regierung unter Präsident Barack Obama hat diese Politik ihrer Vorgängerregierung eins zu eins fortgesetzt. Das Manöver „Key Resolve (Team Spirit)“, das Südkorea und die USA vom 9. bis zum 20.März nahe der Grenze Nordkoreas  abhielten, gleichzeitig mit Flottenmanövern vor Iran (22), sprach diesbezüglich eine deutliche Sprache: Ein US-Flugzeugträger, 26.000 amerikanische, sowie 30.000-40.000 südkoreanische Soldaten nahmen offiziell daran teil (23).

Noch immer sind 28.000 US-Truppen in Südkorea stationiert (zusätzlich zu den 680.000 südkoreanischen Soldaten). Die US-Militärpräsenz zur See, an den Grenzen des Luftraums und durch die Kapazitäten einer Weltraummacht ist eine ständige, permanente BedRhoung des Norden Koreas, welcher sich seit Jahrzehnten um einen Friedensvertrag mit den USA bemüht und so naiv war anzunehmen, die neue Washingtoner Regierung würde 56 Jahre nach dem Tod von 3 Millionen Koreanern im Koreakrieg endlich darüber verhandeln wollen.

Am Montag, zwei Tage nach dem Tode Rhos, kondolierte Diktator Kim Jong Il der Familie des toten ehemaligen Präsidenten im Süden (21):

„Angesichts der zu vernehmenden Nachrichten, dass der frühere Präsident Rho Moo Hyun in einem Unfall gestorben ist, bringe ich Witwe Kwon Ryang Suk und ihrer hinterbliebenen Familie mein tiefes Mitgefühl zum Ausdruck.“

Am gleichen Tag zündete Nordkorea unterirdisch eine Atombombe.

(…)

Quellen:
(1) http://www.tehrantimes.com/index_View.asp?code=195297
(2) http://www.zeit.de/online/2009/22/suedkorea-Rho-tod
(3) http://www.koreaherald.co.kr/NEWKHSITE/data/html_dir/2009/05/27/200905270100.asp
(4) http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/1769316_Suedkorea-Mr.-Clean-springt-in-den-Tod.html
(5) http://en.wikipedia.org/wiki/Rho_Moo-hyun
(6) http://www.koreatimes.co.kr/www/news/nation/2009/05/113_45059.html
(7) http://www.fujitsu.com/global/services/computing/server/primequest/casestudies/sejoong-namo-tour.html
(8) http://www.koreatimes.co.kr/www/news/nation/2009/04/113_42721.html
(9) http://english.chosun.com/site/data/html_dir/2009/04/08/2009040861009.html
(10) http://english.hani.co.kr/arti/english_edition/e_national/352824.html
(11) http://joongangdaily.joins.com/article/view.asp?aid=2904388
(12) http://www.koreatimes.co.kr/www/news/nation/2009/05/117_44594.html
(13) http://en.wikipedia.org/wiki/Cheong_Wa_Dae
(14) http://english.chosun.com/site/data/html_dir/2009/05/13/2009051300410.html
(15) http://www.koreaherald.co.kr/NEWKHSITE/data/html_dir/2009/05/12/200905120048.asp
(16) http://www.koreatimes.co.kr/www/news/nation/2009/04/116_42963.html
(17) http://english.chosun.com/site/data/html_dir/2009/04/08/2009040861019.html
(18) http://www.koreatimes.co.kr/www/news/nation/2009/05/113_44863.html
(19) http://www.koreaherald.co.kr/NEWKHSITE/data/html_dir/2009/05/23/200905230068.asp
(20) http://english.hani.co.kr/arti/english_edition/e_national/357211.html
(21) http://www.kcna.co.jp/index-e.htm
(22) http://www.radio-utopie.de/2009/03/03/Flottenmanoever-vor-Iran-und-Nordkorea-USA-vor-dem-Abgrund-der-Geschichte
(23) http://rawstory.com/news/afp/NKorea_raps_US_SKorean_exercise_aft_03032009.html

letzte Korrektur: 15.38 Uhr, 28.05.

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