NS-Verbrechen 1939-45 versus Gaza 2007-09

Der Grund für diesen Artikel, der zwar einerseits zu den zuvor veröffentlichten passt, eigentlich aber besser in das in Vorbereitung befindliche „neue Jahrhundertwerk“ des Blogs passen würde, ist ein Beitrag bei stern.de, der bereits am 18. März geschrieben wurde, mir aber erst gestern (20.03.) per Online-Abo ins Haus flatterte … und nachdem ich diesen gelesen sowie mit den teilweise von mir selbst weiter verbreiteten Nachrichten aus Israel / Gaza verglichen hatte, ging mir nicht nur der Hut hoch, sondern ich fühlte mich von diesem abstrusen Irrsinn emotional und intellektuell  buchstäblich wie vor den Kopf geschlagen …

Schon der Titel Späte Sühne für Nazimorde des Artikels von Kerstin Schneider weckte in mir jenes Gefühl, das Roberto J. De Lapuente in anderem, aber irgendwie allgemein gültigen Sinne so trefflich mit Das Unerträgliche umschrieben und kommentiert hatte. Als ich dann auch noch sah, dass es sich um den „Fall Demjanjuk“ handelt, mit dem ich im Rahmen der Vorarbeiten meines lange angekündigten Hauptwerks zum Themenkomplex „Holocaust und NEUER Antisemitismus“ rund um den Eichmann-Prozess kollidierte, hatte ich endgültig genug …

Um das von vornherein klarzustellen: ich war und bin absolut dafür, dass man alle Arten von Verbrechen, die während der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland an Juden (und anderen ethnischen oder sonstigen „Randgruppen“, einschließlich systemkritischer Andersdenkender) begangen wurden, auch heute noch bestraft werden müssen, wenn den Tätern ihre Schuld 64 Jahre nach Kriegsende wirklich zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. Ich stehe absolut auf dem Standpunkt, dass es für Verbrechen dieser Art keine Verjährung geben darf.

Aber wenn man dies mit Anspruch auf Glaubwürdigkeit und Rechtmäßigkeit verlangen und sogar durchführen möchte, sollte man auch denselben Willen dafür aufbringen, die wahren Hintergründe und Umstände dieser Zeit aufzuklären. Wenn ich einerseits heute noch mutmaßliche NS-Verbrecher jage und vor Gericht zu stellen beabsichtige, dann darf ich die Umstände, unter denen sie zu Verbrechern wurden, nicht als eine unantastbare Grauzone behandeln, in die kein Licht gebracht werden soll – dies wird bei uns sogar unter Strafandrohung verboten … Sorry, aber das passt einfach nicht und es darf sich niemand wundern, wenn eine derartige Praxis bei objektiv-kritisch denkenden Menschen zwangsläufig Zweifel wecken muss!

Dazu gehört im übrigen auch die Klärung der Frage, wie es angeblich 50.000 NS-Verbrechern gelingen konnte, sich in die USA abzusetzen … warum zahllose, darunter auch führende NS-Verbrecher über die sogenannte Rattenlinien oder Klosterrouten hauptsächlich nach Argentinien entkommen konnten … oder warum trotz Nürnberger Prozessen und der zum Hauptziel der Alliierten erklärten „Entnazifizierung“ Deutschlands etliche führende NS-Mitläufer (nicht nur in Deutschland) ihre politische, juristische, unternehmerische oder wissenschaftliche „Karriere“ weitestgehend unbehelligt fortsetzen durften?

Diese Liste von drängenden Fragen ließe sich wahrscheinlich noch beliebig fortsetzen, aber die wichtigsten Punkte sollten damit aufgelistet sein! – Einige Antworten dazu habe ich ja schon geliefert und möchte hier und jetzt nicht weiter darauf eingehen.

