Partnernetzwerk: Deutsche Medien, Wikipedia (D) und der „Krieg“ in Sri Lanka

Der nachfolgend veröffentlichte Artikel wurde dem Partnernetzwerk vom Verfasser mit der Bitte um Aufnahme übermittelt. Wir haben uns für eine Weiterleitung entschieden, weil die angeführte Argumentation glaubhaft und – wenigstens im Internet – nachvollziehbar ist. Darüber hinaus halten wir eine breitere Verteilung der Informationen angesichts der aktuellen Weltlage, bei deren Eskalation die NATO und auch die „bundesdeutsche Politik“ eine maßgebliche Rolle spielt, für unerlässlich.

Von JvP, 14.05.09 | (der vollständige Name ist dem Partnernetzwerk bekannt)


Wie die deutschen Medien und Wikipedia-deutsch den Massenmord an tamilischen Ceylonesen (Sri Lanka) unterstützen:

1.) Das Verschweigen

Seit Wochen tobt ein Auslöschungskrieg der übermächtigen (singhalesischen) Regierungsstreitkräfte Sri Lankas gegen die praktisch völlig wehrlosen Ceylonesen tamilischer Ethnik. In den deutschen Medien erfahren wir jedoch praktisch nichts darüber (es gab nur eine Handvoll Ausnahmen, welche zudem möglichst noch am selben Tag in die unauffindbare Tiefe des Internets verschoben wurden; z. B.: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,610183,00.html oder http://www.neues-deutschland.de/artikel/147914.vergessenes-sri-lanka.html ).

Stattdessen wird das Thema konsequent aus dem Blickfeld  der Bürger entfernt.

a) Jede erdenkliche ‚Sau‘ wird durch das Berichterstattungs’dorf‘ getrieben – notfalls sogar eine nichtexistierende Sau, wie die der „Schweinegrippe“.

b) Dort wo die Informationen über die ethnischen Säuberung auf Ceylon/ in Lanka schon seit Wochen hingehört hätten – auf die erste Seite – werden wir mit „Gafferjournalismus“ abgespeist. Z. B. mit der für die betroffenen sicherlich tragischen Hochzeitsmassaker in der Türkei.

c) Im Fernsehen werden uns diese aktuellen Sachen vorenthalten, indem wir mit nur nach hinten blickenden ollen Kamellen vom Fall der Mauer oder vom kalten Krieg oder von der Nazizeit zugemüllt werden. Bei letzterem ist zudem besonders abstoßend, daß die fortlaufende angebliche ‚Geißelung‘ der Nazizeit gerade von denen betrieben wird, die die Reinstallation von Angriffskriegen und eines Spitzel- und Überwachungsstaats in unserem Land gar nicht genug bejubeln konnten.

2.) Das Verfälschen

Wer die fast lückenlose Mauer des offiziösen Nachrichtenhorizonts durchdringen kann, stößt auf eine fast ebenso undurchdringliche  zweite Mauer der systematischen Verfälschung. Nur wer bereits ausreichende eigene Kenntnisse hat, vermag diese noch zu durchdringen.

Beispiel Wikipedia-deutsch: Geht man auf die Seite „Sri Lanka“, http://de.wikipedia.org/wiki/Sri_Lanka , liest man:

„Durch Jayawardenes Politik eskalierte der Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen ab 1983. Die radikalen Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), die den unabhängigen Tamilenstaat fordern, erhielten starken Zulauf. 1986 eroberten die Milizen der LTTE die fast ausschließlich von Tamilen bewohnte Jaffna-Halbinsel  ….“

Genauso wie es früher im Deutschen Fernsehen von den Bürgern des Ostblocks immer hieß, diese hätten längst gelernt „zwischen den Zeilen ihrer Regierungspresse zu lesen“, können wir das inzwischen auch:

Da wird also von Wikipedia ausgeführt

„eskalierte der Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen ab 1983“

.. aber wir hören dann nicht,  was da konkret in „1983“ passierte. und wir hören auch nicht warum die  „Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) starken Zulauf (erhielten)“… Das zitierte Jahr „1983 “ läuft also leer und als nächstes Jahr wird plötzlich schon das Jahr „1986“ genannt.

Bei einer Videoaufnahme würden wir davon sprechen, daß uns auffalle, daß hier ‚geschnitten‘ wurde.