Noch weniger akzeptabel wird diese Ungleichbehandlung von historischen Fakten jedoch, wenn man sich einen sechsseitigen Sternartikel rund um den bevorstehenden Prozess gegen einen mutmaßlichen NS Verbrecher (den die Israelis schon vor Gericht gehabt und zum Tode verurteilt hatten, bevor sie ihn wegen „begründeter Zweifel“ wieder ziehen lassen mussten, und der jahrzehntelang in den USA lebte) anschaut und diese leidenschaftliche journalistische Arbeit mit dem medialen Umgang mit jenem himmelschreienden und menschenverachtenden Unrecht vergleicht, dass zwar nicht erst, aber in seiner brutalsten Form seit Juni 2007 an der palästinensischen Zivilbevölkerung begangen wird!

Darauf werde ich in absehbarer Zeit – wie bereits angekündigt, zumindest teilweise auf den Studienergebnissen von Norman G. Finkelstein aufbauend – in einem gesonderten Artikel umfassend eingehen. Die Begründung dafür, warum ich diese Ungleichbehandlung von durchaus vergleichbaren Verbrechen für absolut unerträglich halte, möchte ich heute lieber in Gestalt der Verlinkung einiger Artikel liefern, die das Thema genauso schonungslos offen behandeln, wie ich es für richtig und im Sinne von Menschlichkeit, Frieden und Gerechtigkeit in der Welt auch unerlässlich halte …

Freeman auf Alles Schall und Rauch

Ajaz Zaka Syed auf Lebenshaus Schwäbische Alb

Susanna Böhme-Kuby in Ossietzky

Principiis obsta

Aber auch bei uns kann man nachlesen (bitte auch die eingebetteten Links beachten!) hier ~ hier ~ hier ~ hier ~ hier ~ hier ~ hier ~ hier ~ hier ~ und nicht zuletzt hier und hier

Ebenso wenig darf es als hinnehmbar angesehen werden, wenn ein politisch-militärisches Regime wie das israelische die demokratisch gewählte politische Vertretung der Menschen in Gaza als „Terroristen“ abstempelt (natürlich unter Zustimmung und mit Unterstützung der EU, USA usw.) und alle Verhandlungen mit ihr deshalb kategorisch ablehnt, während es selbst Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen von kaum vorstellbarem Ausmaß begeht!

Jeder Mensch, der sich mit diesem Thema befasst, muss sich an die Realitäten halten und darf sich nicht länger einer zionistischen Indoktrinierung unterwerfen, die vor allem in den USA ersonnen und dann als weltweit bestimmende (und verordnete) Sicht der Dinge verbreitet wurde. – Dazu kann und möchte ich mich zu dieser frühen Stunde nicht mehr eingehender äußern, werde es aber wie gesagt im Laufe der nächsten Woche durch die angekündigte Veröffentlichung meiner abschließenden „betrachtenden und analytischen Stellungnahme“ zu diesem Themenkomplex nachholen!

Schlussbemerkung:

Inwieweit es bei der Vorgeschichte des Falles Demjanjuk als berechtigt und angemessen bezeichnet werden kann, wenn man deutschen Autoritäten Versäumnisse vorwirft, interessiert mich in diesem Zusammen ehrlich gesagt nicht sonderlich. Da gäbe es in der Tat andere Fakten, die ich von unserer Regierung endlich offen gelegt und öffentlich diskutiert sehen würde!

Fakt und Hauptgrund für diesen Artikel ist aber, dass die scheinheilige und auf unmenschliche Weise verlogene Doppelmoral bei der Betrachtung und Behandlung von gleichwertig als verbrecherisch zu bezeichnenden Handlungen von Staaten endlich aufhören und auch die politische und militärische Führung Israels (und nebenbei bemerkt auch die der USA!) für diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Frieden zur Rechenschaft gezogen werden. Das wäre ein Beginn … und er würde nicht nur der „zivilisierten Welt“ gut zu Gesicht stehen, sondern wahrscheinlich auch trotz alles Misstrauens und aller Vorurteile auf beiden Seiten einen echten Friedensprozess im Nahen Osten ermöglichen.

Da man „so etwas“ von unseren gleichgeschalteten und von den Eliten abhängigen Medien und noch viel weniger von unseren Politmarionetten verlangen und erwarten darf, sollten wir normalen Menschen wenigstens anfangen und im Umgang mit dieser Wahrheit, aber auch mit uns selbst und unterschiedlichen Ansichten mit gutem Beispiel vorangehen …

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