Was herausgeschnitten wurde, kann man hier lesen:

„Der schwarze Juli“: http://www.sri-lanka-board.de/showthread.php?t=2047

Und  (leider nur auf Englisch): „Black July“: http://en.wikipedia.org/wiki/Black_July

3.) Was wirklich geschah

In den Medien wird allenthalben vom Kampf der Lanka-Regierung gegen die „Terroristen“ der LTTE gesprochen. Nichts könnte der Wahrheit ferner sein.

Denn bei dem „Krieg“ handelt es sich nur um die Fortsetzung der ethnischen Säuberung durch die – vermeintlich: „arischen“ – Singhalesen. Diese Säuberung begann in der ersten Hälfte der 1980ger Jahren. Damals noch wohnten die Tamilen – wie schon seit Jahrtausenden – verstreut über der ganzen Insel und Tür-an-Tür mit ihren singhalesischen Nachbarn. Nun wurden die auf der ganzen Insel lebenden tamilischen Familien allenthalben vertrieben oder ermordet. Man trieb sie damals im Norden und Nordosten der Insel zusammen.

Den zumeist tüchtigeren Tamilen (so ein erfahrener Ceylon-Kenner vor Jahren zu mir) gehörten auch zahllose Hotels Fabriken, Geschäfte, Arzt- und Rechtsanwaltspraxen usw. Sie wurden aber alle entschädigungslos enteignet. Angesichts des Rassewahns auf singhalesischer Seite darf man hier durchaus von einer „Arisierung“ sprechen.

Damals erst entstand die Rebellenbewegung „LTTE“ erst wirklich. Dies auch erst nachdem die politischen Vertreter der Tamilen, trotz des Genozids und der Massenvertreibung, in der zweiten Hälfte der 1980ger Jahre bis in die 1990ger Jahre hinein fortlaufend mit friedlichen und stets sinnvollen Vorschlägen den allein sinnvollen politischen Versöhnungsprozeß in Gang zusetzen versucht hatten. Sie wurden aber jedes mal im von Singhalesen dominierten Parlament kalt abserviert, wenn sie nicht sogar verfolgt und ermordet wurden. Gerade die norwegische Politik war damals sehr engagiert und versuchte – durchaus mit Erfolg – der erneuten Aufstachelung zum Genozid an der tamilischen Minderheit entgegenzutreten.

Die nun militant auftretende LTTE war seither der einzige politische Arm und der einzige Vertreter der Bürger Lankas, die tamilischer Ethnik waren. Die Ausrottung oder zumindest Vertreibung der tamilischen Ceylonesen von der Insel (rüber nach Tamil Nadu) hatte bis zu diesem Jahr allein die LTTE erfolgreich verhindern können.

Bereits der große Tsunami vor einigen Jahren traf die im Norden und Nordosten zusammengetriebenen und in ärmsten Verhältnissen lebenden Tamilen (von den landesüblichen Einnahmen aus dem Tourismus waren sie völlig abgeschnitten) viel härter als die singhalesischen Bewohner in anderen Teilen der Insel. Gleichwohl wurde die Hilfe der reichen Industriestaaten damals praktisch ausschließlich in die singhalesischen Gebiete geleitet.

Nun wollen unsere Nato-Medien, daß dieser Genozid nicht zum Thema wird. Und bisher sind sie auch, wie so häufig, mit ihrem mörderischen Schweigen genauso erfolgreich wie sonst mir ihren mörderischen Lügen.

Denn die Nato hat in Südasien auf die „indische Karte“ gesetzt. Und die indische Bundesregierung steht schon seit Jahrzehnten hinter der (singhalesischen) Regierung Lankas und marschierte unter Rajiv Ghandi sogar im Norden der Insel mit großen Truppen ein, um eine Massaker unter den dort zusammengetriebenen Tamilen zu veranstalten. (Der Premier Rajiv Ghandi wurde deshalb zur Vergeltung von einem Kommando der LTTE getötet).

Daß die indische Regeierung seit Jahrzehnten im eigenen Bundesstaat Tamil Nadu, wo man selbstverständlich mit den Tamilen auf Ceylon bzw. in Lanka sympathisiert, mit ihrer Lanka-Politik Probleme hat, nimmt man in Delhi in Kauf. Denn der Bundesstaat Tamil Nadu spielt in Delhi jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Er ist letztlich auch nur  ein Bundesstaat auf dem riesigen Halbkontinent der indischen Union.

JvP

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